Paraplegie: Ursachen, Symptome, Behandlung und Prävention

Die Paraplegie, auch bekannt als Querschnittlähmung, ist ein komplexes Krankheitsbild, das tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen hat. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Paraplegie, von den Ursachen und Symptomen über die Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten bis hin zu den präventiven Maßnahmen und den Herausforderungen im Alltag. Es werden sowohl medizinische als auch pflegerische Aspekte berücksichtigt, um ein umfassendes Bild dieser Erkrankung zu vermitteln.

Definition und Unterscheidung

Paraplegie bezeichnet eine Lähmung der unteren Extremitäten, während bei einer Tetraplegie zusätzlich die Arme betroffen sind. Die Ursache liegt in einer Schädigung des Rückenmarks, die zu einer Unterbrechung der Nervenverbindungen zwischen Gehirn und den entsprechenden Körperregionen führt. Das Ausmaß der Lähmung hängt von der Höhe und dem Schweregrad der Rückenmarksschädigung ab. Ist das Rückenmark nur teilweise unterbrochen, spricht man von einer inkompletten Lähmung, bei der die Einschränkungen variieren können.

Ursachen von Querschnittlähmung

Eine Querschnittlähmung kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden. Verkehrsunfälle stellen eine der Hauptursachen dar, insbesondere solche, bei denen es zu einer Zertrümmerung der Wirbelkörper und einer Quetschung oder Durchtrennung des Rückenmarks kommt. Weitere Ursachen sind:

  • Rückenmarksinfarkt
  • Tumoren
  • Narkosefolgen (z.B. Periduralanästhesie)
  • Schuss- oder Stichverletzungen
  • Erkrankungen

Symptome und Folgen

Die Folgen einer Querschnittlähmung sind vielfältig und betreffen verschiedene Körperfunktionen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Lähmung: Beide Beine und der Rumpf sind unterhalb der Schädigung gelähmt. Die vorhandene Muskulatur kann nicht mehr willentlich angespannt und bewegt werden.
  • Sensibilitätsverlust: In den betroffenen Bereichen ist keine Sensibilität mehr vorhanden, etwa für Schmerz, Druck, Temperatur, Verletzung oder Berührung. Durch den Verlust der Tiefensensibilität kann der Betroffene die Stellung seiner Beine ohne Blickkontakt nicht lokalisieren.
  • Blasen- und Darmfunktionsstörungen: Stuhlgang und Harndrang werden nicht mehr wahrgenommen, so dass eine künstliche Entleerung regelmäßig herbeigeführt werden muss. Es kann zu unwillkürlichem Harn- und Stuhlabgang kommen.
  • Spastiken: Durch unkontrollierbare Muskelverkrampfungen kann es in den Beinen zu Streck- oder Beugespasmen kommen. Das Spektrum reicht vom Zittern der Beine bis zu voll durchgestreckten Knien, Hüften und Füßen.
  • Vegetative Störungen: Die vegetative Steuerung kann ausfallen, was zu Problemen mit der Temperaturregulation (starkes Kältegefühl oder Steigerung der Schweißproduktion) führen kann.
  • Eingeschränkte Atmung: Bei Lähmungen im Brustkorbbereich kann die Atmung beeinträchtigt sein, was zu einer Kräfteminderung und im Tagesverlauf zu einem Leistungsabfall führen kann.
  • Sexuelle Funktionsstörungen: Erektions- und Ejakulationsstörungen können auftreten, und das Interesse an Sexualität kann teilweise verloren gehen. Bei Frauen kann es zu Scheidentrockenheit kommen.

Diagnose

Die Diagnose einer Querschnittlähmung umfasst in der Regel eine umfassende neurologische Untersuchung, bildgebende Verfahren wie MRT oder CT des Rückenmarks sowie elektrophysiologische Untersuchungen zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit.

