Nervenschmerzen, oft begleitet von Entzündungen der Nerven, können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Ein konservativer Therapieansatz, der auf die gezielte Behandlung der Entzündung abzielt, steht dabei im Vordergrund. Lumedis, spezialisiert auf Erkrankungen des Ischiasnervs, bietet hierzu moderne Diagnosetechniken und individuelle Behandlungspläne an. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Paprikaextrakt, insbesondere Capsaicin, bei der Behandlung von Nervenschmerzen, basierend auf aktuellen Studien und Erkenntnissen.
Was sind Nervenschmerzen?
Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, entstehen durch Schädigungen oder Erkrankungen des Nervensystems. Sie unterscheiden sich von "normalen" Schmerzen, die ein Warnsignal des Körpers darstellen. Neuropathische Schmerzen sind vielmehr eine Krankheit an sich, eine fehlerhafte Anpassung des Körpers an die Nervenverletzung. Diese Schmerzen können brennend, elektrisierend oder einschießend sein und sich als Taubheitsgefühle äußern. Bereits das Tragen eines T-Shirts oder eine normale Wassertemperatur beim Duschen kann unerträglich sein.
Ursachen und Symptome von Nervenschmerzen
Die Ursachen für Nervenschmerzen sind vielfältig und reichen von Verletzungen und Operationen bis hin zu Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes. Die Symptome sind ebenso vielfältig und können Rückenschmerzen, ausstrahlende Schmerzen in den Beinen, Taubheitsgefühle und Muskelschwäche umfassen. Die Komplexität der Symptome und die Vielfalt der Ursachen erfordern oft einen interdisziplinären Ansatz in der Behandlung.
Natürliche Entzündungshemmer bei Nervenschmerzen
Neben konventionellen Medikamenten gibt es eine Reihe von natürlichen Entzündungshemmern, die bei der Behandlung von Nervenschmerzen unterstützend wirken können:
- Kurkuma: Die entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften von Kurkuma, insbesondere des enthaltenen Curcumins, können Schmerzen des Ischiasnervs lindern.
- Ingwer: Gingerol, die Hauptsubstanz im Ingwer, wirkt stark entzündungshemmend und kann bei Ischias Nervenschmerzen helfen.
- Omega-3-Fettsäuren: Diese Fettsäuren wirken neuroprotektiv und können sowohl Schmerzen als auch Entzündungen lindern.
- Grüner Tee: Die enthaltenen Catechine reduzieren Entzündungen und können Schmerzen lindern.
- Kirschen: Die Anthocyane in Kirschen wirken stark antioxidativ und hemmen Entzündungen.
- Weihrauch: Der angenehme Duft von Weihrauch kann eine beruhigende Atmosphäre schaffen, die den Stresspegel senkt und die Schmerzbewältigung erleichtert.
- Bromelain: Dieses Enzym aus der Ananas spaltet entzündliche Proteine und kann Entzündungen reduzieren.
- Weidenrinde: Das enthaltene Salicin wirkt ähnlich wie Aspirin und hat natürliche antientzündliche Eigenschaften.
- Knoblauch: Die vielen positiven Eigenschaften von Knoblauch können zur Linderung von Ischiasnervenschmerzen beitragen.
Capsaicin: Der Wirkstoff aus Paprika gegen Nervenschmerzen
Capsaicin, gewonnen aus Cayennepfeffer, ist eine natürliche Option zur Behandlung von Nervenschmerzen. Es bewirkt eine Desensibilisierung von Schmerzrezeptoren und baut die Substanz P ab, ein Protein, das mit der Übertragung von Schmerzsignalen an das Gehirn verbunden ist.
Lesen Sie auch: MS-Medikamente im Detail erklärt
Studien zur Wirksamkeit von Capsaicin
Mehrere Studien haben die Wirksamkeit von Capsaicin-Pflastern mit hoher Wirkstoffkonzentration (8%) bei der Behandlung von Nervenschmerzen untersucht:
- Eine internationale retrospektive Studie zeigte, dass die Schmerzintensität nach sieben bis 14 Behandlungstagen um durchschnittlich 40 Prozent zurückging.
- Eine spanische Studie mit 60 Teilnehmern ergab, dass das Schmerzempfinden von durchschnittlich 6,8 Punkten auf 4,1 Punkte sank. 65 Prozent der Patienten gaben an, bereits mit der ersten Applikation des Pflasters eine Schmerzlinderung erlebt zu haben.
