Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen auszeichnet. Die Behandlung von Migräne kann komplex sein und erfordert oft eine Kombination aus verschiedenen Medikamenten und nicht-medikamentösen Maßnahmen. Novalgin Tropfen, die den Wirkstoff Metamizol enthalten, werden manchmal zur Behandlung von Migräne eingesetzt, insbesondere bei starken Schmerzen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Dosierung von Novalgin Tropfen bei Migräne, die Wirkungsweise, mögliche Nebenwirkungen und wichtige Hinweise zur Anwendung.
Was ist Novalgin und wie wirkt es?
Novalgin ist ein Medikament, das den Wirkstoff Metamizol enthält. Metamizol ist ein nicht-opioides Analgetikum mit antipyretischen und spasmolytischen Eigenschaften. Das bedeutet, es wirkt schmerzlindernd, fiebersenkend und krampflösend.
Wirkmechanismus von Metamizol
Der genaue Wirkmechanismus von Metamizol ist noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass er auf verschiedenen Ebenen wirkt:
- Analgetischer Effekt: Metamizol hemmt vermutlich eine zentrale Cyclooxygenase (COX)-3. Cyclooxygenasen sind an der Synthese von Prostaglandinen beteiligt, welche die Erregungsschwelle von Schmerzfasern herabsetzen. Durch die Hemmung der Prostaglandin-Synthese im Hinterhorn des Rückenmarkes werden Nozizeptoren gegenüber Schmerzmediatoren weniger empfindlich.
- Cannabinoid-Rezeptoren: Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Metamizol-Metaboliten ebenfalls an Cannabinoid-Rezeptoren vom Typ 1 binden können. Diese Rezeptoren sind Teil des absteigenden antinozizeptiven Systems und reduzieren GABAerge Transmissionen.
- TRPA1-Kanal: In Tiermodellen konnte eine analgetische Beteiligung des TRPA1-Kanals nachgewiesen werden.
- Antipyretischer Effekt: Metamizol senkt Fieber sowohl Prostaglandin-abhängig als auch -unabhängig. Dieser zweigeteilte Wirkmechanismus könnte erklären, warum Metamizol wirken kann, wenn andere antipyretische Medikamente nicht mehr greifen.
- Spasmolytischer Effekt: Der entkrampfende und kolikschmerzlindernde Effekt von Metamizol ist vermutlich auf eine gehemmte intrazelluläre Phospholipase C zurückzuführen, was zu einer verminderten Freisetzung von Calcium in glatten Muskelzellen führt.
Pharmakokinetik von Metamizol
Metamizol wird nach oraler Gabe im Verdauungstrakt nichtenzymatisch zu 4-Methylaminophenazon hydrolysiert. Die Bioverfügbarkeit von 4-Methylaminophenazon beträgt zwischen 83 und 90%. Der aktive Metabolit wird vollständig im Verdauungstrakt resorbiert und unter anderem zum ebenfalls aktiven 4-Aminophenazon weiter metabolisiert. Die Elimination erfolgt renal. Bei oraler Gabe beträgt die Plasmahalbwertszeit ca. drei bis vier Stunden, bei intravenöser Gabe nur vierzehn Minuten. Metamizol ist plasmagängig und seine Metaboliten konnten in der Muttermilch nachgewiesen werden.
Anwendung von Novalgin
Novalgin wird zur Behandlung von starken Schmerzen und hohem Fieber eingesetzt. Zu den Indikationen zählen:
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- Koliken, vor allem der Gallen- und ableitenden Harnwege
- Tumorschmerzen
- Akute und chronische Schmerzen, zum Beispiel nach chirurgischen Eingriffen und Verletzungen
- Hohes Fieber, das nicht durch andere Maßnahmen gesenkt werden kann
Novalgin Tropfen Dosierung bei Migräne
Die Dosierung von Novalgin Tropfen bei Migräne hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich des Alters des Patienten, der Schwere der Schmerzen und der individuellen Reaktion auf das Medikament. Es ist wichtig, die Dosierungsempfehlungen des Arztes oder Apothekers genau zu befolgen.
