Vegetatives Nervensystem und Trauer: Eine umfassende Betrachtung

Trauer ist eine natürliche Reaktion auf Verluste, die jedoch bei manchen Menschen zu einem unbewältigten Zustand eskalieren kann. Unbewältigte Trauer stellt für viele Trauernde einen tiefgreifenden emotionalen Zustand dar, der weit über das normale Trauern hinausgeht. Dieser Prozess kann zu erheblichen psychischen Belastungen führen, die sich nicht nur im Gemüt, sondern auch im Körper manifestieren. Die moderne psychosomatische Medizin betont die enge Verbindung zwischen seelischem Schmerz und körperlichen Symptomen.

Die Vielschichtigkeit der Trauer

Trauer ist ein vielschichtiger Prozess, der nicht nur auf den Verlust eines geliebten Menschen beschränkt ist. Auch andere einschneidende Lebensveränderungen - wie der Verlust einer langjährigen Beziehung, das Ende einer beruflichen Perspektive oder der Verlust der eigenen Gesundheit - können intensive Trauer und damit verbundene psychische Belastungen hervorrufen. Für viele Trauernde entwickelt sich dieser Prozess zu einer intensiven emotionalen Krise, in der Gefühle wie Verzweiflung, tiefe Traurigkeit und innere Leere dominieren. Die psychische Belastung zeigt sich in vielfältiger Weise und betrifft Menschen aller Geschlechter. Jeder Mensch, der einen Verlust erlebt, reagiert individuell auf diesen emotionalen Schmerz.

Die Auswirkungen unbewältigter Trauer auf den Körper

Unbehandelte psychische Erkrankungen, die aus unbewältigter Trauer resultieren - egal, ob infolge des Verlusts eines geliebten Menschen oder anderer einschneidender Lebensereignisse - können den Körper auf vielfältige Weise in Mitleidenschaft ziehen. Wird der seelische Schmerz nicht therapiegestützt verarbeitet, können daraus ernsthafte körperliche Krankheitsbilder entstehen. Wird die psychische Belastung nicht ausreichend behandelt, kommt es zu einer dauerhaften Überaktivierung des Herz-Kreislauf-Systems. Die psychische Belastung wirkt sich auch direkt auf das Immunsystem aus.

Unverarbeitete Trauer kann zu einer dauerhaften Überaktivierung des Stresssystems führen, was sich in Symptomen wie chronischen Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Herz-Kreislauf-Beschwerden äußert.

Die Auswirkungen auf den Körper können vielfältig sein:

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  • Dysregulation des Hormonhaushalts: Chronischer emotionaler Stress führt zu einer veränderten Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol und Adrenalin.
  • Veränderte neuronale Aktivität: Intensive emotionale Belastungen beeinflussen die Funktionsweise zentraler Hirnareale, die für die Regulation von Emotionen und Erinnerungen zuständig sind.
  • Beeinträchtigung des Immunsystems: Dauerhafter Stress schwächt das Immunsystem, wodurch die Anfälligkeit für weitere psychische und somatische Erkrankungen steigt.
  • Depressive Verstimmungen und Antriebslosigkeit: Intensive Trauer - ob infolge eines Todes, einer Trennung oder anderer bedeutender Verluste - kann in depressive Zustände umschlagen.
  • Somatoforme Beschwerden: Der seelische Schmerz manifestiert sich häufig in unspezifischen körperlichen Symptomen wie chronischen Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder unerklärlichen Muskelverspannungen.

Diese Beispiele verdeutlichen, dass psychische Belastungen in vielfältiger Weise den Körper beeinflussen können. Diese Krankheitsbilder verdeutlichen, dass unbehandelte psychische Erkrankungen nicht nur die seelische Gesundheit gefährden, sondern auch als Ausgangspunkt für schwerwiegende körperliche Beschwerden fungieren können.

Das vegetative Nervensystem: Schaltzentrale der Körperfunktionen

Das vegetative Nervensystem (VNS), auch autonomes Nervensystem genannt, steuert lebenswichtige Körperfunktionen, die weitgehend unserer willentlichen Kontrolle entzogen sind. Das vegetative Nervensystem sorgt dafür, dass sich die Organe und Drüsen des Menschen sehr schnell an äußere Bedingungen anpassen. Dies geschieht weitgehend ohne unseren Willen. Deshalb kann man zum Beispiel nicht nach Belieben die Verdauung stoppen oder die Blutgefäße weiten.

