Spastik ist eine Erkrankung, bei der die Muskeln steifer als normal sind, was zu Bewegungseinschränkungen und einer spastischen Tonuserhöhung führt. Dies kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Orthesen stellen eine wichtige Behandlungsoption dar, um die Bewegungsfähigkeit zu unterstützen, Schmerzen zu lindern und Verletzungen zu stabilisieren. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung von Orthesen bei Spastik, die verschiedenen Anwendungsbereiche und die verfügbaren Behandlungsansätze.
Was ist Spastik?
Bei einer Spastik sind Gelenke oder Körperabschnitte an den Muskeln steifer als normal. Die Bewegungen sind dadurch gestört - und je schneller Betroffene ein Gelenk bewegen, desto steifer wird es (spastische Tonuserhöhung). Für eine Spastik nach Schlaganfall gibt es Zahlen, wann und wie das Symptom auftritt: Bis 3 Monate nach dem Schlaganfall ist es bei 27 Prozent aller Schlaganfall-Betroffenen der Fall. Oft kommen bei einer Spastik Schmerzen an betroffenen Muskeln oder Gelenken hinzu. Auch Lähmungen und eine vorzeitige Erschöpfbarkeit der Muskeln können auftreten. Eine bestehende Spastik kann sich durch Bewegungseinschränkung, Schmerzen, emotionale Anspannung, Entzündungen/Infekte, Stuhl- oder Harndrang, Hautschädigungen, Thrombosen oder Knochenbrüche verstärken. Solche Faktoren sollten beseitigt bzw. Neben der körperlichen Untersuchung gibt es spezielle Diagnoseverfahren, um eine Spastik festzustellen. Auch auftreten kann Spastik bei selteneren Erkrankungen (zum Beispiel der hereditären spastischen Paraparese, HSP). Hilfreiche Hinweise können hier im Einzelfall noch genetische Untersuchungen geben. Nach einer solchen Schädigung gibt es Veränderungen des Zentralnervensystems. Durch diese verändern sich auch Nerven, Muskeln und Weichteile, wodurch sich die mechanischen Eigenschaften und Strukturen in betroffenen Muskeln und Extremitäten ändern (zum Beispiel die elastischen Eigenschaften). Eine Spastik wird dabei immer durch mehrere Faktoren verursacht. Nach einem Schlaganfall bekommen Menschen häufiger Spastik, wenn sie stärkere Lähmungen und Gefühlsstörungen haben sowie deutlich in der Alltagsbewältigung eingeschränkt sind. Für die Therapie ist wichtig, wie die Spastik über den Körper verteilt ist. eine fokale Spastik an ein oder zwei eng benachbarten Bewegungssegmenten (z. B. eine segmentale Spastik einer Extremität mit mehreren Bewegungssegmenten (z. B.
Ursachen und Diagnose von Spastik
Spastik kann verschiedene Ursachen haben, darunter Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Multiple Sklerose, Zerebralparese und Rückenmarksverletzungen. Nach einer solchen Schädigung gibt es Veränderungen des Zentralnervensystems. Durch diese verändern sich auch Nerven, Muskeln und Weichteile, wodurch sich die mechanischen Eigenschaften und Strukturen in betroffenen Muskeln und Extremitäten ändern (zum Beispiel die elastischen Eigenschaften). Eine Spastik wird dabei immer durch mehrere Faktoren verursacht. Nach einem Schlaganfall bekommen Menschen häufiger Spastik, wenn sie stärkere Lähmungen und Gefühlsstörungen haben sowie deutlich in der Alltagsbewältigung eingeschränkt sind.
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und spezielle Diagnoseverfahren. Auch auftreten kann Spastik bei selteneren Erkrankungen (zum Beispiel der hereditären spastischen Paraparese, HSP). Hilfreiche Hinweise können hier im Einzelfall noch genetische Untersuchungen geben.