Allgemeine Dosierungsempfehlungen für Novalgin Tropfen
Die folgenden Dosierungsempfehlungen dienen als allgemeine Richtlinie:
- Säuglinge unter 12 Monate und unter 9 kg Körpergewicht:
- Einzeldosis: 1-5 Tropfen
- Gesamtdosis: 1-4 mal täglich im Abstand von 6-8 Stunden
- Kleinkinder von 1-3 Jahren und 9-15 kg Körpergewicht:
- Einzeldosis: 3-10 Tropfen
- Gesamtdosis: 1-4 mal täglich im Abstand von 6-8 Stunden
- Kinder von 4-6 Jahren und 16-23 kg Körpergewicht:
- Einzeldosis: 5-15 Tropfen
- Gesamtdosis: 1-4 mal täglich im Abstand von 6-8 Stunden
- Kinder von 7-9 Jahren und 24-30 kg Körpergewicht:
- Einzeldosis: 8-20 Tropfen
- Gesamtdosis: 1-4 mal täglich im Abstand von 6-8 Stunden
- Kinder von 10-12 Jahren und 31-45 kg Körpergewicht:
- Einzeldosis: 10-30 Tropfen
- Gesamtdosis: 1-4 mal täglich im Abstand von 6-8 Stunden
- Jugendliche von 13-14 Jahren und 46-53 kg Körpergewicht:
- Einzeldosis: 15-35 Tropfen
- Gesamtdosis: 1-4 mal täglich im Abstand von 6-8 Stunden
- Jugendliche ab 15 Jahren und über 53 kg Körpergewicht und Erwachsene:
- Einzeldosis: 20-40 Tropfen (entspricht 500-1000 mg Metamizol)
- Gesamtdosis: 1-4 mal täglich im Abstand von 6-8 Stunden (Tageshöchstdosis: 4000 mg Metamizol)
Spezielle Dosierungshinweise
- Ältere und geschwächte Patienten: Bei älteren und geschwächten Patienten kann eine Reduktion der Einzel- oder Gesamtdosis oder eine Verlängerung des Dosierungsabstandes erforderlich sein.
- Patienten mit Leber- und Nierenfunktionsstörung: Bei Patienten mit eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion muss die Dosis in Absprache mit dem Arzt reduziert und/oder der Dosierungsabstand verlängert werden.
Anwendungshinweise
- Novalgin Tropfen sollten mit ½ Glas Wasser eingenommen werden.
- Die Anwendungsdauer richtet sich nach Art der Beschwerde und/oder Dauer der Erkrankung und wird vom Arzt bestimmt.
- Die Gesamtdosis sollte nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker überschritten werden.
Wann sollte Novalgin bei Migräne eingenommen werden?
Für die Behandlung von Kopfschmerzen, einschließlich Migräne, ist es wichtig, dass die Kopfschmerzmittel möglichst frühzeitig eingenommen werden. Bei Migräne kommt es sehr häufig im Laufe der Attacke zu einer Störung der Aufnahmefähigkeit von Magen und Darm. Die Wirkstoffe können dann nicht mehr an ihren Wirkort gelangen und ihre Wirkung entsprechend nicht entfalten. Eine späte Einnahme kann dazu führen, dass ansonsten sehr wirkungsvolle Medikamente ihre Wirkung nicht ausüben können und die Schmerzen dadurch lange anhalten.
Zusätzliche Maßnahmen bei Migräne
- Reizabschirmung: Eine der ersten Maßnahmen in der Behandlung des Migräneanfalles ist eine Reizabschirmung. Da die Lärm- und Lichtempfindlichkeit vielen Betroffenen gut bekannt ist, sollte eine ruhige, abgedunkelte Umgebung aufgesucht werden.
- Antiemetika: Die Gabe eines Medikaments gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetikum) hat sich in der Behandlung der Migräneattacke als sinnvoll erwiesen, da es einerseits direkt und gezielt die Symptome Übelkeit und Erbrechen reduziert, andererseits die Magen- und Darmaktivität normalisieren kann. Dadurch kann die Aufnahme des Medikamentes gegen die Schmerzen verbessert und beschleunigt werden. Beispiele für Antiemetika sind Metoclopramid oder Domperidon (beide verschreibungspflichtig).
- Einnahmehinweis: Ein Antiemetikum sollte 15 Minuten vor der Einnahme des Migränemittels eingenommen werden.
Mögliche Nebenwirkungen von Novalgin
Metamizol ist in einigen Ländern aufgrund des Risikos schwerer Nebenwirkungen nicht mehr zugelassen. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören:
Agranulozytose
Eine der schwerwiegendsten Nebenwirkungen von Metamizol ist die Agranulozytose, eine starke Verminderung der Granulozyten (einer Art von weißen Blutkörperchen). Diese Nebenwirkung ist selten, kann aber lebensbedrohlich sein.
