Parkinson-Therapie: Elektrische Reizweiterleitung im Fokus

Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson, Schüttellähmung oder idiopathisches Parkinson-Syndrom, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Obwohl die genauen Ursachen für die Mehrzahl der Fälle noch immer unbekannt sind, konzentriert sich die Forschung zunehmend auf innovative Therapieansätze, insbesondere solche, die auf elektrischer Reizweiterleitung basieren. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Parkinson-Krankheit und die vielversprechenden Möglichkeiten der elektrischen Reizweiterleitung als Therapieform.

Das Krankheitsbild Parkinson

Parkinson ist durch eine Reihe von motorischen und nicht-motorischen Symptomen gekennzeichnet. Die klassischen motorischen Symptome umfassen:

  • Ruhetremor: Ein Zittern, das auftritt, wenn der Körper ruht.
  • Rigor: Muskelsteifheit, die die Beweglichkeit einschränkt.
  • Akinese/Bradykinese: Bewegungsarmut oder Verlangsamung der Bewegungen.
  • Posturale Instabilität: Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten, was zu Stürzen führen kann.

Neben diesen motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome auftreten, wie z.B.:

  • Depressionen
  • Gedächtnisstörungen
  • Schlafstörungen
  • Verdauungsprobleme
  • Blasenschwäche
  • Schwankungen des Blutdrucks

Die Symptome können von Patient zu Patient unterschiedlich stark ausgeprägt sein und im Laufe der Zeit fortschreiten.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Parkinson sind noch nicht vollständig geklärt. In den meisten Fällen handelt es sich um eine multifaktorielle Erkrankung, bei der genetische Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Genetische Faktoren werden auf etwa 30 % geschätzt. Zu den möglichen Umweltfaktoren gehören:

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  • Pestizide
  • Lösungsmittel
  • Schwermetalle

Ein Hauptmerkmal der Parkinson-Krankheit ist der Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra, einem Bereich im Mittelhirn. Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der für die Steuerung von Bewegungen, aber auch für Motivation, Konzentration und Belohnung eine entscheidende Rolle spielt. Der Dopaminmangel führt zu den typischen motorischen Symptomen der Parkinson-Krankheit.

Diagnose

Die Diagnose von Parkinson basiert in erster Linie auf der klinischen Untersuchung und der Anamnese des Patienten. Der Neurologe erfragt die vorliegenden Symptome und führt eine neurologische Untersuchung durch, um Bewegungsstörungen und andere Auffälligkeiten festzustellen. Bildgebende Verfahren wie die Kernspintomographie (MRT) können eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Konventionelle Behandlungsansätze

Obwohl Parkinson nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Zu den wichtigsten Behandlungsansätzen gehören:

  • Medikamentöse Therapie: Medikamente, die den Dopaminmangel ausgleichen, wie z.B. L-Dopa (eine Vorstufe von Dopamin) oder Dopamin-Agonisten, sind die Hauptsäule der Behandlung. Im Laufe der Zeit kann die Wirksamkeit der Medikamente jedoch nachlassen, und es können Nebenwirkungen auftreten.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen helfen, die Muskelkraft und Beweglichkeit zu verbessern und Bewegungsstörungen auszugleichen.
  • Ergotherapie: Ergotherapeuten unterstützen Patienten dabei, ihren Alltag besser zu bewältigen und ihre Selbstständigkeit zu erhalten.
  • Logopädie: Logopädische Behandlungen verbessern die Sprachverständlichkeit und helfen bei Schluckbeschwerden.
  • Psychotherapie: Psychotherapeuten unterstützen Patienten bei der Bewältigung von Depressionen und anderen psychischen Problemen, die im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit auftreten können.

Invasive Neurostimulation bei Parkinson

Wenn die medikamentöse Therapie und andere konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichend wirken, kann eine tiefe Hirnstimulation (THS) in Betracht gezogen werden.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Die tiefe Hirnstimulation (THS) ist ein neurochirurgisches Verfahren, bei dem Elektroden in bestimmte Hirnbereiche implantiert werden. Diese Elektroden geben elektrische Impulse ab, die die Aktivität der betroffenen Hirnareale beeinflussen und so die Symptome der Parkinson-Krankheit lindern können. Die THS ist ein reversibler Eingriff, d.h. die Stimulation kann jederzeit angepasst oder ausgeschaltet werden.

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Wirkungsweise: Bei der THS werden feine Elektroden in das Gehirn eingesetzt, die dauerhaft elektrischen Strom übertragen und damit die krankmachende Hirnregion ausschalten. Die Elektrode wird durch eine kleine Öffnung im Schädel in das Gehirn implantiert. Die Stimulationseffekte sieht man an der gegenüberliegenden Körperhälfte. Somit hilft eine Elektrode in der rechten Gehirnhälfte, die Bewegungsfähigkeit der linken Körperhälfte zu verbessern. Das Besondere daran ist, dass die Funktion der Hirnareale erhalten bleibt und der Effekt der Stimulation jederzeit rückgängig gemacht werden kann.

