Parkinson: Ursachen für das Einknicken der Beine und Möglichkeiten der Behandlung

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die sich allmählich entwickelt. Anfangs sind die Symptome oft subtil und werden nicht sofort als solche erkannt. Betroffene berichten von Müdigkeit, Zittern oder Vergesslichkeit. Angehörige bemerken möglicherweise eine leise Sprache, Reizbarkeit oder depressive Verstimmungen. Oft ziehen sich die Patienten zurück und vernachlässigen ihre Hobbys. Ein charakteristisches Merkmal ist der Verlust des Gesichtsausdrucks und der Mimik. Die Betroffenen bewegen sich wenig, sitzen viel und haben Schwierigkeiten, aus einem Stuhl aufzustehen. Diese Symptome werden anfänglich oft dem Alterungsprozess zugeschrieben.

Patienten bemerken, dass es ihnen schwerfällt, Arme oder Beine wie gewünscht oder so schnell wie früher zu bewegen. Sie fühlen sich steif, unsicher und ungewöhnlich langsam. Alltägliche Aufgaben wie Aufstehen, Waschen, Anziehen und Essen dauern länger. Mit fortschreitender Erkrankung nimmt die Behinderung zu.

Was ist Parkinson?

Die Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson genannt, wurde erstmals 1817 von Dr. James Parkinson beschrieben. Es gibt verschiedene Ursachen für die Entstehung von Parkinson, was zu unterschiedlichen Formen der Erkrankung führt. Bei einem symptomatischen Parkinson-Syndrom liegt eine Strukturveränderung im Gehirn vor, beispielsweise ein Hirntumor, Durchblutungsstörungen oder ein Wasserkopf. Das idiopathische Parkinson-Syndrom ist die häufigste Form, die etwa 90 Prozent der Fälle ausmacht. "Idiopathisch" bedeutet unbekannte Ursache, obwohl dies bei Parkinson nicht mehr ganz zutrifft.

Symptome des idiopathischen Parkinson-Syndroms

Die Parkinson-Erkrankung ist immer mit einer Bewegungsarmut oder Bewegungslosigkeit verbunden. Hinzu kommen vier Hauptsymptome, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können:

  • Muskelsteifheit (Rigor)
  • Zittern im Ruhezustand (Ruhetremor)
  • Verlangsamung der Bewegung (Bradykinese)
  • Störung der Haltungs- und Gangsicherheit (posturale Instabilität)

Ursächlich für die Bewegungsstörungen ist ein Dopaminmangel im Gehirn. Die motorischen Beeinträchtigungen können sich auch durch steife Gesichtsmuskeln äußern, was zu einem starren Gesichtsausdruck und weniger Mimik führt. Dies wird oft fälschlicherweise mit Teilnahmslosigkeit verwechselt. Die Körperhaltung ist oft gebeugt und der Gang verändert - die Betroffenen ziehen ein Bein nach oder haben Schwierigkeiten beim Losgehen oder abrupten Anhalten. Ein weiteres typisches Merkmal ist das Zahnradphänomen, bei dem Arme oder Handgelenke aufgrund erhöhter Muskelspannung nur ruckartig bewegt werden können. Auch das Sprechen, das Schriftbild und die Feinmotorik können eingeschränkt sein.

Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen

In der Spätphase können weitere schwere Symptome hinzukommen, wie:

  • Vergesslichkeit
  • Starkes Schwitzen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Inkontinenz
  • Impotenz
  • Verstopfungen
  • Depressionen
  • Psychosen
  • Halluzinationen
  • Demenz

Frühe Anzeichen und Ursachen von Parkinson

Vor den klassischen Hauptsymptomen zeigen Parkinsonpatienten oft andere Symptome, die mittlerweile mit der Erkrankung in Verbindung gebracht werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Protein α-Synuclein. Wenn dieses Protein verändert ist, verklumpt es und wandert von Nervenzelle zu Nervenzelle. Prof. Dr. Heiko Braak konnte zeigen, dass sich α-Synuclein früh in bestimmten Regionen im Gehirn ansammeln und die Funktion verschiedenster Hirnregionen stören kann. Dies erklärt die typischen Frühsymptome vor Auftreten der Bewegungsstörung:

  • Riechstörungen: Die Verklumpung von α-Synuclein beginnt im Riechsystem des Gehirns. Viele Parkinsonpatienten haben daher bereits vor den Hauptsymptomen eine Riechstörung, die sie oft nicht bemerken.
  • REM-Schlafverhaltensstörung: In der REM-Schlafphase (Rapid Eye Movements) schlafen wir normalerweise sehr tief und fest. Patienten mit einer REM-Schlafverhaltensstörung schlafen unruhig, haben heftige Träume, bei denen sie um sich schlagen und schreien können. Diese Schlafstörung ist ein Risikofaktor für Parkinson - etwa 80 Prozent der Betroffenen erkranken innerhalb von 15 Jahren an Parkinson.
  • Verstopfungen: Eine Störung des autonomen Nervensystems kann zu Verstopfungen führen, da der Stuhl länger im Darm verbleibt und ihm Wasser entzogen wird.
  • Depressionen: Etwa 30 Prozent der Parkinsonbetroffenen haben depressive Verstimmungen oder Depressionen. Es ist noch unklar, ob Depressionen ein Frühsymptom oder ein Risikofaktor für Parkinson sind.

Die Rolle von α-Synuclein und Dopaminmangel

Das Protein α-Synuclein verklumpt unter anderem in der Substantia nigra, einer Hirnregion, von der Nervenzellen in eine andere Hirnregion ziehen, wo der Botenstoff Dopamin freigesetzt wird. Wenn die Nervenzellen durch verklumptes α-Synuclein verstopft sind, können sie nicht mehr funktionieren, was zu einem Dopaminmangel führt. Dieser Dopaminmangel löst Zittern, Muskelsteifheit, verlangsamte Bewegungen und Gangunsicherheit aus. Die Behandlung zielt darauf ab, diesen Dopaminmangel durch eine Dopaminersatztherapie auszugleichen.

