Ohrenrauschen, Muskelkrämpfe und Psychosomatische Ursachen: Ein umfassender Überblick

Ohrenrauschen (Tinnitus), Muskelkrämpfe und psychosomatische Beschwerden sind komplexe Phänomene, die oft miteinander in Verbindung stehen und erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen haben können. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser Beschwerden, wobei ein besonderer Fokus auf den psychosomatischen Aspekten liegt.

Einführung in die Psychosomatik

Der Begriff "psychosomatisch" leitet sich von den altgriechischen Wörtern "Psyche" (Seele) und "Soma" (Körper) ab. Er beschreibt die Wechselwirkung zwischen psychischen und körperlichen Prozessen. Psychosomatische Beschwerden sind körperliche Symptome, die durch psychische Belastungen ausgelöst oder verstärkt werden. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Schmerzen keine "eingebildeten" Beschwerden sind, auch wenn sie sich nicht vollständig körperlich erklären lassen. Mittlerweile weiß man, dass bei allen Erkrankungen der Körper und die Psyche aufeinander einwirken. So kann die psychische Verfassung das Ausbrechen, die Symptome und den Verlauf sogenannter organischer Erkrankungen beeinflussen. Bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und auch bei Traumata treten ebenfalls häufig begleitende körperliche Symptome auf.

Muskelkrämpfe: Wenn Stress sich im Körper manifestiert

Fehlender Stressabbau kann zu Muskelverspannungen führen. Sobald ein Mensch Stress empfindet, sendet das Gehirn Informationen an die Muskulatur, und diese spannt sich an. Bleibt die Stresssituation länger bestehen, bleibt auch die muskuläre Anspannung bestehen. Durch diese muskulären Dysbalancen können sich Folgeprobleme wie Fehlhaltungen und Haltungsschäden manifestieren. Diese wiederum führen zu weiteren Verspannungen und haben die Tendenz, chronisch zu werden. Die Auslöser für Rückenschmerzen sind vielfältig. Das gilt auch für die Lokalisation und den Charakter der Schmerzen. Der häufigste Grund sind muskuläre Verspannungen. Mit zunehmendem Alter setzen zudem Abnutzungsprozesse ein, die alle Abschnitte der Wirbelsäule betreffen können. Auch das führt zu Schmerzen im Rücken. Die Veränderungen der Bandscheiben in gradueller Abstufung zum Bandscheibenvorfall stellen eine weitere Ursache für Rückenschmerzen dar. Ein weiterer häufiger Ursprung von psychischen Verspannungen ist unter anderem Unachtsamkeit. Der Mensch macht und denkt an immer mehrere Dinge gleichzeitig. Psychische Verspannungen können oft nur in Form von Schmerzen ausgedrückt werden. Wichtige Risikofaktoren für die Chronifizierung von Schmerzen sind ein passives, etwa ausgeprägtes Schon- und Vermeidungsverhalten oder ein überaktives Schmerzverhalten. Leiden Menschen unter Depressionen, können sich diese auch in körperlichen Symptomen, wie zum Beispiel Rückenschmerzen, zeigen. Umgedreht können dauerhafte Rückenschmerzen auch zu einer Depression führen. Wichtig ist, sowohl die psychischen Ursachen als auch die körperlichen Beschwerden zu behandeln. Änderungen im Tagesablauf sind ebenfalls ratsam: Betroffene sollten langsamer und achtsamer mit Entspannungspausen umgehen. Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation oder Qigong sollten fest in den Alltag eingeplant werden. Gleichzeitig ist auch eine körperliche Aktivität sehr wichtig. Bringt eine Umgestaltung der Lebensgewohnheiten keine Besserung, sollten Betroffene professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Dies kann in Form einer ambulanten Psychotherapie oder in einer Selbsthilfegruppe erfolgen.