Therapieansätze bei Spastik
Für die Behandlung gibt es Therapien mit und ohne Medikamente. Günstige Effekte auf Spastik haben systematisches Arm-Basis-Training, häufige Wiederholungen und die Kombination mit muskulärer Elektrostimulation. Besonders wichtig ist die passive Muskelstreckung zusätzlich zur ausgewählten Standardtherapie. Für die Therapie von Standsicherheit, Gang, Treppensteigen oder der Arm-Hand-Funktion sieht man vielversprechende Verbesserungen bei einer Spastik durch den Einsatz von Robotern.
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Nicht-medikamentöse Therapien
Physiotherapie: Die Physiotherapie bildet die Grundlage der Behandlung einer spastischen Bewegungsstörung. Verschiedene Übungen dienen dazu, Muskeln und Gelenke beweglich zu halten. Eine passive Bewegung sowie Strecken und Dehnen sollen die Steifheit der Gelenke und Muskeln verringern. Die beim Physiotherapeuten erlernten Übungen können auch selbstständig zu Hause durchgeführt werden.
Ergotherapie: Die ergotherapeutische Behandlung beinhaltet verschiedene Maßnahmen und Übungen, die erlernt werden können. Sie dienen dazu, möglichst viele Alltagsaktivitäten trotz der Einschränkungen durch eine Spastik zu bewältigen. Hierzu gehören das Einüben von Tätigkeiten wie An- und Ausziehen, Essen und Zähneputzen sowie eine Beratung zum Umgang mit Hilfsmitteln wie Prothese, Rollator oder Schreibhilfe.
Elektrostimulation und Elektroakupunktur: Diese Methoden werden direkt am spastischen Muskel angewendet, um die überhöhte Muskelspannung zu behandeln und langfristig die Beweglichkeit zu verbessern.
Orthesen und andere Hilfsmittel: Eine Lähmung ausgleichen und günstige Effekte auf die Muskelspannung und Muskellänge haben Schienen, Splints, Verbände (Casts) und Orthesen. Für die Beine ist das Aufrichten der Betroffenen die beste Mobilisationsform. Durch das Anlegen von Casts kann schrittweise ein eingeschränkter Bewegungsumfang wieder ausgedehnt werden. Elektrostimulation aktiviert über angeklebte Elektroden auf der Haut Nerven und Muskelfasern mit kleinen Strömen (transkutane elektrische Nervenstimulation, TENS). Hier gibt es positive Effekte auf Spastik und den Bewegungsumfang (ROM). Auch die funktionelle Elektrostimulation (FES) für Bewegungen, die vom Patienten ganz oder teilweise selbst ausgeführt werden (z.B. Greifen und Hantieren, Gehen), kann neben der Verbesserung motorischer Funktionen einen Spastik-mindernden Effekt aufweisen. Günstige Auswirkungen auf die Spastik wurden zudem mittels Oberflächenelektrostimulation des Rückenmarks bzw. Eine spastische Tonuserhöhung lässt sich mit gezielten Magnetfeldreizen zur Stimulation ausgewählter Nerven, Nervenwurzeln oder Hirnarealen behandeln (periphere repetitive Magnetstimulation, prMS; repetitive transkranielle Magnetstimulation, rTMS). Stoßwellentherapie kann über Wochen anhaltend einen spastisch erhöhten Muskeltonus mindern mit einer begleitenden Erweiterung des Bewegungsumfangs (extrakorporale Stoßwellentherapie, ESTW). Bei Menschen mit Querschnittlähmung sind die Behandlungsschwerpunkte und die erreichbaren Behandlungsziele von der Höhe der Rückenmarksschädigung und dem Ausmaß der Lähmung abhängig. Ein erhöhter Muskeltonus in den Beinen kann bei Lähmung beider Beine sogar dazu führen, dazu dass Betroffene trotzdem laufen können, wenn auch sehr unsicher. Problematisch sind jedoch starke spastische Tonuserhöhungen, einschießende Streck- oder Beugespasmen, starke Muskelzuckungen (Spastik mit unwillkürlichen rhythmischen Muskelzuckungen) und unerwünschte Mitbewegungen nicht aktivierter Muskelgruppen. Regelmäßiges Durchbewegen und geräteunterstützte Bewegungen helfen, diese störenden Phänomene einer Schädigung von Hirn/Rückenmark und speziell den spastischen Muskeltonus zu reduzieren.
