Novaminsulfon-Tropfen bei Migräne: Eine umfassende Betrachtung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein können. Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl die Akuttherapie zur Linderung der Symptome während einer Attacke als auch die Prophylaxe zur Reduktion der Häufigkeit und Intensität der Attacken. Novaminsulfon, dessen Wirkstoff Metamizol ist, wird gelegentlich zur Behandlung von Migräne eingesetzt, obwohl es nicht die erste Wahl darstellt. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Novaminsulfon-Tropfen bei Migräne, ihre Wirkungsweise, Dosierung, Nebenwirkungen und Kontraindikationen.

Kopfschmerzen und ihre Vielfalt

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das viele verschiedene Ursachen haben kann. In den meisten Fällen handelt es sich um Gewebeschmerzen, die von Muskelverspannungen, Entzündungen oder anderen Reizungen ausgehen. Ein Sonderfall sind Gesichtsschmerzen wie die Trigeminusneuralgie, bei der attackenförmige Nervenschmerzen auftreten. Die Behandlung von Kopfschmerzen richtet sich nach der jeweiligen Art und Ursache.

Medikamentöse Behandlung der akuten Migräneattacke

Die medikamentöse Behandlung einer akuten Migräneattacke zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen zu reduzieren. Es gibt Wirkstoffe, die während der Migräneattacke gegeben werden, und solche, die im kopfschmerzfreien Zeitraum vorbeugend eingenommen werden (Prophylaxe).

Akutmedikation

Neben allgemeinen Maßnahmen wie Reizvermeidung und ausreichend Schlaf ist oft eine medikamentöse Behandlung notwendig.

  • NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika): Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen sind häufig eingesetzte NSAR zur Behandlung von Migräne. Diese wirken, indem sie die Produktion von Prostaglandinen hemmen, die an der Schmerzentstehung beteiligt sind.
  • Metamizol und Paracetamol: Diese Wirkstoffe sind bei Migränekopfschmerzen weniger wirksam als NSAR.
  • Antiemetika: Bei starker Übelkeit können Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen wie Metoclopramid gegeben werden.
  • Triptane: Triptane sind Wirkstoffe mit einer gefäßverengenden Wirkung auf kleine Arterien im Gehirn, was zu einer Abschwächung der Migränekopfschmerzen führen kann. Sie lindern auch Übelkeit und Erbrechen. Triptane sollten aufgrund des Risikos für medikamenteninduzierte Kopfschmerzen maximal 10-mal im Monat eingesetzt werden. Bei Gefäßerkrankungen des Herzens oder Schlaganfall dürfen Triptane nicht eingenommen werden.
  • CGRP-Antikörper: Diese neuen Medikamente hemmen die Wirkung von CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) an den Hirngefäßen und verhindern so eine zu starke Entzündungsreaktion. Sie werden hauptsächlich in der vorbeugenden Migränebehandlung eingesetzt, wenn andere Schmerzmittel keine Wirkung zeigen.

Vorbeugende Behandlung (Prophylaxe)

Eine vorbeugende Migränebehandlung wird durchgeführt, um die Häufigkeit und die Ausprägung der Attacken zu mindern. Hier kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz, die sonst zur Behandlung von Bluthochdruck oder einer Herzschwäche verwendet werden.

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  • Betablocker: Metoprolol, Bisoprolol und Propranolol werden häufig verwendet.
  • Flunarizin: Dieses Medikament spielt ebenfalls in der Blutdruckbehandlung eine Rolle und führt zu einer Gefäßerweiterung.
  • Antiepileptika: Topiramat und Valproinsäure sind zur Behandlung von Epilepsie zugelassen und können auch bei Migräne helfen.

Bei allen diesen Medikamenten sollte die Dosis aufgrund möglicher Nebenwirkungen langsam, unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle gesteigert werden, bis es zu einer spürbaren Minderung der Häufigkeit der Migräneattacken kommt.

Novaminsulfon-ratiopharm® 500 mg/ml Tropfen: Anwendung und Besonderheiten

Novaminsulfon-ratiopharm® 500 mg/ml Tropfen enthalten den Wirkstoff Metamizol, ein nicht-opioides Analgetikum mit fiebersenkenden und krampflösenden Eigenschaften. Es wird hauptsächlich zur Behandlung starker Schmerzen und hohem Fieber eingesetzt.

