NLG bei Parkinson: Definition, Diagnose und neurologische Untersuchungen

Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem das motorische System betrifft. Die Diagnosestellung und die Abgrenzung zu anderen neurologischen Erkrankungen erfordern eine umfassende neurologische Untersuchung, die verschiedene technische Verfahren umfasst. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) im diagnostischen Kontext der Parkinson-Krankheit und gibt einen Überblick über weitere relevante Untersuchungsmethoden.

Die Bedeutung der NLG (Nervenleitgeschwindigkeit) bei Parkinson

Die Elektroneurographie (ENG) ist ein diagnostisches Verfahren zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) von motorischen und sensiblen Nervenbahnen peripherer Nerven. Obwohl die Parkinson-Krankheit primär eine Erkrankung des zentralen Nervensystems ist, können periphere Neuropathien als Begleiterkrankungen oder Folge von Medikamenteneinnahme auftreten. In solchen Fällen kann die ENG helfen, Nervenbahnenverletzungen zu lokalisieren und Nervenerkrankungen (Neuropathien) zu charakterisieren. Die Nervenleitgeschwindigkeit wird elektrisch mit Hilfe von Elektroden abgeleitet und aufgezeichnet. Die Messung erfolgt an einer Stelle des Armes oder Beines, von der aus der zu untersuchende Nerv gut zugänglich ist.

Die Nervenleitgeschwindigkeit wird nicht direkt gemessen, sondern errechnet. Dazu wird der zu untersuchende Nervenstamm an einer gut zugänglichen Stelle durch einen elektrischen Reiz stimuliert (Dauer: ca. 0,1-1 Sekunde; Frequenz: ca.). Die Aktionspotenziale (elektrische Erregungswellen des Nerven) werden unter Berücksichtigung der Zeit und der Amplitudengröße am entsprechenden Muskel abgeleitet. Bei Ableitung der Muskelerregung (Muskelaktionspotenzial) wird die Zeit der Übertragung der Erregung auf die Muskulatur ebenfalls gemessen. Es gibt zwei verschieden Nervenleitgeschwindigkeiten, die sensible NLG und die motorische NLG. Die Nervenleitgeschwindigkeit wird in Metern/Sekunde angegeben und beträgt bei einem gesunden Erwachsenen ca.

Eine weitere Untersuchungsmöglichkeit der Elektroneurographie ist die elektrodiagnostische Reflexuntersuchung des Blinkreflex (Orbicularis-oculi-Reflex). Diese Untersuchung wird z. B. dem Nachweis / Ausschluss von Nervenläsionen (axonale oder eine demyelinisierende Schädigung)der Differenzierung von Polyneuropathien (generalisierte Erkrankung des peripheren Nervensystems, z. B.

Weitere neurologische Untersuchungsmethoden bei Parkinson

Neben der NLG gibt es eine Reihe weiterer neurologischer Untersuchungsmethoden, die bei der Diagnose und Verlaufskontrolle der Parkinson-Krankheit eingesetzt werden.

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Elektroenzephalographie (EEG)

Die Elektroenzephalographie (EEG) ist eine einfache und schmerzlose Methode, bei der die elektrische Aktivität des Gehirns registriert und ausgewertet werden kann. Obwohl das EEG nicht primär zur Diagnose von Parkinson eingesetzt wird, kann es in der Abklärung von Begleiterscheinungen wie Schlafstörungen oder Demenz hilfreich sein. Bei der Untersuchung werden auf der Kopfhaut Metallplättchen (Elektroden) aufgesetzt (meist 21). Zwischen jeweils zwei Elektroden werden in verschiedenen Kombinationen die elektrischen Spannungsunterschiede gemessen, mit einem speziellen Gerät verstärkt und schließlich als Hirnstromwellen aufgezeichnet. Dieses elektrische Potenzial bauen die Nervenzellen selbst auf.

Evocierte Potentiale

Evocierte Potentiale messen die Reaktion des Gehirns auf bestimmte Reize (z.B. visuelle, akustische oder sensible Reize). Jede Störung im Verlauf der Nervenbahnen kann zu veränderten evozierten Potentialen führen (z.B. Tumore, Schlaganfälle, Sehnerventzündung, Multiple Sklerose, Vitaminmangel, Polyneuropathien, Rückenmarkserkrankungen, u.v.m.). Auch eignen sich die Potentiale zur Verlaufskontrolle zur Bewertung des Behandlungserfolges (z.B. Da es sich um eine Untersuchung der Funktion der Nervenbahnen handelt, stellen die evozierten Potentiale eine eigenständige Untersuchungseinheit dar, die auch nicht durch bildgebende Verfahren wie z.B. Kernspinntomographie oder Computertomographie ersetzt werden können. Sie haben in der neurologischen Diagnostik nach wie vor einen hohen Stellenwert.

Elektromyographie (EMG)

Bei der EMG-Untersuchung werden die Muskeln selbst untersucht. Während bildgebende Verfahren Aufschluss über die Struktur eines Muskels geben, dient diese Untersuchung dazu, die Arbeitsfähigkeit eines Muskels zu beurteilen. Bei der Untersuchung wird mit einer feinen Nadel in den Muskel eingestochen und die Muskelaktivität in Ruhe und bei leichter Muskelaktivität untersucht. Dabei können Erkrankungen des Muskels selbst wie auch der zugehörigen Nerven erfasst werden. Der Nadelstich ist ähnlich wie bei einer Impfung kaum schmerzhaft.