Ursachen von Muskelkrämpfen

  • Stress und psychische Belastung: Wie bereits erwähnt, kann Stress zu Muskelverspannungen führen, die sich in Krämpfen äußern können.
  • Fehlhaltungen und Bewegungsmangel: Langes Sitzen, insbesondere in einer schmerzfördernden Körperhaltung, kann zu muskulären Dysbalancen und Verspannungen führen.
  • Elektrolytmangel: Ein Mangel an Elektrolyten wie Magnesium, Kalium oder Kalzium kann Muskelkrämpfe begünstigen.
  • Flüssigkeitsmangel: Dehydration kann ebenfalls zu Muskelkrämpfen führen.
  • Körperliche Überlastung: Intensive sportliche Betätigung oder ungewohnte körperliche Anstrengung können Muskelkrämpfe auslösen.
  • Erkrankungen: In seltenen Fällen können Muskelkrämpfe auch Symptom einer Grunderkrankung sein.

Behandlung von Muskelkrämpfen

  • Stressmanagement: Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga oder Qigong können helfen, Stress abzubauen und Muskelverspannungen zu lösen.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, muskuläre Dysbalancen auszugleichen, Fehlhaltungen zu korrigieren und die Muskulatur zu stärken.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität ist wichtig, um die Muskulatur zu lockern und die Durchblutung zu fördern.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Elektrolyten und Flüssigkeit ist wichtig, um Muskelkrämpfen vorzubeugen.
  • Medikamente: In einigen Fällen können Medikamente zur Muskelentspannung oder Schmerzlinderung eingesetzt werden.

Ohrenrauschen (Tinnitus): Ein Symptom mit vielen Gesichtern

Es pfeift, piept und brummt im Ohr: Tinnitus kann plötzlich auftreten und den Alltag von Betroffenen stark belasten. Die Ursachen sind dabei vielfältig und oftmals schwer zu behandeln und zu heilen. Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinerinnen geprüft. Tritt bei Tinnitus gleichzeitig eine Hörminderung auf, sollten Betroffene sich umgehend ärztlich untersuchen lassen, da möglicherweise ein Hörsturz vorliegt. Ein akuter Tinnitus lässt sich mitunter durch verschiedene Medikamente behandeln. Bei der chronischen Art steht eine genaue Aufklärung und Beratung (Counseling) der Betroffenen im Fokus sowie weitere Maßnahmen zur Behandlung. Ein akuter Tinnitus verschwindet bei rund 80 Prozent der Betroffenen wieder. Als Tinnitus (medizinisch Tinnitus aurium) bezeichnen Fachleute klingelnde, piepende oder pfeifende Ohrgeräusche, die in den meisten Fällen nicht durch äußere Einflüsse, sondern im Körper selbst entstehen. Dahinter können viele Ursachen stecken, die nur selten einen krankhaften Ursprung haben. Rund 5 bis 15 Prozent der Erwachsenen leiden einmal unter einem länger anhaltenden Tinnitus - bei 10 bis 20 Prozent schränken die Ohrgeräusche den Alltag so sehr ein, dass sie eine Behandlung erfordern. Tinnitus kann grundsätzlich in jedem Alter auftreten, jedoch steigt das Risiko mit zunehmendem Alter. Aufgrund lärmintensiver Aktivitäten in der Freizeit nimmt der Anteil jüngerer Patientinnen allerdings zu.

Arten von Tinnitus

Fachleute unterscheiden zwischen zwei Arten:

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  • Subjektiver Tinnitus: Das Ohrensausen entsteht im Inneren des Körpers und ist nur für Betroffene selbst wahrnehmbar. Diese Art zählt als die häufigere und beruht möglicherweise auf Problemen im Hörapparat oder der Nerven.
  • Objektiver Tinnitus: Die objektive Art liegt nur bei etwa einem Prozent der Betroffenen vor, wobei die Geräusche für Dritte ebenso wahrnehmbar und messbar sind. Ursprung des Geräusches ist etwa ein Blutstrom nahe dem Innenohr, sie können aber auch muskulär- sowie atembedingt sein.