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Therapie und Rehabilitation

Die Therapie der Querschnittlähmung zielt darauf ab, die verbleibenden Funktionen zu erhalten und zu verbessern, Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Therapeuten, Pflegekräften und Sozialarbeitern arbeitet eng zusammen, um einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen. Zu den wichtigsten Therapiebausteinen gehören:

  • Physiotherapie: Regelmäßige Bewegungsübungen helfen, die Gelenke beweglich zu halten, Muskelkraft aufzubauen und Spastiken zu reduzieren.
  • Ergotherapie: Ergotherapeuten unterstützen die Betroffenen dabei, Alltagsaktivitäten selbstständig auszuführen und Hilfsmittel optimal zu nutzen.
  • Logopädie: Bei Schluckstörungen kann eine logopädische Behandlung helfen, die Nahrungsaufnahme zu erleichtern und das Risiko von Aspiration zu verringern.
  • Psychologische Betreuung: Die psychische Belastung durch die Querschnittlähmung ist oft enorm. Eine psychologische Betreuung kann helfen, mit der neuen Situation umzugehen, Ängste und Depressionen zu bewältigen und neue Lebensperspektiven zu entwickeln.
  • Medikamentöse Therapie: Medikamente können zur Behandlung von Spastiken, Schmerzen, Blasenfunktionsstörungen und anderen Komplikationen eingesetzt werden.
  • Hilfsmittelversorgung: Rollstühle, Orthesen, Lagerungshilfen und andere Hilfsmittel können die Mobilität und Selbstständigkeit der Betroffenen verbessern.

Prävention von Komplikationen

Eine Querschnittlähmung erhöht das Risiko für verschiedene Komplikationen, die durch gezielte Maßnahmen vorgebeugt werden können:

  • Dekubitusprophylaxe: Druckgeschwüre (Dekubitus) entstehen durch anhaltenden Druck auf die Haut. Regelmäßiges Umlagern, spezielle Matratzen und Sitzkissen sowie eine sorgfältige Hautpflege sind wichtig, um Dekubitus vorzubeugen.
  • Kontrakturenprophylaxe: Durch mangelnde Bewegung können sich Gelenke versteifen (Kontrakturen). Regelmäßige Bewegungsübungen, Lagerung und die Verwendung von Lagerungshilfen können Kontrakturen verhindern.
  • Thromboseprophylaxe: Durch die eingeschränkte Beweglichkeit besteht ein erhöhtes Risiko für Thrombosen (Blutgerinnsel in den Venen). Kompressionstherapie, Mobilisierung und ggf. medikamentöse Prophylaxe können das Thromboserisiko senken.
  • Atemwegsinfektionen: Bei Lähmungen der Atemmuskulatur ist das Risiko für Atemwegsinfektionen erhöht. Atemtherapie, Sekretmanagement und Impfungen können helfen, Infektionen vorzubeugen.
  • Harnwegsinfektionen: Blasenfunktionsstörungen erhöhen das Risiko für Harnwegsinfektionen. Regelmäßige Blasenentleerung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ggf. Katheterisierung können Infektionen verhindern.
  • Obstipation: Durch die Magen-Darm-Erschlaffung kann es zu Verstopfung (Obstipation) kommen. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ggf. die Anwendung von Abführmitteln können die Verdauung regulieren.
  • Osteoporose: Durch mangelnde Belastung der Knochen kann es zu Osteoporose (Knochenschwund) kommen. Regelmäßige Bewegung, eine kalziumreiche Ernährung und ggf. die Einnahme von Vitamin D können die Knochen stärken.

Alltag mit Querschnittlähmung

Das Leben mit einer Querschnittlähmung stellt die Betroffenen und ihre Angehörigen vor große Herausforderungen. Viele alltägliche Aufgaben müssen neu erlernt oder angepasst werden. Die Mobilität ist eingeschränkt, und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben kann erschwert sein. Es ist wichtig, sich realistische Ziele zu setzen, die eigenen Fähigkeiten zu nutzen und sich Unterstützung zu suchen. Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen und das soziale Umfeld können eine wichtige Stütze sein.

