Parkinson-Patienten leiden häufig unter Schlafstörungen, die sich auf verschiedene Weise äußern können. Eine davon ist das laute Sprechen im Schlaf, oft im Zusammenhang mit der REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD). Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für dieses Phänomen, die Diagnose und mögliche Behandlungsansätze.
Einführung
Schlaf ist eine Lebensnotwendigkeit für den Körper, um zu regenerieren und gesund zu bleiben. Schlafstörungen können viele Erkrankungen begünstigen und sind ein häufiges Problem bei Parkinson. Bis zu 90% der Menschen mit Parkinson haben Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen. Diese Schlafprobleme können Parkinson-Symptome verschlimmern und zu Müdigkeit, Stimmungsschwankungen oder Konzentrationsstörungen führen.
REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) bei Parkinson
Definition und Prävalenz
Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) ist eine Parasomnie, die durch das Ausleben von Träumen im Schlaf gekennzeichnet ist. Normalerweise ist die Muskulatur während des REM-Schlafs erschlafft, aber bei RBD-Patienten ist diese Muskelerschlaffung gestört. Dies führt dazu, dass Betroffene ihre Träume aktiv ausleben, was sich in Sprechen, Schreien, Um-sich-Schlagen oder anderen Bewegungen äußern kann.
- Erstbeschreibung: Scheck et al. beschrieben die REM-Schlaf-Verhaltensstörung erstmals.
- Prävalenz: Etwa 50 % der Parkinson-Patienten leiden an einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung. Die Häufigkeit nimmt mit der Krankheitsdauer zu. Zu Beginn der Erkrankung sind etwa 25 % der Patienten betroffen.
- Altersverteilung: Die Prävalenz liegt bei etwa 0,5-5 % älterer Erwachsener.
- Erkrankungsbeginn: Typischerweise im 5. und 6. Lebensjahrzehnt.
Symptome der RBD
Die RBD äußert sich durch rezidivierende Episoden mit:
- Komplexem motorischem Verhalten, teilweise aggressivem Ausagieren von Trauminhalten.
- Vokalisation mit Sprechen, Schreien, Stöhnen, Lachen, Weinen oder Murmeln im Schlaf.
- Kein bewusstes Erleben der Bewegungen oder Vokalisation.
- Amnesie für die motorischen Ereignisse im REM-Schlaf.
Vokalisation im REM-Schlaf
Die Intensität der Vokalisation kann in verschiedene Grade eingeteilt werden:
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- Grad 0: Keine sichtbare motorische Aktivität, keine Vokalisation (außer respiratorischer Geräusche).
- Grad 1: Distale oder kurze Bewegungen, alle REM-Schlaf-assoziierten Laute (außer respiratorischen Geräuschen). Einzelne, isolierte Bewegungen an Händen oder Füßen oder kurze mimische Bewegungen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen der RBD sind noch nicht vollständig geklärt. Fest steht jedoch, dass sie häufig in Verbindung mit neurologischen Erkrankungen auftritt, insbesondere mit:
- Morbus Parkinson
- Lewy-Körperchen-Demenz
- Multisystematrophie
Es wird angenommen, dass die RBD ein Vorläuferstadium für die Entwicklung eines Parkinson-Syndroms sein kann. Studien zeigen, dass über 80 % der Menschen mit idiopathischer RBD im späteren Verlauf eine neurodegenerative Erkrankung entwickeln, insbesondere Morbus Parkinson. Die Latenz bis zum Erkrankungsbeginn beträgt etwa 10-15 Jahre, mit einer jährlichen Konversionsrate von etwa 6 %.
Diagnose der RBD
Die Diagnose der RBD basiert auf verschiedenen Untersuchungen:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, idealerweise auch durch den Bettpartner, um Informationen über nächtliches Verhalten zu erhalten.
- Video-Polysomnographie (Video-PSG): Unumgänglich bei Verdacht auf RBD. Diese Untersuchung wird in einem Schlaflabor durchgeführt und umfasst:
- Bilaterales frontales/zentrales/okzipitales EEG (Elektroenzephalogramm)
- Bilaterales EOG (Elektrookulogramm)
- Oberflächen-EMG (Elektromyogramm) der Mm. mentalis und Mm. tibiales anteriores
SINBAR-Kriterien und AASM-Kriterien
Zur Auswertung der Video-PSG werden verschiedene Kriterien herangezogen:
SINBAR-Kriterien: Registrierung jeglicher EMG-Aktivität in den genannten Muskeln (Video-PSG) über 3-Sekunden-Epochen (3-sec miniepochs). Dauer >0,1s, Amplitude doppelt so hoch wie Hintergrund EMG-Aktivität. Cut-Off bei 32 % als Zeichen einer RBD.
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AASM-Kriterien (American Academy of Sleep Medicine): Registrierung von Muskelaktivität (Dauer/Amplitude s.o.) in 3-Sekunden-Miniepochen. 5 oder mehr /30 Sekunden Epoche mit Muskelaktivität.
Zusammenhang mit Neurodegeneration
Post-mortem-Untersuchungen zeigen, dass bei 94 % der Fälle von RBD neurodegenerative Zeichen (Synukleinopathien) nachweisbar sind, was die hohe Wahrscheinlichkeit einer späteren Entwicklung einer neurodegenerativen Erkrankung unterstreicht.