Weiterhin gibt es die Unterscheidung anhand der Zeitspanne, in der Ohrgeräusche auftreten. Ein akuter Tinnitus besteht in den ersten drei Monaten - hält das Ohrensausen länger an, ist von der chronischen Form die Rede. Seltener erfolgt die Einteilung in die subakute Form, wenn Beschwerden zwischen drei und 12 Monaten andauern.

Ursachen von Tinnitus

Für Tinnitus kommen zahlreiche Ursachen infrage. Diese unterscheiden sich unter anderem davon, ob eine subjektive oder objektive Form vorliegt. Bei einigen Patient*innen lässt sich jedoch keine Ursache feststellen (idiopathischer Tinnitus).

Ursachen eines objektiven Tinnitus:

Objektive Ohrgeräusche sind für Dritte wahrnehmbar und lassen sich mit speziellen Geräten messen. Oftmals erzeugen Geräusche des Blutstroms durch Verengungen in Gefäßen ein pulsierendes Geräusch. Auch Zuckungen und Bewegungen der Muskulatur im Gaumen, Kiefer oder Mittelohr sind für messbare klickende oder knackende Ohrgeräusche ursächlich. Zudem sind für weitere Auslöser denkbar wie:

  • Herzklappenerkrankung
  • Verschlussdefekt der Ohrtrompete (Eustachische Röhre)
  • gutartige Tumoren im Bereich der Kopfschlagader (Glomustumor)

Subjektiver Tinnitus: Ursachen

Die genauen Ursachen des subjektiven Tinnitus, nur für Patient*innen wahrnehmbar, sind noch nicht abschließend erforscht. Fachkreise nehmen an, dass Schädigungen der Haarzellen oder Nervenbahnen im Innenohr ursächlich sind, die wiederum fehlerhafte Signale an das Gehirn weiterleiten.

Weitere mögliche Ursachen sind:

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  • Lärmbelastung
  • Hörsturz
  • Ohrenentzündungen
  • Morbus Menière
  • Stress und psychische Belastung
  • Probleme mit der Halswirbelsäule (HWS)
  • Überbelastung der Kiefer-Kaumuskulatur
  • Bestimmte Medikamente

Symptome von Tinnitus

Ein Tinnitus kann sich in Form von Tönen oder Geräuschen verschiedenster Art äußern (wie Pfeifen, Klingeln, Rauschen, Brummen, Sägen oder Zischen). Die Ohrgeräusche können kontinuierlich oder unterbrochen sein, lauter oder leiser werden sowie ihre Tonhöhe verändern. Viele Betroffene erleben die Beschwerden als bedrohlich und sehr belastend, auch wenn sie im Grunde nicht gefährlich ist. Zum Teil treten als Folge weitere Symptome und gesundheitliche Probleme auf, wie zum Beispiel:

  • Schlafstörungen
  • Gereiztheit
  • Konzentrationsschwäche
  • Muskelverspannungen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS)
  • Muskelverspannungen im Bereich der Kiefermuskeln/Kaumuskeln
  • Zähneknirschen
  • Kopfschmerzen
  • Ohrenschmerzen
  • Benommenheit
  • Schwindel
  • Verzerrter Höreindruck, hallende Wahrnehmung von Geräuschen (sogenannte Dysakusis)
  • Überempfindlichkeit für laute Geräusche (sogenannte Hyperakusis)
  • Angstzustände
  • Depressive Verstimmungen oder Depressionen

Zusammen mit den Geräuschen im Ohr können diese zusätzlichen Symptome den Lebensalltag sehr einschränken und sogar zur Arbeitsunfähigkeit führen. Es entsteht oft ein Teufelskreis, da die begleitenden Symptome zu weiterem Stress führen und den Tinnitus wiederum verstärken können.

Diagnose von Tinnitus

Besteht der Verdacht auf Tinnitus, stellt dieder HNO-ÄrztinArzt zunächst Fragen zu Art und Häufigkeit der Ohrgeräusche.

