Hinterkopfschmerzen können beunruhigend sein und viele Fragen aufwerfen: Woher kommen sie und sind sie möglicherweise gefährlich? Die meisten Menschen denken bei Kopfschmerzen an Beschwerden im Stirnbereich oder an den Schläfen, doch sie können jede Stelle des Kopfes betreffen. Wenn Kopfschmerzen ausschließlich am Hinterkopf auftreten, ist die Sorge oft groß. Glücklicherweise sind Hinterkopfschmerzen selten Anzeichen einer schweren Erkrankung und hängen meist mit Verspannungen in Rücken, Schultern oder Nacken zusammen.
Ursachen von Hinterkopfschmerzen
Eine häufige Ursache für Kopfschmerzen am Hinterkopf sind Muskelverspannungen in Rücken, Nacken oder Kiefer, oft ausgelöst durch Fehlhaltungen wie stundenlanges Sitzen vor dem Computer, falsche Schuhe, einseitige Belastung oder Stress. Die Beschwerden können in Schultern und Arme ausstrahlen und Ohrendruck auslösen. Das Bewegen des Kopfes kann sehr schmerzhaft sein, da die verspannten Muskelstränge am Hinterkopf ansetzen.
Spannungskopfschmerzen
Spannungskopfschmerzen sind oft im Stirnbereich, aber auch im hinteren und rechten Kopfbereich lokalisiert. Sie fühlen sich dumpf, eng und einschränkend an, ähnlich wie das Tragen eines zu engen Hutes. Ein weiteres Symptom ist eine empfindliche Kopfhaut, und manche Patienten sind während der Beschwerden licht- und lärmempfindlich.
Migräne
Auch bei Migräne kann der Schmerz den Hinterkopf betreffen.
Zervikogener Kopfschmerz
Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule können ebenfalls Auslöser für Hinterkopfschmerzen sein, was Experten als zervikogenen Kopfschmerz bezeichnen. Die Beschwerden sind meist einseitig, beginnen im Nacken und strahlen über die Schädeldecke in Richtung Augen und Stirn aus. Hastige Kopfbewegungen oder Druck auf bestimmte Punkte an Hinterkopf bzw. Halswirbelsäule können die Kopfschmerzen auslösen. Meist sind sie dumpf und langanhaltend.
Lesen Sie auch: Okzipitalnerv: Funktion und Bedeutung
Arthritis
Arthrose oder rheumatoide Arthritis können, wenn sie die Halswirbelsäule betreffen, Kopfschmerzen verursachen. Dies liegt an Entzündungen und Schwellungen im Nackenbereich, die sich bei Bewegung verstärken.
Clusterkopfschmerzen
Bei Menschen, die unter Clusterkopfschmerzen leiden, gehören gelegentlich auch Schmerzen im Hinterkopf oder an den Seiten dazu.
Schwangerschaft
Schwangere leiden häufig unter Kopfschmerzen durch Nackenbeschwerden, oft aufgrund von Muskelverspannungen in Rücken oder Nacken.
Die Rolle der Okzipitalis-Nerven
Kopfschmerzen am Hinterkopf können ein- und beidseitig auftreten, oft aufgrund der Nerven bzw. Muskeln im oberen Rückenbereich und im Kopf. Auf jeder Hinterkopfseite verlaufen die drei Okzipitalis-Nerven: Okzipitalis major, Okzipitalis minor und Okzipitalis tertius. Der Okzipitalis major durchläuft das Band des Trapezmuskels. Je nachdem, welcher Nerv betroffen ist, schmerzt die rechte oder linke Seite. Wenn beispielsweise die linksseitige Nackenmuskulatur verspannt ist, spüren Sie Kopfschmerzen am Hinterkopf links. Bei der Okzipitalisneuralgie ist meist nur eine Seite des Hinterkopfes betroffen. Auch Migräne-Kopfschmerz ist in der Regel einseitig, die Seite kann aber wechseln.
Druckempfindlichkeit
Bei Muskelverspannungen im Nacken, Okzipitalneuralgie, Spannungskopfschmerzen oder Bandscheibenvorfällen ist der Hinterkopf oftmals druck- bzw. berührungsempfindlich. Wenn Sie in Rückenlage schlafen, kann der Druck des Kopfes auf das Kopfkissen unangenehm sein.