Medikamentöse Therapien
Für die Auswahl einer medikamentösen Behandlung ist entscheidend, wo die Spastik am Körper vorkommt und ob sich eine zugrundeliegende Schädigung im Rückenmark oder im Gehirn befindet. Vor diesem Hintergrund müssen Nutzen und Nebenwirkungen, Akzeptanz und Umsetzbarkeit einer Behandlung gründlich abgewogen werden. Mit Tabletten oder Spray (orale Therapie) werden vermehrte Muskelaktivität bei Spastik behandelt behandelt. Patienten mit einer Spastik beider Beine (Paraspastik) und nicht mobile Patienten mit generalisierter spastischer Tonuserhöhung profitieren in der Regel von einer oralen Therapie. Dantrolen bewirkt Muskelentspannung durch Hemmung der Freisetzung von Kalziumionen im Muskel. Sativex® ist ein Spray für die Mundhöhle und ausschließlich für die bei Multipler Sklerose auftretende spastische Tonuserhöhung zugelassen. Spastik-Medikamente, die im Zentralnervensystem wirken, führen dosisabhängig relativ häufig zu Müdigkeit, Antriebsminderung oder einer störenden Abnahme der Muskelkraft. Daher sollte die Erhöhung der Dosis vorsichtig erfolgen. Dantrolen sollte wegen der potenziell toxischen Leberschädigung und der Verstärkung bestehender Lähmungen nur eingesetzt werden, wenn es keine bessere Alternative gibt und die Symptome es wirklich erfordern. Die Verbesserungen einer Spastik mit Tabletten und Spray sind zwar messbar, werden von Betroffenen aber nicht immer im Alltag wahrgenommen. Für Tolperison gegenüber Baclofen und für Tizanidin gegenüber Diazepam wurden jedoch auch Alltagsvorteile für Schlaganfall-Betroffene) beschrieben.
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Botulinumtoxin Typ A: Der Wirkstoff Botulinumtoxin Typ A wird zur Behandlung der fokalen Spastik (betrifft nur eine Körperregion) und multifokalen Spastik (betrifft zwei oder mehrere Körperregionen) eingesetzt. Die Behandlung erfolgt gezielt durch Injektionen in den von der Spastik betroffenen Muskel. Der Vorteil: Die Wirkung entfaltet sich direkt am Ort der Beschwerden, auf die Funktion entfernter Muskeln im Körper hat der Wirkstoff keinen Einfluss. Botulinumtoxin Typ A wirkt, indem es vorübergehend die Signalübertragung vom Nerven zum Muskel blockiert. Dadurch entspannen sich die Muskeln vorübergehend für einen Zeitraum von zwei bis vier Monaten. Auch Schmerzen können gelindert werden. Die Injektion mit Botulinumtoxin Typ A wird von ärztlichen Leitlinien, unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), als Mittel der ersten Wahl zur Behandlung einer lokal begrenzten Spastik nach einem Schlaganfall empfohlen. Physiotherapeutische Maßnahmen sollten die Behandlung ergänzen. Nebenwirkungen der Therapie mit Botulinumtoxin können beispielsweise lokale Beschwerden an der Einstichstelle oder eine allgemeine Schwäche sein. Bei häufiger Anwendung kann es zu einer Verminderung der Wirkung kommen.
Baclofen: Bei einer sehr stark ausgeprägten Spastik, die den Alltag deutlich behindert und wenn die bisherige Therapie nicht erfolgreich war, kann die sogenannte intrathekale Therapie mit Baclofen (ITB) zum Einsatz kommen. Dabei wird das muskelentspannende Medikament über ein spezielles Infusionssystem mit einer Pumpe direkt in den das Rückenmark umgebenden Raum (Liquor) verabreicht. Da zu Beginn der Behandlung eine Operation notwendig ist, sollte die ITB nur in schweren Fällen zur Anwendung kommen.