Das vegetative Nervensystem ist unterteilt in das sympathische und parasympathische Nervensystem. Das sympathische Nervensystem bereitet den Organismus auf die Aktion vor. Es sorgt dafür das u. a. der Blutdruck steigt, das Herz schneller schlägt, die Atemwege sich erweitern und hemmt die Darmtätigkeit. Besonders in der Steinzeit waren dies alles wichtige Funktionen, um bei Gefahren flüchten oder angreifen zu können. Inzwischen gibt es zwar keine Säbelzahntiger mehr (stattdessen haben wir andere Stressauslöser), aber das Notfallprogramm funktioniert heute noch genauso wie vor 90 Millionen Jahren.

Verschiedene Einflüsse oder Krankheiten können das vegetative Nervensystem stören und in der Folge zu körperlichen Symptomen führen, die nicht auf organische Ursachen zurückzuführen sind. Das vegetative Nervensystem regelt u.a. In einer gefährlichen Situation setzt das sympathische Nervensystem den Körper in Alarmbereitschaft.

Sympathikus und Parasympathikus: Das Zusammenspiel

Das vegetative Nervensystem besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem Sympathikus und dem Parasympathikus. Während der Sympathikus den Körper auf Aktivität und Stress vorbereitet (Fight-or-Flight-Reaktion), sorgt der Parasympathikus für Entspannung und Regeneration (Rest-and-Digest). Ein Ungleichgewicht zwischen diesen beiden Systemen kann zu verschiedenen körperlichen Beschwerden führen.

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  • Sympathikus: Der Sympathikus ist kein Organ, das sich wie zum Beispiel das Herz oder die Leber an einem bestimmten Ort im Körper befindet. Die Nervenzellen des Sympathikus entspringen im Brust- und Lendenrückenmark. Ihre Fortsätze münden zum Teil in benachbarte Zellansammlungen, den sogenannten Ganglien. Die Ganglien sind untereinander nach oben und unten verbunden, sodass rechts und links vom Rückenmark ein perlschnurartiges Gebilde entsteht. Der aktivierte Sympathikus setzt in den Ganglien den Neurotransmitter Noradrenalin frei und schickt ihn zu den Zielorganen. Ein Mensch, der einer unmittelbaren Stresssituation oder Gefahrenquelle ausgesetzt ist (zum Beispiel durch ein wildes Tier), wird versuchen, die Flucht zu ergreifen. Dafür benötigt er mehr Blut in den Muskeln, um flüchten zu können. Sein Sympathikus arbeitet in höchster Aktivität. Der Mensch beginnt zu schwitzen, da der Sympathikus auch die Schweißdrüsen aktiviert. In diesem Beispiel bedeutet die Aktivierung des Sympathikus also erhöhte Aufmerksamkeit.
  • Parasympathikus: Die Ursprungsneurone des Parasympathikus liegen entweder im Hirnstamm oder im sakralen Rückenmark (das heißt im unteren Bereich der Wirbelsäule). Etwa 75 Prozent aller Nervenfasern des Parasympathikus entspringen im Hirnstamm. Sobald höheren Zentren (z.B. Beim Parasympathikus befinden sich die Ganglien in der Nähe oder sogar innerhalb der Organe. Das ankommende Acetylcholin regt die Ganglien wiederum dazu an, ebenfalls Acetylcholin freizusetzen.

Enterisches Nervensystem

Das enterische Nervensystem ist ein kompliziertes Geflecht aus Nervenzellen, das nahezu den gesamten Magen-Darm-Trakt durchzieht. Wird zum Beispiel ein Teil des Darms durch den Darminhalt gedehnt, nimmt das enterische Nervensystem diese Informationen auf. Anschließend leitet es die Signale an die Muskulatur des Darms weiter, der sich daraufhin abwechselnd zusammenzieht und wieder entspannt. Durch diese Darmbewegungen wird der Speisebrei durchmischt und weiterbefördert. Das enterische Nervensystem reguliert sich zwar unabhängig von äußeren Einflüssen - der Sympathikus und der Parasympathikus können es allerdings beeinflussen.

Das somatische Nervensystem

Das somatische Nervensystem unterliegt größtenteils der willkürlichen Kontrolle des Menschen - man kann es also bewusst steuern. Mithilfe des somatischen Nervensystems koordiniert der Mensch beispielsweise Bewegungen (Motorik), so etwa das Heben der Hand oder die Krümmung des kleinen Zehs.