Spezielle Aspekte in der Pflege

Die Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung erfordert spezielle Kenntnisse und Fertigkeiten. Zu den wichtigsten Aspekten gehören:

  • Hautpflege: Die Haut muss regelmäßig auf Druckstellen, Rötungen und Verletzungen kontrolliert werden. Eine sorgfältige Reinigung und Pflege mit feuchtigkeitsspendenden Lotionen ist wichtig, um die Haut gesund zu erhalten.
  • Lagerung: Regelmäßiges Umlagern und die Verwendung von Lagerungshilfen sind entscheidend, um Dekubitus vorzubeugen. Die Lagerung sollte so erfolgen, dass der Druck auf gefährdete Körperstellen minimiert wird und die Atmung nicht behindert wird.
  • Mobilisierung: Die Mobilisierung sollte vorsichtig und unter Berücksichtigung der individuellen Fähigkeiten und Belastbarkeit des Betroffenen erfolgen. Schnelle und ruckartige Bewegungen sollten vermieden werden.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Nährstoffen ist wichtig, um den Körper gesund zu erhalten und Komplikationen vorzubeugen. Bei Schluckstörungen müssen die Speisen angepasst werden.
  • Ausscheidung: Die Blasen- und Darmentleerung muss regelmäßig und kontrolliert erfolgen. Bei Bedarf müssen Katheterisierung oder andere Hilfsmittel eingesetzt werden.
  • Beobachtung: Der Allgemeinzustand des Betroffenen muss regelmäßig beobachtet werden, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können.

Bedeutung der Angehörigen

Angehörige spielen eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Querschnittlähmung. Sie unterstützen die Betroffenen im Alltag, motivieren sie zu Therapien und Aktivitäten und sind eine wichtige emotionale Stütze. Es ist wichtig, dass Angehörige sich nicht überlasten und auch auf ihre eigenen Bedürfnisse achten. Pflegekurse und Beratungsangebote können helfen, die Pflege kompetent und sicher zu gestalten.

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Paraplegie und Sexualität

Eine Querschnittlähmung kann die Sexualität der Betroffenen stark beeinflussen. Erektions- und Ejakulationsstörungen bei Männern sowie Scheidentrockenheit bei Frauen können auftreten. Es ist wichtig, offen über diese Probleme zu sprechen und sich professionelle Hilfe zu suchen. Es gibt verschiedene Medikamente, Hilfsmittel und operative Eingriffe, die die Sexualfunktion verbessern können. Auch der Körperkontakt und die Zärtlichkeit sollten nicht zu kurz kommen.

Hereditäre Spastische Paraplegie (HSP)

Die Hereditäre Spastische Paraplegie (HSP) ist eine Gruppe von erblichen neurologischen Erkrankungen, die durch eine fortschreitende Spastik und Schwäche der Beine gekennzeichnet sind. Die Ursache liegt in einer Degeneration der motorischen Nervenbahnen im Rückenmark. Die Symptome und der Verlauf der HSP können sehr unterschiedlich sein, je nach dem zugrunde liegenden Gendefekt.

Ursachen und Vererbung

HSP-Erkrankungen werden durch Veränderungen in der Erbsubstanz, in der DNA, verursacht. Allerdings gibt es nicht einen bestimmten Gendefekt, der zur HSP führt, sondern viele verschiedene. Insgesamt sind aktuell gut 200 Gene bekannt, die Spastik verursachen, und ihre Zahl nimmt weiter beständig zu. Das Risiko für HSP-Betroffene, die Erkrankung auf leibliche Kinder zu vererben, hängt vom jeweiligen Gendefekt ab.

Symptome

Die Hauptsymptome der HSP sind:

  • Spastik (erhöhte Muskelspannung) in den Beinen
  • Muskelschwäche in den Beinen
  • Gangstörungen
  • Urologische Beschwerden (z.B. häufiger Harndrang, Dranginkontinenz)
  • Verdauungsstörungen (z.B. Verstopfung, Blähungen)
  • Sexuelle Funktionsstörungen

Diagnose

Die Diagnose der HSP basiert auf den klinischen Symptomen, der Familienanamnese und genetischen Tests.

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Therapie

Es gibt keine Heilung für die HSP, aber die Symptome können durch verschiedene Therapien gelindert werden. Dazu gehören:

  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Medikamentöse Therapie (z.B. zur Behandlung von Spastiken)
  • Hilfsmittelversorgung

Forschung

Die Forschung zur HSP ist sehr aktiv, und es werden ständig neue Therapieansätze entwickelt. Ziel ist es, die Auswirkungen der Gendefekte bei der HSP zu korrigieren und den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen oder aufzuhalten.

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