Klassische Antispastika: Klassische Antispastika sind krampflösende Medikamente, die eine Entkrampfung der Muskeln bewirken. Hierzu gehören die Wirkstoffe Baclofen, Tizanidin und Tolperison. Diese können die Spastik lösen und damit Bewegungseinschränkungen verbessern.
Dantrolen: Der Wirkstoff Dantrolen hemmt gewisse Vorgänge im Muskel und bewirkt dadurch eine Muskelentspannung. Der Wirkstoff ist zugelassen für „Spastiken mit krankhaft gesteigerter Muskelspannung unterschiedlicher Ursache“.
Benzodiazepine: Benzodiazepine stellen eine Substanzgruppe dar, die zu den Psychopharmaka gehören. Sie wirken angstlösend, schlaffördernd und entspannend auf die Muskulatur. Für die Behandlung der Spastik nach einem Schlaganfall sind sie nicht zugelassen, werden aufgrund ihrer Wirksamkeit aber dennoch angewendet.
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Cannabinoide: Die Wirkstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) können bei schmerzhaften Krämpfen der Muskulatur helfen. Sie sind als Spray zur Anwendung in der Mundhöhle derzeit ausschließlich zur Behandlung der Spastik im Zusammenhang mit der Erkrankung Multiple Sklerose (MS) zugelassen, werden aber ebenfalls bei einer Spastik nach einem Schlaganfall eingesetzt.
Chirurgische Verfahren
Bei schwerster Spastik, die anders nicht zu behandeln sind, gibt es chirurgische Verfahren (dorsale Rhizotomie oder Eingriffe in die Eintrittszone der Hinterwurzel ins Rückenmark). Durch sie können ausgeprägte Fehlhaltungen vermieden werden und damit verbundene Pflegehemmnisse, hygienische Probleme und Komplikationen wie Kontrakturen oder Hautläsion. Nach Versagen der Standardtherapieverfahren und damit verbundenen Schmerzen können in weiteren chirurgischen Verfahren bestimmte Stellen eines Nerven durchtrennt werden (motorische Endäste, z.B. Nervus tibialis bei spastischem Spitzfuß, „pes equinus“).
Rolle von Orthesen bei der Behandlung von Spastik
Orthesen werden eingesetzt, um die Bewegungsfähigkeit zu unterstützen, Schmerzen zu lindern und Verletzungen zu stabilisieren. Sie sind besonders hilfreich bei der Behandlung von Gelenkproblemen, nach Operationen oder bei chronischen Beschwerden, da sie den betroffenen Bereich entlasten und gleichzeitig eine sichere und funktionale Bewegung ermöglichen.
Arten von Orthesen
Es gibt verschiedene Arten von Orthesen, die je nach Bedarf und betroffenem Körperteil eingesetzt werden:
Handorthesen: Diese dienen zur Wiederherstellung von Handfunktionen für alltägliche Handgriffe, als Nachtlagerungsorthese, um eine Entlastung der Unterarmmuskulatur zu erreichen oder zur Bewegungsanbahnung für therapeutische Übungen.
Armorthesen: Armorthesen dienen der Entlastung von Gelenken und Korrektur von Fehlhaltungen. Je nach Krankheitbild werden Armorthesen und -bandagen tempörär oder dauerhaft getragen. Ob für Sie eine statische oder dynamische Armorthese in Frage kommt, erfahren Sie bei Ihrer Arztpraxis oder in unserem Sanitätshaus von unseren Orthopädietechniker:innen.