Trauer als Auslöser von Dysregulation

Auch emotionale Zustände wie etwa Trauer, Wut oder Angst beeinflussen das vegetative Nervensystem und führen dementsprechend zu einer Reaktion des Körpers. Menschen, die einen nahestehenden Menschen verloren haben, können häufig das Geschehene nicht begreifen. Die Gefühlsregungen sind unterschiedlich. Fast alle Trauernde verlieren oftmals die Orientierung, verfahren sich, verlegen Dinge und körperlich „tut alles weh“. Auch ist das Sprachzentrum betroffen und man kann häufig seine Gefühle nicht in Worte fassen.

In der Trauerzeit befindet sich der Körper in Daueralarmbereitschaft und kann dieses „Notfallprogramm“ nicht regulieren. Das hat zur Folge, dass man keinen Appetit hat, nicht richtig schläft. Dieser Dauerstress kann krank machen. Um den Körper vor langfristigen Schäden zu schützen, ist es ratsam, den Parasympathikus immer wieder ganz bewusst zu stimulieren. Das vegetative Nervensystem heißt zwar deshalb „vegetativ“, weil wir seine Funktion nicht mit der eigenen Kraft unseres Willens steuern können, doch können wir mit einigen Tricks den Parasympathikus stärken, z. B.

Strategien zur Regulation des Nervensystems in der Trauer

Die gute Nachricht ist: Dein Nervensystem besitzt die Fähigkeit zur Selbstregulation. Durch gezielte Übungen und Techniken kannst du lernen, dein Nervensystem zu beruhigen und wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