Behandlung von Tinnitus

Bei Tinnitus gilt: Je schneller die Behandlung erfolgt, desto besser. Dann stehen die Chancen in der Regel gut, den Tinnitus wieder loswerden zu können und einen chronischen Verlauf zu verhindern. Jedoch ist es nicht immer einfach, die Ursache von Ohrgeräuschen zu bestimmen und diese zu behandeln. Grundsätzlich richtet sich die Therapie nach Art, Dauer und Schweregrad.

Akuter Tinnitus: Behandlung

Ein akuter subjektiver Tinnitus geht oftmals mit einer plötzlichen Hörminderung einher, weshalb Ärztinnen ihn wie einen Hörsturz behandeln. In der Regel erhalten Betroffene dann eine Injektion mit entzündungshemmenden Arzneistoffen (meist Glukokortikoide) oder müssen entsprechende Tabletten einnehmen. Liegt jedoch kein Hörverlust vor, rät die Leitlinie von der Kortisontherapie ab. Oftmals verschwinden die Beschwerden, die etwa aufgrund eines Konzertbesuches bestehen, nach einigen Tagen wieder von selbst. Bei bekanntem Auslöser eines akuten objektiven Tinnitus erfolgt die Therapie anhand der Ursache. Liegt etwa eine Durchblutungsstörung im Innenohr vor, können durchblutungsfördernde Medikamente zum Einsatz kommen, um den Blutfluss zu regulieren. Auch auf einen mikrochirurgischen Eingriff oder aber eine Strahlentherapie kann bei der objektiven Form zurückgegriffen werden. Bei muskulären Auslösern helfen möglicherweise Arzneimittel, die bei Epilepsie verschrieben werden (etwa Antiepileptika oder Antikonvulsia) - auch Botulinumtoxin (Botox) kommt infrage. Bei vorliegenden Problemen im Bereich der Halswirbelsäule oder des Kiefers lösen Ärztinnen Blockaden. Besteht das Ohrgeräusch aufgrund eines Ohrschmalzpfropfes, kann dieser ärztlich entfernt werden. Bei erfolgreicher Behandlung verschwinden die Geräusche in der Regel wieder.

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Chronischen Tinnitus behandeln

Bei einem chronischen Tinnitus bestehen die Beschwerden bereits seit mindestens drei bis 12 Monaten, was oftmals ein großer Leidensdruck für Betroffene bedeutet. Die Ursachen sind häufig nicht bekannt, weshalb bei der chronischen Art im Vordergrund steht, die Aufmerksamkeit vom Tinnitus wegzulenken. Ziel dabei ist es, das Ohrensausen weniger wahrzunehmen. Hierfür stehen eine Reihe an Maßnahmen zur Behandlung zur Verfügung:

  • Aufklärung und Beratung (Counseling): Die umfassende Aufklärung und Beratung von Menschen mit chronischen Tinnitus sind besonders wichtig. Dabei erfahren Betroffene, wie genau das Klingen im Ohr entsteht, verstärkende Auslöser zu erkennen und wie sie im Alltag mit den Beschwerden umgehen können. Auch mögliche begleitende Krankheiten stehen im Fokus des Counselings.
  • Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT): Im Rahmen der TRT wird Counseling mit einer akustischen Therapie durch ein frequenzunmoduliertes Rauschen kombiniert. Die Leitlinie empfiehlt diese allerdings nur als langfristige Behandlung von mindestens zwölf Monaten. Kurzfristig angewendet, gibt es keine nachweisliche Besserung des Ohrensausens.
  • Techniken und Übungen zur Entspannung: Entspannungsübungen sollen dabei helfen, Stresssituationen besser zu beherrschen und die Geräusche zu überhören. Letzteres geschieht, indem sich Betroffene beispielsweise auf Geräusche in der Umgebung konzentrieren. Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga können dabei helfen, Anspannung und Konzentration auf die Ohrgeräusche allmählich abzubauen.
  • Hörhilfen und Hörtraining: Wichtig für die Behandlung ist auch, ob zusätzlich eine Hörminderung vorliegt. Oftmals lässt sich das eingeschränkte Hörvermögen durch ein Hörgerät ausgleichen, was zugleich den Tinnitus eindämmen oder gar beseitigen kann. Bei starker Hörminderung ist der Einsatz eines Chochlea-Implantats ratsam. Zudem empfiehlt sich ergänzend eine spezielle Hörtherapie.
  • Psychotherapie: Psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie können sich als hilfreich erweisen, chronischen Tinnitus zu behandeln. Zudem stehen bei einer psychotherapeutischen Behandlung auch Ängste, Schlafstörungen, Depressionen oder andere psychische Erkrankungen im Fokus, die mitunter verantwortlich oder verstärkend für Ohrgeräusche sein können.
  • Physiotherapie und manuelle Therapie: Liegen der chronischen Form etwa funktionelle Störungen in der Halswirbelsäule, im Kiefer oder der Kaumuskulatur zugrunde, kann sich Physiotherapie oder manuelle Therapie positiv auswirken.
  • Selbsthilfegruppen: Der Besuch von Selbsthilfegruppen ist ein weiterer Baustein der Therapie.
  • App: Weiterhin gibt es eine verschreibungspflichtige App, die eine Kombination aus Entspannungstechniken, Aufklärung und weiteren Maßnahmen zur Behandlung bietet.