Transkranielle Doppler-Sonographie

Die transkranielle Doppler-Sonographie ist eine Ultraschalluntersuchung, mit der die Blutflussgeschwindigkeit in den hirnversorgenden Gefäßen gemessen werden kann. Bei der transkraniellen Beschallung, ausgehend von der Schläfe oder Nackenregion, können die Gefäßabschnitte direkt im Gehirn beurteilt werden. Sollte ein hirnversorgendes Gefäß verschlossen sein, können Aussagen über die Ausbildung von alternativen Blutversorgungswegen getroffen werden (sog. Kollateralenbildung). Insgesamt hat diese Untersuchungsmethode einen sehr hohen Stellenwert in der neurologischen Diagnostik. Sie ist ein fester Bestandteil in der täglichen Arbeit des klinisch tätigen Neurologen geworden.

Carotis-Doppler-Sonographie

Die Carotis-Doppler-Sonographie ist eine Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern. Sie dient dazu, Verengungen (Stenosen) oder andere Veränderungen der Gefäße zu erkennen, die zu Durchblutungsstörungen des Gehirns führen können. Da die großen hirnversorgenden Gefäße sehr oberflächlich in der Halsregion lokalisiert sind, können auch sehr früh Veränderungen, wie sie z.B. Einengungen der Halsschlagadern können ausgemessen und in Prozentpunkten angegeben werden. Einrisse der Gefäßinnenhaut können als Schlaganfallursache identifiziert werden.

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Liquoruntersuchung

Das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) wird von einer Flüssigkeit umspült (Liquor cerebrospinalis = Nervenwasser). Die Menge beträgt etwa 125 ml, eine vollständige Erneuerung findet alle 6 Stunden statt. Spezielle Untersuchungen des Liquoreiweißes sind wesentlich für die Diagnose der multiplen Sklerose, aber auch für die Unterscheidung verschiedener Demenzerkrankungen. Messungen des Liquordrucks sind möglich und geben Rückschlüsse auf bestimmte Erkrankungen (z.B. Mittels einer Lumbalpunktion können Medikamente direkt in das Nervenwasser gegeben werden, z.B.

Videoendoskopische Schluckuntersuchung

Die videoendoskopische Untersuchung ermöglicht die genaue Beurteilung des Schluckvorgangs. Störungen des Schluckvorganges sind bei neurologischen Erkrankungen häufig anzutreffen. Neben Erkrankungen der Hirnnerven treten sie beispielsweise nach Schlaganfällen oder bei der Parkinson Erkrankung auf. Nicht immer bemerkt der Patient das Verschlucken durch einen Hustenreiz oder Räusperzwang. Gelangen Speichel oder Nahrungsreste in der der Lunge, ist die Gefahr von bedeutsamen Komplikationen wie z.B. einer Lungenentzündung sehr groß. Es können Nahrungsmittel unterschiedlicher Konsistenz verabreicht werden, um die an die Schluckstörung angepasste Ernährung bestimmen zu können (z.B. Therapieverfahren (sog. Schlucktraining) konzentrieren sich auf die Wiederherstellung eines sicheren Schluckvorgangs.

Standardisierte Testungen

Mittels Tests zur Demenzabklärung oder anderer Hirnleistungsschwächen kann die Leistung des Gehirns, etwa in Hinblick auf das Gedächtnis, Konzentration, Rechnen, Schreiben und komplexere Aufgaben erfasst werden. Im Rahmen der Demenz-Diagnostik werden neben der Erhebung der Krankheitsgeschichte, eine zerebrale Bildgebung (CCT, cMRT), auch einfache Testverfahren wie der MMSE, Uhrentest, DemTect, MoCA durchgeführt. Diese werden in der Praxis angeboten. Wenn diese Kurztests auffällig sind, kann eine ausführliche Diagnostik mittels einer umfangreichen Testbatterie (z.B. CERAD) erfolgen.

Bildgebung von Gehirn und Rückenmark

MRT-, CT- und andere Bildbefunde werden bis auf die Sonographie nicht in unserer Praxis durchgeführt. Hier arbeiten wir mit den radiologischen Praxen in Leipzig zusammen. Anschließend erfolgt die Besprechung der Befunde in unserer Praxis.

Differenzialdiagnose

Es ist wichtig zu beachten, dass die Parkinson-Krankheit nicht die einzige Erkrankung ist, die ähnliche Symptome verursachen kann. Daher ist eine sorgfältige Differenzialdiagnose erforderlich, um andere mögliche Ursachen auszuschließen. Zu den Erkrankungen, die in Betracht gezogen werden müssen, gehören:

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  • Andere Formen von Parkinsonismus: Dazu gehören beispielsweise die Multisystematrophie (MSA), die progressive supranukleäre Blickparese (PSP) und die kortikobasale Degeneration (CBD).
  • Essentieller Tremor: Dies ist eine häufige Bewegungsstörung, die sich durch Zittern äußert, aber nicht mit den anderen Symptomen der Parkinson-Krankheit einhergeht.
  • Medikamenteninduzierter Parkinsonismus: Bestimmte Medikamente können Parkinson-ähnliche Symptome verursachen.
  • Vaskulärer Parkinsonismus: Diese Form des Parkinsonismus wird durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht.

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