Obergrätenmuskel Eingeklemmter Nerv: Ursachen, Symptome und Behandlung

Das Impingement-Syndrom der Schulter, oft auch als Schulterenge bezeichnet, ist ein schmerzhafter Zustand, der durch die Einklemmung von Gewebe im Schultergelenk entsteht. Bestimmte Bewegungen oder Belastungen können die Schmerzen auslösen, typischerweise auch nachts, besonders beim Liegen auf der betroffenen Seite. Das Engpasssyndrom zählt zu den häufigsten Ursachen für Schulterschmerzen.

Was ist ein Impingement-Syndrom?

Ein Impingement-Syndrom ist ein schmerzhafter Zustand, der durch verdrängtes oder eingeklemmtes Gewebe entsteht. Die Schulter ist am häufigsten betroffen, wobei das Schultergelenk in seiner Funktion eingeschränkt ist. Meistens ist beim Impingement-Syndrom der Schulter der Raum unter dem Schulterdach eingeengt, sodass dort ständig Gewebe anstößt oder sich einklemmt. Typischerweise stößt beim Impingement-Syndrom Gewebe am Schulterdach (Akromion) an. Besonders häufig ist die Sehne des Obergrätenmuskels (Musculus supraspinatus) die Schmerzursache beim Impingement-Syndrom. Die Rotatorenmanschette, ein Gefüge aus vier Muskeln und deren Sehnen, die das Schultergelenk eng umschließen, spielt dabei eine zentrale Rolle.

Ursachen des Impingement-Syndroms

Typische Ursachen für das Impingement-Syndrom der Schulter sind:

  • Einklemmung, Verletzung, Verschleiß oder Entzündung eines Muskels bzw. seiner Sehne (v.a. des Musculus supraspinatus)
  • Knochensporn am Schulterdach
  • Abweichende Form des Schulterdachs (z.B. hakenförmig geformt oder zu stark geneigt)
  • Knöcherner Ausläufer (Knochensporn) am Schultereckgelenk
  • Unvollständig verschmolzenes Schulterdach
  • Verletzungsbedingte Deckungsungleichheit der Gelenkflächen, z.B. Rotatorenmanschettenruptur
  • Gestörte Biomechanik durch Ungleichgewicht zwischen den Muskeln (funktionelles Impingement)
  • Schultersteife (Frozen Shoulder)
  • Übermäßig schlaffes oder instabiles Schultergelenk
  • Chronische Schleimbeutelentzündung in der Schulter
  • Einlagerung von Kalkherden in einer Sehne (Kalkschulter)

Wer beruflich oder in seiner Freizeit häufig wiederholte Überkopfbewegungen ausübt, hat ein erhöhtes Risiko, ein Impingement-Syndrom zu entwickeln.

Symptome des Impingement-Syndroms

Die mit dem Impingement-Syndrom verbundenen Schulterschmerzen können in Richtung Arm ausstrahlen. Ein wichtiges Symptom ist der schmerzhafte Bogen (Painful Arc). Denn beim seitlichen Anheben des Arms treten vor allem in einem Winkel von etwa 60 bis 120 Grad Schmerzen in Arm und Schultergelenk auf. Wer ein Impingement-Syndrom der Schulter hat, kann den betroffenen Arm oft kaum noch seitlich heben. Dadurch sind viele alltägliche Vorgänge stark erschwert.

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Diagnose des Impingement-Syndroms

Der Verdacht auf ein Impingement-Syndrom der Schulter ergibt sich meist schnell anhand der typischen Beschwerden und der Krankheitsgeschichte (Anamnese). Der Arzt wird Fragen stellen wie:

  • Wo tut es weh?
  • In welchen Situationen schmerzt die Schulter oder der Arm?
  • Seit wann bestehen die Schmerzen?
  • Schmerzt die Schulter ständig oder nur bei bestimmten Bewegungen oder Belastungen?
  • Treten die Schmerzen auch nachts auf?
  • Sind Beweglichkeit oder Kraft eingeschränkt?
  • Liegt eine bekannte Schulterverletzung vor?
  • Treiben Sie Sport?

Bei den letzten beiden Fragen geht es darum, mögliche Risikofaktoren für Schulterverletzungen beziehungsweise Schulterverschleiß aufzudecken.

Der Arzt führt auch körperliche Untersuchungen durch, wie zum Beispiel:

  • Widerstandstest: Der Arzt drückt die waagerecht ausgestreckten und nach innen gedrehten Arme gegen Widerstand nach unten. Geringer Widerstand wegen Schmerzen oder Kraftlosigkeit deutet auf eine Schleimbeutelentzündung, eine gereizte Sehne oder einen Sehnenriss hin.
  • Nacken- und Schürzengriff: Der Arzt prüft, ob der Patient die Hände in den Nacken (Daumen zeigen nach unten) oder an den Rücken (Daumen zeigen nach oben) legen kann.
  • Injektionstest: Der Arzt kann ein örtliches Betäubungsmittel unter das Schulterdach spritzen, um festzustellen, ob die Schmerzen dadurch gelindert werden.

