Occipitalis-Neuralgie: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Die Occipitalis-Neuralgie, auch Hinterhauptneuralgie genannt, ist eine Kopfschmerzerkrankung, die durch Reizung oder Schädigung der Hinterhauptnerven (Nervus occipitalis major und minor) verursacht wird. Diese Nerven entspringen im oberen Nackenbereich und ziehen über den Hinterkopf. Das Kopfschmerzzentrum der Charité versorgt jährlich über 2.000 Patient:innen mit Kopf- und Gesichtsschmerzen.

Ursachen der Occipitalis-Neuralgie

Die Ursachen einer Occipitalis-Neuralgie sind vielfältig. Zu den häufigsten gehören:

  • Arthrotische Veränderungen an der Halswirbelsäule (Spondylarthrose): Hierbei können die Nervenwurzeln, aus denen die Hinterhauptnerven hervorgehen, eingeengt werden.
  • Verletzungen der Nerven: Direkte Traumata im Bereich des Hinterkopfes oder Nackens können die Nerven schädigen.
  • Tumoren im Bereich des Nervens: In seltenen Fällen können Tumoren auf die Nerven drücken und so Schmerzen verursachen.
  • Infektionen: Infektionen im Bereich der Nerven können zu Entzündungen und Schmerzen führen.
  • Komprimierung durch benachbarte Arterien: Manchmal wird der Nerv in seinem Verlauf auch durch benachbarte Arterien komprimiert und geschädigt.
  • Bindegewebige oder muskuläre Einengung: Ursächlich wird eine bindegewebige oder muskuläre Einengung des N. occipitalis an seinem Fasziendurchtritt zwischen dem ersten und dem zweiten Halswirbelbogen diskutiert.
  • Stoffwechselerkrankungen: Weiters können Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus zu Nervenschmerzen führen.

Symptome der Occipitalis-Neuralgie

Bei der Occipitalis-Neuralgie kommt es durch Irritationen oder Reizung eines der beiden Hinterhauptnerven (Occipitalnerven, Nervus occipitalis major und Nervus occiptalis minor) zu scharfen, einschießenden und stechenden Schmerzen im Bereich von Hinterhaupt (Os occipitale) und Nacken. Manchmal strahlt der Schmerz auch in Richtung Auge aus. Typische Symptome sind:

  • Scharfe, einschießende und stechende Schmerzen: Die Schmerzen werden oft als blitzartig oder elektrisierend beschrieben.
  • Lokalisation im Hinterkopf und Nacken: Der Schmerz ist meist im Bereich des Hinterkopfes und des oberen Nackens lokalisiert, dem Verteilungsgebiet des N. occipitalis major, minor, tertius entsprechend.
  • Ausstrahlung in andere Bereiche: Der Schmerz kann auch in Richtung Auge, Schläfe oder Stirn ausstrahlen.
  • Druckempfindlichkeit: Der Bereich um die Hinterhauptnerven kann sehr druckempfindlich sein.
  • Bewegungsabhängigkeit: Die Schmerzen können sich bei Bewegungen des Kopfes in den Kopfgelenken (C0 bis C3) verstärken.
  • Der Schmerz kann sich dumpf, pochend, brennend aber auch sich scharf und stechend anfühlen.
  • Auch elektrisierende Missempfindungen können sich entlang des Nervenverlaufs ausbreiten.
  • Der Schmerz kann einseitig oder auch beidseitig am Hinterkopf sein.

Diagnose der Occipitalis-Neuralgie

Die Diagnose der Occipitalis-Neuralgie basiert in erster Linie auf der Beschreibung der Symptome durch den Patienten und einer körperlichen Untersuchung. Folgende Untersuchungen können zur Diagnose beitragen:

  • Neurologische Untersuchung: Hierbei werden die Funktion der Nerven und Muskeln im Bereich des Kopfes und Nackens überprüft.
  • Druckschmerztest: Durch Druck auf die Hinterhauptnerven kann der typische Schmerz ausgelöst werden.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen oder Nervenkompressionen zu identifizieren.
  • Lokale Nervenblockade: Eine Injektion eines Lokalanästhetikums in den Bereich der Hinterhauptnerven kann zur Diagnose beitragen. Wenn die Schmerzen nach der Injektion vorübergehend verschwinden, ist dies ein Hinweis auf eine Occipitalis-Neuralgie.

Behandlung der Occipitalis-Neuralgie

Leider spricht die Occipitalis-Neuralgie auf eine medikamentöse Behandlung oft nicht an. Therapeutisch wird dann eine lokale Nervenblockade empfohlen. Die Behandlung der Occipitalis-Neuralgie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Ursache und Schweregrad der Erkrankung eingesetzt werden können:

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Konservative Behandlung

  • Schmerzmittel: Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Opioide können zur kurzfristigen Linderung der Schmerzen eingesetzt werden.
  • Muskelrelaxantien: Muskelrelaxantien können helfen, Muskelverspannungen im Nackenbereich zu lösen.
  • Lokale Injektionen: Injektionen von Lokalanästhetika und/oder Kortikosteroiden in den Bereich der Hinterhauptnerven können die Schmerzen lindern und Entzündungen reduzieren.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Nackenmuskulatur zu stärken und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule zu verbessern.
  • Manuelle Therapie: Durch manuelle Mobilisation einzelner Kopfknochen, der Kopfgelenke und der neuralen Strukturen(Nerven) können Wissenschaftlich nachgewiesen, gute Resultate erzielt werden (Manuelle Therapie Zeitschrift 2014).
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Schmerzen zu lindern.