Wirkungsweise von Metamizol

  • Analgetischer Effekt: Metamizol hemmt vermutlich eine zentrale Cyclooxygenase (COX)-3, wodurch die Prostaglandin-Synthese im Rückenmark gehemmt wird und Nozizeptoren weniger empfindlich für Schmerzmediatoren werden.
  • Antipyretischer Effekt: Metamizol senkt Fieber sowohl Prostaglandin-abhängig als auch -unabhängig.
  • Spasmolytischer Effekt: Metamizol wirkt entkrampfend und kolikschmerzlindernd, vermutlich durch Hemmung der intrazellulären Phospholipase C.

Anwendungsgebiete von Metamizol

Metamizol wird bei Koliken, Tumorschmerzen, akuten und chronischen Schmerzen (z. B. nach Operationen und Verletzungen) sowie bei hohem Fieber eingesetzt, das nicht durch andere Maßnahmen gesenkt werden kann.

Dosierung von Novaminsulfon-Tropfen

Die Dosierung von Novaminsulfon AbZ 500 mg/ml Tropfen zum Einnehmen hängt von verschiedenen Faktoren ab und sollte individuell vom Arzt abgestimmt werden. Allgemeine Dosierungsempfehlungen sind:

  • Säuglinge unter 12 Monaten und unter 9 kg Körpergewicht: 1-5 Tropfen, 1-4 mal täglich (max. 20 Tropfen pro Tag)
  • Kleinkinder von 1-3 Jahren und 9-15 kg Körpergewicht: 3-10 Tropfen, 1-4 mal täglich (max. 40 Tropfen pro Tag)
  • Kinder von 4-6 Jahren und 16-23 kg Körpergewicht: 5-15 Tropfen, 1-4 mal täglich (max. 60 Tropfen pro Tag)
  • Kinder von 7-9 Jahren und 24-30 kg Körpergewicht: 8-20 Tropfen, 1-4 mal täglich (max. 80 Tropfen pro Tag)
  • Kinder von 10-12 Jahren und 31-45 kg Körpergewicht: 10-30 Tropfen, 1-4 mal täglich (max. 120 Tropfen pro Tag)
  • Jugendliche von 13-14 Jahren und 46-53 kg Körpergewicht: 15-35 Tropfen, 1-4 mal täglich (max. 140 Tropfen pro Tag)
  • Jugendliche ab 15 Jahren und über 53 kg Körpergewicht und Erwachsene: 20-40 Tropfen, 1-4 mal täglich (max. 160 Tropfen pro Tag)

Die Einnahme erfolgt im Abstand von 6-8 Stunden, unabhängig von der Mahlzeit, mit einem halben Glas Wasser. Die Anwendungsdauer richtet sich nach Art der Beschwerde und/oder Dauer der Erkrankung und wird vom Arzt bestimmt.

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Gegenanzeigen von Novaminsulfon-Tropfen

Novaminsulfon-Tropfen dürfen nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Metamizol oder andere Pyrazolone und Pyrazolidine
  • Analgetika-Asthma-Syndrom oder Analgetika-Intoleranz
  • Störungen der Knochenmarkfunktion oder Erkrankungen des blutbildenden Systems
  • Glucose-6-phosphat-Dehydrogenasemangel
  • Akute intermittierende hepatische Porphyrie
  • Letztes Trimenon der Schwangerschaft
  • Stillzeit

Unter Umständen ist eine Anwendung nur nach Rücksprache mit dem Arzt möglich bei:

  • Asthma bronchiale
  • Chronischem Nesselausschlag
  • Kreislaufregulationsstörungen
  • Niedrigem Blutdruck
  • Verringerter Blutmenge durch Flüssigkeitsverlust
  • Flüssigkeitsmangel
  • Koronarer Herzkrankheit
  • Akutem Herzinfarkt
  • Durchblutungsstörung der Hirngefäße
  • Eingeschränkter Nierenfunktion
  • Eingeschränkter Leberfunktion

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Agranulozytose: Metamizol kann eine Agranulozytose verursachen, eine starke Verminderung der weißen Blutkörperchen. Patienten müssen über das Risiko und Warnsignale wie Fieber, Halsschmerzen und Entzündungen der Mundschleimhäute aufgeklärt werden. Bei Verdacht auf Agranulozytose muss Metamizol sofort abgesetzt und ein Differentialblutbild kontrolliert werden.
  • Allergische Reaktionen: Bei allergieähnlichen Reaktionen sind Patienten besonders gefährdet, auch auf andere Schmerzmittel zu reagieren.
  • Schwere Hautreaktionen: Im Zusammenhang mit Metamizol wurden schwere Hautreaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse berichtet. Bei Auftreten von Symptomen muss die Behandlung sofort beendet und ärztliche Hilfe gesucht werden.
  • Blutdruckabfall: Metamizol kann einen Blutdruckabfall auslösen, besonders bei niedrigem Blutdruck, Flüssigkeitsmangel oder Kreislaufschwäche.
  • Leberprobleme: Bei Patienten, die Metamizol einnehmen, wurde über Leberentzündungen berichtet. Bei Symptomen wie Unwohlsein, Fieber, Müdigkeit, dunklem Urin oder Gelbfärbung der Haut sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Nebenwirkungen von Novaminsulfon-Tropfen

