Viele Menschen wünschen sich, möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung leben zu können. Das gilt besonders für ältere Menschen, aber auch für jüngere Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Epilepsie, Diabetes oder Asthma. Der Hausnotruf-Service des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bietet hier ein verlässliches System für mehr Sicherheit und Geborgenheit in den eigenen vier Wänden - rund um die Uhr. Dieser Artikel beleuchtet die Funktionsweise und Vorteile des DRK-Hausnotrufs speziell für Menschen mit Epilepsie.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine hirnbedingte Krampfleiden. Ein Kennzeichen für einen solchen Anfall sind:
- Plötzliches Hinfallen
- Zuckende Bewegungen oder Verkrampfungen
- Bewusstlosigkeit
Während eines Krampfanfalls kann sich der Betroffene durch unkontrollierte Bewegungen verletzen. Es ist wichtig, die krampfenden Arme und Beine nicht festzuhalten und Gegenstände aus dem Umfeld zu entfernen, an denen sich der Betroffene verletzen könnte. Nach dem Anfall sollte der Betroffene bei andauernder Bewusstlosigkeit und vorhandener Atmung in die stabile Seitenlage gebracht werden.
Der DRK-Hausnotruf: Sicherheit auf Knopfdruck
Der DRK-Hausnotruf bietet die beruhigende Gewissheit, dass im Notfall schnell fachkundige Hilfe kommt. Er ermöglicht es, sicher und selbstbestimmt in der vertrauten Umgebung zu wohnen, auch bis ins hohe Alter oder bei besonderen Gesundheitsrisiken. Mit dem Hausnotruf ist man zu Hause nie allein.
Vorteile des Hausnotrufs
- Sicherheit in den eigenen vier Wänden: In jeder Situation, rund um die Uhr.
- Selbstständigkeit und Flexibilität im Alltag: Ermöglicht ein unabhängiges Leben.
- Optimale Betreuung und schnelle Hilfe: Im Notfall sofortige Unterstützung.
- Kompetente und vertraute Ansprechpartner: Die die gesundheitliche Situation kennen.
- Entlastung pflegender Angehöriger: Reduziert die Sorgen und Belastungen der Familie.
- Einfache Installation und sichere Handhabung: Unkomplizierte Bedienung für alle Altersgruppen.
Grundleistungen des Hausnotrufs
- 24-Stunden-Erreichbarkeit: Die Notrufzentrale ist jederzeit für Notrufe erreichbar.
- Verständigung von Familie, Notarzt, Pflegedienst usw.: Je nach Bedarf werden die entsprechenden Personen informiert.
- Kostenübernahme durch Pflegekasse möglich: Bei Vorliegen eines Pflegegrades können die Kosten übernommen werden.
- Bereitstellung und Installation der Geräte inkl. Einweisung: Das DRK kümmert sich um alles, von der Installation bis zur Erklärung der Bedienung.
Wie funktioniert der DRK-Hausnotruf?
Der Hausnotrufanschluss besteht aus einer Basisstation und einem Funksender, der als Armband oder Halskette getragen wird. Der Sender ist stoßfest und wasserdicht, sodass er auch beim Duschen oder Baden getragen werden kann.
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- Der Notrufsender: Wird am Arm oder als Halskette getragen. Im Notfall genügt ein Knopfdruck, um eine Sprechverbindung mit der Zentrale herzustellen.
- Die Hausnotrufzentrale: Erkennt den Anrufer sofort. Ein kompetenter Mitarbeiter des DRK spricht mit dem Anrufer und bewertet die Situation.
- Die Hilfe: Je nach Art des Notfalls schickt die Hausnotrufzentrale Helfer des DRK zum Anrufer oder benachrichtigt die Leitstelle. In unkritischen Situationen kann auch ein Nachbar, ein Verwandter oder eine andere Vertrauensperson informiert werden.
Die Hausnotrufzentrale bleibt solange mit dem Anrufer in Kontakt, bis Hilfe eintrifft. In vielen Fällen kann auch ein Schlüssel beim DRK hinterlegt werden, damit der Rotkreuz-Bereitschaftsdienst vor Ort schnell Hilfe leisten kann, ohne Türen aufbrechen zu müssen.
Spezielle Sensoren für Menschen mit Epilepsie
Neben dem klassischen Notrufknopf bietet das DRK auch spezielle Sensoren, die den Hausnotruf für Menschen mit Epilepsie noch sicherer machen:
- Epilepsie-Detektor: Dieser Detektor überwacht Epilepsieerkrankte im Bett. Der Sensor unterscheidet krampfartige Anfälle von normalen Bewegungen während des Schlafens und löst einen Alarm aus, sobald krampfartige epileptische Anfälle auftreten. Neben einem akustischen Signal wird der Alarm auch an das Hausnotrufgerät übertragen. Der extrem dünne Sensor wird unter der Matratze angebracht und ist für die Person im Bett nicht spürbar.
Wann ist ein Hausnotruf sinnvoll?