Lesen Sie auch: Alles über okzipitale Epilepsie
Wann ärztliche Hilfe nötig ist
Meist sind die Ursachen für Kopfschmerzen am Hinterkopf harmlos. Es gibt aber auch Anzeichen, bei denen Sie sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen sollten, denn sie können Anzeichen von z. B. Schlaganfällen oder Gehirnerschütterungen sein.
Selbstbehandlung von Hinterkopfschmerzen
Es gibt viele Möglichkeiten, Hinterkopfschmerzen selbst zu behandeln. In den meisten Fällen sind verspannte Muskeln in Rücken oder Nacken die Auslöser.
Wärme
Hier kann Wärme helfen: Legen Sie ein warmes Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche auf den Nacken. Wärme tut auch bei Bandscheibenproblemen gut. Wenn die Kopfschmerzen am Hinterkopf durch Stress ausgelöst wurden, können Sie sich ein entspannendes Bad gönnen.
Kälte
Gegen Schmerzen am Hinterkopf kann auch Kälte hilfreich sein. Probieren Sie aus, ob Ihnen ein Nackenguss mit erst kaltem und später wärmerem Wasser gut tut. Dieser Temperatur-Wechsel verstärkt die Durchblutung des Gehirns. Die Blutgefäße verengen sich durch den Kältereiz und der Körper reagiert mit einer Erweiterung der Gefäße, damit die Durchblutung des Gehirns erhöht wird. Das sorgt dafür, dass auch die kleinen Nerven in der Region stärker mit Sauerstoff und Blut versorgt werden.
Flüssigkeitszufuhr und Bewegung
Leiden Sie unter sehr niedrigem Blutdruck? Auch das kann Kopfschmerzen auslösen. Achten Sie grundsätzlich darauf, ausreichend zu trinken - auch Flüssigkeitsmangel kann Kopfschmerzen verursachen. Und: Bewegen Sie sich regelmäßig. Vor allem, wenn Sie bei der Arbeit viel sitzen müssen, kann Ihnen Yoga, Tai-Chi oder eine andere sanfte Bewegungsart helfen, die Rückenmuskulatur zu lockern.
Lesen Sie auch: Symptome des Okzipitalnerv-Schwindels erkennen
Vorbeugung
Zur Vorbeugung ist es besonders wichtig, dass Sie sich regelmäßig bewegen. So können Sie die verspannten Muskeln lösen. Damit verhindern Sie, dass Ihr Körper ein Schmerzgedächtnis entwickelt. Das würde nämlich dafür sorgen, dass die Nervenbahnen auch dann Signale ans Gehirn senden, wenn die Verspannung gar nicht mehr da ist. Geeignete Sportarten, um die Muskeln zu lockern, sind Ausdauerdisziplinen wie Radfahren, Schwimmen oder Jogging.
Kopfschmerztagebuch und Alltagstipps
Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, damit Sie die Auslöser für die Beschwerden erkennen können. Falls Sie Hinterkopfschmerzen aufgrund verspannter Rückenmuskeln haben, sollten Sie mal Ihre Handtasche prüfen. Eine weitere Ursache könnte auch eine zu harte oder zu weiche Matratze sein. Gucken Sie außerdem mal Ihre Schuhe an. Achten Sie bei der Arbeit am Bildschirm auf eine richtige Haltung und stehen Sie immer mal auf oder wechseln die Position.
Medikamente
In der Apotheke bekommen Sie einige Mittel, mit denen Sie Hinterkopfschmerzen wirksam lindern können. Einige enthalten die Kombination aus 400 Milligramm Ibuprofen und 100 Milligramm medizinischem Coffein. Gegen leichte bis mäßig starke Kopfschmerzen, die zum Beispiel durch Verspannungen verursacht wurden, sind Medikamente mit Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein hilfreich.
Chronische Hinterkopfschmerzen
Wenn Hinterkopfschmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat auftreten, werden sie wie alle weiteren Kopfschmerzarten als chronisch bezeichnet. Bitte lassen Sie sich ärztlich behandeln. Kopfschmerzmittel sind hier nicht geeignet, weil diese Medikamente immer nur einige Tage eingenommen werden sollen.
