Parkinson im Anfangsstadium: Behandlung und Management

Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die derzeit nicht heilbar ist. Die Behandlung im Anfangsstadium konzentriert sich darauf, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die Selbstständigkeit der Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten. Eine frühzeitige Diagnose und ein individueller Therapieplan sind entscheidend für ein erfolgreiches Krankheitsmanagement.

Grundlagen der Parkinson-Erkrankung

Morbus Parkinson ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Sie betrifft bestimmte Nervenzellen im Gehirn, insbesondere in der Substantia nigra im Hirnstamm. Diese Zellen produzieren Dopamin, einen Botenstoff, der für die Steuerung von Bewegungen unerlässlich ist. Bei Parkinson kommt es zu einem Dopaminmangel, der zu den typischen motorischen Symptomen wie Tremor, Akinese/Bradykinese und Rigor führt.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für das Absterben der Nervenzellen bei Parkinson sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Zu den Risikofaktoren gehören:

  • Genetische Mutationen: In etwa 5 bis 10 Prozent der Fälle liegen vererbbare Genmutationen vor.
  • Umweltgifte: Pestizide, Schwermetalle, Lösungsmittel und Feinstaub können Nervenzellen schädigen. Seit dem Frühjahr ist Parkinson für Pestizid-Einsetzende Personen in Deutschland auch als Berufserkrankung anerkannt.
  • Veränderungen im Darm-Mikrobiom: Eine ungünstige Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm kann zur Entstehung von Parkinson beitragen.

Symptome im Anfangsstadium

Die Parkinson-Krankheit macht sich oft erst allmählich bemerkbar. Viele Menschen spüren lange keine Beschwerden oder führen die Symptome auf andere Ursachen zurück. Zu den ersten Anzeichen von Parkinson gehören:

  • Nicht-motorische Symptome:
    • Schlafstörungen
    • Verstopfung
    • Geruchsstörungen
    • Depressionen
  • Motorische Symptome:
    • Muskelzittern (Tremor)
    • Muskelsteifheit (Rigor)
    • Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese)
    • Fehlendes Mitschwingen des Armes beim Gehen
    • Leisere und monotonere Stimme
    • Schlechte Feinmotorik (z.B. Schwierigkeiten beim Zubinden von Schuhen)

Frühzeitige Erkennung durch Selbsttest

Die deutsche Parkinson-Vereinigung e.V. (DPV) bietet einen Selbstcheck zur Früherkennung an, der folgende Fragen beinhaltet:

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  1. Zittert Ihre Hand, obwohl sie entspannt aufliegt?
  2. Ist ein Arm angewinkelt oder schlenkert beim Gehen nicht mit?
  3. Haben Sie eine vorübergebeugte Körperhaltung?
  4. Haben Sie einen leicht schlurfenden Gang oder ziehen Sie ein Bein nach?
  5. Haben Sie einen kleinschrittigen Gang und kommt es vor, dass Sie stolpern oder stürzen?
  6. Leiden Sie an Antriebs- und Initiativemangel?
  7. Haben Sie häufig Schmerzen im Nacken-Schultergürtel-Bereich?
  8. Haben Sie bemerkt, dass Sie sich von Ihren Freunden und Angehörigen zurückziehen, dass Sie Kontakte meiden und zu nichts Lust haben?
  9. Haben Sie Veränderungen in Ihrer Stimme bemerkt? Ist sie monotoner und leiser als früher oder hört sie sich heiser an?
  10. Haben Sie eine Verkleinerung Ihrer Schrift bemerkt?
  11. Leiden Sie an „innerem Zittern“ oder „innerer Unruhe“?
  12. Haben Sie Schlafstörungen?

Es ist wichtig zu beachten, dass dieser Selbstcheck lediglich eine erste Einschätzung ermöglicht und keine ärztliche Diagnose ersetzt.

Diagnosestellung

Die Diagnose von Parkinson-Syndromen erfolgt klinisch anhand der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung. Apparative Zusatzuntersuchungen wie bildgebende Verfahren (PET, DaTSCAN, MRT) dienen lediglich zur Bestätigung der Diagnose oder zum Ausschluss anderer Erkrankungen. Ein gutes Ansprechen auf L-Dopa ist ein wichtiges Kriterium für die Diagnose der Parkinson-Krankheit.

Behandlung im Anfangsstadium

Die Behandlung von Parkinson im Anfangsstadium zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Sie umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und/oder den Abbau von Dopamin zu verlangsamen. Es gibt verschiedene Medikamente und Wirkstoffe, die im Frühstadium eingesetzt werden können:

