Olivenöl und seine potenziellen Auswirkungen auf Nervenschmerzen: Ein Überblick über Studien und Erkenntnisse

Olivenöl, ein Eckpfeiler der mediterranen Ernährung, ist seit langem für seine gesundheitlichen Vorteile bekannt. Jüngste Forschungen haben das Potenzial von Olivenöl bei der Behandlung von Nervenschmerzen untersucht und vielversprechende Ergebnisse erzielt. Dieser Artikel untersucht die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Olivenöl und Nervenschmerzen und beleuchtet seine potenziellen Mechanismen und Anwendungen.

Die historische Bedeutung von Olivenöl

Der Ölbaum und sein kostbares Öl sind seit etwa 7000 Jahren bekannt und eng mit der kulturellen Entwicklung der Menschheit verbunden. Im Mittelmeerraum wurde Olivenöl bereits vor mindestens viertausend Jahren als Gesundheitselixier geschätzt. Ramses II. soll es gegen alle Arten von Beschwerden eingenommen haben, und auch in der Bibel finden sich zahlreiche Hinweise auf seine heilkundliche Anwendung. Hildegard von Bingen empfahl Olivenöl im 12. Jahrhundert bei verschiedenen Beschwerden, insbesondere äußerlich bei Kopf- und Lendenschmerzen.

Die Zusammensetzung von Olivenöl: Ein Cocktail biologisch aktiver Substanzen

Die Früchte des Ölbaums bestehen aus Schale, Fruchtfleisch und Kernen. Das Fruchtfleisch enthält den Großteil des Öls (96-98 %), während der Kern einen geringen Anteil (2-4 %) enthält. Reife Oliven enthalten je nach Region und Erntezeitpunkt etwa 15-25 % Öl, 19 % Kohlenhydrate, 1,6 % Eiweiß und 6 % Faserstoffe.

Besonders interessant ist die Fettsäurezusammensetzung von Olivenöl. Es besteht zu 76 % aus der einfach ungesättigten Ölsäure, zu 8 % aus zweifach ungesättigten Fettsäuren und zu 16 % aus gesättigten Fettsäuren. Heute kennt man im Olivenöl rund 1000 aktive biologische Wirkstoffe, darunter solche, die das Blut verdünnen und so vor Herzinfarkt schützen.

Oleocanthal: Ein natürlicher Entzündungshemmer im Olivenöl

Ein wichtiger Aspekt bei Schmerzerkrankungen ist die „Stille Entzündung“ (silent inflammation), eine im Körper ablaufende Entzündung, die nicht immer zu typischen Entzündungsbeschwerden führt. Olivenöl enthält eine Substanz namens Oleocanthal, die ähnliche pharmakologische Eigenschaften wie Ibuprofen aufweist.

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Ausgangspunkt für die Entdeckung von Oleocanthal war die Beobachtung, dass frisch gepresstes Olivenöl ein Brennen im Hals verursacht, ähnlich wie Ibuprofen. Seit vier Jahrzehnten ist bekannt, dass ein solches Empfinden bei bestimmten Substanzen mit deren pharmakologischer Aktivität korreliert. Dr. Gary Beauchamp identifizierte Oleocanthal als den Inhaltsstoff, der für diese Wirkung verantwortlich ist.

Oleocanthal hemmt wie Ibuprofen Cyclooxygenasen, Enzyme, die an Entzündungsreaktionen beteiligt sind. Studien deuten darauf hin, dass 50 Gramm Olivenöl am Tag etwa zehn Prozent der Wirkung einer Ibuprofen-Dosis für Erwachsene haben könnten. Obwohl dies nicht ausreicht, um beispielsweise Kopfschmerzen zu vertreiben, könnte der regelmäßige Konsum von Olivenöl langfristig positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Olivenöl und Cholesterin: Ein positiver Einfluss auf die Blutfettwerte

Auch wenn bis heute immer wieder neue und widersprüchliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Cholesterinforschung bekannt werden, gilt inzwischen als gesichert, dass bei erhöhten Cholesterinwerten in der täglichen Ernährung insbesondere Olivenöl eingesetzt werden sollte. Mediterrane Völker haben trotz ihrer eher kalorienreichen Ernährung mit relativ hohem Fettkonsum (überwiegend Olivenöl) eine niedrigere Herzinfarktrate und durchschnittlich tiefere Cholesterinwerte als Nordeuropäer.

Das Olivenöl bewirkt dabei als einziges Öl eine Senkung des LDL-Cholesterins (des „schlechten“ Cholesterins) und eine gleichzeitige Erhöhung des HDL-Cholesterins (des „guten“ Cholesterins).

Olivenöl und seine antioxidativen Eigenschaften

Wenn menschlichen Zellen Olivenöl zugeführt wird, macht es die Zellmembran stabiler und weniger anfällig gegen die Zerstörung durch “Freie Radikale”. Olivenöl wirkt dabei als natürliches Antioxidant.