Okzipitalisneuralgie im Detail
Was ist eine Okzipitalisneuralgie?
Die Okzipitalisneuralgie ist eine seltene Form von Nervenschmerz, die im Bereich des Hinterkopfes auftritt. Ursache ist eine Reizung oder Entzündung der sogenannten okzipitalen Nerven, die vom oberen Teil der Halswirbelsäule zum Hinterkopf ziehen. Diese Nerven leiten Empfindungen aus dem Nacken und Hinterkopf an das Gehirn weiter. Wenn sie gereizt oder eingeklemmt sind, entstehen plötzliche, stechende oder brennende Schmerzen, die oft wie elektrische Stöße empfunden werden.
Ursachen der Schmerzen
Die Schmerzen entstehen, weil der Nervus occipitalis - meist der Nervus occipitalis major - empfindlich auf Druck oder Bewegung reagiert. Häufig ist die Ursache eine Verspannung der Nackenmuskulatur, zum Beispiel durch langes Sitzen am Computer, ungünstige Kopfhaltung oder Stress. Auch nach Verletzungen wie einem Schleudertrauma oder bei Verschleiß der Halswirbelsäule kann der Nerv gereizt werden. In manchen Fällen lässt sich keine klare Ursache finden. Dann spricht man von einer primären, also idiopathischen Form.
Symptome der Okzipitalisneuralgie
Typisch sind plötzlich einschießende, stechende oder brennende Schmerzen im Hinterkopf, manchmal nur auf einer Seite. Viele Betroffene berichten, dass die Schmerzen in die Schädelbasis, bis in die Schläfen oder hinter die Augen ausstrahlen. Der Schmerz kann durch alltägliche Reize wie das Kämmen der Haare, das Tragen einer Mütze oder das Anlehnen des Kopfes ausgelöst werden. Zwischen den Schmerzattacken bleibt häufig ein dumpfes Druck- oder Spannungsgefühl zurück. Manche Menschen bemerken, dass die Haut im betroffenen Bereich besonders empfindlich oder taub ist.
Diagnose der Okzipitalisneuralgie
Die Ärztin oder der Arzt stellt die Diagnose anhand der typischen Schmerzbeschreibung und durch eine gezielte Untersuchung. Dabei wird der Hinterkopf abgetastet, um den Nerv und seine Austrittspunkte zu prüfen. Wenn der Schmerz durch Druck ausgelöst werden kann und für kurze Zeit nachlässt, nachdem ein Betäubungsmittel an dieser Stelle gespritzt wurde, gilt die Diagnose als gesichert. Manchmal werden ergänzende Untersuchungen wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt, um andere Ursachen wie Bandscheibenschäden oder Entzündungen auszuschließen.
Behandlung der Okzipitalisneuralgie
Die Behandlung richtet sich nach der Stärke der Beschwerden und ihrer Dauer. Ziel ist es, die Schmerzleitung des gereizten Nervs zu beruhigen und die Muskulatur im Nacken zu entspannen.
Medikamentöse Behandlung
Zunächst wird versucht, die Beschwerden mit Medikamenten zu lindern, die auf Nervenschmerzen wirken. Dazu gehören Wirkstoffe wie Gabapentin, Pregabalin oder Amitriptylin. Entzündungshemmende Schmerzmittel können kurzfristig helfen, ebenso Muskelentspannungsmittel, wenn eine starke Verspannung vorliegt.
Physiotherapie
Parallel dazu spielt die Physiotherapie eine zentrale Rolle. Durch gezielte Übungen, Wärmebehandlung und Haltungsverbesserung kann die Nackenmuskulatur gelockert und der Druck auf den Nerv verringert werden. Viele Patientinnen und Patienten profitieren von Entspannungsverfahren wie Yoga, progressiver Muskelentspannung oder Atemübungen.
