Einführung
Parasitäre Infektionen können eine Vielzahl von neurologischen Symptomen verursachen. Dieser Artikel bietet einen Überblick über verschiedene Parasiten, die das Nervensystem befallen können, und die damit verbundenen neurologischen Manifestationen. Ziel ist es, Fachkreisen, wie Ärzten und medizinischem Fachpersonal, eine aktuelle und konzentrierte Orientierung zu geben.
Trichinellose
Erreger und Verbreitung
Trichinellosen werden durch Nematoden der Gattung Trichinella verursacht, wobei T. spiralis der bedeutendste Vertreter für den Menschen ist. Seltener werden auch T. nelsoni, T. nativa, T. murrelli, T. britovi und T. pseudospiralis nachgewiesen. Die Trichinellose ist eine weltweit verbreitete Zoonose, die unabhängig von klimatischen Bedingungen auftritt.
Epidemiologie
In Deutschland ist die Trichinellose heutzutage selten. Zwischen 2001 und 2011 wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) 63 Fälle gemeldet. Die Infektionsquelle bleibt oft unerkannt, nicht selten erfolgte die Infektion im Ausland durch den Verzehr von privat erworbenen Lebensmitteln tierischen Ursprungs.
Reservoir
Trichinella spp. können verschiedene Säugetiere, Vögel und Reptilien infizieren. Im domestischen Zyklus spielen Hausschweine eine Rolle, während im silvatischen Zyklus Wildschweine von Bedeutung sind. Auch Nager, Hunde, Katzen, Pferde und Wildtiere können als Reservoir dienen.
Übertragung und Pathogenese
Die Trichinellose ist eine lebensmittelbedingte Erkrankung, die durch den Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem Fleisch, das Trichinella-Larven enthält, verursacht wird. Im Magen werden die Larven freigesetzt und reifen im Dünndarm zu adulten Würmern. Die Weibchen setzen Larven frei, die über die Blutbahn in die quergestreifte Muskulatur wandern und dort "Ammenzellen" bilden, in denen sie bis zu 30 Jahre überleben können.
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Symptome
Die Symptome hängen von der Anzahl der aufgenommenen Larven, der Trichinella-Art und der Wirtsabwehr ab. Einige Tage nach der Infektion kann es zu Durchfällen und abdominellen Beschwerden kommen (enterale Phase). Nach etwa einer Woche treten Fieber, Schüttelfrost, Myalgien und periorbitale Ödeme auf (Migrationsphase). Gefährliche Manifestationen sind Myokarditis, Enzephalitis, Bronchopneumonie, Sepsis, Kreislaufversagen, Nebenniereninsuffizienz, psychotische Zustände, Koma und Krampfanfälle.
Diagnose
Die labordiagnostische Bestätigung erfolgt durch den Antikörpernachweis (ELISA oder Immunoblot). Seltener wird die histologische Untersuchung von Muskelbiopsie-Präparaten durchgeführt. Im Differenzialblutbild ist häufig eine Eosinophilie nachweisbar, und die Kreatinkinase (CK) kann erhöht sein. EKG-Veränderungen sind ebenfalls möglich.
Therapie und Prophylaxe
Die Behandlung sollte frühzeitig erfolgen und umfasst eine symptomatische Therapie mit Bettruhe, Antipyretika und Analgetika. Bei schweren Erkrankungen werden Glukokortikoide und Mebendazol (oder Albendazol) kombiniert.
Prävention
In Deutschland ist die amtliche Untersuchung auf Trichinen gesetzlich vorgeschrieben. Temperaturen im Kern des Fleisches von mindestens 70 °C über eine Minute töten Trichinella-Larven ab. Tiefgefrieren ist für Schweinefleisch eine sichere Methode.
Toxoplasmose
Erreger und Verbreitung
Toxoplasma gondii ist ein weltweit verbreiteter Parasit, der schätzungsweise ein Drittel der Menschheit infiziert hat.
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Übertragung und Pathogenese
Der Mensch ist ein Zwischenwirt für T. gondii, der vorrangig verschiedene Katzenspezies befällt. Die Infektion erfolgt meist unbemerkt und kann zu unspezifischen Beschwerden führen. Der Parasit gelangt vom Magen-Darm-Trakt ins Gehirn und nistet sich in Neuronen und Gliazellen ein.
Neurologische Auswirkungen
Studien deuten darauf hin, dass T. gondii das Verhalten, das Denken und die Persönlichkeit des Wirts verändern kann. Infizierte Nagetiere zeigen beispielsweise keine Scheu vor dem Geruch von Katzenurin. Beim Menschen gibt es Hinweise auf verlangsamte Mimik und Gestik, Konzentrationsschwierigkeiten und veränderte Persönlichkeitsmerkmale.
