Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist eine etablierte Therapieform zur Behandlung von neurologischen Erkrankungen, insbesondere der Parkinson-Krankheit. Sie kann die Lebensqualität von Betroffenen deutlich verbessern, indem sie Symptome lindert, die medikamentös nicht mehr ausreichend kontrolliert werden können. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Patienten mit der THS, die Wirkungsweise, die Anwendungsgebiete, den Ablauf des Eingriffs, mögliche Nebenwirkungen und technische Neuerungen.
Einführung in die Tiefe Hirnstimulation
Die Tiefe Hirnstimulation ist ein neurochirurgisches Verfahren, bei dem Elektroden in bestimmte Hirnareale implantiert werden. Diese Elektroden senden elektrische Impulse aus, die die Aktivität der Nervenzellen in diesen Arealen beeinflussen. Dadurch können Symptome verschiedener neurologischer Erkrankungen gelindert werden.
Anwendungsgebiete der Tiefen Hirnstimulation
Die THS wird hauptsächlich bei Bewegungsstörungen eingesetzt, insbesondere bei:
- Parkinson-Krankheit: Hier steht die Linderung von Zittern, Steifigkeit, Bewegungsverlangsamung und Wirkungsschwankungen im Vordergrund.
- Essentiellem Tremor: Ziel ist die Reduktion des Zitterns, insbesondere der Arme.
- Dystonien: Die THS kann bei generalisierten Dystonien, Gesichtsdystonien (Blepharospasmus oder Meige-Syndrom) und medikamenteninduzierten Dystonien eingesetzt werden.
Neben Bewegungsstörungen wird die THS auch bei bestimmten psychiatrischen Erkrankungen wie Zwangserkrankungen, Tourette-Syndrom und therapieresistenter Depression eingesetzt. Zudem wird die THS zur Behandlung der Alzheimer-Demenz erforscht.
Erfahrungen von Parkinson-Patienten mit der Tiefen Hirnstimulation
Die Erfahrungen von Parkinson-Patienten mit der THS sind vielfältig und individuell. Viele berichten von einer deutlichen Verbesserung ihrer motorischen Symptome und einer gesteigerten Lebensqualität.
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Positive Erfahrungen:
- Verbesserung der motorischen Symptome: Zittern, Steifigkeit und Bewegungsverlangsamung können durch die THS deutlich reduziert werden.
- Reduktion von Medikamenten: Im Durchschnitt können Parkinson-Patienten ihre Medikamente nach der THS um etwa 50% reduzieren.
- Verlängerung der "On"-Phasen: Die Zeit, in der Patienten eine gute Beweglichkeit haben, kann durch die THS im Vergleich zu einer rein medikamentösen Behandlung etwa verdoppelt werden.
- Erhöhte Lebensqualität: Viele Patienten berichten, dass sie durch die THS wieder aktiver am Leben teilnehmen können und mehr Lebensqualität gewinnen.
- Wiedererlangung von Fähigkeiten: Einige Patienten berichten, dass sie durch die THS Fähigkeiten zurückgewinnen, die sie aufgrund der Erkrankung verloren hatten, wie z.B. das Gehen, Fahrradfahren oder Skifahren.
Herausforderungen und Nebenwirkungen:
- Operationseffekt: Unmittelbar nach der Operation kann es zu einem "Operationseffekt" kommen, der die Symptome vorübergehend verbessert. Dieser Effekt lässt jedoch im Laufe der Wochen nach und die Stimulationsparameter müssen angepasst werden.
- Nebenwirkungen: Mögliche Nebenwirkungen der THS sind Sprachstörungen, Gangstörungen, Muskelverspannungen, Persönlichkeitsveränderungen und psychische Beschwerden. Diese Nebenwirkungen sind jedoch in der Regel reversibel und können durch Anpassung der Stimulationsparameter behoben werden.
- Einstellung der Stimulation: Die Einstellung der optimalen Stimulationsparameter kann einige Zeit dauern und erfordert Geduld und eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt.
- Fortschreiten der Erkrankung: Die THS behandelt nur die Symptome der Parkinson-Krankheit, nicht die Ursache. Die Erkrankung schreitet daher auch nach der Operation weiter fort und die Stimulatoreinstellungen müssen ggf. im Laufe der Jahre angepasst werden.