Nervenblockaden
Wenn die Schmerzen trotz dieser Maßnahmen bestehen bleiben, kann eine sogenannte Nervenblockade helfen. Dabei wird ein Lokalanästhetikum, häufig kombiniert mit einem Kortisonpräparat, in die Nähe des betroffenen Nervs gespritzt. Diese Injektion kann die Schmerzen für Tage bis Wochen lindern und manchmal den Kreislauf chronischer Schmerzen unterbrechen. Bei anhaltenden oder immer wiederkehrenden Beschwerden kann die Behandlung wiederholt werden.
Weitere Therapien
In besonders schweren Fällen, wenn alle anderen Therapien versagen, stehen moderne Verfahren wie die Radiofrequenztherapie oder die elektrische Nervenstimulation zur Verfügung. Dabei wird die Schmerzleitung gezielt moduliert, sodass der Schmerzreiz abgeschwächt wird. Solche Eingriffe werden in spezialisierten Zentren durchgeführt.
Was Sie selbst tun können
Sie können selbst viel dazu beitragen, die Schmerzen zu verringern und Rückfälle zu vermeiden. Achten Sie auf eine aufrechte Haltung, besonders bei Bildschirmarbeit. Vermeiden Sie es, den Kopf längere Zeit in einer Position zu halten, und machen Sie regelmäßig Pausen, um Nacken und Schultern zu lockern. Wärmeauflagen oder sanfte Massagen können Verspannungen lösen. Entspannungsübungen helfen, Stress als Verstärker des Schmerzes zu reduzieren.
Auch regelmäßige Bewegung, insbesondere Schwimmen oder leichte Dehnübungen, kann den Nacken stabilisieren und die Muskulatur kräftigen. Wenn Sie bemerken, dass bestimmte Haltungen oder Belastungen die Schmerzen auslösen, versuchen Sie, diese zu vermeiden oder ergonomisch anzupassen.
Prognose
Die meisten Menschen mit Okzipitalisneuralgie sprechen gut auf eine Kombination aus Medikamenten, Nervenblockaden und Physiotherapie an. In vielen Fällen lassen die Schmerzen im Verlauf deutlich nach oder verschwinden vollständig. Wichtig ist jedoch, die Behandlung frühzeitig zu beginnen und die Nackenmuskulatur langfristig zu stärken.
Weitere Aspekte der Okzipitalisneuralgie
Anatomie der Hinterhauptsnerven
Im Bereich des Hinterhauptes verlaufen in der Regel jeweils drei Nerven (Occipitalis major, Occipitalis minor und Occipitalis tertius), die aufgrund verschiedener Ursachen gereizt sein können und damit die Okzipitalisneuralgie auslösen können. Am häufigsten wird diese Neuralgie durch eine Einengung (Entrapment) aufgrund einer erhöhten Muskelverspannung im Hinterhauptbereich verursacht, da diese Occipital-Nerven durch tiefe Muskelschichten hindurch müssen.
Auch nach Operationen an der Halswirbelsäule oder nach Schädeloperationen sowie nach Frakturen des Schädels oder der Schädelbasis können die Hinterhauptsnerven durch Narben eingeklemmt werden und den Hinterhauptkopfschmerz auslösen.
Symptome der Hinterhauptkopfschmerzen
Eine Reizung der Nervenstrukturen am Hinterkopf führt zu Schmerzen im Ausbreitungsgebiet dieser Nerven, die jeweils vom Hinterkopf in Richtung Stirn, Schädelseite oder Schläfenbereich führen, je nachdem welcher der drei Hinterkopfnerven (Okzipitalnerven) betroffen ist. Meistens sind die sogenannten Nervenaustrittspunkte am Hinterkopf sehr druckempfindlich und verstärken die Schmerzen am Hinterhaupt. Gelegentlich führt der Druck auf diese Stellen aber auch zu einer Verminderung der Kopfschmerzen.
Diagnostische Blockade der Hinterkopfnerven
Wenn der Verdacht auf eine entsprechende Ursache der Hinterkopfschmerzen besteht, kann eine Nervenblockade der Okzipitalnerven mit einem örtlichen Betäubungsmittel durchgeführt werden, um die Schmerzen auszuschalten. Wenn durch diese Blockade die Schmerzen am Hinterkopf um mehr als 80% zu reduzieren sind, spricht das für die Diagnose eines durch die Reizung der Hinterkopfnerven (Nervi okzipitales) ausgelösten Kopfschmerz. In der gleichen oder einer der folgenden Sitzungen kann zusätzlich ein Kortisonpräparat hinzugegeben werden.
