Parkinson-Krankheit: Frühe Anzeichen und Symptome

Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson oder Parkinson-Syndrom, ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung des Nervensystems. Sie ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung weltweit. In Deutschland sind laut Deutscher Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) derzeit bis zu 400.000 Menschen von Parkinson betroffen. Das Lebenszeitrisiko, an Morbus Parkinson zu erkranken, liegt laut DPG für Männer bei zwei und für Frauen bei 1,3 Prozent. In der Regel wird die Krankheit zwischen dem 55. und dem 60. Lebensjahr diagnostiziert, aber auch jüngere Menschen können betroffen sein. Am 11. April ist Welt-Parkinson-Tag, der auf die Krankheit aufmerksam machen soll.

Was ist Parkinson?

Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Nervenzellen im Gehirn nach und nach absterben. Dies führt zu einem Mangel am Botenstoff Dopamin, der für die Übermittlung von Signalen für die Bewegungskontrolle zuständig ist. Der Dopaminmangel führt zu Bewegungsstörungen wie verlangsamten Bewegungen (Bradykinese), Muskelversteifung (Rigor) und unkontrollierbarem Zittern (Tremor).

Man unterscheidet drei Parkinson-Syndrome:

  • Idiopathisches Parkinson-Syndrom: Das ist das "klassische" Parkinson und macht etwa 75 Prozent aller Parkinson-Erkrankungen aus. Die Ursache ist unbekannt (idiopathisch).
  • Sekundäres Parkinson-Syndrom: Sehr seltene genetische Formen von Parkinson, die beispielsweise durch bestimmte Erkrankungen, Vergiftungen oder Medikamente ausgelöst werden können.
  • Atypisches Parkinson-Syndrom: Kann als Folge anderer neurodegenerativer Erkrankungen auftreten.

Ursachen von Parkinson

Die Ursache der Parkinson-Krankheit liegt in unserem Mittelhirn, in der Region Substantia nigra ("schwarze Substanz"). Dort befinden sich Nervenzellen (Neuronen), die den Nervenbotenstoff Dopamin produzieren. Bei Parkinson sterben immer mehr dieser Nervenzellen ab, was zu einem Dopaminmangel und einem Ungleichgewicht der Nervenbotenstoffe Dopamin, Acetylcholin und Glutamat im Gehirn führt. Was genau zum Absterben der Neuronen führt, ist bislang noch nicht eindeutig geklärt.

Es gibt Hinweise darauf, dass das Zusammenspiel mehrerer Faktoren das Auftreten der Erkrankung begünstigen kann:

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  • Alter: Mit zunehmendem Alter verringert sich die Anzahl der Nervenzellen in der Substantia Nigra bei jedem Menschen. Bei Menschen mit Parkinson verläuft dieser Zellabbau jedoch beschleunigt.
  • Genetische Ursache: In sehr wenigen Fällen ist Parkinson erblich bedingt. Etwa 5 Prozent der Betroffenen haben einen nahen Verwandten mit Parkinson. Dabei wird die Erkrankung meist nicht direkt von den Eltern an die Kinder vererbt. Vielmehr geht man davon aus, dass ein Zusammenspiel verschiedener genetischer Anlagen einige Menschen anfälliger für Parkinson macht als andere.
  • Giftstoffe: Verschiedene Schadstoffe können das Risiko für eine Parkinson-Erkrankung erhöhen. Dazu zählen unter anderem Lösungsmittel auf Kohlenwasserstoffbasis, Pestizide und Nervengifte.
  • Kopfverletzungen: Bestimmte Arten von Kopfverletzungen können das Risiko erhöhen, an sekundärem Parkinson zu erkranken. Durch schwere Schläge auf den Kopf, wie sie beispielsweise beim Boxen vorkommen, Schlaganfälle oder Hirntumore kann die Substantia Nigra geschädigt werden.

Frühe Anzeichen und Symptome von Parkinson

Parkinson entwickelt sich schleichend. Erste Anzeichen können schon Jahre vor den typischen Parkinson-Symptomen auftreten. Nach und nach verschlechtern sich die Symptome und beeinträchtigen erkrankte Personen immer mehr in ihrem Alltag. Viele Symptome treten zunächst nur auf einer Körperseite auf. Die ersten klinischen Anzeichen werden oft nicht von den Betroffenen selbst, sondern von ihrem Umfeld bemerkt.

