Ursachen für Taubheitsgefühle im Oberschenkel: Ein umfassender Überblick

Taubheitsgefühle im Oberschenkel sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen betrifft. Sie können beunruhigend sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die Ursachen für diese Empfindungsstörung sind vielfältig und reichen von harmlosen Auslösern bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die möglichen Ursachen von Taubheitsgefühlen im Oberschenkel, um Betroffenen ein besseres Verständnis ihrer Beschwerden zu ermöglichen und sie bei der Suche nach der richtigen Behandlung zu unterstützen.

Was ist ein Taubheitsgefühl (Hypästhesie)?

Ein Taubheitsgefühl, medizinisch als Hypästhesie bezeichnet, entsteht durch eine verminderte Sensibilität der Haut. Dabei ist der Gefühlssinn gestört, sodass äußere Reize wie Wärme, Kälte, Berührung, Druck, Schmerz oder Vibrationen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr an das Gehirn weitergeleitet werden können. Ein vollständiger Ausfall des Gefühlssinns wird als Anästhesie bezeichnet.

Taubheitsgefühle treten vor allem in den Extremitäten auf, wie Fingern, Zehen, Armen und Beinen. Seltener sind der Rumpf oder das Gesicht betroffen. Die Beschwerden können einseitig oder beidseitig auftreten und werden häufig von einem unangenehmen Kribbeln ("Ameisenlaufen") begleitet.

Häufige Ursachen von Taubheitsgefühlen im Oberschenkel

Die Ursachen für Taubheitsgefühle im Oberschenkel sind vielfältig. Es ist wichtig, die genaue Ursache zu ermitteln, um eine gezielte Behandlung einzuleiten. Im Folgenden werden einige der häufigsten Ursachen genauer betrachtet:

1. Eingeklemmter Nerv (Nervus cutaneus femoris lateralis) - Meralgia Paraesthetica

Eine häufige Ursache für Taubheitsgefühle im seitlichen Oberschenkel ist die Meralgia Paraesthetica, auch bekannt als Leistentunnelsyndrom oder Jeanskrankheit. Dabei wird der Nervus cutaneus femoris lateralis, ein Hautnerv, der die Außenseite des Oberschenkels versorgt, im Bereich des Leistenbandes eingeklemmt.

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Ursachen:

  • Enge Kleidung (z.B. enge Jeans)
  • Übergewicht
  • Schwangerschaft
  • Gewichtszunahme
  • Langes Sitzen
  • Falsche Haltung (auch beim Krafttraining)

Symptome:

  • Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Brennen im seitlichen und vorderen Bereich des Oberschenkels
  • Schmerzen im Oberschenkel
  • Die Symptome können sich beim Gehen oder Stehen verschlimmern

Behandlung:

  • Vermeidung enger Kleidung
  • Gewichtsreduktion
  • Physiotherapie
  • Schmerzmittel
  • In seltenen Fällen operative Dekompression des Nervs

2. Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich (LWS)

Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) kann ebenfalls zu Taubheitsgefühlen im Oberschenkel führen. Dabei verrutscht eine Bandscheibe und drückt auf eine Nervenwurzel, was zu einer Kompression des Nervs führt.

Ursachen:

  • Altersbedingter Verschleiß der Bandscheiben
  • Fehlbelastung der Wirbelsäule
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Heben schwerer Lasten

Symptome:

  • Starke Schmerzen im Lendenbereich, die in das Bein ausstrahlen können
  • Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Schwäche im Bein oder Fuß
  • Die Symptome können sich beim Husten, Niesen oder Pressen verstärken
  • Im Extremfall Lähmungen der Beine, Füße oder von Blase und Darm

Behandlung:

  • Schmerzmittel
  • Physiotherapie
  • Injektionen mit Kortikosteroiden
  • In schweren Fällen operative Entfernung des Bandscheibenvorfalls

3. Polyneuropathie

Eine Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die mit Missempfindungen und Taubheitsgefühlen, häufig in den Händen und Füßen, einhergeht. Sie wird durch gereizte, entzündete oder geschädigte Nervenbahnen ausgelöst.

Ursachen:

  • Diabetes mellitus (diabetische Polyneuropathie)
  • Chronischer Alkoholmissbrauch
  • Vitaminmangel (insbesondere Vitamin B12)
  • Vergiftungen
  • Infektionen
  • Autoimmunerkrankungen

Symptome:

  • Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Brennen in den Händen und Füßen, das sich langsam ausbreitet
  • Schmerzen
  • Muskelschwäche
  • Koordinationsstörungen

Behandlung:

  • Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Blutzuckereinstellung bei Diabetes)
  • Schmerzmittel
  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Nahrungsergänzungsmittel (bei Vitaminmangel)

4. Durchblutungsstörungen

Durchblutungsstörungen in den Beinen können ebenfalls zu Taubheitsgefühlen im Oberschenkel führen.