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Untersuchungen haben gezeigt, dass die Krebssterblichkeit in Nord- und Westeuropa höher ist als in den Mittelmeerländern. Verschiedene epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass der regelmäßige Verzehr von Olivenöl negativ mit verschiedenen Krebserkrankungen korreliert, wobei das Olivenöl immer als wichtiger Bestandteil innerhalb der mediterranen Ernährung untersucht wurde.

Olivenöl in der Naturheilkunde

Auch in der Naturheilkunde findet das Olivenöl Verwendung - als Basisöl zur Herstellung von Ölauszügen, wie beispielsweise dem Johanniskrautöl, und als Massage- und Hautpflegeöl. Olivenöl mit Zitronensaft gemischt, ist in den Herkunftsländern ein Mittel gegen Sonnenbrand.

In Italien wird noch heute reines Olivenöl bei Muskelkater, Krämpfen, Pusteln und bei Schmerzen aller Art sowie einfach zur Entspannung eingerieben. Edgar Cayce empfahl Olivenöl als eines der wirkungsvollsten Stoffe zur Anregung der Muskeltätigkeit und der Schleimhäute.

Olivenöl und Trigeminusneuralgie: Eine Pilotstudie

Die äußerst heftigen Schmerzen einer Trigeminusneuralgie können möglicherweise durch die Ernährung beeinflusst werden. Es gibt einige Hinweise, dass die mediterrane Ernährung zum Neuroschutz beitragen kann. Besonders das native Olivenöl extra (naturbelassen, höchste Güteklasse) soll durch Bereitstellung von Ölsäure und Bioaktivität der enthaltenen phenolischen Verbindungen zum Neuroschutz beitragen.

In einer Pilotstudie mit 52 Frauen mit Trigeminusneuralgie erhielten die Teilnehmerinnen 12 Wochen lang täglich 60 ml natives Olivenöl extra oder ernährten sich wie gewohnt ohne zusätzliche Olivenöl-Einnahmen. In der Gruppe mit dem nativen Olivenöl extra zeigte sich eine signifikante Abnahme in den Gesichtsschmerzen im Vergleich zum Studienbeginn. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die tägliche Einnahme von nativem Olivenöl extra die Beeinträchtigungen durch die Trigeminusneuralgie verbessern könnte.

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Die Qualität von Olivenöl: Worauf man achten sollte

Je näher das Öl der ursprünglichen Frucht kommt, desto höher ist die Konzentration an herzschützenden chemischen Stoffen. Diejenigen mit den meisten Wirkstoffen sind Olivenöle mit der Bezeichnung extra vergine bzw. nativ extra. Solche Öle sind immer kaltgepresst und unraffiniert. Hochwertige Olivenöle haben einen entsprechenden Preis, und der Kauf von gutem Olivenöl ist immer Vertrauenssache.

Ein gutes Olivenöl zeichnet sich durch außergewöhnliche Qualität aus. Besonders hervorzuheben sind Olivenöle, die als Natives Olivenöl Extra klassifiziert werden. Diese gehören zur ersten Güteklasse und werden direkt am Tag der Ernte gewonnen. Sie werden ausschließlich mit mechanischen Verfahren hergestellt, was die Qualität des Öls auf höchstem Niveau garantiert. Das Olivenöl wird schonend kaltgepresst, um einen besonders niedrigen Säuregehalt von 0,1 zu erreichen (der vorgeschriebene Wert liegt unter 0,8).

Wichtige Qualitätsmerkmale sind:

  • Freie Fettsäure (%): 0,10 (maximal 0,8)
  • Peroxidzahl (mmol O2/kg): 4,8 (maximal 20)
  • K232: 1,63 (maximal 2,50)
  • K270: 0,116 (maximal 0,22)

Diese Werte spiegeln die hohe Reinheit und Frische des Olivenöls wider.

Olivenöl in der mediterranen Ernährung

Die Einwohner von Kreta essen mehr Fett als alle anderen Menschen auf der Erde, wobei etwa 45 Prozent ihrer täglichen Kalorien durch den Konsum von Fett gedeckt werden, davon 33 Prozent aus Olivenöl. Trotz dieses hohen Fettkonsums hat die Bevölkerung dieser Insel weltweit eine der niedrigsten Raten an Herzkrankheiten und Krebs.

Die Kennzeichen der mediterranen Ernährung sind:

  • Täglich ausreichend Frischkost in Form von Salaten und frischen reifen Früchten
  • Täglich zweimal reichlich Gemüse, schonend zubereitet
  • Täglich hochwertige Öle, praktisch ausschließlich Olivenöl
  • Mäßig tierisches Eiweiß, nicht täglich Fleisch und Wurst, mehr pflanzliches Eiweiß, etwa in Form von Hülsenfrüchten und Getreide
  • Öfters Meerfisch statt Fleisch (liefert Omega-3-Fettsäuren)
  • Regelmäßige Verwendung von frischen Kräutern und Knoblauch
  • Die Kost ist aufgrund der Zusammensetzung basenüberschüssig
  • Die Kost ist kohlenhydratreich und nur mäßig eiweißreich
  • Zum Essen wird regelmäßig aber mäßig Rotwein getrunken

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