Parkinson-Symptome: Erkennung Jahrzehnte vor der Diagnose

Die Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson oder umgangssprachlich Schüttellähmung genannt, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem das Bewegungsvermögen beeinträchtigt. Sie betrifft etwa ein Prozent der Weltbevölkerung über 60 Jahren, wobei Frauen und Männer gleichermaßen betroffen sind. Die typischen Symptome wie Zittern, Muskelsteifheit und Bewegungsverlangsamung treten oft erst auf, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Die Forschung hat jedoch bedeutende Fortschritte bei der Früherkennung gemacht, sodass es möglich ist, Anzeichen und Symptome von Parkinson schon Jahrzehnte vor der eigentlichen Diagnose zu erkennen.

Frühe Anzeichen und Symptome

Die Parkinson-Krankheit entwickelt sich oft schleichend über einen Zeitraum von 10 bis 30 Jahren, bevor die ersten motorischen Beschwerden bemerkbar werden. In dieser frühen Phase verlaufen die Veränderungen im Nervensystem zunächst still, aber nicht spurlos.

REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD)

Einer der wichtigsten Marker für eine beginnende Parkinson-Erkrankung ist die sogenannte REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD). Normalerweise ist während der REM-Schlafphase, in der wir träumen, unsere Muskulatur gelähmt. Bei RBD ist dieser Schutzmechanismus gestört. Betroffene schlagen oder treten im Schlaf und berichten oft von sehr intensiven, oft aggressiven Träumen, in denen sie kämpfen oder fliehen müssen. Studien zeigen, dass 80 bis 95 Prozent der Menschen mit dieser Schlaf-Verhaltensstörung in den folgenden 10 bis 15 Jahren Parkinson oder eine Parkinson-Demenz entwickeln.

Riechstörung

Neben der RBD ist eine Riechstörung ein weiteres frühes Anzeichen, das oft Jahrzehnte vor der Diagnose auftritt. Betroffene bemerken einen Verlust des Geruchssinns, der häufig als ein Nachlassen des Geschmackssinns erlebt wird. Die fünf Geschmacksqualitäten bleiben dabei eigentlich erhalten, aber da das Riechvermögen nachlässt, schmeckt alles irgendwie „fade“ wie bei einer Erkältung.

Weitere unspezifische Symptome

Weitere frühe Symptome können sein:

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  • Magenentleerungsstörungen
  • Motilitätsstörungen des Darms
  • Verstopfung
  • Muskel- und Gelenkschmerzen, vor allem im Nacken, Rücken, Armen und Beinen
  • Ein steifes, zittriges und unsicheres Körpergefühl
  • Nachlassende Mimik
  • Verkrampfte und kleinere Handschrift
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Persönlichkeitsveränderungen, die vor allem Depressionen oder Gereiztheit beinhalten

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome sehr unspezifisch sind und auch andere Ursachen haben können. Eine Diagnose allein aufgrund dieser Symptome ist daher kaum möglich.

Der Weg zur Diagnose

Aktuelle Herausforderungen

„Offiziell beginnt Parkinson dann, wenn motorische Symptome auftreten - so steht es auch in den diagnostischen Kriterien der Movement Disorder Society“, erklärt PD Dr. Michael Sommerauer, Experte für Parkinson und Schlafmedizin am Universitätsklinikum Bonn (UKB). Früher kamen die Menschen mit dem Vollbild der Krankheit - da war die Diagnose klar. Heute kommen sie früher. Die Symptome sind milder, und es ist deutlich schwieriger zu sagen, ob es sich wirklich um Parkinson handelt“, so PD Dr. Sommerauer. Aktuell fehlt noch eine zuverlässige Testmethode für die breite Frühdiagnostik.

Fortschritte in der Früherkennung

Die Forschung arbeitet intensiv an der Entwicklung von Methoden zur Früherkennung von Parkinson. Es ist bereits gelungen, die Krankheit durch eine Untersuchung des Nervenwassers zu erkennen. Bei einer Lumbalpunktion wird eine Nadel in den Wirbelkanal im unteren Rücken eingeführt. Bei von der Parkinson-Krankheit Betroffenen konnte im Nervenwasser ein fehlgefaltetes Eiweiß namens alpha-Synuclein gefunden werden. Wenn es falsch gefaltet ist, verklumpt es und lagert sich an den Nervenzellen ab, deren Funktion es beeinträchtigt.