Ursachen:

  • Arteriosklerose (Verkalkung der Arterien)
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)
  • Raynaud-Syndrom
  • Einklemmen von Blutgefäßen (z.B. durch Sitzen mit übereinandergeschlagenen Beinen)

Symptome:

  • Taubheitsgefühl, Kältegefühl oder Schmerzen im Bein, insbesondere bei Belastung
  • Blasse oder bläuliche Verfärbung der Haut
  • Langsame Heilung von Wunden

Behandlung:

  • Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Senkung des Cholesterinspiegels bei Arteriosklerose)
  • Gehtraining
  • Medikamente zur Verbesserung der Durchblutung
  • In schweren Fällen operative Erweiterung oder Umleitung der Blutgefäße

5. Muskelverspannungen und Triggerpunkte

Anhaltende, schmerzhafte Kontraktionen der Muskulatur, z. B. im Bereich des Oberschenkels oder der Leiste, können ebenfalls zu Taubheitsgefühlen führen. Diese Muskelverhärtungen können Nerven einklemmen oder irritieren.

Ursachen:

  • Fehlbelastung
  • Bewegungsmangel
  • Stress
  • Psychische Belastung
  • Schlechte Körperhaltung

Symptome:

  • Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Schmerzen im Oberschenkel
  • Verspannungen und Verhärtungen der Muskulatur
  • Druckempfindlichkeit

Behandlung:

  • Physiotherapie
  • Manuelle Therapie
  • Dehnübungen
  • Wärmeanwendungen
  • Stressabbau

6. Weitere mögliche Ursachen

Neben den genannten Ursachen können Taubheitsgefühle im Oberschenkel auch durch folgende Faktoren ausgelöst werden:

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  • Multiple Sklerose (MS): Eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die zu vielfältigen neurologischen Ausfällen führen kann, darunter auch Taubheitsgefühle.
  • Infektionen: Verschiedene Infektionen, wie Gürtelrose oder Borreliose, können Nervenschäden verursachen und Taubheitsgefühle auslösen.
  • Tumore: In seltenen Fällen können Tumore im Bereich der Wirbelsäule oder des Beckens auf Nerven drücken und Taubheitsgefühle verursachen.
  • Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Taubheitsgefühle auslösen.
  • Psychosomatische Ursachen: In manchen Fällen können psychische Belastungen oder Stress zu Taubheitsgefühlen führen.
  • Lipödem: Eine Fettverteilungsstörung, die vor allem die Oberschenkel betrifft und zu einer Kompression der Nerven führen kann.
  • Rückenmarksverletzungen: Eine Erschütterung, Prellung oder Quetschung des Rückenmarks kann für kurzfristige oder dauerhafte Störungen in der Motorik und Sensibilität führen.

Diagnose von Taubheitsgefühlen im Oberschenkel

Um die Ursache von Taubheitsgefühlen im Oberschenkel zu ermitteln, ist eine sorgfältige Diagnose erforderlich. Diese umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die genauen Beschwerden, den zeitlichen Verlauf, mögliche Auslöser und Vorerkrankungen.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Sensibilität, die Reflexe und die Muskelkraft im betroffenen Bereich.
  • Neurologische Untersuchung: Um neurologische Ausfälle festzustellen, werden die Eigenreflexe, das Gehör, die visuelle Wahrnehmung (der Sehsinn) und der Gleichgewichtssinn der Betroffenen geprüft.
  • Bildgebende Verfahren: Je nach Verdacht können bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden, um die Wirbelsäule, die Nerven oder die Muskeln darzustellen.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Eine Elektroneurographie (ENG) kann die Nervenleitgeschwindigkeit messen und Nervenschäden aufdecken.
  • Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf Stoffwechselstörungen, Vitaminmangel oder Entzündungen liefern.

Therapie von Taubheitsgefühlen im Oberschenkel

Die Therapie von Taubheitsgefühlen im Oberschenkel richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige allgemeine Maßnahmen können jedoch zur Linderung der Beschwerden beitragen:

  • Schmerzmittel: Bei Schmerzen können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol eingenommen werden.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, Muskelverspannungen zu lösen, die Beweglichkeit zu verbessern und die Nervenfunktion zu fördern.
  • Nervendehnübungen: Spezielle Nervendehnübungen können helfen, eingeklemmte Nerven zu entlasten und die Nervenfunktion zu verbessern.
  • Wärme- oder Kälteanwendungen: Wärme- oder Kälteanwendungen können je nach Bedarf zur Linderung von Schmerzen und Verspannungen eingesetzt werden.
  • Entlastung: Vermeiden Sie Tätigkeiten, die die Beschwerden verstärken.
  • Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion helfen, den Druck auf die Nerven zu verringern.
  • Ernährungsumstellung: Bei einem Vitaminmangel kann eine Ernährungsumstellung oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln helfen, den Mangel auszugleichen.

In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Taubheitsgefühle zu beheben, z. B. bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Nervenkompression.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In den meisten Fällen sind Taubheitsgefühle im Oberschenkel harmlos und verschwinden von selbst wieder. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Arzt aufgesucht werden sollte:

  • Wenn das Taubheitsgefühl plötzlich auftritt und von anderen Symptomen wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehstörungen begleitet wird (Verdacht auf Schlaganfall).
  • Wenn das Taubheitsgefühl anhält oder sich verschlimmert.
  • Wenn das Taubheitsgefühl von starken Schmerzen begleitet wird.
  • Wenn das Taubheitsgefühl die Beweglichkeit einschränkt.
  • Wenn das Taubheitsgefühl nach einem Unfall oder einer Verletzung auftritt.
  • Wenn Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus bekannt sind.

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