Laut aktueller Leitlinie können Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, beispielsweise mit Ginkgo, chronischen Tinnitus nicht nachweislich behandeln. Vor der selbstständigen Anwendung sollte deshalb unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden, da mitunter Nebenwirkungen möglich sind. Weiterhin ist der therapeutische Nutzen von Rauschgeräten (Noiser oder Masker) wissenschaftlich nicht ausreichend bewiesen.

Was Betroffene bei Tinnitus selbst tun können

Sowohl bei der akuten als auch bei der chronischen subjektiven Form gibt es Strategien, mit denen Betroffene selbst etwas gegen die Ohrgeräusche und die damit einhergehende Belastung tun können. Verschiedene Maßnahmen helfen möglicherweise dabei, die Ohrgeräusche zu mindern und damit zurechtzukommen:

  • Stille meiden: Vor allem bei Stille fallen Ohrgeräusche stark auf, da die akustische Ablenkung fehlt. Zum Einschlafen können hier etwas dezente Musik, Naturgeräusche, ein Zimmerbrunnen oder andere leise Hintergrundgeräusche, die als angenehm empfunden werden, hilfreich sein.
  • Stressabbau: Stress sollte möglichst gemieden oder verringert werden. Regelmäßige Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga oder progressive Muskelentspannung empfehlen sich hierbei.
  • Aktiv sein: Wer sich zurückzieht und dem Ohrensausen zu viele Gedanken widmet, gerät in einen Teufelskreis.

Psychosomatische Ursachen: Wenn die Seele den Körper beeinflusst

Psychische Belastungen wie Stress, Ängste, Depressionen oder unverarbeitete Traumata können sich auf vielfältige Weise im Körper manifestieren. Muskelkrämpfe und Tinnitus sind nur zwei Beispiele für psychosomatische Beschwerden.

Wie Stress den Körper beeinflusst

Psychischer Stress kann viele Formen annehmen. Dies ist abhängig von der Tätigkeit die ausgeübt wird. Die Symptome zeigen sich von Person zu Person in unterschiedlicher Art und Weise und in unterschiedlichem Ausmaß. Die psychische Belastung am Arbeitsplatz lässt sich heutzutage oft nicht vollständig vermeiden, da viele Berufe ein gewisses Level an Stress mit sich bringen. Gerade in gefährdeten Branchen sollte man jedoch darauf achten, die Gesundheit der Beschäftigten im Auge zu behalten und zu fördern, sodass körperliche Erkrankungen vermieden werden.