Zu den frühen Anzeichen von Parkinson gehören zum Beispiel:

  • Schlafstörungen: Insbesondere REM-Schlaf-Verhaltensstörungen (RBD), bei denen Betroffene im Schlaf um sich schlagen, treten und schreien. Auch Einschlaf- und Durchschlafstörungen, frühes Erwachen und nächtlicher Harndrang können vorkommen.
  • Sehstörungen
  • Riechstörungen: Ein nachlassender Geruchssinn kann ein weiteres Frühsymptom von Parkinson sein. Insbesondere der Verlust des Geruchssinns für bestimmte Lebensmittel, wie Bananen, Essiggurken oder Lakritze, kann auf die Erkrankung hinweisen.
  • Muskel- und Gelenkschmerzen: Beschwerden im Nacken- oder Lendenwirbelbereich oder diffuse Rückenschmerzen. Die mitunter schmerzhaften Muskelversteifungen werden oft als rheumatische Beschwerden fehlinterpretiert.
  • Störung der Feinmotorik: Etwa eine andere Handschrift (Mikrographie), die kleiner wird und die Buchstaben stehen enger beieinander. Betroffene Personen bemerken oft, dass sich ihre Art zu schreiben verändert hat oder das Zuknöpfen eines Hemdes dauert länger.
  • Veränderung beim Mitschwingen der Arme beim Gehen
  • Abgeschlagenheit
  • Müdigkeit: Vermehrte Müdigkeit, die bei einer Ein- und Umstellung der Parkinson-Medikamente eintritt, kann sich nach einigen Tagen bis zu wenigen Wochen unter regelmäßiger Einnahme bessern.
  • Unsicherheit und Unruhe
  • Zittern: Ruhetremor, der als eine Art „Pillendrehen“ oder „Münzrollen“ beschrieben werden kann, bei dem die Finger langsam und wiederholt Bewegungen ausführen, die einem Münzrollen ähneln.
  • Depressive Verstimmung: Depressive Verstimmungen können den körperlichen Parkinson Symptomen häufig jahrelang vorausgehen.
  • Verstopfung: Wenn Betroffene beim Stuhlgang anhaltende Schwierigkeiten und Anstrengung erfahren, sollte dies ernst genommen werden.
  • Weiche oder heisere Stimme: Menschen mit Parkinson können eine weiche oder heisere Stimme entwickeln, die als „Hypophonie“ bezeichnet wird.
  • Gesichtsmaskierung: Dabei handelt es sich um einen ernsten, steifen oder ausdruckslosen Gesichtsausdruck, auch wenn die Betroffenen sich nicht schlecht gelaunt fühlen.
  • Schwindel oder Ohnmacht: Schwindel oder Ohnmacht beim Aufstehen können ein weiteres Zeichen für Parkinson sein. Dies kann auf niedrigen Blutdruck zurückzuführen sein, der bei Parkinson-Patienten häufig auftritt.
  • Bücken oder Beugen: Ein weiteres häufiges Frühsymptom von Parkinson ist die veränderte Körperhaltung, bei der sich die Betroffenen beim Stehen bücken oder beugen.
  • Verlangsamte Reaktionsfähigkeit
  • Halluzinationen, Angstzustände, Reizbarkeit, Apathie, Vitalitätsverluste

Klassische Parkinson-Symptome

Klassische Parkinson-Symptome sind:

  • Zittern (Tremor): Das Zittern tritt meist im Ruhezustand auf und kann sich bei Bewegung oder Anspannung verstärken.
  • Bewegungsstörungen: Steifheit der Muskeln (Rigor) und Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese). Einschränkungen der Mimik, Störungen der Armbewegung beim Gehen.
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Gang- und Haltungsstörungen: Kleine, schlurfende Schritte, gebeugte Haltung.

Außerdem können bei Parkinson folgende Symptome auftreten:

  • "Einfrieren" von Bewegungen (Freezing): Plötzlich auftretende, vorübergehende Störung des Ganges.
  • Sprachschwierigkeiten: Leise, monotone Stimme.
  • Schluckbeschwerden: Unkontrollierter Speichelfluss (Sialorrhoe).
  • Störungen der vegetativen Funktionen: Zum Beispiel Blutdruck und Verdauung.
  • Schlafstörungen
  • Depressionen
  • Geistige Beeinträchtigungen bis hin zur Demenz: Im weiteren Krankheitsverlauf kann es in seltenen Fällen zur Entwicklung einer Parkinson-Demenz kommen.