Psychiatrische Erkrankungen
Es gibt einen Zusammenhang zwischen T. gondii-Infektionen und einem erhöhten Schizophrenierisiko. Der Parasit kann die Konzentration von Signalmolekülen im Gehirn beeinflussen, wie z.B. den Dopaminspiegel erhöhen. Auch eine Verbindung zur bipolaren Störung und Depression wird diskutiert.
Neurodegenerative Erkrankungen
Eine Infektion mit T. gondii könnte möglicherweise die Entstehung von neurodegenerativen Erkrankungen fördern. Forscher haben festgestellt, dass Toxoplasma die Glutamatkonzentration im Gehirn erhöht, was neurotoxisch wirken kann.
Wurmerkrankungen (Helminthosen)
Überblick
Wurmerkrankungen können den Magen-Darm-Trakt und andere Organe wie Lunge, Leber und Gehirn befallen. Zu den wichtigsten Würmern gehören Bandwürmer (Cestoden), Fadenwürmer (Nematoden) und Saugwürmer (Trematoden).
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Fadenwürmer (Nematoden)
Zu den Fadenwürmern gehören Madenwürmer, Spulwürmer und Trichinen.
Trichinen
Trichinen befallen Haus- und Wildschweine und werden beim Verzehr von rohem Schweinefleisch vom Menschen aufgenommen. Der Wurmbefall im Darm verursacht Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen und leichtes Fieber. Befallen die Larven die Muskulatur, kommt es zu Muskelschmerzen und Wassereinlagerungen. In seltenen Fällen kann es zu einer Herzmuskelentzündung kommen.
Bandwürmer (Cestoden)
Zu den Bandwürmern gehören Rinderbandwurm, Schweinebandwurm, Hunde- und Fuchsbandwurm.
Schweinebandwurm
Der Mensch infiziert sich durch rohes oder nicht ausreichend gegartes Fleisch mit den Finnen des Schweinebandwurms. Nimmt ein Mensch die Bandwurmeier auf, entwickeln sich im Körper Larven (Zystizerken), die in Muskeln und Organe wandern können. Beim Befall der Augen droht Erblinden, beim Eindringen in das zentrale Nervensystem Krampfanfälle.
Echinokokkose
Die Infektion erfolgt durch Kontakt mit infizierten Füchsen, Hunden oder Katzen. Aus den aufgenommenen Eiern entwickeln sich im Darm Larven, die über die Blutgefäße vor allem in die Leber und seltener in die Lunge und andere Organe wandern.
Hundebandwurm
Der Hundebandwurm bildet eine große Zyste in der Leber, die Beschwerden verursacht, wenn sie andere Organe verdrängt. Platzt die Zyste, kann es zu einem allergischen Schock kommen.
Fuchsbandwurm
Der Befall mit dem Fuchsbandwurm zählt zu den schwersten Wurmerkrankungen. Der Fuchsbandwurm bildet in der Leber mehrere kleine Zysten, die tumorartig in umliegende Gewebe und Organe einwachsen und diese zerstören.
Saugwürmer (Trematoden)
Zu den Saugwürmern gehören Schistosomen.
Schistosomen
Die Larven der Schistosomen entwickeln sich in Süßwasserschnecken und dringen über die Haut in den Menschen ein. Im Menschen gelangen sie in die Leber, reifen dort heran und wandern dann in Darm oder Blase. Die eigentlichen Symptome treten erst Wochen bis Monate später auf, z. B. Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Husten und Bauchschmerzen.
Diagnose von Wurmerkrankungen
Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis von Wurmeiern oder Bandwurmgliedern im Stuhl. Hunde- und Fuchsbandwurmbefall werden in der Regel über Antikörper im Blut nachgewiesen.
Therapie von Wurmerkrankungen
Wurmmittel (Anthelmintika) reichen fast immer aus, um Erkrankungen durch Rinder- und Schweinebandwürmer sowie durch Fadenwürmer zu bekämpfen. Schwierig ist die Therapie bei Hunde- und Fuchsbandwürmern. Hier werden die Zysten operativ entfernt oder der Inhalt abgesaugt. Auch eine Behandlung mit Wurmmitteln ist erforderlich.
Prävention von Wurmerkrankungen
Vor Wurminfektionen kann man sich schützen, indem man sich vor jedem Essen die Hände wäscht. Haustiere sollte man regelmäßig beim Tierarzt entwurmen lassen. Bei Reisen nach Afrika, Südamerika und Asien sollte man Süßwasserkontakt meiden.
Neuroinfektiologie: Viren, Bakterien, Parasiten und Pilze
Einführung
Die Neuroinfektiologie umfasst ein breites Spektrum von Erregern wie Bakterien, Viren, Parasiten und Pilze, die das zentrale und periphere Nervensystem und die Muskulatur befallen können.
