Fortschritte in der Parkinson-Behandlung in Israel

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, von der fast eine halbe Million Menschen in Deutschland betroffen sind. Klassische Anzeichen sind Muskelsteifheit, unkontrolliertes Zittern und verlangsamte Bewegungen. Obwohl Parkinson derzeit als unheilbar gilt, gibt es in der Forschung große Fortschritte, insbesondere in Israel, wo Wissenschaftler und Pharmaunternehmen an innovativen Therapieansätzen arbeiten. Dieser Artikel beleuchtet die neuesten Entwicklungen in der Parkinson-Behandlung in Israel und gibt einen Ausblick auf vielversprechende Therapieansätze.

Grundlagenforschung und Medikamentenentwicklung

Ein wichtiger Pionier in der Parkinson-Forschung ist der iranisch-israelische Neurowissenschaftler Moussa B.H. Youdim. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Enzym Monoaminoxidase (MAO) und dessen Rolle bei der Entstehung der Parkinson-Krankheit. Youdim leistete einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung von selektiven Hemmstoffen dieses Enzyms. Medikamente zur Hemmung der Monoaminoxidase B (MAO-B-Hemmer) sind heute eine etablierte Methode zur Behandlung der Parkinson-Krankheit.

Youdim untersuchte bereits während seiner Promotion das Enzym Monoaminoxidase und identifizierte die Isoformen A und B und spürte deren Rolle bei neuropsychiatrischen Erkrankungen nach. Darauf aufbauend entwickelte er den Arzneistoff Selegilin, einen selektiven irreversiblen MAO-B-Hemmstoff für die Therapie der Parkinson-Erkrankung. Über den verzögerten Abbau von Dopamin wird dessen Konzentration im Gehirn erhöht und so die Krankheitssymptome zurückgedrängt. Dem Team um Youdim gelang 2005 noch eine Weiterentwicklung dieses Therapieansatzes zum Wirkstoff Rasagilin.

Neben der Parkinson-Erkrankung widmete sich Youdim auch anderen neurodegenerativen Störungen, wie der Alzheimer-Erkrankung. Im Fokus steht dabei das bei dieser Erkrankung gestörte cholinerge Neurotransmittersystem.

Therapieansätze in Israel

Medikamentöse Behandlung

Die primäre Behandlung von Parkinson besteht in der Verabreichung von Medikamenten. Durch die Zugabe von Dopamin, zum Beispiel in Form von L-Dopa, oder durch die Hemmung des Dopaminabbaus mit Hilfe von MAO-B-Hemmern oder COMT-Hemmern, können die Symptome von Parkinson gelindert werden.

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Tiefe Hirnstimulation

In einigen Fällen kann auch ein hirnchirurgischer Eingriff namens Tiefe Hirnstimulation (THS) sinnvoll sein. Bei dieser Tiefenhirnstimulation senden ins Gehirn eingesetzte Elektroden Impulse, die vor allem das bei der Parkinson-Krankheit typische Zittern lindern sollen.

Fokussierter Ultraschall

Eine weitere innovative Therapieform ist der fokussierte Ultraschall. Als einer der ersten Patienten weltweit hat sich Schmuel Tamir in Israel einer neuen Therapieform gegen Parkinson unterzogen - dem sogenannten fokussierten Ultraschall. Dabei wird dem Patienten eine Art Helm aufgesetzt, der den Kopf fixiert, dann wird eine Magnetresonanztomographie durchgeführt, eine sogenannte MRT. Anschließend wird der für Parkinson verantwortliche Bereich im Hirn mit Ultraschallwellen behandelt. Durch die Bündelung der Ultraschallwellen entsteht Hitze, die Patienten aber nicht spüren. Diese zerstört das kranke Gewebe, ohne Gesundes zu verletzten.

Dr. Ilana Schlesinger, behandelnde Neurochirurgin im Rambam Krankenhaus in Haifa sagt: „Das Gute ist, wir machen den Schädel nicht auf, wir schneiden nicht, es gibt keine Blutungen. Eine sichere Methode ohne Schäden zu verursachen. Eben nur ein Ultraschall.“Bis zu fünf Stunden dauert die Behandlung. Die Ärzte gehen schrittweise vor. Immer wieder treffen die Ultraschallwellen die Stellen im Gehirn für einige Sekunden, dann wird kontrolliert, ob das Zittern danach weniger geworden ist, ob die richtige Stelle behandelt wurde. Dann geht's weiter, bis das Zittern schließlich ganz weg ist.Schmuel Tamir war einer von insgesamt 39 Patienten, die bisher behandelt worden sind. Viele sollen folgen. Der israelische Entwickler will die neue Erfolgstechnologie in die ganze Welt exportieren. Der fokussierte Ultraschall ist als Therapieform übrigens nicht neu. Bereits bei der Behandlung von zum Beispiel Gebärmuttermyomen wird sie erfolgreich angewandt. In der Parkinson-Therapie ist sie aber revolutionär. Professor Menashe Zaaroor, Leiter der Neurochirurgie im Rambam Krankenhaus bestätigt: „Das ist ein medizinisches Wunder. Man kann sofort den Effekt der Behandlung sehen.