- Psychische Auswirkungen: Psychische Beschwerden können als Begleitsymptome von neurologischen Erkrankungen auftreten oder durch die Tiefe Hirnstimulation beeinflusst werden.
Fallbeispiele:
- Melanie Basista: Bei Frau Basista, die im Alter von 40 Jahren an Parkinson erkrankte, stellten sich nach einigen Jahren Wirkfluktuationen ein. Sie entschied sich für die Tiefe Hirnstimulation und berichtete von flüssigeren Bewegungen und einer spürbaren Nachlassen der Steifigkeit in ihrem Körper.
- Dr. Deniz Özbilen: Dr. Özbilen litt unter Muskelverspannungen und Bewegungseinschränkungen aufgrund von Parkinson. Nach einer tiefen Hirnstimulation am Universitätsklinikum Freiburg ist er nahezu symptomfrei und kann wieder seinen Hobbys nachgehen.
- Hannie von Leeuwen: Hannie von Leeuwen erhoffte sich durch die Tiefe Hirnstimulation ein "normales" Leben trotz Parkinson. Sie berichtete von einer deutlichen Verbesserung ihrer Symptome und einer gesteigerten Lebensqualität.
Ablauf der Tiefen Hirnstimulation
Die THS umfasst mehrere Schritte:
- Voruntersuchungen: Vor der Operation werden detaillierte neurologische und psychiatrische Untersuchungen durchgeführt, um die Eignung des Patienten für die THS zu prüfen und mögliche Risiken abzuschätzen.
- Planung der Operation: Anhand von MRT- und CT-Aufnahmen des Gehirns werden die genauen Zielpunkte für die Elektrodenimplantation festgelegt.
- Elektrodenimplantation: Die Elektroden werden in einem stereotaktischen Eingriff millimetergenau in die Zielgebiete im Gehirn implantiert. Während des Eingriffs ist der Patient in der Regel wach, um die Wirkung der Stimulation testen zu können.
- Implantation des Impulsgenerators: In einem zweiten Eingriff wird der Impulsgenerator (Schrittmacher) unter die Haut im Brust- oder Bauchbereich implantiert.
- Einstellung der Stimulation: Nach der Operation wird die Stimulation individuell auf den Patienten eingestellt. Dies kann einige Zeit dauern und erfordert eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt.
- Nachsorge: Nach der Operation ist eine regelmäßige Nachsorge erforderlich, um die Stimulation optimal anzupassen und mögliche Nebenwirkungen zu behandeln.
Technische Aspekte der Tiefen Hirnstimulation
Die THS-Systeme haben sich in den letzten Jahren technisch weiterentwickelt. Zu den wichtigsten Neuerungen gehören:
- Direktionale Elektroden: Diese Elektroden ermöglichen eine gezieltere Stimulation in bestimmte Richtungen, wodurch Nebenwirkungen reduziert werden können.
- Wiederaufladbare Impulsgeneratoren: Diese Generatoren haben eine längere Lebensdauer als nicht wiederaufladbare Geräte und müssen seltener ausgetauscht werden.
- Brain-Sensing-Technologie: Diese Technologie ermöglicht die Ableitung der elektrischen Aktivität im Gehirn und die automatische Anpassung der Stimulation an die Symptome des Patienten (adaptive oder Closed-Loop-Stimulation).
Mögliche Risiken und Nebenwirkungen der Tiefen Hirnstimulation
Wie bei jedem chirurgischen Eingriff birgt auch die THS Risiken. Zu den möglichen Komplikationen gehören:
- Blutungen im Gehirn: Das Risiko einer Blutung ist jedoch sehr gering, da die Operation minimalinvasiv durchgeführt wird.
- Infektionen: Infektionen können im Bereich der Elektroden oder des Impulsgenerators auftreten.
- Neurologische Komplikationen: In seltenen Fällen kann es zu neurologischen Ausfällen wie Sprachstörungen, Gangstörungen oder Lähmungen kommen.
- Psychische Veränderungen: Bei einigen Patienten kann es zu Persönlichkeitsveränderungen, Depressionen oder Angstzuständen kommen.
- Nebenwirkungen durch die Stimulation: Die Stimulation selbst kann Nebenwirkungen wie Sprachstörungen, Muskelverspannungen oder Gangstörungen verursachen. Diese Nebenwirkungen sind jedoch in der Regel reversibel und können durch Anpassung der Stimulationsparameter behoben werden.
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