- Eine skandinavische Studie testete die Wirksamkeit, Sicherheit und Akzeptanz von Capsaicin 8 % Pflaster in der klinischen Praxis. Bei 28 Prozent bzw. 31 Prozent der behandelten bzw. wiederbehandelten Patienten ließen die Schmerzen in den Wochen 2 bis 8 der Studiendauer um mindestens 30 Prozent nach.
- Eine italienische Studie belegte, dass Capsaicinpflaster sogar oral verabreichtem Pregabalin überlegen sind - und zwar bei Patienten, die unter dynamischer mechanischer Allodynie aufgrund von peripheren neuropathischem Schmerz leiden.
- Eine retrospektive Studie in Portugal ergab, dass ein 8 %iges Capsaicin-Pflaster die Lebensqualität bei zwei Drittel der Patienten mit peripheren neuropathischen Schmerzen (PNP) zumindest kurzfristig verbessern kann.
Wirkmechanismus von Capsaicin
Capsaicin induziert unter Bindung an den TRP-Kanal TRPV1 eine Freisetzung von Neuropeptiden, wie v. a. der Substanz P aus Nozizeptoren (sensorische C-Fasern). Diese Freisetzung führt zu einer Depletion von Substanz P und einer anhaltenden Desensibilisierung.
Anwendung von Capsaicin-Pflastern
Die Anwendung von Capsaicin-Pflastern erfordert eine intakte Haut ohne Effloreszenzen. Vor der Anwendung wird das schmerzhafte Haut-Areal sorgfältig ausgetestet und angezeichnet. Anschließend wird flächendeckend eine Lidocain-Salbe (5 %) aufgetragen, um die unmittelbare nozizeptive Reaktion auf den scharfen Wirkstoff zu lindern. Das zugeschnittene Pflaster wird aufgeklebt und fixiert. Je nach Körperregion beträgt die Einwirkzeit 60 Minuten am Körperstamm und 30 Minuten an Händen und Füßen.
Während der Applikation von Capsaicin ist darauf zu achten, dass auch das therapeutische Personal keinen direkten Kontakt mit dem Wirkstoff hat. Eine ausreichende Lüftung im Behandlungsraum ist vorteilhaft. Die Nebenwirkungen Rötung, Juckreiz und brennender Schmerz an den behandelten Stellen klingen häufig innerhalb von ca. 24 Stunden ab.
Wann ist ein Arztbesuch erforderlich?
Bei geringen oder mittelstarken Beschwerden, die man mit rezeptfreien Medikamenten, natürlichen Entzündungshemmern und Hausmitteln selbst gut in den Griff bekommen kann, ist kein Arzt notwendig. Abgesehen davon sollte man bei plötzlichen, starken Schmerzen, sowie anderen Beschwerden wie Taubheits- und Kribbelgefühlen möglichst zügig ärztlichen Rat einholen. Insbesondere bei Störung von Bewegungsfähigkeit (Motorik) und Gefühlsempfinden (Sensibilität) gilt es, alarmiert zu sein.
Lesen Sie auch: Cortison-Therapie bei Epilepsie im Detail
Alternativen und ergänzende Therapien
Neben Capsaicin und anderen natürlichen Entzündungshemmern gibt es weitere alternative und ergänzende Therapien, die bei Nervenschmerzen eingesetzt werden können:
- Krankengymnastik und Bewegungstherapie: Muskelaufbau zur Stützung und Entlastung der Wirbelsäule.
- Wechselbäder und Entspannungstechniken: Zur zusätzlichen komplementärmedizinischen Therapie.
- Akupunktur, Osteopathie und Chiropraktik: Je nach Auslöser der Nervenreizung.
- Elektrotherapie (TENS): Transkutane elektrische Nervenstimulation zur Schmerzlinderung.
- Ätherische Öle: Zur äußeren Anwendung, z.B. Fichtennadel-, Kiefernadel-, Minz-, Pfefferminz-, oder Rosmarinöl.
- Johanniskrautöl: Warme Johanniskrautölauflagen, insbesondere im Gesichtsbereich bei Trigeminusneuralgie.
- Orthomolekulare Medizin: Hochdosierte neurotrope B Vitamine (B1, B2, B6, B12 und Nicotinamid) und Antioxidantien wie Vitamin E, Vitamin C und Alpha-Liponsäure.
Lesen Sie auch: Präventive Maßnahmen gegen Demenz
tags: #paprikaextrakt #gegen #nervenschmerzen