Stammzellentherapie

Die ehemalige Box-Legende Mohammed Ali, der seit den 80er Jahren an Parkinson leidet, wandte sich an das israelische Unternehmen Brainstorm, als seine Tochter Rashida von dessen Arbeit mit Stammzellen hörte. Bei dieser Methode sollen abgestorbene Nervenzellen durch neu implantierte, gesunde Nervenzellen ersetzt werden. Auch dazu gibt es verschiedene Forschungen mit vielversprechenden Ergebnissen.

Cannabis als Therapieansatz

Während in Deutschland die gesetzlichen Hürden für den medizinischen Gebrauch von Marihuana nach wie vor extrem hoch sind, ist man in Israel eindeutig weiter. So gingen etwa Forscher des Rabin Medical Center in Petach Tikva der Frage nach, warum Menschen mit Parkinson häufig von plötzlichen Schmerzattacken befallen werden. Bei den Patienten mit unvermittelt auftretenden Schmerzattacken konnten sie Veränderungen in deren Gensequenz identifizieren, die sich auf Aktivitäten der sogenannten Endocannabinoiden zurückführen lassen, den körpereigenen Substanzen mit cannabisähnlicher Wirkung. »Die Behandlung mit Marihuana stellt einen neuen Ansatz dar, diesen Menschen zu helfen«, sagt Djaldetti, die ihre Ergebnisse jüngst im European Journal of Pain veröffentlichte.

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Eine andere israelische Forschergruppe hat jetzt herausgefunden, dass der im Marihuana enthaltene Wirkstoff THC - der übrigens weltweit erstmals 1964 von Raphael Mechoulam und Yehiel Gaoni am Weizmann-Institut in Rehovot isoliert werden konnte -, in minimalen Dosen verabreicht, Gehirnzellen vor einer Beschädigung schützt. »Bei einem richtigen Einsatz von THC lassen sich die kognitiven Fähigkeiten erhalten«, so Edith Hochhauser von der Sackler Faculty of Medicine an der Tel Aviver Universität.

Weitere vielversprechende Therapieansätze

Diabetes-Medikamente

Die Wirksamkeit von Diabetes-Medikamenten bei Parkinson wird bereits seit einiger Zeit untersucht. Eine Studie wurde an 156 Personen mit leichten bis mittelschweren Parkinson-Symptomen durchgeführt. Alle Teilnehmenden nahmen bereits das Standard-Parkinson-Medikament Levodopa oder andere Arzneimittel ein. Nach zwölf Monaten zeigten die Teilnehmenden in der Placebo-Kontrollgruppe wie erwartet eine Verschlechterung ihrer Symptome. Auf einer Skala zur Bewertung des Schweregrads der Parkinson-Krankheit, die die Fähigkeit der Betroffenen, Aufgaben wie Sprechen, Essen und Gehen auszuführen, misst, stieg ihr Wert um drei Punkte.

Der Wirkstoff Lixisenatid, der zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen ist, ist ein GLP-1-Rezeptoragonist. In letzter Zeit haben GLP-1-Rezeptoragonisten für Aufsehen gesorgt, da sie unter anderem in der "Abnehmspritze" (Wirkstoff Semaglutid) eingesetzt werden. Wenn sich Parkinson mit dieser Art von Medikamenten verlangsamen ließe, wäre das ein großer Erfolg, schließt Claßen.

Zellersatztherapie

Eine von Israel geführte internationale Studie, die im Februar auf dem Titelblatt des Journal of Neuroscience erschien, verspricht, die Zellersatztherapie für Menschen mit Parkinson-Krankheit (PD) voranzutreiben. In der neuen Studie haben Forscher der Ben-Gurion-Universität des Negev entdeckt, dass Proteine namens BMP5 / 7 wesentlich sind für die embryonale Entwicklung von dopaminergen Neuronen.

Antikörper- und Immuntherapie

Ein wesentlicher Ansatz ist hier, die Verklumpung von Eiweißstoffen im Gehirn, die bei den allermeisten Parkinson-Patienten auftritt und zum Absterben der Nervenzellen führt, zu stoppen oder gar zu verhindern. "Mittlerweile gibt es ganz vielfältige Ansätze, diese Funktionsstörungen zu korrigieren", sagt der Münchner Wissenschaftler Höglinger. Zum Beispiel mittels Antikörper- beziehungsweise Immuntherapie, mit der das für die Schäden verantwortliche Eiweiß Alpha-Synuclein bekämpft wird. Ein weiterer Ansatz ist, mit einer bestimmten Therapie die Herstellung dieses körpereigenen Proteins zu reduzieren und dadurch die Erkrankung zumindest zu verzögern.

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Prävention

Ein regelmäßiges Bewegungstraining könne uns "zumindest ein bisschen vor der Parkinson-Krankheit schützen". Ebenso empfiehlt er eine gesunde Ernährung "und die Vermeidung von Stoffen, die Parkinson auslösen können" - das sind laut Claßen giftige Substanzen, wie zum Beispiel Pestizide.

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