Behandlung von Parkinson

Die klassische Behandlung von Parkinson besteht in einer Dopaminersatztherapie zur Linderung der Bewegungsstörungen. Da Parkinson jedoch eine vielseitige Erkrankung ist, benötigen die Patienten oft zusätzliche Unterstützung.

Ärzte können Depressionen behandeln, die Demenz verzögern und Verstopfungen verbessern. Neben Neurologen spielen auch Logopäden, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten eine wichtige Rolle. Sie helfen den Patienten, die Sprache, Feinmotorik und das Gleichgewicht wieder zu verbessern und damit die Lebensqualität zu steigern.

Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt

Therapieansätze

  • Logopädie: Übungen, wie das laute Schreien von Vokalen, können helfen, die Stimme zu kräftigen und die Verständlichkeit zu verbessern.
  • Physiotherapie: Die "BIG-Methode" ist eine spezifische Bewegungstherapie, bei der Patienten große Ausfallschritte machen, die Arme hochreißen und laut "HALLO" schreien, um größere Schritte wieder zu erlernen und lauter zu sprechen.
  • Parkinson-Komplex-Therapie: Diese Therapie umfasst einen zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt in Parkinsonspezialkliniken, in denen die Patienten medikamentös eingestellt werden und intensive Ergo- und Physiotherapie sowie Logopädie erhalten.

Kann man Parkinson aufhalten?

Bisher gibt es keine Möglichkeit, die Krankheit aufzuhalten. Es laufen jedoch vielversprechende klinische Studien, die am gestörten α-Synuclein ansetzen. Bei Verdacht auf Parkinson sollte ein Neurologe aufgesucht werden, und eine MRT-Untersuchung des Gehirns sollte durchgeführt werden, um andere Ursachen auszuschließen.

Risikofaktoren für Parkinson

Parkinson ist eine der häufigsten Erkrankungen des Nervensystems im höheren Alter. Das größte Risiko ist das Älterwerden selbst. Ab 60 Jahren steigt das Risiko stark an. Weitere Risikofaktoren sind der häufige Umgang mit Giften wie Kohlenstoffmonoxid und Mangan sowie Herbizide und Pestizide. In seltenen Fällen (etwa fünf Prozent aller Parkinsonpatienten) liegt ein genetischer Defekt vor.

Empfehlungen für Parkinsonbetroffene im Alltag

Parkinsonpatienten sollten aktiv bleiben und sich regelmäßig bewegen. Rhythmischer Sport wie Nordic Walking, Tanzen, Schwimmen, Golfen und Tennis ist hilfreich. Bei der Ernährung gibt es keine besonderen Einschränkungen. Alkohol ist nicht explizit verboten, und Koffein scheint eine positive Wirkung zu haben, die jedoch umstritten ist. Es wird auch empfohlen, sich einer Parkinsonselbsthilfegruppe anzuschließen, um Unterstützung und Informationen zu erhalten.

Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung

Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um die Lebensqualität von Parkinsonpatienten so lange wie möglich zu erhalten. Es ist wichtig, die Patienten nach der Diagnose aufzufangen, ihnen Mut zu machen und sie über die Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären.

Einknicken der Beine bei Parkinson: Ursachen und Behandlung

Ein häufiges Problem bei Parkinsonpatienten ist das Einknicken der Beine, das zu Unsicherheit und Stürzen führen kann. Dieses Einknicken kann verschiedene Ursachen haben:

Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson

  • Muskelschwäche: Obwohl normale Muskelschwäche nicht unbedingt zu Schwächegefühlen führt, kann sie in Kombination mit anderen Faktoren das Einknicken der Beine begünstigen.
  • Sensomotorische Amnesie: Durch Alltagsgewohnheiten, wie das Stehen mit dem Gewicht auf einem Bein, kann eine sensomotorische Amnesie entstehen, bei der die Patienten die benötigten Muskeln nicht mehr richtig ansteuern können.
  • Myofasziale Dysfunktionen: Verspannungen und Verhärtungen im Bindegewebe und den Faszien können die Beweglichkeit und Stabilität der Beine beeinträchtigen.
  • Fehlhaltungen: Fehlhaltungen der Beine und Füße können zu Verspannungen und Instabilität führen.
  • Instabile Knie: Chronische Bindegewebsverspannungen im Bereich der Quadrizeps-Muskeln können zu unsicheren, instabilen Knien führen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Einknicken der Beine

  • Pohltherapie®: Diese Therapieform zielt darauf ab, sensomotorische Amnesie und myofasziale Dysfunktionen zu behandeln. Durch Bindegewebsmassagen, fasziale und muskuläre Lockerungstechniken werden Verspannungen gelöst, die Durchblutung verbessert und die Körperwahrnehmung gefördert. Körperbewusstseinstraining hilft den Patienten, einen lockeren, unangestrengten Gang zu erlernen.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Muskulatur zu kräftigen und die Stabilität der Beine zu verbessern.
  • Ergotherapie: Ergotherapeuten können den Patienten helfen, Alltagsaktivitäten sicherer und leichter zu bewältigen und Sturzrisiken zu minimieren.
  • Anpassung von Alltagshabits: Es ist wichtig, ungünstige Alltagshabits zu erkennen und zu verändern, wie z.B. das Stehen mit dem Gewicht auf einem Bein oder falsche Sitzgewohnheiten.

tags: #parkinson #bein #knickt #weg