Wege der Erreger ins Nervensystem
Viele humanpathogene, neurotrope Erreger können mittels ausgefeilter Übertragungswege in das zentrale und periphere Nervensystem eindringen. Bakterien können die Bluthirnschranke und die Blut-Liquor-Schranke kreuzen, um in das Nervensystem zu gelangen. Über die Blutbahn können Bakterien, Viren, aber auch Pilze und Parasiten in das Gehirn und Rückenmark vordringen.
Virale Meningitis
Akute viral verursachte Hirnhautentzündungen (virale Meningitis) sind meist selbstheilende, gutartige Erkrankungen. Die Leitsymptome sind Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit, Nervendehnungszeichen, Licht- und Lärmempfindlichkeit.
Bakterielle Meningitis
Eine bakteriell verursachte Meningitis ist lebensbedrohlich und nimmt oft rasch einen fulminanten Verlauf. Die Leitsymptome sind starke Kopfschmerzen, hohes Fieber und Nackensteifigkeit. Übelkeit, Erbrechen, schmerzhafte Lichtempfindlichkeit und Bewusstseinsstörungen können auftreten.
Herpes-simplex-Virus-Enzephalitis (HSVE)
Die Herpes-simplex-Virus-Enzephalitis (HSVE) ist die häufigste sporadisch auftretende, lebensbedrohliche virale Entzündung des Gehirns weltweit. Die Behandlung mit dem Medikament Aciclovir muss sofort beim Verdacht auf eine HSVE eingeleitet werden.
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Jährlich kommt es trotz aktiver Immunisierung zu hunderten Krankheitsfällen von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die Zeckenart Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) ist der häufigste Überträger des FSME-Virus in Westeuropa. Eine spezielle Therapie ist für FSME nicht vorhanden, aber sie ist eine durch Impfung vermeidbare Erkrankung.
Krim-Kongo-Fieber
Das Krim-Kongo-Fieber-Virus (Crimean-Congo hemorrhagic fever virus, CCHFV) ist nur südlich des 50. nördlichen Breitengrades endemisch. Die Übertragung erfolgt meist über Zecken auf Nutztiere und dann auf den Menschen.
Poliomyelitis
Eine in Deutschland in Vergessenheit geratene Erkrankung ist die gefürchtete Kinderlähmung (Poliomyelitis). Mit Einführung der Impfung gegen Poliomyelitis 1962 sind die Erkrankungszahlen in Deutschland gegen null gegangen.
Nipah-Virus-Infektionen
Die durch das Nipah-Virus ausgelösten Nipah-Virus-Infektionen gehören zu den sogenannten „emerging viruses“. Das Nipah-Virus wird primär durch Flughunde (Fledermäuse) übertragen.
Parasitosen des ZNS
Überblick
Parasitosen sind unter den Infektionskrankheiten des ZNS insgesamt selten. Unterschieden werden dabei Erkrankungen durch Protozoen (Toxoplasma-Enzephalitis, Amöben-Enzephalitis, Malaria-Enzephalitis) und durch Nematoden (Trichinose) sowie Cestoden (Zystizerkose, Echinokokkose).
Protozoen-Enzephalitiden
Toxoplasma-Enzephalitis
Die Durchseuchung der Bevölkerung mit Toxoplasma gondii ist in Deutschland hoch. Eine zerebrale Toxoplasmose ist bei immunkompetenten Erwachsenen äußerst selten.
Amöben-Enzephalitis
Die primäre Amöben-Meningoenzephalitis ist durch Naegleri fowleri verursacht und zumeist tödlich verlaufend. Die Diagnose gestaltet sich extrem schwierig.
Malaria-Enzephalitis
Die weltweit weitaus wichtigste Protozoen-Enzephalitis bei immunkompetenten Patienten ist die Malaria-Enzephalitis. Die Symptome bestehen aus einer zunehmenden Bewusstseinsminderung bis hin zum Koma, holokraniellen Kopfschmerzen und sekundär generalisierten Anfällen.
Wurmerkrankungen des ZNS
Trichinose
Die Trichinose wird durch die Nematode Trichinella spiralis verursacht. Die Symptome sind zum größten Teil unspezifisch. Am häufigsten finden sich Myalgien, Lid- bzw. Gesichtsödem, gastrointestinale Beschwerden, Fieber, grippeähnliche Symptome sowie Kopfschmerzen.
Zystizerkose
Bei der Zystizerkose handelt es sich um die zerebrale Absiedlung der Finnen (Cysticercus cellulosae) des Schweinebandwurms (Taenia solium). Am häufigsten sind fokale und sekundär generalisierte Anfälle.
Echinokokkose
Bei der Infektion mit Echinococcus granulosus kommt es zur zystischen Echinokokkose, bei Infektion mit Echinococcus multilocularis zur alveolären Echinokokkose. Die Behandlung ist, wenn möglich, eine neurochirurgische Resektion der Zysten.
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