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- Symptome: Entzündliche Schleimhautulzerationen, Angina tonsillaris, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber, Schüttelfrost, Schwäche, Leistungseinschränkung.
- Wichtiger Hinweis: Bei längerer Gabe von Metamizol sind regelmäßige Blutbildkontrollen erforderlich. Bei ersten Warnsignalen sollte die Behandlung sofort beendet und ein Arzt konsultiert werden.
Weitere Nebenwirkungen
- Gelegentlich: Hypotensive Reaktionen (Blutdruckabfall), fixes Arzneimittelexanthem (Hautausschlag), harmlose Rotfärbung des Urins.
- Selten: Leukopenie (Verminderung der weißen Blutkörperchen), anaphylaktoide oder anaphylaktische Reaktionen (Überempfindlichkeitsreaktionen), Ausschlag.
- Sehr selten: Agranulozytose (einschließlich Todesfälle), Thrombozytopenie (Verminderung der Blutplättchen), Analgetika-induziertes Asthma-Syndrom, Stevens-Johnson-Syndrom oder toxische epidermale Nekrolyse (schwere Hautreaktionen), akute Verschlechterung der Nierenfunktion, akute interstitielle Nephritis.
- Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit: Aplastische Anämie, anaphylaktischer Schock, Panzytopenie (Verminderung aller Blutzellen), Kounis-Syndrom (allergische Reaktion mit Auswirkungen auf das Herz), gastrointestinale Blutungen.
Wichtige Hinweise bei Verdacht auf Nebenwirkungen
- Bei Verdacht auf eine Überdosierung sollte umgehend ein Arzt kontaktiert werden. Symptome einer Überdosierung können Übelkeit, Schwindel, Krämpfe, Blutdruckabfall bis hin zum Koma sein.
- Wenn während der Behandlung eine Befindlichkeitsstörung oder Veränderung bemerkt wird, sollte ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Bei der Einnahme von Metamizol können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten:
- Chlorpromazin: Bei gleichzeitiger Gabe von Metamizol und Chlorpromazin kann es zu einer schweren Hypothermie kommen.
- Methotrexat: Eine gleichzeitige Therapie von Metamizol mit Methotrexat kann die Hämatotoxizität von Methotrexat verstärken. Diese Kombination sollte vermieden werden.
- Acetylsalicylsäure: Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Behandlung mit Acetylsalicylsäure in niedriger Dosierung zur Prophylaxe von Herzerkrankungen, da die Wirkung von Acetylsalicylsäure auf die Thrombozytenaggregation abgeschwächt werden kann.
- Bupropion: Ebenso sollten Bupropion und Metamizol nur unter Vorsicht gleichzeitig angewendet werden, da es aufgrund von Wechselwirkungen zu einem erniedrigten Bupropionspiegel im Blut kommen kann.
- Orale Antikoagulanzien, Captopril, Lithium, Triamteren, Antihypertensiva und Diuretika: Für die Substanzklasse der Pyrazolone, zu denen auch Metamizol gehört, sind Wechselwirkungen mit diesen Medikamenten bekannt. Welchen Einfluss spezifisch Metamizol auf diese Medikamente hat, ist nicht bekannt.
- Ciclosporin: Bei gleichzeitiger Anwendung von Ciclosporin (ein Arzneimittel zur Unterdrückung des körpereigenen Abwehrsystems) wird der Arzt den Ciclosporin-Blutspiegel überwachen.
Gegenanzeigen von Novalgin
In folgenden Fällen darf Metamizol nicht angewendet werden:
- Überempfindlichkeit gegen Metamizol oder andere Pyrazolone und Pyrazolidine
- Bekanntes Analgetika-Asthma-Syndrom oder bekannte Analgetika-Intoleranz vom Urtikaria-Angioödemtyp
- Störungen der Knochenmarkfunktion oder Erkrankungen des hämatopoetischen Systems
- Genetisch bedingte Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenasemangel (Hämolysegefahr)
- Akute intermittierende hepatische Porphyrie (Gefahr einer Porphyrie-Attacke)
- Letztes Trimenon der Schwangerschaft
- Stillzeit
- Kinder unter 10 Jahren
- Bei bestehender Hypotonie und instabiler Kreislaufsituation darf Metamizol nicht parenteral appliziert werden.