Ein Hausnotruf ist besonders sinnvoll, wenn folgende Punkte zutreffen:
- Man lebt allein in der Wohnung.
- Man hat Angst auszurutschen und sich etwas zu brechen.
- Das Baden oder Duschen alleine ist schwierig.
- Manchmal ist einem schwindelig oder man fühlt sich unsicher auf den Beinen.
- Man neigt leicht dazu, zu stürzen.
- Man ist gehbehindert.
- Man ist in der Wohnung schon einmal ausgerutscht oder gestürzt.
- Man hatte schon einmal einen Schwächeanfall.
- Die Augen oder das Gehör werden schlechter.
- Man hatte eine große Operation, deren Folgen einen beeinträchtigen.
- Man hatte schon einmal einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
- Man hat manchmal Gleichgewichtsstörungen.
- Man leidet unter chronischen Krankheiten, die den Alltag bestimmen, z.B. Asthma (bei akuten Anfällen) oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).
Weitere nützliche Sensoren und Zusatzleistungen
Der DRK-Hausnotruf kann mit verschiedenen Zusatzleistungen und Sensoren erweitert werden, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden:
- Funk-Rauchmelder: Dient der Brandfrüherkennung und warnt bei Rauchentwicklung akustisch.
- Funk-Bewegungsmelder: Wird in der Wohnung installiert und setzt die Sicherheitsuhr des Hausnotrufgerätes zurück, wenn er eine Bewegung registriert. So wird sichergestellt, dass auch bei Bewusstlosigkeit Hilfe gerufen wird.
- Zugtaster: Kann am Bett oder in Reichweite der Duschkabine angebracht werden und löst per Zug an der Leine ein Notrufsignal aus.
- Temperaturmelder: Löst einen Alarm aus, sobald starke, plötzliche Temperaturerhöhungen auftreten.
- Gasmelder: Macht auf erhöhte Gaskonzentration in der Luft aufmerksam und bietet Schutz vor Gasexplosionen.
- Wassermelder: Beugt Wasserschäden vor.
- Bettsensor für Demenzerkrankte: Löst ein Alarmsignal aus, wenn die Person nachts das Bett verlässt und nicht innerhalb einer vorher eingestellten Zeit zurückkehrt.
- Medikamentenspender: Gibt zur eingestellten Einnahmezeit ein akustisches Signal ab, bis die Tabletten entnommen werden.
- Funk-Kontaktmelder: Z.B. an der Fußmatte oder dem Türschloss - überträgt je nach Einstellung Meldungen oder Alarme an das Hausnotrufgerät.
- Schlüsselservice: Das DRK verwahrt einen Schlüssel zur Wohnung, um im Notfall schnell Zugang zu ermöglichen.
Mobile Notruflösungen
Für aktive Menschen, die sich regelmäßig außerhalb der Wohnung aufhalten, bietet das DRK auch mobile Notruflösungen an. Diese Geräte verfügen oft über eine Satellitenortung, die es ermöglicht, den Standort des Hilfesuchenden im Notfall schnell zu ermitteln.
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Die Notruf smartWatch ist ein persönlicher Sicherheitsgarant auf allen Wegen. Sie eignet sich für Menschen mit Multipler Sklerose, Epilepsie oder andere Erkrankungen, die eine ständige Absicherung gegen Notfälle benötigen. Auch Schwangere vertrauen gerne auf die Notruf-Uhr. Dank integriertem Puls- und Herzfrequenzmesser und Schrittzähler hat man seine Gesundheitsdaten immer im Blick.
Kosten und Finanzierung
Bei Vorliegen eines anerkannten Pflegegrades (ab Pflegegrad 1) übernimmt die Pflegekasse in der Regel die Kosten für das Basis-Hausnotrufpaket in Höhe von 25,50 Euro. Zusätzliche Optionen wie der mobile Hausnotruf oder Komfortpakete müssen separat bezahlt werden.
Für Personen ohne Pflegegrad steht der DRK Hausnotruf ebenfalls zur Verfügung. In diesem Fall trägt der Nutzer sämtliche Kosten selbst. Abhängig vom gewählten Paket bewegen sich die monatlichen Ausgaben zwischen 25 und 55 Euro.
Viele wissen es nicht: Der DRK Hausnotruf kann als sogenannte haushaltsnahe Dienstleistung steuerlich geltend gemacht werden. Das Finanzamt erkennt bis zu 20 % der Jahreskosten (max. 4.000 €) an.
Beratung und Information
Das DRK bietet eine individuelle Beratung an, um die passende Lösung für die jeweilige Lebens- und Wohnsituation zu finden. Die Mitarbeitenden kommen auch gerne nach Hause und informieren in einem persönlichen Gespräch über das Angebot.
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Vor der Einrichtung des Anschlusses benötigt das DRK einige wichtige persönliche Informationen, die in der Hausnotrufzentrale gespeichert werden und im Notfall zur Verfügung stehen. Diese und weitere Angaben müssen selbstverständlich regelmäßig aktualisiert werden.
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