Nullpunkt-, Migräne- und Daith-Piercing: Erfahrungen, Wirkung und Risiken

Migräne ist eine belastende Erkrankung, von der viele Menschen betroffen sind. Betroffene suchen oft nach alternativen Behandlungsmethoden, um ihre Beschwerden zu lindern. In diesem Zusammenhang hat das Daith-Piercing, auch Migräne-Piercing oder Nullpunkt-Piercing genannt, in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit diesen Piercings, ihre mögliche Wirkung und die damit verbundenen Risiken.

Was ist ein Nullpunkt-, Migräne- oder Daith-Piercing?

Das Daith-Piercing ist ein Piercing, das durch die Knorpelfalte über dem Gehörgang gestochen wird. Der Begriff "Daith" leitet sich vom hebräischen Wort "Da'at" ab, was "Wissen" bedeutet. Das Nullpunkt-Akupunktur-Piercing basiert auf den Prinzipien der traditionellen Akupunktur und wird am Ohr, genauer gesagt am Nullpunkt, gestochen. Dieser Punkt gilt in der Akupunktur als zentral zur Förderung von Entspannung und zur Linderung von Stress und Schmerzen. Das Shen Men Piercing ist eine weitere Form der Akupunktur-basierten Körpermodifikation, die auf der altbewährten chinesischen Akupunkturpraxis beruht. Shen Men, was so viel wie „Tor des Himmels“ bedeutet, befindet sich an einer bestimmten Stelle im Ohr und wird oft als einer der wichtigsten Akupunkturpunkte angesehen.

Die Idee hinter dem Migräne-Piercing ist, dass es auf dem Prinzip der Akupunktur basiert. Im Fall eines Daith-Piercings bei Migräne wird nicht nur vorübergehend eine Nadel gesetzt, sondern dauerhaft ein Ohrstecker angebracht. Der Piercer macht den Akupunkturpunkt gegen Migräne im Ohr ausfindig - er liegt auf der knorpeligen Falte über dem Eingang ins Gehör - und sticht genau dort das Piercing. Es wird angenommen, dass das Piercing den Vagusnerv stimuliert, der eine wichtige Rolle im parasympathischen Nervensystem spielt und Einfluss auf die Regeneration des Körpers haben soll. Durch die Stimulation des Vagusnervs soll der Energiefluss im Körper verbessert und Blockaden gelöst werden, was zu einer Linderung der Migräneschmerzen führen soll.

Erfahrungen mit Migräne-Piercings

Die Erfahrungen mit Migräne-Piercings sind geteilt. Einige Menschen berichten von einer deutlichen Linderung ihrer Migränebeschwerden nach dem Stechen des Piercings. Sie berichten von weniger Anfällen, einer geringeren Intensität der Schmerzen und einem reduzierten Bedarf an Schmerzmitteln. Es gibt sogar Berichte von Personen, die seit dem Piercing keine Migräne mehr hatten.

Andere hingegen verspüren keine Wirkung oder sogar eine Verschlechterung ihrer Symptome. Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit des Migräne-Piercings von Person zu Person unterschiedlich sein kann. Einige Betroffene berichten von einer unmittelbaren Veränderung nach dem Piercing, bei anderen dauert es einige Zeit, bis eine Wirkung eintritt. Manche spüren keine Wirkung, bei einigen wenigen kann es anfangs sogar zu einer vorübergehenden Erstverschlechterung kommen.

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Einige Erfahrungsberichte deuten darauf hin, dass das Migräne-Piercing bei stressbedingter Migräne helfen kann. Eine Frau berichtete, dass ihre Migräneanfälle nach dem Piercing deutlich seltener und weniger intensiv waren, insbesondere in Zeiten von geringerem Stress. Allerdings kehrten die Anfälle zurück, als ihr Job wieder stressiger wurde.

Es gibt auch Berichte darüber, dass das Migräne-Piercing bei hormonell bedingter Migräne möglicherweise nicht wirksam ist. Eine Frau, die unter hormonell bedingter Migräne litt, glaubte nicht, dass ein Piercing ihr helfen würde, da ihre Anfälle mit hormonellen Veränderungen zusammenhingen.

Mögliche Vorteile von Migräne-Piercings

Befürworter des Migräne-Piercings gehen davon aus, dass die dauerhafte Druckausübung auf den Vagusnerv eine positive Wirkung auf die Migränebeschwerden haben kann. Sie sehen das Piercing als eine Möglichkeit, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, da es sowohl ästhetisch ansprechend ist als auch potenziell schmerzlindernd wirken kann.

Einige der berichteten Vorteile von Migräne-Piercings sind:

  • Linderung von Kopfschmerzen: Viele Betroffene berichten von einer spürbaren Linderung ihrer Kopfschmerzen, einschließlich Migräne, nach dem Erhalt eines Migräne-Piercings.
  • Reduktion von Stress und Angstzuständen: Träger eines Shen Men Piercings berichten häufig von einer signifikanten Reduktion von Stress, Angstzuständen und Schmerzen.
  • Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens: Viele Träger des Null Punkt Akupunktur Piercings berichten von einer Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens, einer reduzierten Anfälligkeit für Stress und einer potenziellen Linderung von Kopfschmerzen oder Schlafstörungen.
  • Entspannung der Nacken-, Schulter- und Kiefermuskulatur: Das Nullpunkt- oder Migräne-Piercing kann zu einer Entspannung der Nacken-, Schulter- und Kiefermuskulatur führen.
  • Reduktion von nächtlichem Zähneknirschen: Einige Betroffene berichten von einer Reduktion von nächtlichem Zähneknirschen nach dem Stechen eines Migräne-Piercings.
  • Verbesserung neurologischer Befunde: In einigen Fällen wurde eine eventuelle Verbesserung neurologischer Befunde beobachtet.