  • Levodopa (L-Dopa): Ist das wirksamste Medikament zur Behandlung des echten Parkinson-Syndroms. Es wird im Gehirn in Dopamin umgewandelt und gleicht so den Dopaminmangel aus. L-Dopa wird gewöhnlich mit Carbidopa kombiniert, um zu verhindern, dass L-Dopa bereits in Dopamin umgewandelt wird, bevor es das Gehirn erreicht hat.
  • Dopaminagonisten: Imitieren Dopamin im Körper und ermöglichen so eine niedrigere L-Dopa-Dosis. Sie sind schwächer wirksam als L-Dopa, haben aber oft weniger Nebenwirkungen.
  • MAO-B-Hemmer: Verlangsamen den Abbau von Dopamin im Gehirn, indem sie das Enzym Monoaminooxidase-B (MAO-B) blockieren. Sie können im Anfangsstadium auch ohne L-Dopa einige Parkinson-Symptome lindern.
  • COMT-Hemmer: Verlängern die Wirkdauer von L-Dopa, indem sie den Abbau von Dopamin und L-Dopa zu unwirksamen Substanzen verlangsamen. Sie hemmen die Methylierung von Levodopa, damit mehr L-Dopa die Blut-Hirn-Schranke überwinden und erst dort zu Dopamin umgewandelt werden kann.
  • Anticholinergika: Werden nur noch selten eingesetzt, da sie häufig Nebenwirkungen verursachen.
  • Amantadin: Hat eine eher geringe Wirkung auf die Parkinson-Symptome, kann aber die durch L-Dopa verursachten Überbewegungen verringern. Außerdem werden Infusionen mit Amantadin bei akinetischen Krisen (akute Bewegungsunfähigkeit) eingesetzt.

Die Auswahl des geeigneten Medikaments und die Dosierung erfolgen individuell in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt. Dabei werden Faktoren wie Krankheitsstadium, Beschwerdebild, Alter, Aktivität, Wirksamkeit und Verträglichkeit des Medikaments berücksichtigt. Der Beginn der Behandlung erfolgt meist mit einer sehr geringen Dosierung, die dann langsam erhöht wird.

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Nicht-medikamentöse Therapien

Neben der medikamentösen Therapie spielen auch nicht-medikamentöse Behandlungen eine wichtige Rolle bei der Linderung von Symptomen und der Verbesserung der Lebensqualität. Dazu gehören:

  • Physiotherapie: Fördert die Beweglichkeit, Körperstabilität und Reaktionsfähigkeit. Sie kann daneben bei Patienten im fortgeschrittenen Stadium einer Versteifung von Gelenken (Kontraktur) vorbeugen.
  • Ergotherapie: Hilft, die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten oder wiederherzustellen.
  • Logopädie: Verbessert die Sprechfähigkeit und das Stimmvolumen.
  • Künstlerische Therapien: Kunst-, Mal- oder Tanztherapien können ebenfalls in Erwägung gezogen werden.
  • Psychotherapie: Hilft, sich aktiv mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und den Umgang mit ihr zu erlernen.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Die Tiefe Hirnstimulation ist ein etabliertes Therapieverfahren, das in späteren Stadien der Erkrankung eine zunehmende Rolle spielt. Dabei werden Elektroden stereotaktisch in tiefere Gehirnregionen implantiert, um die Symptome zu lindern. Die THS kann zum Einsatz kommen, wenn es im Krankheitsverlauf zu Schwankungen der Beweglichkeit mit überbeweglichen (Dyskinesien) oder unterbeweglichen (Hypokinese) Phasen kommt, die zu einer Einschränkung der Lebensqualität führen, und/oder wenn ein Tremor im Vordergrund des Beschwerdebildes steht, der nur unzureichend mittels einer medikamentösen Therapie beeinflusst werden kann.

Ernährung und Lebensstil

Eine gesunde Lebensweise kann ebenfalls dazu beitragen, die Symptome von Parkinson zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Empfehlungen umfassen:

  • Mediterrane Ernährung: Reich an Ballaststoffen und Polyphenolen.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität: Sport und Bewegung können sich positiv auswirken.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Erleichtert den Schluckvorgang und die Aufnahme von Medikamenten.
  • Kaffeekonsum: Regelmäßiger Kaffeekonsum kann das Risiko für die Entstehung und das Fortschreiten von Parkinson senken.

Bei der Einnahme von L-Dopa Präparaten ist zu berücksichtigen, dass besonders eiweißreiche Nahrung die Aufnahme von Levodopa stören und die Wirkung der entsprechenden Medikamente reduzieren kann. L-Dopa Präparate sollten deshalb nicht mit besonders eiweißreichen Mahlzeiten wie Fisch oder Fleisch eingenommen werden, sondern nur mindestens eine Stunde davor oder danach.

Umgang mit der Diagnose im Frühstadium

Die Diagnose Parkinson kann zunächst ein Schock sein. Es ist wichtig, sich ausführlich über die Erkrankung zu informieren und eine gute ärztliche Begleitung zu suchen. Weitere Unterstützung kann durch Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen gefunden werden.

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Tipps für den Alltag

  • Medikamenteneinnahme: Medikamente immer zu einem festen Zeitpunkt einnehmen, um einen besseren Überblick über die Wirkdauer zu bekommen und die Einnahme als Routine in den Alltag zu integrieren.
  • Offenheit: Offen über die Erkrankung sprechen, um Unsicherheiten auf beiden Seiten zu nehmen.
  • Aktiv bleiben: Körperliche Aktivität kann helfen, die Beschwerden zumindest vorübergehend zu lindern.
  • Soziale Kontakte pflegen: Sich nicht zurückziehen, sondern weiterhin am sozialen Leben teilnehmen.
  • Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht: Frühzeitig eine Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht erstellen.

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