Weitere Ursachen für Schlafstörungen bei Parkinson
Neben der RBD gibt es noch weitere Faktoren, die zu Schlafstörungen bei Parkinson führen können:
- Parkinson-Symptome: Steifigkeit und Zittern können den Schlaf beeinträchtigen, insbesondere die Steifigkeit der Muskulatur, die das Umdrehen im Schlaf erschwert.
- Restless-Legs-Syndrom (RLS): Unangenehme Missempfindungen in den Beinen, die besonders abends in Ruhe auftreten und sich durch Bewegung bessern.
- Medikamente: Einige Parkinson-Medikamente können aktivierend wirken oder innere Unruhe auslösen. Wassertabletten, die zu spät am Tag eingenommen werden, können durch häufige Toilettengänge den Schlaf stören.
- Tagesschlaf: Längere Mittagsschläfchen können den Nachtschlaf beeinträchtigen.
- Negative Gedanken: Sorgen und Ängste können das Einschlafen verhindern.
- Probleme mit der Blasenentleerung: Häufige Toilettengänge in der Nacht stören den Schlaf.
Diagnose von Schlafstörungen bei Parkinson
Um die Ursachen von Schlafstörungen bei Parkinson zu ermitteln, können folgende Fragen hilfreich sein:
- Wachen Sie nachts wegen Unruhe in den Beinen und Armen auf?
- Ist Ihr Schlaf gestört, weil Sie den Drang verspüren, Ihre Arme und Beine bewegen zu müssen?
- Leiden Sie unter quälenden Träumen?
- Müssen Sie nachts zur Toilette?
- Fühlen Sie sich nachts unwohl, weil Sie unbeweglich sind, sich nicht umdrehen oder bewegen können?
- Wachen Sie auf, weil Sie Schmerzen oder Muskelkrämpfe in Armen und Beinen haben?
- Wachen Sie von oder mit einem Tremor (Zittern) in Armen und Beinen auf?
- Wachen Sie auf, weil Sie schnarchen oder nachts Probleme beim Atmen haben?
Es kann hilfreich sein, ein Schlaftagebuch zu führen, um die Probleme beim Schlafen genauer zu beschreiben.
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Behandlung von Schlafstörungen bei Parkinson
Die Behandlung von Schlafstörungen bei Parkinson zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Schlafqualität zu verbessern.
Medikamentöse Therapie
- Anpassung der Parkinson-Medikamente: In manchen Fällen kann eine Anpassung der Parkinson-Medikamente vor dem Schlafengehen sinnvoll sein, z. B. durch die Einnahme von Medikamenten mit verzögerter Wirkung. Auch die Einnahme eines Bedarfsmedikaments in der Nacht kann hilfreich sein.
- Medikamente gegen RLS: Bei einem Restless-Legs-Syndrom können Eisenpräparate oder andere Medikamente helfen.
- Medikamente gegen RBD: Clonazepam und Melatonin können die Symptome der RBD reduzieren.
- Medikamente gegen Depressionen oder Ängste: Wenn Depressionen oder Ängste den Schlaf stören, können Antidepressiva oder angstlösende Medikamente eingesetzt werden.
- Medikamente gegen häufigen Harndrang: In bestimmten Fällen können Medikamente eingesetzt werden, die den Harndrang reduzieren.
Nicht-medikamentöse Therapie
- Schlafhygiene: Regelmäßige Schlafzeiten, ein entspannendes Abendritual, eine angenehme Schlafumgebung (kühles, dunkles und ruhiges Schlafzimmer) und der Verzicht auf koffeinhaltige Getränke und Alkohol vor dem Schlafengehen können die Schlafqualität verbessern.
- Entspannungstechniken: Autogenes Training oder Achtsamkeitsübungen können helfen, negative Gedanken zu unterbrechen und zur Ruhe zu kommen.
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige sportliche Aktivität im Tagesverlauf kann die Schlafqualität verbessern.
- Anpassung der Schlafumgebung: Die Beschaffenheit der Schlafbekleidung oder der Bettwäsche kann einen Unterschied machen. Mit Stoffen wie Seide oder Satin fällt die Bewegung im Bett manchmal leichter als mit festen Baumwollstoffen. Bei Problemen mit häufigen Toilettengängen kann ein WC-Stuhl oder ein Urinalkondom hilfreich sein.
- Sicherheitsmaßnahmen bei RBD: Um Verletzungen bei aktionsgeladenen Träumen zu vermeiden, sollten spitze oder schwere Gegenstände aus der Schlafumgebung entfernt werden. Ein weicher Teppich oder eine Matte vor dem Bett kann bei Stürzen schützen. In schweren Fällen kann es ratsam sein, alleine zu schlafen oder ein größeres Kissen zwischen sich und die andere Bettseite zu legen.
Multimodale Komplexbehandlung
Die multimodale Komplexbehandlung von Morbus Parkinson geht über die reine Einstellung der Medikamente hinaus. Diese Therapieform findet stationär statt und beinhaltet übende Elemente wie Logopädie oder Physiotherapie.