Stress aktiviert das vegetative Nervensystem und führt zur Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol. Diese Hormone bereiten den Körper auf eine "Kampf-oder-Flucht"-Reaktion vor. Dabei kommt es zu folgenden körperlichen Reaktionen:

  • Erhöhung der Herzfrequenz und des Blutdrucks
  • Beschleunigung der Atmung
  • Anspannung der Muskulatur
  • Verlangsamung der Verdauung

Dauerhafter Stress kann zu einer chronischen Aktivierung des Stresssystems führen. Dies kann negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben und das Risiko für verschiedene Erkrankungen erhöhen, darunter:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Muskelverspannungen und Schmerzen
  • Schlafstörungen
  • Depressionen und Angststörungen
  • Tinnitus

Der Zusammenhang zwischen Psyche und Tinnitus

Vermutlich begünstigen psychische Faktoren häufig die Entwicklung der unangenehmen Geräusche im Ohr. Diese Faktoren haben insbesondere einen Einfluss auf die Wahrnehmung der Ohrgeräusche. Leidet der Betroffene zum Zeitpunkt des Tinnitus unter einer seelischen Erkrankung wie Depressionen, Angst oder anderen Beeinträchtigungen, besteht die Gefahr, dass die akuten Ohrgeräusche sich nicht dekompensieren und sich zu einem chronischen Tinnitus weiterentwickeln.

Behandlung psychosomatischer Beschwerden

Die Behandlung psychosomatischer Beschwerden erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die körperlichen als auch die psychischen Aspekte berücksichtigt.

  • Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, die psychischen Ursachen der Beschwerden zu erkennen und zu bearbeiten.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga oder Qigong können helfen, Stress abzubauen und die Körperwahrnehmung zu verbessern.
  • Körpertherapie: Körpertherapeutische Verfahren wie Feldenkrais oder Alexander-Technik können helfen, Verspannungen zu lösen und die Körperhaltung zu verbessern.
  • Medikamente: In einigen Fällen können Medikamente zur Schmerzlinderung oder zur Behandlung begleitender psychischer Erkrankungen eingesetzt werden.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann hilfreich sein, um sich verstanden zu fühlen und neue Strategien im Umgang mit den Beschwerden zu entwickeln.

