Die Parkinson-Krankheit (PD) ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch motorische Symptome wie Ruhetremor, Muskelsteifheit (Rigor) und verlangsamte Bewegungen (Hypokinese) gekennzeichnet ist. Hinzu kommen oft vegetative Symptome und in manchen Fällen auch Demenz. Weltweit sind Millionen Menschen betroffen, und die Zahl wird voraussichtlich weiter steigen. In Deutschland leiden fast eine halbe Million Menschen an dieser unheilbaren Krankheit.
Die Forschung hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, um die Ursachen und Mechanismen der Parkinson-Krankheit besser zu verstehen. Es gibt Hinweise darauf, dass neben genetischen Faktoren auch Umweltfaktoren und der Lebensstil eine Rolle spielen könnten. Interessanterweise wurde auch ein Zusammenhang zwischen Diabetes mellitus und der Parkinson-Krankheit festgestellt.
Der Zusammenhang zwischen Diabetes und Parkinson
Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass Diabetes mellitus ein Risikofaktor für die Entwicklung von Parkinson sein kann. Eine Studie ergab, dass Diabetes das PD-Risiko um 34 % erhöhte. Darüber hinaus scheint Diabetes den Verlauf der Parkinson-Krankheit zu verschlechtern.
Die genauen Mechanismen, die diesen Zusammenhang erklären, sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch Hinweise auf eine mögliche funktionelle Verbindung zwischen Insulin und Dopamin. Dopamin, ein wichtiger Neurotransmitter, der bei Parkinson-Patienten in zu geringer Menge vorhanden ist, scheint einen Einfluss auf die pankreatischen Inselzellen zu haben. Umgekehrt beeinflusst Insulin die Nahrungsaufnahme und die kognitiven Fähigkeiten.
Auf zellulärer Ebene geht die Parkinson-Erkrankung mit Prozessen wie chronischer Entzündung, oxidativem Stress und Störungen im Energiehaushalt (mitochondriale Dysfunktion) einher. Auch bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes spielen neben Adipositas und Insulinresistenz chronische Entzündungen eine Rolle.
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Forscher der Universitätsmedizin Göttingen wurden von der „Parkinson-Stiftung“ für ihren Projektvorschlag „Glykierung von alpha-Synuclein als Biomarker“ ausgezeichnet. Sie untersuchen, ob durch Zucker modifiziertes alpha-Synuclein bei der Entstehung und Progression der Parkinson-Krankheit eine Rolle spielt. Alpha-Synuclein ist ein Protein, das bei Parkinson eine wichtige Rolle spielt. Die Wissenschaftler vermuten, dass erhöhte Zuckerkonzentrationen im Gehirn und im Blut von Diabetikern bestimmte Proteine verändern, was sich auf die Nervenzellen auswirken und zur Entstehung von Parkinson beitragen könnte.
Neue Therapieansätze mit Diabetes-Medikamenten
Die Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Diabetes und Parkinson haben zu neuen Therapieansätzen geführt. Wirkstoffe, die zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt werden, scheinen vielversprechende Kandidaten für eine symptomatische und/oder krankheitsmodifizierende Wirkung bei neurodegenerativen Erkrankungen zu sein, einschließlich der Parkinson-Krankheit.
Einige Studien haben gezeigt, dass bestimmte Diabetes-Medikamente, insbesondere GLP-1-Rezeptoragonisten („Glucagon-like Peptid-1“), eine neuroprotektive Wirkung haben könnten. GLP-1-Rezeptoragonisten ahmen die Wirkung des natürlich vorkommenden Peptids nach und aktivieren eine intrazelluläre Signalkaskade, welche eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung physiologischer Blutzuckerwerte spielt.
Lixisenatid: Ein vielversprechender GLP-1-Rezeptoragonist
In einer klinischen Studie wurde der GLP-1-Rezeptoragonist Lixisenatid bei Patienten mit Parkinson im Frühstadium evaluiert. Die Teilnehmer erhielten ein Jahr lang entweder Lixisenatid oder ein Placebo. Die Ergebnisse zeigten, dass Lixisenatid die motorische Verschlechterung bei Parkinson-Betroffenen signifikant verlangsamte. Nach 12 Monaten betrugen die mittleren Scores auf der „Movement Disorder Society - Unified Parkinson's Disease Rating Scale“ (MDS-UPDRS) in der Lixisenatid-Gruppe -0,04 Punkte und in der Placebo-Gruppe +3,04 Punkte (Differenz 3,08; p=0,007).
Eine im April 2024 im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie bestätigte diese Ergebnisse. Sie zeigte, dass Lixisenatid das Fortschreiten der Parkinson-Symptome in einem geringen, aber statistisch signifikanten Umfang verlangsamt.
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Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Behandlung mit Lixisenatid auch Nebenwirkungen verursachen kann. In den Studien traten bei einigen Teilnehmern Übelkeit und Erbrechen auf.
Mögliche Wirkmechanismen von GLP-1-Analoga bei Parkinson
Die Wirkweise von GLP-1-Analoga bei Parkinson ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass sie Entzündungen reduzieren und den zellulären Energiestoffwechsel verbessern, was das Überleben der Nervenzellen fördern könnte.
Weitere Diabetes-Medikamente mit potenziellem Nutzen bei Parkinson
Neben GLP-1-Rezeptoragonisten werden auch andere Diabetes-Medikamente auf ihren potenziellen Nutzen bei Parkinson untersucht.
- Glitazone: Eine epidemiologische Studie deutet darauf hin, dass Glitazone, eine Klasse von oralen Antidiabetika, Menschen mit Typ-2-Diabetes möglicherweise vor Parkinson schützen könnten. Glitazone aktivieren den Rezeptor PPARgamma, der in die Regulation verschiedener Gene eingreift, darunter auch Gene des Glukosestoffwechsels und der Nervenzellfunktion.
- Metformin: Einige Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von Metformin bei manchen Diabetes-Patienten eine schützende Wirkung hinsichtlich der Entwicklung einer Demenz haben könnte.
- DPP-4-Inhibitoren: Studien haben gezeigt, dass DPP-4-Inhibitoren wie Sitagliptin die dopaminerge Neurodegeneration, Neuroinflammation und Verhaltensstörungen in Tiermodellen der Parkinson-Krankheit mildern können.
Bedeutung von Ernährung und Lebensstil
Neben medikamentösen Therapien spielen auch Ernährung und Lebensstil eine wichtige Rolle bei der Prävention und Behandlung von Parkinson.
Eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung können den Verlauf beider Erkrankungen günstig beeinflussen. Insbesondere die sogenannte mediterrane Ernährung, die reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Olivenöl ist, kann antiinflammatorische Mechanismen aktivieren und somit potenziell vor Parkinson schützen.
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Die mediterrane Diät ist auch reich an mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, die beispielsweise in Fisch und Nüssen enthalten sind. Omega-3-Fettsäuren haben entzündungshemmende Eigenschaften und können die Gehirnfunktion verbessern.
Insulinresistenz bei Parkinson-Patienten ohne Diabetes
Interessanterweise könnte Insulinresistenz auch bei Parkinson-Patienten ohne Diabetes ein häufiges Problem sein. Eine Studie ergab, dass fast zwei Drittel der nicht-diabetischen Parkinsonpatienten von einer Insulinresistenz betroffen sein könnten. Dies deutet darauf hin, dass Insulinresistenz möglicherweise ein unabhängiger Risikofaktor für Parkinson ist oder den Krankheitsverlauf beeinflusst.