Invasive Behandlung

  • Nervenblockaden: Wiederholte Nervenblockaden mit Lokalanästhetika können eine länger anhaltende Schmerzlinderung bewirken.
  • Radiofrequenztherapie: Bei der Radiofrequenztherapie werden die Hinterhauptnerven durch Hitze verödet, um die Schmerzleitung zu unterbrechen.
  • Botulinumtoxin-Injektionen: Injektionen von Botulinumtoxin (Botox) in die Nackenmuskulatur können die Muskelverspannungen reduzieren und die Schmerzen lindern.
  • Neurostimulation: In einigen Fällen kann eine Neurostimulation eingesetzt werden, um die Schmerzsignale zu unterdrücken. Hierbei werden Elektroden in den Bereich der Hinterhauptnerven implantiert, die elektrische Impulse abgeben.
  • Chirurgische Dekompression: Bei starken Beschwerden und einem nachgewiesenen Gefäß-Nerv-Kontakt kann eine mikrochirurgische Operation zur Entlastung des Nerven (Neurolyse) helfen. Bei konservativer Therapieresistenz können lokale Infiltrationstherapien, Thermodenervierungen mit Hitze oder Kälte oder Dekompressionsoperationen auf Höhe HWK 1/HWK 2 (Nervenwurzel C2) Abhilfe von den Schmerzen schaffen.

Differentialdiagnose

Es ist wichtig, die Occipitalis-Neuralgie von anderen Kopfschmerzerkrankungen mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen. Dazu gehören:

  • Spannungskopfschmerz: Ein Spannungskopfschmerz ist von leichter bis moderater Intensität, meist wie ein Ring um den Kopf, als Druck auf der Schädeldecke oder anhaltender Hinterkopfschmerz beschrieben.
  • Migräne: Die Migräne ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der es zu einer spontanen Aktivierung von Nervenzellen kommt, die von den Patient:innen als Schmerzen mit mittlerer bis schwerer Stärke - vornehmlich halbseitig auf der Stirn, der Schläfe bis zum Hinterkopf und Nacken - wahrgenommen werden.
  • Zervikogener Kopfschmerz: Cervicogener Kopfschmerz (von der Halswirbelsäule kommend).
  • Cluster-Kopfschmerz: Cluster Kopfschmerz (ca. 100 000 Patientinnen oder Patienten in Deutschland) besteht aus strikt halbseitigen Schmerzen um bzw. hinter einem Auge, der Stirn, der Schläfe bis in den Oberkiefer von stechendem, bohrendem bis ziehenden Charakter.

Kopfschmerzen bei Kindern

Da gerade bei Kindern die Strukturen noch wenig gefestigt und gut beeinflussbar sind, hat sich spezielle Manuelle Therapie der Kopfknochen als eine sehr erfolgreiche Chance erwiesen, Einfluss auf Entwicklung und Wachstum und damit auf Funktion zu nehmen. Das Wachstum des kindlichen Schädels kann durch Nasennebenhöhlen-, Stirnhöhlen- und Ohrenentzündungen empfindlich gestört werden. Nicht selten wachsen die Kopfknochen und der Unterkiefer deshalb nicht gleich gut und eine Asymmetrie entsteht, die wiederum Auswirkung auf das Kiefergelenk und die Halswirbelsäule haben können. Eine schiefe Kopfhaltung und Kopfschmerz findet man ebenso bei Fehlstellungen des oberen Wirbels (Atlas). Dieses Problem wird auch KISS (Kopfgelenk Induzierte Symmetrie Störung) genannt. Manche Kinder haben massiv Kopfschmerzen durch diese Fehlspannungen und zeigen Auffälligkeiten die mit ADHS (Aufmerksamkeit Defizit und Hyperaktivität Syndrom) verwechselt werden. Die Schädelnähte (dort, wo die einzelnen Kopfknochen, ähnlich wie eine gelenkige Verbindung, zusammen kommen) sind also von großer Bedeutung für das Funktionieren des kindlichen Nervensystems. Funktionsstörung des Nervensystems können nicht nur Schmerzen, sondern auch Verhaltensbeeintrechtigung und emotionale Unstimmigkeiten sowie Störungen des gesamten Reflexsystems herbeiführen. Deshalb ist es so wichtig, dass Kinder mit Kopfschmerz in professionelle Hände kommen um genau herauszufinden, was alles zu den Kopfschmerzen beiträgt. Das können sowohl Schulsorgen oder Haltungsstörungen, sowie Faktoren wie einseitige Ernährung, Reizüberflutung oder falsche Schlafgewohnheiten sein. Die meisten Kinder freuen sich auf die Behandlung am Kopf, dass einige von Ihnen sogar einschlafen oder sich über einen “leichten Kopf“ nach der Therapie freuen. Außer der Manuellen Therapie am Kopf bekommt das Kind eine kindgerechtes Bild in seine Beschwerden und in die Lösung derselben. Die Kindern lernen zu spüren, was ihnen gut tut und wie sie erneuten Kopfschmerzen besser vorbeugen.

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