Schwangerschaft und Stillzeit
Metamizol sollte im ersten Trimenon der Schwangerschaft nicht verabreicht werden. Im zweiten Trimenon ist eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich. Im dritten Trimenon ist Metamizol kontraindiziert. Da Metamizol plazentagängig ist und in der Muttermilch ausgeschieden werden kann, müssen zwischen der letzten Gabe und dem Stillen mindestens 48 Stunden liegen.
Verkehrstüchtigkeit und Bedienung von Maschinen
Bei empfohlener Dosierung sind keine Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit bekannt. Bei höheren Dosierungen kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass sich Metamizol auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen auswirkt. Auf beides sollte deshalb verzichtet werden, insbesondere in Zusammenhang mit Alkohol.
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Basierend auf dem Rote-Hand-Brief vom Dezember 2024 sind folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung von Metamizol zu beachten:
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- Überwachung von Nebenwirkungen: Patienten sind über die Risiken einer Agranulozytose aufzuklären und müssen unverzüglich medizinische Hilfe suchen bei Symptomen wie Fieber, Halsschmerzen, schmerzhaften Schleimhautveränderungen oder anderen Anzeichen einer Infektion.
- Kontraindikationen: Metamizol darf nicht bei Patienten angewendet werden, die bereits eine Agranulozytose aufgrund von Metamizol, Pyrazolonen oder Pyrazolidinen erlebt haben sowie bei Vorliegen von Blutbildungsstörungen oder Knochenmarksdefekten.
- Symptomüberwachung: Besonders bei der Anwendung gegen Fieber ist Vorsicht geboten, da typische Symptome der Agranulozytose maskiert werden können.
- Therapieabbruch und Tests: Bei Verdacht auf Agranulozytose soll die Behandlung sofort beendet und ein Blutbild inklusive Differenzialblutbild erstellt werden.
- Meldung von Nebenwirkungen: Gesundheitsfachkräfte sind angehalten, alle Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden.
Alternativen zu Novalgin bei Migräne
Es gibt verschiedene Alternativen zu Novalgin zur Behandlung von Migräne, darunter:
- Triptane: Triptane sind Mittel der 1. Wahl bei Migräne, da sie ganz effektiv und spezifisch Attacken kupieren. Bei Migräneattacken mit Übelkeit und Erbrechen haben sich Nasenspray und Zäpfchen als besonders vorteilhaft erwiesen. Eine weitere Möglichkeit ist, mit einer Fertigspritze sich das Medikament selbst unter die Haut zu spritzen.
- Andere Schmerzmittel: Bei leichten Migräneattacken sind folgende Kombinationen möglich: ein Medikament gegen die Übelkeit (Metoclopramid oder Domperidon - beide verschreibungspflichtig) mit einem Schmerzmittel (Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Naproxen, Paracetamol oder Phenazon ).
- Acetylsalicylsäure (ASS): Acetylsalicylsäure sollte möglichst als Brauselösung eingenommen werden, da dadurch eine besonders schnelle und sichere Aufnahme im Magen-Darmtrakt erfolgt. Bei Jugendlichen beträgt die Dosierung von Acetylsalicylsäure 500 mg, bei Erwachsenen 1000 bis 1500 mg zur Erzielung ausreichender Wirksamkeit.
- Ibuprofen: Die Wirksamkeit von Ibuprofen in der Behandlung der Migräneattacke ist nicht so gut untersucht wie die der Acetylsalicylsäure. Die Einzeldosierung beträgt bei Kindern 200 mg, bei Erwachsenen bis 600 mg.
- Paracetamol: Paracetamol ist normalerweise gut verträglich. Bei Kindern beträgt die Dosis 500 mg, bei Erwachsenen 1000 mg.
- Phenazon: In einer neueren Studie wurde bestätigt, dass das seit vielen Jahrzehnten eingesetzte Medikament Phenazon ebenfalls eine gute Wirkung in der Anfallsbehandlung der Migräne haben kann. Bei Kindern beträgt die Dosis 500 mg, bei Erwachsenen 1000 mg.
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Entspannungstechniken, Akupunktur, Physiotherapie und andere nicht-medikamentöse Maßnahmen können ebenfalls zur Behandlung von Migräne eingesetzt werden.