Estradiolvalerat ist ein Wirkstoff, der in verschiedenen Bereichen der Medizin eingesetzt wird, insbesondere in der Gynäkologie. Es findet Verwendung in kombinierten Antibabypillen und in der Hormontherapie, speziell während der Wechseljahre. Die Erfahrungen mit Estradiolvalerat bei Haarausfall sind vielfältig und bedürfen einer differenzierten Betrachtung.
Was ist Estradiolvalerat?
Estradiolvalerat ist ein Östrogen, das dem körpereigenen Estradiol sehr ähnlich ist. In kombinierten Antibabypillen wird es zusammen mit einem Gestagen eingesetzt, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Diese Mikropillen wirken auf dreifache Weise: Sie unterdrücken den Eisprung, verändern die Gebärmutterschleimhaut, sodass sich befruchtete Eizellen nicht einnisten können, und verdicken den Zervixschleim, wodurch Spermien schwerer in die Gebärmutter gelangen. Die Verhütungssicherheit kombinierter Pillen mit Estradiolvalerat liegt bei über 99 %, vorausgesetzt die Einnahme erfolgt korrekt. Der Pearl-Index für die Qlaira® Pille (mit Estradiolvalerat und Dienogest) beträgt beispielsweise 0,42 für die Altersgruppe von 18-50 Jahren.
Ein Vorteil von Estradiolvalerat gegenüber synthetischen Östrogenen wie Ethinylestradiol ist, dass es den Stoffwechsel und die Blutgerinnung weniger stark beeinflusst, da es dem körpereigenen Östrogen Estradiol sehr ähnlich ist und dadurch natürlicher auf den weiblichen Organismus wirkt.
Estradiol und Haarausfall: Grundlagen
Estradiol ist ein wichtiges weibliches Sexualhormon, das eine essentielle Rolle im weiblichen Reproduktionszyklus spielt. Es beeinflusst die Ausbildung der weiblichen Geschlechtsmerkmale und -organe und trägt maßgeblich zum Ablauf des weiblichen Zyklus bei. Darüber hinaus hat Estradiol geschlechtsunspezifische Funktionen, wie die Beeinflussung des Knochenwachstums, der Knochendichte, der Durchblutung, der Blutgerinnung, der Beschaffenheit der Haut und des Fettstoffwechsels. Im Gehirn fördert es die Ausschüttung von endogenen Opiaten und beeinflusst so die Stimmungslage.
Bei Haarausfall wird Estradiol in verschiedenen Formen eingesetzt, um die Anzahl der Haare in der Ruhephase (Telogenphase) des Haarzyklus zu vermindern und so die Haardichte zu erhöhen.
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Erfahrungen mit Estradiolvalerat bei Haarausfall
Die Erfahrungen mit Estradiolvalerat bei Haarausfall sind unterschiedlich. Einige Frauen berichten von positiven Effekten, insbesondere bei diffusem Haarausfall oder androgenetischer Alopezie. Es gibt Hinweise darauf, dass Estradiol-haltige Lösungen den Haarausfall verzögern können, insbesondere bei fehlender oder nur geringer Haarlichtung bei gleichzeitig stärkerem Haarverlust. Hierbei werden sowohl biologisch östrogenaktive 17-beta-Estradiol-Lösungen (Crino-Hermal fem neu®, Alpicort F neu® u.a.) als auch nicht-östrogenaktive 17-alpha-Estradiole (Ell-Cranell-alpha®, Pantostin®) eingesetzt.
Andere Frauen berichten jedoch von keiner Verbesserung oder sogar einer Verschlechterung des Haarausfalls unter der Einnahme von Estradiolvalerat-haltigen Präparaten. Dies kann verschiedene Ursachen haben, wie z.B. eine individuelle Unverträglichkeit, eine falsche Dosierung oder eine andere Ursache des Haarausfalls.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Studien zur Wirksamkeit von Estradiol bei Haarausfall teilweise älter sind und nicht den modernen Anforderungen entsprechen. Zudem steht der wissenschaftliche Beweis in doppelblinden, plazebokontrollierten Studien mit präzisen Haarzählungen und standardisierten Übersichtsfotografien sowohl für Östrogene als auch Antiandrogene noch aus.