Behandlung der Okzipitalisneuralgie
Bei positivem Ergebnis der Okzipitalnerven Blockaden - die Hinterkopfschmerzen verschwinden innerhalb weniger Minuten- lassen sich wiederholte Nervenblockaden mit Zusatz eines Corticoidpräparates durchführen. Sollte hier kein langanhaltendes Ergebnis in der Reduktion der Hinterkopfschmerzen erreicht werden, bietet sich idealerweise eine Kryoneurolyse der Hinterkopf - Nerven an, die in der Regel zu einer mehrmonatigen bis mehrjährigen Schmerzfreiheit führen.
Zusätzlich kann eine Behandlung der muskulären Strukturen und der in der Regel bestehenden Blockierungen im atlanto-occipitalen Übergangsbereich und im Bereich der Halswirbelsäule notwendig sein, um den Druck von den Okzipitlalnerven zu nehmen. Sowohl Akupunktur als auch Triggerpunktbehandlung können gezielt die Muskelanspannung bei Schmerzen am Hinterkopf reduzieren. Chirotherapie kann an der HWS ausschliesslich mit sanften Techniken eingesetzt werden. Wenn der erhöhte Muskeltonus auf Grund von Fehlhaltung oder als Stressreaktion erhöht ist, kann mit Hilfe einer Biofeedback Behandlung ein gutes Therapieergebnis in der Behandlung von Hinterkopfschmerzen erzielt werden.
Nackenschmerzen und Kopfschmerzen
Kopfschmerzen und Nackenschmerzen treten häufig gemeinsam auf. Nackenschmerzen mit Kopfschmerzen werden medizinisch als oberes Zervikalsyndrom bezeichnet. Es betrifft vor allem Menschen, die viel Zeit am Computer verbringen. Umgekehrt können Nackenschmerzen als Folge von Kopfschmerzen auftreten.
Der große Hinterhauptnerv verläuft wie der kleine Hinterhauptnerv und der große Ohrnerv am Hinterhaupt. Alle Nerven stehen in enger Verbindung mit verschiedenen Halsmuskeln und können bei verspannter Muskulatur gereizt werden. Bei Verspannungen im Nacken kann der Schmerz bis in den Kopf ausstrahlen und Kopfschmerzen verursachen, die den Kopf helmartig bis zur Stirn umfassen. Die verkrampfte Muskulatur drückt auf Nerven, die das Hinterhaupt (Os occipitale) versorgen.
Differenzialdiagnose
Es ist wichtig, eine Okzipitalisneuralgie von anderen Kopfschmerzarten zu unterscheiden:
- Migräne, Cluster- oder Spannungskopfschmerzen: Bei starken, anfallsartigen Schmerzen.
- Andere sekundäre Kopfschmerzen: Die von Störungen, Verletzungen etc. ausgelöst werden.
- Postherpetische Neuralgie: Bei Schmerzen an der Kopfhaut.
- Bandscheibenvorfälle oder andere Störungen in der oberen Halswirbelsäule: Bei starken Schmerzen im Nackenbereich.
- Trigeminusneuralgie: Bei einer Reizung des Trigeminusnervs entstehen meist einseitige Schmerzen, die sich bis hin zu den Augen, den Zähnen und dem Kiefer ziehen.
Ursachen im Detail
Muskelverspannungen
In den meisten Fällen ist die Ursache einer Occipitalisneuralgie eine Einklemmung des Nervens durch Muskelverspannungen der darüber liegenden Nackenmuskeln. Diese tritt v. a. bei Personen auf, die viel Zeit im Sitzen verbringen. Durch eine stundenlange Sitzhaltung kann eine dauerhafte Steifheit der Nacken- und Hinterkopfmuskulatur entstehen. Die Hinterhauptsnerven können so dauerhaft gereizt und sogar eingeklemmt werden. Auch bei Personen mit schwerer körperlicher Arbeit kann es durch häufige Wiederholung belastender Bewegungen zu einer Nervenreizung kommen.