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  • Atemtechniken: In Momenten tiefer Trauer kann dein Atem ein wertvoller Anker sein. Bewusstes Atmen aktiviert deinen Parasympathikus, den Teil deines Nervensystems, der für Entspannung und Erholung zuständig ist. Eine einfache, aber wirkungsvolle Technik ist die 4-7-8-Atmung: Atme vier Sekunden ein, halte den Atem für sieben Sekunden und atme acht Sekunden lang aus. Diese Übung kannst du jederzeit und überall durchführen, wenn Trauergefühle überwältigend werden. Eine weitere beruhigende Atemtechnik ist die Bauchatmung. Lege deine Hand auf deinen Bauch und spüre, wie sich dieser beim Einatmen hebt und beim Ausatmen senkt. Konzentriere dich darauf, tief in den Bauch zu atmen und langsam wieder auszuatmen. Diese Art zu atmen senkt nachweislich den Cortisolspiegel und fördert die Ausschüttung von Entspannungshormonen. In akuten Stresssituationen kann die "Box-Atmung" hilfreich sein: Stelle dir ein Quadrat vor. Atme entlang jeder Seite für vier Sekunden ein, halte den Atem, atme aus und pausiere wieder. Diese Visualisierung in Kombination mit der kontrollierten Atmung kann dein Nervensystem schnell beruhigen und dir helfen, emotional präsent zu bleiben, ohne von Gefühlen überwältigt zu werden.
  • Körperübungen: Dein Körper speichert Trauergefühle nicht nur emotional, sondern auch physisch. Sanfte Bewegungen können helfen, diese gespeicherten Emotionen zu lösen und dein Nervensystem zu regulieren. Eine besonders effektive Übung ist das "Bodyscan". Lege dich bequem hin und lenke deine Aufmerksamkeit langsam von den Füßen bis zum Kopf durch deinen Körper. Spüre in jede Region hinein und löse bewusst Spannungen. Diese Praxis fördert die Körperwahrnehmung und aktiviert den Parasympathikus. Achtsames Gehen ist eine weitere kraftvolle Methode, um Körper und Geist in Einklang zu bringen. Konzentriere dich beim langsamen Gehen auf jeden einzelnen Schritt. Spüre, wie deine Füße den Boden berühren und wie sich dein Gewicht verlagert. Diese bewusste Bewegung kann dich im Hier und Jetzt verankern und überwältigende Gedanken beruhigen. Sanfte Dehnübungen können ebenfalls Wunder bewirken. Versuche, deine Schultern zu den Ohren zu heben, kurz zu halten und dann mit einem tiefen Ausatmen loszulassen. Wiederhole dies mehrmals. Diese einfache Übung kann Verspannungen lösen, die sich oft in Zeiten der Trauer im Nacken- und Schulterbereich ansammeln. Experimentiere auch mit leichten Schüttelbewegungen. Beginne mit den Händen und Armen und lass die Bewegung durch deinen ganzen Körper fließen. Diese Technik hilft, aufgestaute Energie freizusetzen und kann ein Gefühl der Erleichterung bringen.
  • Meditation: Meditation kann in Zeiten der Trauer ein sanfter Weg sein, um innere Ruhe zu finden und dein Nervensystem zu stabilisieren. Eine besonders hilfreiche Technik ist die Loving-Kindness-Meditation, auch Metta-Meditation genannt. Dabei sendest du liebevolle Gedanken an dich selbst und andere. Diese Praxis kann helfen, Gefühle von Isolation zu lindern und Verbundenheit zu fördern, was besonders in der Trauer wertvoll ist. Eine weitere kraftvolle Meditationsform ist die Achtsamkeitsmeditation. Hier richtest du deine Aufmerksamkeit bewusst auf den gegenwärtigen Moment, ohne zu urteilen. Dies kann dir helfen, overwhelming Gedanken und Gefühle zu beobachten, ohne von ihnen mitgerissen zu werden. Beginne mit kurzen Sitzungen von 5-10 Minuten und steigere die Dauer langsam, wenn du dich damit wohl fühlst. Geführte Visualisierungen können ebenfalls sehr tröstlich sein. Stelle dir einen sicheren, friedvollen Ort vor - vielleicht einen Strand oder einen Wald. Nutze alle deine Sinne, um diesen Ort lebendig werden zu lassen. Diese mentale Reise kann deinem Nervensystem eine Pause von der Trauer gönnen und Ressourcen für Heilung aktivieren. Experimentiere auch mit Klangmeditationen. Das Summen eines einzelnen Tons oder das Lauschen auf beruhigende Naturgeräusche kann dein Nervensystem in einen Zustand der Entspannung versetzen. Diese Form der Meditation erfordert weniger mentale Anstrengung und kann besonders hilfreich sein, wenn du dich erschöpft fühlst.
  • Weitere Tipps: Die Trauer und den Schmerz zuzulassen, ist der erste gute Schritt zur Entlastung. Auch ist die Trauer auf Mitteilen ausgerichtet. Andere Heilkräuter wie Baldrian und Melisse beruhigen das vegetative Nervensystem und bringt es wieder ins Gleichgewicht. In der Homöopathie gibt es außerdem Globulis, die das vegetative Nervensystem stärken sollen, lassen Sie sich hierzu von einem Heilpraktiker oder Apotheker auch im Hinblick auf Nebenwirkungen und Wechselwirkungen, z. B. Duftaromen: Die Aromatherapie die ganzheitliche Behandlung von Beschwerden und Krankheiten mit ätherischen Ölen. Der wunderbare Duft der ätherischen Öle macht nicht nur die Behandlung selbst zur Wohltat, sondern hilft immer auch auf geistig-seelischer Ebene aktiv beim Gesundwerden. Es gibt verschiedene Aromen die das Gefühl von Geborgenheit vermitteln (z. B. Vanille, Bezoe-Siam, Resinoid) oder eine angstlösende Wirkung haben (z. B. Tonka).

Wann professionelle Hilfe ratsam ist

Normale Trauer ist eine natürliche, wenn auch schmerzhafte Reaktion auf den Verlust, die im Laufe der Zeit abklingt und Raum für Heilung lässt. Unverarbeitete Trauer kann nicht nur seelische, sondern auch deutliche körperliche Beschwerden verursachen. Wenn die Trauer so stark wird, dass sie das tägliche Leben nachhaltig beeinträchtigt - etwa durch chronische emotionale und körperliche Symptome, anhaltende Isolation oder das Unvermögen, wieder Freude zu empfinden - ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Professionelle Trauerbegleitung kann den Betroffenen Raum und Zeit geben, um ihren Verlusterfahrungen heilsam begegnen zu können. Ambivalenz oder Gefühle, wie Wut, Hass, Groll und Schuld bekommen ihre Berechtigung und werden in adäquater Form ausgedrückt.