Um der Ursache für das Impingement-Syndrom auf den Grund zu gehen, können weitere Untersuchungen notwendig sein. Zudem ist es beim Impingement-Syndrom hilfreich, den Schulterbereich auf Muskelverkürzungen zu untersuchen und die Beweglichkeit der Gelenke zu prüfen. Gegebenenfalls folgt eine Funktions- und Leistungsüberprüfung des Nervensystems. Bleibt auch nach diesen Untersuchungen unklar, was das Impingement-Syndrom verursacht, kann unter Umständen eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) Klarheit bringen.

Therapie des Impingement-Syndroms

Beim Impingement-Syndrom der Schulter hängt die Therapie unter anderem von Ursache, Stärke und Dauer der Schmerzen sowie vom Ausmaß der Gewebeschädigung ab. Auch der Beruf spielt eine Rolle. Meist reichen nicht-operative Maßnahmen gegen ein Impingement-Syndrom.

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Konservative Behandlung

Solange das Impingement-Syndrom akute Beschwerden bereitet, ist es ratsam, den betroffenen Arm zu schonen. Zudem können Sie gegen die akuten Beschwerden Medikamente einnehmen. Der Arzt kann Ihnen auch ein Glukokortikoid zusammen mit einem örtlichen Betäubungsmittel unter das Schulterdach spritzen. Hier besteht jedoch das Risiko, dass das Mittel die Sehnen zusätzlich schädigt.

Nach der anfänglichen Schonungsphase ist eine Physiotherapie wichtig. Sie besteht aus gezielten krankengymnastischen Übungen mit Muskelaufbautraining. Ohne Regelmäßigkeit und Ausdauer bringt die Physiotherapie beim Impingement-Syndrom aber nicht viel. Darum ist es wichtig, die Übungen auch zu Hause zu machen. In Absprache mit dem Arzt und Physiotherapeuten empfiehlt sich ein Training über mehrere Monate hinweg, zum Beispiel an fünf Tagen pro Woche für jeweils 15 bis 30 Minuten. Die krankengymnastischen Übungen dürfen das vom Impingement-Syndrom betroffene Schultergelenk jedoch nicht überlasten oder falsch belasten. Zudem sollten Sie während der Krankengymnastik keine Schmerzen haben. Im akuten Stadium des Impingement-Syndroms empfiehlt es sich manchmal sogar, das Schultergelenk vorübergehend ruhig zu stellen. Dabei besteht jedoch das Risiko, dass sich eine Schultersteife entwickelt.

Operative Behandlung

Oft ist ein Impingement-Syndrom mechanisch bedingt: Ein Knochensporn am Schulterdach (Akromion) oder ein hakenförmiges oder zu stark geneigtes Schulterdach engen den Raum unter dem Schulterdach (Subakromialraum) ein. Dann zielt die OP darauf ab, hier mehr Platz zu schaffen. In den meisten Fällen kann man das Impingement-Syndrom im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) operieren. Ein solches Vorgehen bezeichnet man auch als Schlüssellochchirurgie.

Ein operativ behandeltes Impingement-Syndrom erfordert eine intensive und konsequente Nachbehandlung. Die operierte Schulter wird meist für etwa 24 Stunden in einem Verband ruhig gestellt (Gilchrist-Verband). Im Lauf der ersten und zweiten Woche stehen passive Bewegungsübungen auf dem Plan. Zusätzlich versucht der Physiotherapeut, die Schulter beweglicher zu machen (zu mobilisieren). Ab der dritten Woche nach der Operation üben Sie aktiv, also mithilfe Ihrer eigenen Muskelkraft. Im Anschluss gilt es, mithilfe von Krankengymnastik die Muskeln der Rotatorenmanschette schrittweise wiederaufzubauen und zu kräftigen.

Verlauf und Prognose

Wie ein Impingement-Syndrom der Schulter verläuft, hängt unter anderem von der jeweiligen Ursache und der Dauer der Schulterbeschwerden ab. Ein Impingement-Syndrom kann im weiteren Verlauf Entzündungen, Verschleißerscheinungen und Einrisse der Sehnen der Rotatorenmanschette im Schultergelenk mit sich bringen. Bei einem operativ behandelten Impingement-Syndrom oder auch einer Ruhigstellung ohne OP besteht zudem das Risiko, dass sich eine Schultersteife (Frozen Shoulder) entwickelt.