Risiken und Nachteile von Migräne-Piercings

Trotz der potenziellen Vorteile gibt es auch Risiken und Nachteile, die mit Migräne-Piercings verbunden sind:

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  • Fehlende wissenschaftliche Evidenz: Es gibt derzeit keine ausreichenden wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit von Migräne-Piercings belegen. Viele Ärzte und Migräne-Experten stehen dem Piercing daher skeptisch gegenüber.
  • Placebo-Effekt: Positive Erfahrungen mit Migräne-Piercings könnten auf den Placebo-Effekt zurückzuführen sein. Der Glaube an die Wirksamkeit des Piercings kann zu einer subjektiven Verbesserung der Symptome führen, auch wenn das Piercing selbst keine physiologische Wirkung hat.
  • Gesundheitliche Risiken: Piercings bergen generell gesundheitliche Risiken, wie z.B. Infektionen, Blutungen, Narbenbildung, allergische Reaktionen und Hautentzündungen. Im Falle eines Migräne-Piercings besteht zudem die Gefahr einer Entzündung des Ohrknorpels, die zu einer kosmetisch unschönen Verformung der Ohrmuschel führen kann.
  • Schmerzen beim Stechen: Das Stechen eines Migräne-Piercings kann schmerzhaft sein, da der Knorpel im Ohr durchstochen werden muss.
  • Lange Heilungsdauer: Die Heilung eines Migräne-Piercings kann mehrere Monate dauern. Während dieser Zeit ist es wichtig, das Piercing sorgfältig zu pflegen, um Infektionen zu vermeiden.
  • Gewöhnungseffekt: Der Körper kann sich an die dauerhafte Stimulation des Vagusnervs durch das Piercing gewöhnen, wodurch die Wirksamkeit des Piercings im Laufe der Zeit nachlassen kann.
  • Verschlimmerung der Symptome: In einigen Fällen kann das Migräne-Piercing die Symptome sogar verschlimmern.

Was ist bei der Entscheidung für oder gegen ein Migräne-Piercing zu beachten?

Wenn Sie unter Migräne leiden und ein Migräne-Piercing in Erwägung ziehen, sollten Sie die folgenden Punkte beachten:

  • Konsultieren Sie einen Arzt: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Migräne und die möglichen Behandlungsoptionen. Er kann Ihnen helfen, die Vor- und Nachteile eines Migräne-Piercings abzuwägen und festzustellen, ob es für Sie geeignet ist.
  • Informieren Sie sich umfassend: Informieren Sie sich gründlich über das Migräne-Piercing, seine mögliche Wirkung und die damit verbundenen Risiken. Lesen Sie Erfahrungsberichte von anderen Betroffenen und sprechen Sie mit einem erfahrenen Piercer.
  • Wählen Sie einen qualifizierten Piercer: Wenn Sie sich für ein Migräne-Piercing entscheiden, wählen Sie einen Piercer mit medizinischem Abschluss und entsprechender Qualifikation. Achten Sie darauf, dass der Piercer über Erfahrung mit Migräne-Piercings verfügt und hohe Hygienestandards einhält.
  • Pflegen Sie das Piercing sorgfältig: Befolgen Sie die Anweisungen des Piercers zur Pflege des Piercings, um Infektionen zu vermeiden.
  • Seien Sie realistisch: Erwarten Sie keine Wunder vom Migräne-Piercing. Es ist wichtig, realistische Erwartungen zu haben und sich bewusst zu sein, dass das Piercing möglicherweise nicht bei jedem wirkt.

Alternative Behandlungsmethoden bei Migräne

Neben dem Migräne-Piercing gibt es eine Reihe anderer Behandlungsmethoden, die bei Migräne helfen können. Dazu gehören:

  • Medikamentöse Behandlung: Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Behandlung von akuten Migräneanfällen und zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden können. Dazu gehören Schmerzmittel, Triptane und Antikörper.
  • Nicht-medikamentöse Behandlung: Es gibt auch eine Reihe von nicht-medikamentösen Behandlungsmethoden, die bei Migräne helfen können. Dazu gehören Akupunktur, Biofeedback, Entspannungsverfahren, Ausdauersport und die Vermeidung von Triggern.
  • Akupunktur: Akupunktur nach den Prinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) beugt laut verschiedener Studien episodisch auftretenden Migräne-Attacken vor. Sie kann sogar als mindestens so wirksam angesehen werden wie die medikamentöse Migräne-Prophylaxe.
  • Ohrakupunktur (Aurikulotherapie): Die Ohrakupunktur ist ein Teilgebiet der Akupunktur. Praktizierende dieser Therapie verwenden Nadeln, Samen oder ihre eigenen Finger, um Druck auf bestimmte Punkte am Ohr auszuüben.
  • Meditation: Verschiedene Studien zeigen, dass eine Achtsamkeitsmeditation hilft, die Schmerzintensität zu reduzieren. Sie ist deshalb eine gute Behandlungsoption für Menschen, die mit Migräne leben.
  • Biofeedback: Biofeedback hat sich als sehr effektiv in der Migräne-Vorbeugung gezeigt. Bei diesem Therapieverfahren lernen Patienten, eigentlich unbewusst ablaufende Prozesse im Körper vermehrt aktiv zu kontrollieren - wie die Herzrate oder Muskelspannung.

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