Therapieansätze

  • Systemische Therapien: Dieser Ansatz hilft dabei, die Wechselwirkungen zwischen den individuellen Gefühlen und den sozialen sowie familiären Dynamiken zu verstehen.
  • Verhaltenstherapie: Die Verhaltenstherapie zielt darauf ab, dysfunktionale Gedankenmuster und Verhaltensweisen zu identifizieren und gezielt zu verändern.
  • EMDR-Behandlung: EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist eine moderne Therapieform, die sich besonders bei der Verarbeitung von traumatischen Erinnerungen bewährt hat.
  • Kreativ- und Kunsttherapie: Kreative Ausdrucksformen wie Malen, Schreiben oder Musik bieten eine nicht-verbale Möglichkeit, tiefe emotionale Zustände zu verarbeiten.
  • Emotionsfokussierte Psychotherapie: Dieser Ansatz legt den Schwerpunkt auf die bewusste Wahrnehmung und Regulierung der eigenen Gefühle.

Vegetative Dystonie

Eine vegetative Dystonie bedeutet wörtlich eine "fehlregulierte Spannung (Dystonus) des vegetativen Nervensystems". Dieses koordiniert viele wichtige Körperfunktionen, die sich willentlich kaum oder gar nicht beeinflussen lassen - etwa den Herzschlag, die Atmung oder die Verdauung. Entsprechend lassen sich unter dem Überbegriff der vegetativen Dystonie verschiedene Symptome zusammenfassen - von Herz-Kreislauf-Beschwerden und Kopfschmerzen bis zu zitternden Händen und Durchfall.

Die Beschwerden richten sich danach, ob sich das Spannungsverhältnis zugunsten des Sympathikus oder des Parasympathikus verschoben hat: Menschen mit einer verstärkten Sympathikusaktivität (Sympathikotonie) neigen demnach zu Nervosität, Herzrasen, erhöhtem Blutdruck und Durchfall. Ist dagegen der Parasympathikus dominant (Vagotonie), geht dies eher mit einem niedrigen Blutdruck, kalten Händen und Füßen, Antriebslosigkeit und Verstopfung einher.

Symptome der vegetativen Dystonie

Eine Vielzahl sehr verschiedener Symptome lässt sich mit dem Begriff vegetative Dystonie in Verbindung bringen. Die Beschwerden sind oft nur schwer einzuordnen.

Mögliche Symptome einer vegetativen Dystonie sind:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Schlafstörungen
  • Krämpfe
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Erhöhter oder erniedrigter Pulsschlag
  • Leichtes Zittern der Hände
  • Kribbeln in den Gliedmaßen

Behandlung der vegetativen Dystonie

Wie eine vegetative Dystonie am besten behandelt wird, hängt von ihrem jeweiligen Auslöser und ihrer Ausprägung ab. Bleibt die körperliche Diagnostik ohne Ergebnis, raten Ärzte häufig dazu, zunächst abzuwarten und den Verlauf der Beschwerden zu beobachten - somatoforme Störungen legen sich häufig nach einer Weile von alleine wieder.

Ist dies nicht der Fall, empfiehlt der Arzt meist eine Psychotherapie. Dies bedeutet keinesfalls, dass er die Beschwerden des Patienten nicht ernst nimmt. Oft haben körperliche Symptome ihre Wurzeln in der Psyche - es sind dann sogenannte psychosomatische Beschwerden. Die vegetative Dystonie lässt sich deshalb am besten mit psychotherapeutischen Maßnahmen behandeln. Sie versprechen die größte Aussicht auf Beschwerdefreiheit.

Einige Psychotherapeuten sind auf somatoforme Störungen beziehungsweise vegetative Dystonie spezialisiert. Mit dieser Unterstützung lernen viele Betroffene, ihre Beschwerden besser einzuordnen und mit ihnen im Alltag umzugehen - dies geschieht zum Beispiel im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie.

Besonders hilfreich ist es, die Gründe und Gefühle aufzuarbeiten, die hinter den Symptomen stehen. Sind belastende Empfindungen wie Stress, Sorgen oder Trauer aus der Welt zu schaffen oder anders zu verarbeiten, bessern sich auf Dauer meist auch die körperlichen Beschwerden.

Auf einige somatoforme Störungen hat körperliche Bewegung einen positiven Einfluss, also Sport oder Spaziergänge. Einigen Betroffenen helfen Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Tai-Chi oder Yoga.

Körper und Seele als Einheit

Körper und Seele sind eine Einheit, deshalb können sich starke Emotionen wie Trauer auf das vegetative Nervensystem, den Stoffwechsel und das Immunsystem auswirken. Bluthochdruck, Gelenkentzündungen und Kopfschmerzen zählen zu den Beschwerden, die psychisch bedingt sein können. Die Nähe zu anderen Menschen und das Gefühl, gehört zu werden, helfen bei der Trauerbewältigung.

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