NSE-Wert im Gehirn: Bedeutung und Interpretation

Reanimationsereignisse, auch Herz-Lungen-Wiederbelebung genannt, sind seltene, aber kritische Ereignisse, insbesondere bei Kindern mit Herzerkrankungen nach Operationen. Ein Sauerstoffmangel während einer Reanimation kann zu Folgeschäden des zentralen Nervensystems führen und die weitere Entwicklung des Kindes beeinträchtigen. Um das Ausmaß dieser Schädigungen besser einschätzen zu können, werden bestimmte Blutwerte, sogenannte Biomarker, untersucht. Einer dieser Biomarker ist das Enzym Neuronenspezifische Enolase (NSE).

Neuronenspezifische Enolase (NSE): Was ist das?

NSE ist ein Enzym, das eine wichtige Rolle im Zuckerstoffwechsel spielt und vor allem in Nervenzellen und neuroendokrinen Zellen vorkommt. Neuroendokrine Zellen sind Nervenzellen, die Hormone oder andere Sekrete ausschütten. Die Abkürzung NSE steht für "Neuronenspezifische Enolase" oder "Neuron-spezifische Enolase".

Die Bedeutung des NSE-Werts

Der NSE-Wert wird als Tumormarker bei verschiedenen Krebserkrankungen, aber auch bei Patienten mit Hirnschäden bestimmt. Er gibt Hinweise auf Schädigungen im Gehirn und wird in der Erwachsenen-Medizin zur Vorhersage von neurologischen Einschränkungen verwendet. Ein erhöhter NSE-Wert kann auf eine Schädigung von Nervenzellen hindeuten, wie sie beispielsweise nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma oder einem Reanimationsereignis auftreten kann.

NSE als Biomarker nach Reanimation bei Kindern mit Herzerkrankungen

Bei Kindern mit Herzerkrankungen treten Reanimationsereignisse, vor allem im direkt postoperativen Verlauf nach Herzoperationen, häufiger auf als bei Patienten anderer pädiatrischer Subdisziplinen. Hypoxische Hirnschädigungen zählen zu den schwerwiegendsten Komplikationen nach kardiopulmonalen Reanimationsereignissen.

Bisher gibt es kaum Studien, die die längerfristige Entwicklung von Kindern nach Reanimationsereignissen erforschen. Daher ist es wichtig, die motorische, kognitive und sprachliche Entwicklung von reanimierten Kindern mit altersentsprechenden Testverfahren zu mehreren Zeitpunkten nach Reanimationsereignis zu untersuchen.

Lesen Sie auch: Erhöhter CRP-Wert bei Polyneuropathie

Aktuelle Forschung am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB)

Am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) wird derzeit eine Studie durchgeführt, um herauszufinden, ob und in welchem Maße Kinder, bei denen ein Reanimationsereignis aufgetreten ist, in ihrer weiteren Entwicklung beeinträchtigt sind. Im Rahmen dieser Studie werden nach Reanimationsereignissen standardmäßig die Blutwerte NSE und S100 zu vier verschiedenen Zeitpunkten bestimmt:

  • Direkt nach dem Reanimationsereignis
  • Nach 24 Stunden
  • Nach 48 Stunden
  • Nach 72 Stunden

Zusätzlich werden weitere Laborwerte wie GFAP, NF-L und UCH-L1 zu den gleichen Zeitpunkten untersucht. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus werden Entwicklungstests durchgeführt, um den Entwicklungsstand der Kinder zu messen:

  • 6 Monate nach Reanimationsereignis
  • 12 Monate nach Reanimation
  • 24 Monate nach Reanimation
  • 36 Monate nach Reanimation

Die Ergebnisse dieser Tests werden dann mit den analysierten Blutwerten verglichen, um herauszufinden, ob und wie gut sich die spätere Entwicklung durch diese Blutwerte vorhersagen lässt.

Interpretation des NSE-Werts

Eine NSE-Konzentration von weniger als 19,5 Mikrogramm pro Liter (µg/l) Blut wird in der Regel als normal betrachtet. Allerdings kann der Normbereich je nach verwendetem Labor variieren.

Erhöhte NSE-Werte können verschiedene Ursachen haben:

Lesen Sie auch: Forschung und Evolution des Gehirns

  • Krebserkrankungen: Insbesondere kleinzelliges Bronchialkarzinom, Medulloblastom, Seminom, Neuroblastom, Schilddrüsenkrebs, Nierenkrebs und Brustkrebs.
  • Schädigung des Nervengewebes: Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Reanimationsereignisse.
  • Andere gutartige Erkrankungen: Bronchopneumonie, Lungenfibrose, Lebererkrankungen.
  • Falsch hohe Werte: Fehler bei der Blutabnahme, lange Lagerungszeiten der Blutprobe, Hämolyse.

Ein niedriger NSE-Wert hat in der Regel keine medizinische Bedeutung.

NSE-Wert nach Reanimation: Was ist zu beachten?

Nach einer Reanimation kann ein erhöhter NSE-Wert auf eine Schädigung des Gehirns hindeuten. Lange galt ein NSE-Wert im Serum von 33 ng/ml 48 Stunden nach Reanimation als Grenzwert, ab dem man von einer deutlich eingeschränkten neurologischen Prognose ausgeht. Allerdings ist dieser Grenzwert umstritten, da er auf einer Studie basiert, die vor der Einführung der standardisierten Postreanimationsbehandlung und der hypothermen Temperaturkontrolle durchgeführt wurde.

Aktuelle Leitlinien empfehlen einen multimodalen Ansatz zur Prognoseeinschätzung nach Herzstillstand, der verschiedene klinische Anzeichen, apparative Diagnostik und biochemische Marker wie NSE berücksichtigt.

Einflussfaktoren auf den NSE-Wert

Es ist wichtig zu beachten, dass verschiedene Faktoren den NSE-Wert beeinflussen können:

  • Nierenfunktion: Eine eingeschränkte Nierenfunktion scheint keinen wesentlichen Einfluss auf die Höhe des NSE-Serumspiegels zu haben.
  • Leberfunktion: Eine akute Schädigung der Leber kann den NSE-Serumwert erhöhen.
  • Hämolyse: Eine erhebliche Hämolyse kann zu falsch hohen NSE-Werten führen.

Was tun bei erhöhtem NSE-Wert?

Ein erhöhter NSE-Wert bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Krebserkrankung vorliegt oder eine schwere Hirnschädigung vorliegt. Es ist wichtig, die möglichen Ursachen mit einem Arzt zu besprechen und weitere Untersuchungen durchführen zu lassen, um die Ursache des erhöhten Werts zu ermitteln.

Lesen Sie auch: Details zur MMSE-Wert-Tabelle bei Demenz

tags: #nse #wert #gehirn