Hyperakusis: Wenn Geräusche zur Qual werden

Hektik im Alltag, Stress in der Arbeit, ständiger Verkehrslärm - jeden Tag wirken die unterschiedlichsten Einflüsse auf unseren Organismus ein. Die zunehmende Geschwindigkeit in unserem Leben führt zu einer Mehrbelastung, die auch unsere Sinne unter Druck setzt. Oft kommt es zu einer Überreizung des Hörsystems und einer starken Geräuschempfindlichkeit, der Hyperakusis. Mit der passenden Therapie gibt es jedoch gute Heilungschancen. Unsere Spezialisten in den Schön Kliniken haben jahrelange Erfahrung in der Behandlung von Hyperakusis. Die Hyperakusis hat, ähnlich wie der Tinnitus, unterschiedliche Ursachen. Zu den organischen Ursachen gehören vor allem Innenohr-Schwerhörigkeiten. Auch bestimmte Epilepsie-Formen, Vorzeichen einer Migräne oder Medikamenten-Nebenwirkungen kommen in seltenen Fällen als Auslöser in Betracht. Zu einer funktionierenden Hörverarbeitung gehört die Trennung von störendem und nützlichem Schall. Unser Gehör hat dazu bestimmte Filtermechanismen, die die jeweiligen akustischen Informationen entsprechend weiterleiten oder, falls nötig, hemmen. Bei der Hyperakusis kann sich die Aufmerksamkeit auch aufbestimmte Geräusche richten. Dabei werden spezielle, emotional negativ besetzte Geräusche als unangenehm empfunden - obwohl die Lautstärke nicht sehr hoch ist (Beispiel: quietschende Tür). Stress und psychische Belastungen können diese Empfindlichkeit noch verstärken. So wird ein Kreislauf aus Angst vor Geräuschen und negativer Verstärkung in Gang gesetzt. Die Geräuschempfindlichkeit führt mehr und mehr zum Rückzug aus sozialen Aktivitäten, da auch normale Lautstärken zunehmend als unerträglich empfunden werden. Die Stressbelastung für das Nervensystem nimmt zu. Die Betroffenen geraten in einen Teufelskreis, in dem sich die Empfindlichkeit quasi selbst verstärkt. Die Hyperakusis ist eine ungewöhnliche Empfindlichkeit gegenüber normalen Umgebungsgeräuschen. Die Unbehaglichkeitsschwelle sinkt dabei auf einen Wert unter 80 dB ab. Schwerhörige können leise Geräusche zwar nicht verstehen, auf lautere jedoch sehr empfindlich reagieren. Laute Geräusche lösen oftmals eine Schreckreaktion mit Herzjagen, Schweißausbrüchen, Anstieg des Blutdrucks und trockenem Mund aus. Als Phonophobie wird die Angst vor bestimmten Geräuschen bezeichnet. Diese Überempfindlichkeit ist unabhängig von Lautstärke oder Frequenz der Geräusche. Die Angststörung wird nur von der Bedeutung des Geräuschs für die Betroffenen ausgelöst. Auch Missempfindungen und akustische Fehlwahrnehmungen werden beschrieben. Diese Geräusche sind nicht wirklich schädigend. Im Zusammenhang mit ihnen entstehen jedoch unangenehme Gefühle wie Angst, Scham oder Peinlichkeit. Misophonie zeichnet sich durch unangemessene Verhaltensweisen aus, wie Wutausbrüche, Zorn, Ängste oder Ekel. Um Situationen mit unangenehmen Geräuschen zu vermeiden, tragen manche Betroffene sogar einen Gehörschutz. Viele reduzieren ihre sozialen Aktivitäten, weil sie mit der Gesellschaft anderer Menschen negative Hörerlebnisse verbinden. Nicht selten mündet dies in eine soziale Isolation mit weitreichenden Konsequenzen. Je nach Ursache der Geräuschempfindlichkeit gibt es verschiedene audiologische Befunde. Oft zeigt sich ein normaler Hörbefund im Tonschwellen- und Sprachaudiogramm, bei dem aber die Unbehaglichkeitsschwelle herabgesetzt ist. Bei Innenohr-Schwerhörigkeiten kann ein fehlender Lautheits-Ausgleich („Recruitment“) Ursache der Geräusch-Überempfindlichkeit sein. Die Hyperakusis kann auch Symptom einer Begleiterkrankung im Rahmen einer Depression, Angststörung, eines Burnouts oder einer anderen Krise sein.

Behandlung von Hyperakusis

Die Behandlung von Hyperakusis zielt darauf ab, die Geräuschempfindlichkeit zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

  • Desensibilisierung: Durch eine gezielte Konfrontation mit den auslösenden Geräuschen kann die Empfindlichkeit allmählich reduziert werden.
  • Geräuschtherapie: Das Tragen von Rauschgeneratoren kann helfen, die Wahrnehmung der störenden Geräusche zu verringern.
  • Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, Ängste und negative Gedankenmuster im Zusammenhang mit Geräuschen zu bearbeiten.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken können helfen, Stress abzubauen und die Geräuschempfindlichkeit zu reduzieren.

Prävention: Was kann man tun, um vorzubeugen?

Präventiv, um einem Rauschen im Kopf vorzubeugen, lassen sich allgemeine Empfehlungen für eine seelische und körperliche Gesundheit geben. Diese könnten beispielsweise folgende Verhaltensweisen umfassen:

  • Ausreichend zu schlafen (mind. 6h pro Nacht im Erwachsenenalter)
  • Ruhe- und Entspannungszeiten einzuplanen
  • Stress geringzuhalten
  • Sich gesund und abwechslungsreich zu ernähren
  • Regelmäßig zu bewegen oder sportlich aktiv sein
  • In soziale Kontakte zu gehen
  • Freizeitaktivitäten zu finden
  • Aufenthalte im (strahlungsarmen) Tageslicht
  • Zeit an frischer Luft (möglichst schadstoffarmer) zu verbringen
  • Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen
  • Substanzen mit Abhängigkeitspotenzial zu meiden
  • Konflikte zeitnah zu klären
  • Für sich selbst sinnerfüllenden Tätigkeiten nachzugehen

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