Diagnose von Parkinson

Sobald Symptome bemerkt werden, sollte ein Neurologe aufgesucht werden. Umso früher Sie diesen Schritt gehen, desto besser können Therapiemaßnahmen greifen. Mithilfe verschiedener Tests (unter anderem Riechtests in der Frühdiagnose, L-Dopa-Test etc.) stellt der Arzt fest, ob es sich um Parkinson handelt. Um andere neurologische Erkrankungen auszuschließen, wird mitunter auch ein MRT oder CT durchgeführt.

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Die Basis der Untersuchung bildet ein ausführliches Gespräch (Anamnese). Der Neurologe wird Sie dabei zu Art und Dauer Ihrer Beschwerden befragen und Sie auf die Hauptsymptome der Erkrankung hin untersuchen: Muskelzittern (Tremor), Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese), Versteifung der Muskulatur (Rigor) sowie Gang- oder Gleichgewichtsstörungen (posturale Instabilität).

Um andere Erkrankungen auszuschließen und die Diagnose Parkinson zu bestätigen, können Neurologen zudem testen, ob Sie auf die Gabe von Levodopa ansprechen. Bessern sich die Beschwerden unter dem Wirkstoff Levodopa, ist das ein weiteres Indiz für eine Parkinson-Erkrankung. Bleiben die Beschwerden gleich oder verschlechtern sie sich, deutet das fast immer auf eine andere Erkrankung hin.

Auch der Einsatz bildgebender Verfahren kann dabei helfen, andere Erkrankungen auszuschließen und die Verdachtsdiagnose Parkinson zu erhärten. Hierzu zählen die Computertomografie (CT), die Magnetresonanztomografie (MRT), die Ultraschalluntersuchung sowie die Single-Photonen-Emissions-Computertomografie (SPECT).

Behandlung von Parkinson

Auch wenn die Forschung sich intensiv mit der Krankheit beschäftigt, ist Parkinson bisher nicht heilbar. Dank der wissenschaftlichen Erkenntnisse und Fortschritte, die in den letzten Jahrzehnten gemacht wurden, können die Symptome heute aber teilweise gelindert werden. Die Lebenserwartung wird so durch Parkinson normalerweise nicht mehr beeinträchtigt.

Parkinson wird in der Regel vor allem mit Medikamenten behandelt. Es gibt Medikamente, die Dopamin enthalten und so den Dopaminmangel ausgleichen und solche, die den Abbau vorhandenen Dopamins verhindern. Ein Spezialist für neurologische Bewegungsstörungen erstellt dafür einen individuell angepassten Medikamentenplan.

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In einigen Fällen macht auch ein Eingriff am Gehirn Sinn. Bei der tiefen Hirnstimulation (THS) werden Elektroden ins Gehirn eingesetzt. Durch elektrische Impulse können so bestimmte Hirnregionen positiv beeinflusst werden. In Studien hat sich gezeigt, dass auf eine früh durchgeführte THS vor allem jüngere Betroffene gut ansprechen.

Die medikamentöse Behandlung wird bei Parkinson um verschiedene Therapien ergänzt. Leben mit Parkinson kann auch heißen: je nach Erfordernis regelmäßig Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie in Anspruch zu nehmen. Damit können gute Erfolge in Sachen Erhalt der Lebensqualität erzielt werden.

Leben mit Parkinson

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende, unheilbare Nervenkrankheit. Bei vielen Menschen mit Parkinson treten im Verlauf der Erkrankung kognitive Beeinträchtigungen auf. Von einer Parkinson-Demenz spricht man, wenn ein Mensch mit Parkinson mindestens zwei kognitive Einschränkungen aufweist, die sein unabhängiges Leben erschweren. Menschen mit Parkinson-Demenz verarbeiten Informationen oft langsamer und es kann zu Persönlichkeitsveränderungen kommen.

Zur Linderung der motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung wird möglichst viel körperliche Aktivität empfohlen.

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