Beinorthesen: Mit einer Beinprothese können Sie Lähmungen und Teillähmungen infolge von Schlaganfällen, Polio oder einem Schädel-Hirn-Traum ausgleichen und mehr Mobilität und Lebensqualität zurückerlangen. Unterschenkelorthesen dienen zur Stabilisierung des unteren und oberen Sprunggelenks nach traumatischen Verletzungen. Auch bei neuronalen Erkrankungen werden die Orthesen verwendet, um das Sturzrisiko zu verringern und ein natürliches physiologisches Gangbild zu erzielen. Maßgefertigte Knieorthesen aus Karbon mit stabilisierender oder korrigierender Wirkung werden bei Verletzungen oder Fehlstellungen des Kniegelenks verwendet. Häufige Anwendungsfälle sind Kreuzbandriss, Meniskusverletzungen, Verletzungen des Kniegelenks und chronische Erkrankungen wie Arthrose. Wir ermöglichen durch individuell angefertigte Fußorthesen eine optimale Versorgung. Die Orthesen entlasten das Fußgelenk bei Verletzungen oder korrigieren Fehlbildungen. Sprunggelenkorthesen haben das Ziel, verletzte Sehnen und Bänder durch Stabilisierung zu schonen.
Rückenorthesen: Funktionelle Rückenorthesen dienen der Entlastung der Wirbelsäule. Diese Unterstützung trägt zur Schmerzlinderung bei. Je nach Diagnose, wie z.B. Osteoporose, Frakturen oder Bandscheibenvorfall, finden wir das geeignete Hilfsmittel für Sie.
Orthesen bei Fußheberschwäche
Für Menschen die unter einer Fußheberschwäche leiden wird jeder Schritt zu einer enormen Herausforderung - denn Gehen ist für die Betroffenen kein automatischer Vorgang mehr. Die Folge sind eine deutliche Bewegungseinschränkung und damit ein Verlust der Lebensqualität. Die passenden Hilfsmittel können Sie dabei unterstützen, große Teile Ihrer Beweglichkeit und Lebensqualität zurückzugewinnen. Bei der Fußheberschwäche (auch Peroneusparese oder Fußheberparese genannt) liegt eine Schädigung des Peroneusnerves (Nervus peroneus communis) vor, der das Anheben des Fußes steuert. Dadurch können Betroffene den Fuß entweder nicht mehr oder nur noch unzureichend anheben. Am häufigsten entsteht die Fußheberschwäche in Folge eines Schlaganfalls (mit halbseitiger Lähmung), eines Bandscheibenvorfalls oder Schädel-Hirn-Traumas. Für Patienten mit einer Fußheberschwäche ist das Gehen kein Vorgang mehr, der automatisch abläuft. Der Fuß kann nicht mehr natürlich abgerollt werden ("Fallfuß"). Die Patienten setzen entweder mit der kompletten Fußsohle, der Fußaußenkante, oder nur mit dem Vorfuß auf. Im Falle einer spastischen Lähmung kann es außerdem zu einem Verkrampfen oder Krallen der Zehen kommen. Da der Fuß herabhängt, wird zudem beim Gehen das Bein bzw. die Hüfte höher angehoben, um ein Stolpern zu vermeiden (auch "Steppergang" genannt). Auch das Vorschwingen des Beines ist mit der Fußheberschwäche nicht mehr wie im normalen Gehvorgang möglich. Stattdessen erfolgt das Vorschwingen des Beines durch eine kreisförmige Hüftbewegung nach vorne ( Zirkumduktion). Eben weil der Fuß bei einer Fußheberschwäche nach unten hängt, besteht zusätzlich eine hohe Verletzungs- bzw. Sturzgefahr. Selbst kleine Unebenheiten im Boden oder niedrige Treppenstufen können so zum großen Hindernis und zur gefährlichen Stolperfalle werden. Unbehandelt kann die durch die Fußheberschwäche ausgelöste Gangstörung und Fehlhaltung schnell zu weiteren Beschwerden führen wie Hüft-, Becken-, Knie-, oder Rückenschmerzen. Mit den richtigen Hilfsmitteln können Sie dem jedoch effektiv entgegensteuern - und so wieder aktiv werden und Freude an der Bewegung finden.
Textile Fußheberorthese und Fußheber-Bandage: Diese beiden Hilfsmittel - eine textile Fußheberorthese und eine Fußheber-Bandage - eignen sich vor allem für eine leichte Ausprägung der Fußheberschwäche. Die textile Fußheberorthese bzw. Fußheber-Bandage unterstützt den Fuß optimal, so dass ein Umknicken verhindert werden kann. Außerdem kann sie dazu beitragen, wieder einen gesunden Gangstil zu entwickeln. Die Beweglichkeit des Fußes und Sprunggelenks wird mit Hilfe der textilen Fußorthese bzw.
