Eine Parese der Beine, klassifiziert unter dem ICD-10-Code G82, bezieht sich auf eine Schwäche oder unvollständige Lähmung der Beinmuskulatur. Diese Beeinträchtigung kann verschiedene Ursachen haben und sich unterschiedlich manifestieren. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Beinparese, einschließlich der Ursachen, Symptome, Diagnose und Klassifikation gemäß ICD-10.
Was ist eine Parese der Beine?
Eine Parese der Beine bedeutet, dass die Beine nicht richtig bewegt werden können. Die Muskeln werden vom Nervensystem gesteuert, zu dem das Gehirn und das Rückenmark gehören. Das Rückenmark befindet sich in der Wirbelsäule und besteht aus Nervenfasern. Über diese Nervenfasern tauscht das Gehirn Informationen mit den Organen, der Haut und den Muskeln aus. Bei einer Parese sind bestimmte Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark geschädigt, insbesondere solche, die die Beinmuskulatur steuern.
Ursachen einer Beinparese
Die Ursachen für eine Beinparese können vielfältig sein. Hier sind einige der Hauptursachen:
- Schädigung des Rückenmarks: Das Rückenmark kann aus verschiedenen Gründen geschädigt werden, beispielsweise durch Einklemmung oder Verletzung. Auch andere Erkrankungen können das Rückenmark schädigen.
- Erkrankungen des Nervensystems: Bestimmte Erkrankungen schädigen zunehmend Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark.
- Genetische Faktoren: In einigen Fällen ist die Erkrankung erblich, was bedeutet, dass auch andere Familienmitglieder betroffen sein können.
- Zerebrale Lähmung: Diese Kategorie dient zur Verschlüsselung von Paresen und Plegien bei Querschnittlähmungen oder Hirnerkrankungen, wenn andere Schlüsselnummern nicht zur Verfügung stehen.
- Störungen des Stoffwechsels: Selten können Störungen des Stoffwechsels verzweigter Aminosäuren und des Fettsäurestoffwechsels zu spastischer Paraplegie führen.
- Infektionen: Gewisse Virusinfektionen können zu Myelopathie und spastischer Paraparese führen.
Symptome der Beinparese
Die Symptome einer Beinparese können je nach Ursache und Schweregrad variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Eingeschränkte Beweglichkeit der Beine: Betroffene können ihre Beine schlechter bewegen.
- Muskelkrämpfe: Die Beinmuskulatur kann verkrampft sein.
- Gleichgewichtsstörungen: Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten.
- Probleme beim Wasserlassen: Mögliche Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Stuhlgang.
- Sensibilitätsstörungen: An bestimmten Stellen des Körpers können Berührungen nicht mehr richtig gespürt werden.
- Muskelanspannung: Die betroffenen Muskeln an den Beinen sind angespannt.
ICD-10 Klassifikation von Paresen und Plegien der unteren Extremitäten (G82)
Die ICD-10-Kategorie G82 dient zur Verschlüsselung von Paresen und Plegien bei Querschnittlähmungen oder Hirnerkrankungen, wenn andere Schlüsselnummern nicht zur Verfügung stehen. Diese Kategorie dient auch zur multiplen Verschlüsselung, um diese durch eine beliebige Ursache hervorgerufenen Krankheitszustände zu kennzeichnen.