Trauma
Daneben kann durch ein Trauma in diesem Bereich, etwa durch eine Verletzung oder ein Sturz, mechanisch Druck auf die Nerven ausgeübt werden und so zu dieser Symptomatik führen. Das auslösende Trauma kann dabei auch mit etwas Abstand zur Verletzung zu Problemen führen.
Degenerative Veränderungen
Auch degenerative Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule können im Alter eine Okzipitalneuralgie auslösen. Durch Arthrose in den oberen Wirbeln der Halswirbelsäule kann ein direkter Druck auf den Hinterhauptsnerven entstehen. Aber auch eine allgemeine Versteifung des Nackenbereichs in Folge der Arthrose kann eine Einklemmung der Nerven bewirken.
Stoffwechselerkrankungen
Sogar Stoffwechselerkrankungen wie Gicht oder Diabetes können einen negativen Effekt auf die Gelenke der Halswirbelsäule haben und dadurch die Halsnerven in Mitleidenschaft ziehen. Zusätzlich haben Patienten mit Diabetes ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Neuralgien im Allgemeinen, da durch die erhöhten Blutzuckerwerte die Nerven im ganzen Körper geschädigt werden können.
Seltene Ursachen
In seltenen Fällen können durch raumfordernde Prozesse im Austrittsbereich der Nerven in der oberen Halswirbelsäule die Nerven eingeklemmt und gereizt werden. Hierzu gehören neben Infektionen auch Tumore oder Metastasen.
Häufig kann jedoch keine eindeutige Ursache ausgemacht werden. Dies ist aber auch in den meisten Fällen und sofern schwerwiegendere Erkrankungen ausgeschlossen werden können, auch nicht für eine erfolgreiche Therapie erforderlich.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Bei plötzlich auftretenden, starken Schmerzen im Bereich des Hinterkopfes sollte unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Wenn das Schmerzgeschehen immer wieder ohne erkennbare Ursache auftritt, sollte ebenfalls ein Arzt zur Diagnostik und Therapie hinzugezogen werden. Auch zum Ausschluss von anderen chronischen Erkrankungen wie Migräne ist eine genaue Abklärung empfehlenswert. Generell handelt es bei einer Okzipitalneuralgie um eine eher seltene Diagnose, die nicht immer zweifelsfrei gestellt werden kann. Der Fokus des behandelnden Arztes liegt deshalb hauptsächlich auf dem Ausschluss anderer Erkrankungen und der erfolgreichen Linderungen der Schmerzen durch eine geeignete Therapie.
Diagnoseverfahren
Als Erstes werden Lokalisation und Ausprägung der Schmerzen erfragt. Wenn der Arzt bei der anschließenden körperlichen Untersuchung des Hinterkopfes einen Druckschmerz feststellen kann, ist dies ein Hinweis auf eine Okzipitalneuralgie. In der weiteren Anamnese, der Befragung des Patienten zum Krankheitsgeschehen, werden weitere Symptome wie Missempfindungen oder Überempfindlichkeiten erfasst. Um mögliche Ursachen abzuklären, erkundigt sich der Arzt nach früheren Verletzungen oder weiteren Erkrankungen, die ursächlich für die Symptomatik sein können.
Eine Option zur Diagnose kann eine anästhetische Blockade des Okzipitalnervens sein. Dabei wird der Nerv durch lokale Betäubungsmittel betäubt. Wenn dadurch eine deutliche Schmerzlinderung erzielt werden kann, liegt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Okzipitalneuralgie vor. Zum Ausschluss von Tumoren in der Halswirbelsäule oder Ursachen, die im Kopf lokalisiert sind, kann als weitere Untersuchung ein MRT oder CT sinnvoll sein.
Therapieansätze
Manuelle Therapie
Der gesamte Kopf- /Halsbereich kann manualtherapeutisch behandelt werden, um eine gute Funktion aller Bestandteile der Halswirbelsäule einschliesslich des Atlas herzustellen. Dazu kommt eine Überprüfung der Kiefergelenke und der oberen Rippen, sowie der Übergang zur Brustwirbelsäule.
Neuraltherapie
Begleitend kann mit Neuraltherapie oder kleinen Injektionen eine bestehende Reizung adressiert werden.
tags: #occipital #nerv #entzundung