Dynamische Fußheberorthesen aus Carbon: Bei leichter bis mittlerer Ausprägung der Fußheberschwäche empfehlen sich dynamische Fußheberorthesen aus Carbon: Die Orthesen können die Fußhebung optimal unterstützen. Sie fördern ein natürliches Gangbild sowie physiologisches Abrollverhalten. Die Fußheber-Orthesen gibt es in verschiedenen Ausführungen von flexibel bis hart, so dass sie individuell auf Ihre Bedürfnisse angepasst werden können. Der wichtigste Vorteil einer dynamischen Fußheberorthese aus Carbon liegt in ihrer enormen Leichtigkeit, wodurch ein hoher Tragekomfort zustande kommt. Durch ihr geringes Gewicht ist eine solche Orthese auch zum Sport treiben geeignet. Die Fußheber-Orthesen aus Carbon werden überwiegend bei Fußheberschwächen angepasst, wenn die Krankheit eine Regeneration ausschließt. Diese Orthesen können zum Teil über mehrere Jahre getragen werden und sollten in regelmäßigen Abständen gewartet werden. Tipp: Häufig ist es sinnvoll zusätzlich zu den Orthesen mit Einlagen zu arbeiten, um den Fuß bestmöglich zu unterstützen.
Funktionelle Elektrostimulation (FES): Bei der funktionellen Elektrostimulation (FES) kommen elektrische Impulse gegen die Fußheberschwäche zum Einsatz. Diese Form der Behandlung zeigt bei der Fußheberschwäche in zahlreichen Fällen eine enorme Wirkung. Bei der funktionellen Elektrostimulation handelt es sich um eine hochmoderne Technik, die im Bereich der Neurorehabilitation zum Einsatz kommt. Zum einen soll sie ein Wiedererlernen ermöglichen: Durch die wiederholte künstliche Nervenstimulation soll das zentrale Nervensystem darauf trainiert werden, die Muskeln wieder selbstständig anzusteuern. Tipp: Je nach Krankheitsbild kann es ergänzend zur funktionellen Elektrostimulation hilfreich sein auf andere Hilfsmittel wie Orthesen oder Bandagen zurückzugreifen.
Weitere Aspekte bei der Versorgung mit Orthesen
Individuelle Anpassung: Es gilt jedoch, wie bei jedem orthopädischen Hilfsmittel, dass das Hilfsmittel unbedingt individuell auf Sie und Ihr Krankheitsbild abgestimmt sein sollte. Wichtig ist, dass die Passform des Hilfsmittels individuell auf Sie abgestimmt ist - nur mit der richtigen Passform erzielen Sie die bestmögliche Wirkung!
Sensomotorische Einlagen: Ist die Fußheberschwäche durch eine neurologische Erkrankung bedingt, können spezielle sensomotorische Einlagen dazu beitragen, die verlorengegangenen Funktionen der Nerven wieder zu stimulieren. Zusätzlich können solche Einlagen die Muskelspannung beim Gehen regulieren und dadurch die Ganghaltung und Balance verbessern.
Kniebandagen: Wird das Knie durch eine Lähmung oder eine Fehlhaltung in Folge der Fußheberschwäche überstreckt und stark belastet, ist das Tragen einer entlastenden Kniebandage empfehlenswert.