Weitere Therapieoptionen bei Haarausfall
Neben Estradiol gibt es weitere Therapieoptionen bei Haarausfall, die je nach Ursache und Art des Haarausfalls in Betracht gezogen werden können.
- Minoxidil: Minoxidil ist ein topisch anzuwendendes Mittel, das bei androgenetischer Alopezie eingesetzt wird. Es gibt wissenschaftliche Studienergebnisse, die auf eine gute Wirksamkeit deuten.
- Antiandrogene: Antiandrogene wie Chlormadinonacetat (Belara®, Neo-Eunomin®) oder Cyproteronacetat (Diane-35®, Androcur®) können systemisch gegeben werden, um die Wirkung männlicher Hormone in der Kopfhaut zu stoppen.
- Kortikosteroide: Kortikosteroide wie Prednisolon können bei entzündlichen Erkrankungen der Kopfhaut eingesetzt werden, um Entzündungsreaktionen zu vermindern.
- Weitere Wirkstoffe: Weitere Wirkstoffe, die bei Haarausfall eingesetzt werden können, sind z.B. Biotin, Zink, Eisen und Aminosäuren.
Expertenrat und wichtige Hinweise
Bei Haarausfall ist es wichtig, die Ursache des Haarausfalls zu ermitteln, um eine gezielte Therapie einleiten zu können. Eine ärztliche Beratung ist daher unerlässlich.
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- Diagnosestellung: Vor Einleitung einer spezifischen Therapie bei Haarausfall steht immer die exakte Stellung einer Diagnose.
- Individuelle Therapie: Die Therapie des Haarausfalls richtet sich nach dem vorliegenden Haarstatus und der Ursache des Haarausfalls.
- Ärztliche Kontrolle: Bei der Anwendung von Estradiol-haltigen Präparaten ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle erforderlich, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Langzeittherapie: Die Therapie des Haarausfalls ist oft eine Langzeittherapie, die Geduld und Ausdauer erfordert.
- Kombinationstherapie: In manchen Fällen kann eine Kombination verschiedener Therapieansätze sinnvoll sein, um den Haarausfall effektiv zu behandeln.
Dosierung und Anwendung von Estradiolvalerat
Die Dosierung und Anwendung von Estradiolvalerat hängt von der Art des Präparates und dem Anwendungsgebiet ab. In kombinierten Antibabypillen wird Estradiolvalerat in der Regel in einer Dosierung von 2-3 mg pro Tablette eingenommen. In der Hormontherapie kann die Dosierung je nach Bedarf angepasst werden.
Estradiolvalerat kann in verschiedenen Darreichungsformen verabreicht werden, wie z.B. Tabletten, Pflaster, Lösungen, Sprays, Gele und Vaginalringe. Die Wahl der Darreichungsform hängt von den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben der Patientin ab.
Risiken und Nebenwirkungen von Estradiolvalerat
Wie alle Medikamente kann auch Estradiolvalerat Nebenwirkungen verursachen. Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Depressionen, empfindliche Brüste oder Brustschmerzen. Seltenere Nebenwirkungen sind z.B. Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen, Blutdruckanstieg, Veränderungen der Leberwerte und Thromboembolien.
Estradiolvalerat kann auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. So kann es beispielsweise die Wirkung von Medikamenten gegen Epilepsie, HIV und Depressionen verringern.
Es gibt auch Gegenanzeigen gegen die Verwendung von Estradiolvalerat, wie z.B. bestehender oder früherer Brustkrebs, bestehende oder frühere östrogenabhängige Tumore, ungeklärte Vaginalblutungen, generelle Thromboseneigung, bestehende oder frühere venöse Thromboseerkrankungen, kürzlich erlebte arterielle thromboembolische Erkrankungen, schwere Funktionsstörungen und Erkrankungen der Leber und Porphyrie.
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