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Vorbeugung

Einem Impingement-Syndrom der Schulter können Sie nur bedingt vorbeugen. Zum Training eignen sich zum Beispiel Schulterübungen, die Sie zu Hause selbst regelmäßig machen können. Trainieren Sie nur in Maßen - Überlastung führt eher zu Schulterschmerzen, als dass sie hilft. Sogenannte Überkopfarbeiten und -sportarten, bei denen man den Arm über Kopf heben und halten muss, erhöhen das Risiko für ein Impingement-Syndrom der Schulter.

Die Rolle der Muskulatur und des Nervensystems

Die Schulter- und Nackenmuskulatur ist ein komplexes System, das das Gewicht des Kopfes stemmt und die Armbewegungen ermöglicht. Der Trapezmuskel, der Deltamuskel und die Rotatorenmanschette spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Dysbalancen in dieser Muskulatur, oft verursacht durch langes Sitzen oder einseitige Belastungen, können zu Verspannungen und Schmerzen führen.

Die tiefen Nackenmuskeln, insbesondere die subokzipitalen Muskeln, sind für die feine Justierung des Kopfes verantwortlich. Eine Schwächung dieser Muskeln durch unseren modernen Lebensstil kann zu chronischen Nackenproblemen führen. Spezifische Übungen können helfen, diese tiefen Nackenmuskeln wieder aufzubauen.

Die Rotatorenmanschette zentriert den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne und sorgt für eine reibungslose Bewegung des Schultergelenks. Eine gestörte Funktion der Rotatorenmanschette kann zu einem Impingement-Syndrom führen, bei dem die Sehne gegen das knöcherne Schulterdach gequetscht wird.

Ursachen von Schulterschmerzen und Verspannungen

Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich sind oft die Folge von stundenlangem Sitzen am Computer oder der Nutzung von Smartphones. Diese Haltungen führen zu einer Überlastung der Nackenmuskulatur und zu schmerzhaften Triggerpunkten. Psychischer Stress kann ebenfalls zu Verspannungen in Schultern und Nacken führen.

Diagnose und Behandlung von Schulterschmerzen

Die Diagnose von Schulterschmerzen umfasst die Erhebung der Krankengeschichte, eine körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT. Die Behandlung kann konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, Schmerzmittel und Injektionen umfassen. In einigen Fällen ist eine Operation erforderlich.

Übungen und Tipps zur Vorbeugung von Schulterschmerzen

  • Kühlen oder wärmen: Bei akuten Entzündungen ist Kälte, bei Muskelverspannungen Wärme hilfreich.
  • Schlafposition: Die Rücken- oder Seitenlage ist besser als die Bauchlage.
  • Dehnen und kräftigen: Neben dem Dehnen ist es wichtig, die vernachlässigten Muskeln zu stärken.

Die Bedeutung der Schulteranatomie und -funktion

Das Schultergelenk ist ein Kugelgelenk, das eine große Bewegungsfreiheit ermöglicht. Es besteht aus dem Oberarmkopf, der Schultergelenkpfanne und der Rotatorenmanschette. Die Rotatorenmanschette stabilisiert und bewegt das Schultergelenk.

Häufige Schultererkrankungen

  • Kalkschulter: Kalkablagerungen in den Sehnen der Rotatorenmanschette
  • Schulterluxation: Auskugeln des Oberarmkopfes aus der Schulterpfanne
  • Rotatorenmanschettenriss: Riss der Sehnen der Muskeln, die das Schultergelenk stabilisieren
  • Impingement-Syndrom: Einengung des Raums zwischen Schulterdach und Oberarmkopf
  • Schultereckgelenkarthrose: Verschleiß des Gelenks zwischen Schlüsselbein und Schulterdach
  • Oberarmkopfbruch: Bruch des Oberarmkopfes
  • Schulterhauptgelenkarthrose: Verschleiß des Knorpels im Schultergelenk

Therapieansätze bei Schultererkrankungen

  • Physiotherapie: Stärkung der Muskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit
  • Medikamente: Schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente
  • Arthroskopie: Minimalinvasives Verfahren zur Diagnose und Behandlung
  • Schulterprothese: Ersatz des beschädigten Gelenks durch eine künstliche Gelenkkomponente

Rehabilitation nach Schulteroperationen

Ein effektives Schmerzmanagement und Physiotherapie sind entscheidend für die Erholung nach einer Schulteroperation.

Verspannungen am Schulterblatt

Verspannungen am Schulterblatt können durch Überlastung, Fehlbelastung, Muskelverkürzungen oder Triggerpunkte verursacht werden. Die Behandlung umfasst Physiotherapie, manuelle Therapie und das Vermeiden von Fehlbelastungen.

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