Zu den möglichen Nebenwirkungen von Novaminsulfon-Tropfen gehören:

  • Gelegentlich: Hypotensive Reaktionen, fixes Arzneimittelexanthem, harmlose Rotfärbung des Urins
  • Selten: Leukopenie, anaphylaktoide oder anaphylaktische Reaktionen, Ausschlag
  • Sehr selten: Agranulozytose, Thrombozytopenie, Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse, akute Verschlechterung der Nierenfunktion
  • Häufigkeit nicht bekannt: Aplastische Anämie, anaphylaktischer Schock, Panzytopenie, Kounis-Syndrom, gastrointestinale Blutungen

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Bei gleichzeitiger Anwendung von Metamizol mit anderen Arzneimitteln kann es zu Wechselwirkungen kommen:

  • Ciclosporin: Der Ciclosporin-Blutspiegel kann beeinflusst werden.
  • Methotrexat: Die gleichzeitige Anwendung kann die blutbildschädigende Wirkung von Methotrexat verstärken.
  • Acetylsalicylsäure: Die Wirkung von Acetylsalicylsäure auf die Blutplättchen kann verringert werden.
  • Bupropion: Die Blutspiegel von Bupropion können herabgesetzt werden.
  • Chlorpromazin: Es kann zu einer starken Erniedrigung der Körpertemperatur kommen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Novaminsulfon nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt angewendet werden. Im letzten Trimenon der Schwangerschaft ist Metamizol kontraindiziert. Die Abbauprodukte von Metamizol gehen in die Muttermilch über, daher sollte während der Stillzeit eine Anwendung vermieden werden.

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Schmerzmittel bei Migräne: Was ist zu beachten?

Schmerzmittel spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Migräne. Es ist jedoch wichtig, sich über ihre Wirkungsweise, Anwendung und möglichen Nebenwirkungen zu informieren.

Wann Schmerzmittel einnehmen?

Bei einer leichten bis mittelschweren Migräne-Attacke können freiverkäufliche Schmerzmittel wie NSAR eingesetzt werden. Bei einer schweren Migräne eignen sich Triptane. Schmerzmittel sollten so früh wie möglich, also zu Beginn der Kopfschmerzphase, eingenommen werden.

Darreichungsformen

Schmerzmittel sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, z. B. Tabletten, Brausetabletten, Pulver, Kautabletten oder Tropfen. Flüssige Varianten wie Brausetabletten werden oft empfohlen, da der Wirkstoff schneller vom Körper aufgenommen wird.

Mono- oder Kombinationspräparate?

Bei einer akuten Migräne-Attacke sollten Betroffene zunächst ein Monopräparat wie ASS oder Ibuprofen verwenden. Wenn sich die Symptome nicht bessern, kann ein Kombinationspräparat probiert werden. Kombinationspräparate enthalten entweder zusätzlich Substanzen wie Koffein oder Vitamin C oder mehrere Analgetika in Kombination.

Was tun, wenn Schmerzmittel nicht wirken?

Wenn Schmerzmittel nicht wirken, sollte auf eine frühzeitige Einnahme, ausreichende Dosierung und viel Trinken geachtet werden. Ruhe in einem abgedunkelten Zimmer kann die Wirkung unterstützen. Zudem können nicht-medikamentöse Behandlungen wie Entspannungsverfahren angewendet werden.

Dos and Don'ts der Schmerzmitteleinnahme

  • Dos:
    • Halten Sie sich an die ärztliche Empfehlung.
    • Informieren Sie den Arzt über bestehende Vorerkrankungen.
  • Don'ts:
    • Ignorieren Sie Dosierungsempfehlungen nicht.
    • Nehmen Sie nicht über einen längeren Zeitraum Medikamente ein, die nicht wirken.
    • Wechseln Sie nicht zu schnell zwischen verschiedenen Wirkstoffen.

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