Spezielle Orthesenversorgung bei Spitzfuß und Kniebeugekontrakturen
Ziel einer orthetischen Versorgung bei Patienten mit Spitzfuß und Kniebeugekontrakturen ist es, die Streckung im Kniegelenk zu erreichen, um einen möglichen Kauergang zu verhindern und die Spastik zu hemmen. Wichtig bei einer Spastik ist das Erreichen einer Spastikhemmung durch redressive informative Orthetik. Das Hauptelement bei dieser Form der Spastikhemmung ist der sogenannte Hessingschuh. Der Hessingschuh ist ein knöchelübergreifender Leder- oder Kunststoffschuh. Es werden zwei Ausführungen des Hessingschuhs hergestellt: mit einer kurzen oder mit einer langen Sohlenplatte. Um einen Kauergang zu verhindern bzw. Der Hessingschuh mit kurzer Sohlenplatte führt zur Extension in den Zehengrundgelenken in der terminalen Standphase. Dadurch schwingt die Tibia nach vorn über die Vertikale hinaus. Die Beweglichkeit im OSG hängt von der eingestellten Beweglichkeit der Knöchelgelenke an der Orthese ab. Bei freier Dorsalextension nach einer ASV kann die Achillessehne bei Vorbringung des Körperlots über die Vertikale das OSG nicht mehr fixieren. Die Tibia wird nach vorne geschoben, weshalb sich die Knie- und Hüftgelenke beugen müssen. Das verstärkt die Tendenz zum Kauergang. Der Hessingschuh mit langer Sohlenplatte führt zur Extension des Kniegelenkes in der Standphase. Wenn das Körperlot über das OSG nach vorne verschoben wird, erfolgt keine Flexion in den Zehengrundgelenken, und die Kraft der Tibia wird auf die Ferse zurückverlagert. Der Abrollvorgang des Fußes bricht somit ab, da die Ferse kurz nach der Anhebung wieder auf den Boden zurückgedrückt wird. Bei weiterer Verlagerung des Rumpfes nach vorn zur Einleitung der kontralateralen Standbeinphase muss das Kniegelenk gestreckt werden.
Wichtige Hinweise zur Anwendung von Orthesen
Verordnung: Tragen Sie Ihre Orthese nach Verordnung. Anfangs wird das Hilfsmittel nur kurzzeitig verwendet, um die Wundheilung nicht zu stören und Schonhaltungen zu vermeiden. Nachdem der Heilungsprozess eingetreten ist, wird die Anwendungsdauer täglich ausgedehnt.
Tragedauer: Nach einer Ellenbogen-OP muss die Ellenbogen-Orthese für mindestens sechs bis acht Wochen getragen werden. Genauere Hinweise zur Tragedauer erhalten Sie von Ihrer behandelnden Arztpraxis. Standardmäßig beläuft sich die Tragedauer einer Orthese nach einer Kreuzband-OP auf sechs Wochen. Genauere Hinweise zur Dauer erhalten Sie bei Ihrer behandelnden Arztpraxis. Nach einem Bänderriss kommt eine Fußgelenk- bzw. Sprunggelenkorthese zum Einsatz. Diese wird für mindestens sechs Wochen verschrieben. Nach einem Bänderriss wird das Tragen einer speziellen Orthese für mindestens sechs Wochen empfohlen. Bei einer Arthrose im Daumensattelgelenk spricht man von einer Rhizarthrose. Zur Behandlung wird Patient:innen eine Rhizarthrose-Orthese verschrieben. Die Daumenorthese sollte je nach Stadium circa sechs Monate getragen werden. Lassen Sie sich individuell beraten.
Nächtliches Tragen: Orthesen ohne Kompressionswirkung sollten auch nachts getragen werden. Achten Sie beim Tragen der Orthese auf atmungsaktive Kleidung, die keine Falten schlägt. Sofern die verschriebene Orthese keine Kompressionswirkung aufweist, sollten Sie diese auch nachts tragen, um den Heilungsprozess des verletzten Arreals zu fördern und unwillkürliche Bewegungen im Schlaf zu vermeiden.
Passform: Wenn die Orthese nicht richtig passt, sollten Sie unsere Orthopädietechnik aufsuchen. Eine nicht fachgerechte Anwendung Ihrer Orthese kann zu unterschiedlichen Beschwerden wie Hautreizungen, Durchblutungsstörungen, Gangunsicherheiten, Fehlbelastungen, Irritationen und Infektionen führen.
Autofahren: Aktuell gibt es kein Gesetz, das das Autofahren mit Orthese untersagt.