Ein Forschungsteam der Christian-Albrechts-Universität Kiel arbeitet daran, das fehlgefaltete Eiweiß auch im Blut nachweisen zu können. Sie haben einen blutbasierten biochemischen Test zur Diagnose von Parkinson entwickelt, der die Grundlage für die Entwicklung eines sicheren Bluttestes darstellt.

Mit einem Seed Amplification Assay (SAA) ist ein Nachweis von krankhaft zusammengeballtem Eiweiß (Alpha-Synuclein) bei einigen Menschen schon zehn Jahre vor Beginn der motorischen Parkinson-Symptome möglich. Mit einem solchen Test lassen sich möglicherweise Stadien erfassen, in denen noch keine motorischen Krankheitssymptome auftreten und somit formal die Diagnose nach den aktuellen Diagnosekriterien noch nicht gestellt werden kann.

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Forschende um Dr. Annika Kluge aus dem Team von Professorin Daniela Berg vom Uniklinikum Kiel haben retrospektiv Proben von Parkinsonkranken analysiert (Mov Disord 2024; online 23. April ). Menschen, die später an Parkinson erkrankten, hatten schon bis zu zehn Jahre vor der Diagnose auffällige Alpha-Synuclein-Werte im Blut.

Tablet-basiertes System für Hausärzte

Am Universitätsklinikum Bonn (UKB) wird ein System entwickelt, das über ein Tablet in wenigen Minuten motorische Auffälligkeiten erfassen kann - direkt in der Hausarztpraxis.

Bedeutung der Früherkennung

Die Früherkennung von Parkinson ist aus mehreren Gründen von großer Bedeutung:

  • Frühzeitige Intervention: Je früher die Diagnose gestellt wird, desto früher können Maßnahmen ergriffen werden, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Symptome zu lindern.
  • Entwicklung neuer Therapien: Die Früherkennung ermöglicht es, Patienten in frühen Stadien der Erkrankung in klinische Studien einzubeziehen, um neue Therapien zu entwickeln und zu testen.
  • Lebensqualität: Durch eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können Betroffene ihre Lebensqualität länger erhalten und актив am Leben teilnehmen.

Behandlungsmöglichkeiten

Medikamentöse Therapie

Ist die Parkinson-Krankheit ausgebrochen, schreitet sie langsam voran. Heilbar ist sie nicht, aber die Symptome können mit verschiedenen Medikamenten behandelt werden. Da Parkinson meist durch einen Mangel an Dopamin im Gehirn ausgelöst wird, wird der Botenstoff durch ein Medikament zugeführt oder der Abbau des Dopamins wird verhindert. Ab dem 70. Lebensjahr wird dazu das wirksame L-Dopa verordnet. Um Wirkungsschwankungen zu vermeiden, können, statt Tabletten einzunehmen, auch Pumpen angewendet werden.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Möglich ist bei einer Parkinson-Erkrankung auch eine „Tiefe Hirn-Stimualtion“ (THS). Bei diesem chirurgischen Eingriff werden kleine Elektroden ins Gehirn eingesetzt, die die Aktivität der Nervenzellen bei Parkinson positiv beeinflussen.

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Nicht-medikamentöse Therapien

Um die Beweglichkeit und die Sprechfähigkeit beizubehalten, werden zur Therapie auch Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie eingesetzt. Sport- und Bewegungstherapie sind nützlich. Als besonders wirksam hat sich Tangotanz oder die chinesische Bewegungsmeditation Tai-Chi erwiesen.

Lebensstil-Anpassungen

Es gibt viele Hinweise darauf, dass ein gesunder Lebensstil nicht nur das Risiko für Demenz, sondern auch für Parkinson positiv beeinflusst. Aus der Demenzforschung wissen wir, dass etwa 30 bis 40 Prozent der Fälle vermeidbar wären - durch Bildung, Schlaf, Ernährung, soziale Kontakte, Bewegung und die gute Kontrolle von Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck. Das lässt sich auch auf Parkinson übertragen. Gerade Bewegung spielt eine zentrale Rolle.

Die Rolle der Angehörigen

Auch Angehörige spielen eine wichtige Rolle, denn sie bemerken häufig als Erste auffällige Verhaltensweisen. Sprechen Sie Ihre Beobachtungen offen an.

Ausblick in die Zukunft

Die Parkinsonforschung entwickelt sich rasant weiter. Neue technologische Ansätze, wie tragbare Geräte zur Analyse des Schlafs oder zur Stimulation bestimmter Hirnareale, sind in Entwicklung. Wir sind optimistisch, dass wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren deutlich besser verstehen werden, wie Parkinson entsteht - und wie wir früher eingreifen können“, sagt PD Dr. Sommerauer.

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