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G82.0 - Schlaffe Paraparese und Paraplegie
- G82.00: Akute komplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
- G82.01: Akute inkomplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
- G82.02: Chronische komplette Querschnittlähmung
- G82.03: Chronische inkomplette Querschnittlähmung
- G82.09: Nicht näher bezeichnet
G82.1 - Spastische Paraparese und Paraplegie
- G82.10: Akute komplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
- G82.11: Akute inkomplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
- G82.12: Chronische komplette Querschnittlähmung
- G82.13: Chronische inkomplette Querschnittlähmung
- G82.19: Nicht näher bezeichnet
G82.2 - Paraparese und Paraplegie, nicht näher bezeichnet
- G82.20: Akute komplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
- G82.21: Akute inkomplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
- G82.22: Chronische komplette Querschnittlähmung
- G82.23: Chronische inkomplette Querschnittlähmung
- G82.29: Nicht näher bezeichnet
G82.3 - Schlaffe Tetraparese und Tetraplegie
- G82.30: Akute komplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
- G82.31: Akute inkomplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
- G82.32: Chronische komplette Querschnittlähmung
- G82.33: Chronische inkomplette Querschnittlähmung
- G82.39: Nicht näher bezeichnet
G82.4 - Spastische Tetraparese und Tetraplegie
- G82.40: Akute komplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
- G82.41: Akute inkomplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
- G82.42: Chronische komplette Querschnittlähmung
- G82.43: Chronische inkomplette Querschnittlähmung
- G82.49: Nicht näher bezeichnet
G82.5 - Tetraparese und Tetraplegie, nicht näher bezeichnet
- G82.50: Akute komplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
- G82.51: Akute inkomplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
- G82.52: Chronische komplette Querschnittlähmung
- G82.53: Chronische inkomplette Querschnittlähmung
- G82.59: Nicht näher bezeichnet
G82.6 - Funktionale Höhe der Schädigung des Rückenmarkes
Diese Subkategorie dient zur Verschlüsselung der funktionalen Höhe einer Rückenmarksschädigung. Unter der funktionalen Höhe einer Rückenmarksschädigung wird das unterste motorisch intakte Rückenmarkssegment verstanden.
- G82.60: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von C1-C3
- G82.61: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von C4-C5
- G82.62: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von C6-C8
- G82.63: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von T1-T6
- G82.64: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von T7-T10
- G82.65: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von T11-L1
- G82.66: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von L2-S1
- G82.67: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von S2-S5
Diagnose
Die Diagnose einer Beinparese umfasst in der Regel eine gründliche neurologische Untersuchung, Bildgebung des Gehirns und Rückenmarks (z. B. MRT) sowie gegebenenfalls elektrophysiologische Tests, um die Funktion der Nerven und Muskeln zu beurteilen. Die Diagnose kann auch die Bestimmung der funktionalen Höhe einer Rückenmarksschädigung umfassen.
Zusatzkennzeichen und Diagnosesicherheit
Auf ärztlichen Dokumenten wird der ICD-Code oft durch Buchstaben ergänzt, die die Sicherheit der Diagnose oder die betroffene Körperseite beschreiben:
- G: Gesicherte Diagnose
- V: Verdacht
- Z: Zustand nach
- A: Ausschluss
- L: Links
- R: Rechts
- B: Beidseitig
In der ambulanten Versorgung wird der ICD-Code auf medizinischen Dokumenten immer durch die Zusatzkennzeichen für die Diagnosesicherheit (A, G, V oder Z) ergänzt.
Andere relevante ICD-10 Codes
Neben G82 gibt es weitere ICD-10 Codes, die im Zusammenhang mit Paresen und Lähmungen stehen können:
Lesen Sie auch: Zerebralparese: Ein umfassender Überblick
- G80: Infantile Zerebralparese
- G81: Hemiparese und Hemiplegie
- G11: Hereditäre Ataxie
- G12: Spinale Muskelatrophie und verwandte Syndrome
- G04: Enzephalitis, Myelitis und Enzephalomyelitis
Behandlung
Die Behandlung einer Beinparese hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Mögliche Behandlungsansätze sind:
- Physiotherapie: Zur Stärkung der Muskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit.
- Medikamentöse Therapie: Zur Linderung von Symptomen wie Muskelkrämpfen oder Schmerzen.
- Operative Eingriffe: In einigen Fällen können operative Eingriffe erforderlich sein, um beispielsweise das Rückenmark zu entlasten.
- Rehabilitation: Um die Selbstständigkeit im Alltag zu fördern.
Hinweis
Die Informationen in diesem Artikel dienen nicht der Selbstdiagnose und ersetzen keinesfalls die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Wenn Sie einen entsprechenden ICD-Code auf einem persönlichen medizinischen Dokument finden, achten Sie auch auf Zusatzkennzeichen für die Diagnosesicherheit. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hilft Ihnen bei gesundheitlichen Fragen weiter und erläutert Ihnen bei Bedarf die ICD-Diagnoseverschlüsselung im direkten Gespräch.
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