Vorteile: Der Hauptvorteil gegenüber Verfahren, in denen Hirngewebe zerstört oder entfernt wird/wurde (Pallido- oder Thalamotomie) liegt in der Möglichkeit, die Stimulation abhängig von der erzielten Wirkung anzupassen. Dabei ist die THS eine Behandlungsmethode, die wieder rückgängig gemacht werden kann, ohne das Gewebe in großem Umfang zerstört oder entfernt werden muss. Auch die zum Teil gravierenden Nebenwirkungen der Medikamente bei Parkinson sind in dieser Form nicht gegeben.

Anwendungsbereiche: Die THS wird bei verschiedenen Formen von Tremor (Zittern), Dystonie und Parkinson eingesetzt. Bei Parkinson kommt sie vor allem dann in Frage, wenn sogenannte Wirkfluktuationen auftreten, d.h. wenn der Körper kurz nach der Einnahme des Medikamentes Dopamin (z.B. Madopar®) mit einer überschießenden Beweglichkeit (Dyskinesie) reagiert, gefolgt von langen Phasen mit geringer Beweglichkeit (Bradykinese) und erhöhter Muskelspannung (Rigidität).

Verschiedene Arten der THS:

  • Thalamische THS (ViM DBS): Bei Tremor (Zittern der Extremitäten/Kopfes)
  • Globus pallidus THS (GPi DBS): Bei Dystonie und M. Parkinson
  • Subthalamicus THS (STN DBS): Für die Parkinsonsche Erkrankung, wenn sogenannte Wirkfluktuationen aufgetreten sind.

Nicht-invasive Neurostimulation bei Parkinson

Neben der invasiven THS gibt es auch nicht-invasive Verfahren der Neurostimulation, die bei Parkinson eingesetzt werden können.

Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS)

Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) ist eine nicht-invasive Methode, bei der schwache elektrische Ströme über Elektroden auf der Kopfhaut appliziert werden, um die Aktivität bestimmter Hirnbereiche zu modulieren. Die tDCS ist schmerzfrei und reversibel.

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Wirkungsweise: Hierbei werden außen am Kopf Elektroden mit Gleichstrom angebracht und dadurch kortikale Erregbarkeit und neuronale Aktivität verändert.

Anwendungsbereiche: Die tDCS wird in der Forschung zur Behandlung verschiedener neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen eingesetzt, darunter auch Parkinson. Es gibt Hinweise darauf, dass tDCS die motorischen Symptome von Parkinson verbessern kann.

Weitere Therapieansätze

Neben den genannten Therapieansätzen gibt es noch weitere Möglichkeiten, die Symptome von Parkinson zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Funktionelle Elektrostimulation (FES)

Die funktionelle Elektrostimulation (FES) ist eine Methode, bei der Muskeln durch elektrische Impulse stimuliert werden, um Bewegungen zu ermöglichen oder zu verbessern. FES kann z.B. bei Fußheberschwäche eingesetzt werden, einem häufigen Problem bei Parkinson-Patienten.

Stoßwellentherapie

Stoßwellen sind akustische Druckimpulse, die in der Medizin zur Behandlung verschiedener Erkrankungen eingesetzt werden. In der Parkinson-Forschung wird die Stoßwellentherapie auf ihr Potenzial zur Stimulation von Nervenzellen und zur Verbesserung der Hirnfunktion untersucht.

Transkranielle Pulsstimulation (TPS): Bei der Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) schließlich werden nur niedrigenergetische Stoßwellen eingesetzt, die maximal eine Energieleistung von 0,2 mj/mm2 erreichen. Diese Energien sind so gering, dass es zu keinerlei Gewebeerwärmung im Gehirn kommt und das Aktionspotential der Stoßwellen rein aktivierender und regenerierender Natur ist.

Wirkungsweise: Stoßwellen aktivieren und regenerieren im Mikrosekundenbereich Zellen und Zellgewebe, schwingen dann aber aus und - nichts bleibt zurück. Der Organismus wird nicht belastet, der Metabolismus nicht dauerhaft infiltriert und durch biochemische Stoffe kontaminiert.

Funktionen und Wirkungen:

  • Reduktion der neuronalen Schmerzweiterleitung
  • Freisetzung von Stickoxid (NO), das zu einer direkten Vasodilatation und damit zu einer Erhöhung der Durchblutung führt.
  • Erhöhung der Konzentration des Wachstumsfaktors BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor).

Remyelinisierung

Bei Multipler Sklerose fehlt Myelin und "legt" die Nerven im ZNS "blank". Australischen Forschern gelang der Nachweis, bislang im Tiermodell, dass bestimmte Übungen oder Nervenreizung von außen zu einer erhöhten Myelinbildung führen.

Wege zur Remyelinisierung:

  • Jonglieren
  • Ein Instrument spielen
  • Transkranielle Stimulation

Ziel ist es, die Reizweiterleitung im Gehirn zu verbessern.

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