Die Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson oder Schüttellähmung genannt, ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Nervensystems, die vor allem ältere Menschen betrifft. Obwohl die Krankheit nicht heilbar ist, können Ärzte und Therapeuten die Symptome mit Medikamenten, gezielten Therapien und Lebensstiländerungen behandeln und lindern, um die Lebensqualität der Betroffenen möglichst lange zu erhalten. Ein wichtiger Aspekt im Krankheitsverlauf ist das Auftreten von Schluckbeschwerden (Dysphagie), die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und die Lebenserwartung verkürzen können.
Krankheitsverlauf und Symptome
Jede Parkinson-Erkrankung verläuft individuell und die Symptome können von Patient zu Patient variieren. Grundsätzlich verstärken sich die Parkinson-Symptome über die Zeit, weil nach und nach immer mehr Nervenzellen absterben. Bei vielen Patienten schwanken die Symptome auch täglich.
Prodromalphase
Vor Beginn der motorischen Symptome können bereits verschiedene Vorboten von Parkinson auftreten. Meist sind die Vorboten allerdings so unspezifisch, dass der Verdacht nicht sofort bei Parkinson liegt. Diese Vorläuferphase bezeichnet die Medizin als Prodromalphase. Zu diesen unspezifischen Frühsymptomen gehören beispielsweise Schlafstörungen (REM-Schlafverhaltensstörung), Riechstörungen, Depressionen, Konzentrationsprobleme und seelische Veränderungen.
Frühstadium
Im Frühstadium von Parkinson sind die Symptome oft unscheinbar und nur schwer mit der beginnenden Parkinson-Erkrankung in Zusammenhang zu bringen. Die Patienten bemerken meistens ein verstärktes Zittern in den Händen, später in den Gliedmaßen. Klassische Symptome im Frühstadium von Parkinson sind die typischen motorischen Symptome, also: Muskelzittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor) und eine Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese). Die Symptome im Anfangsstadium von Parkinson lassen sich oft durch eine angemessene Parkinson-Therapie deutlich verbessern.
Fortgeschrittenes Stadium
Mit dem fortlaufenden Verlust an Nervenzellen nehmen die Krankheitssymptome in der Regel zu. Einige Zeit nach der Diagnose treten bei vielen Parkinson-Patienten motorische Komplikationen wie Dyskinesien auf. Grund hierfür ist häufig, dass im Körper entweder eine zu geringe oder zu hohe Dosis des Parkinson-Medikaments L-Dopa vorhanden ist.
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Im fortgeschrittenen Parkinson-Stadium kommen neben den motorischen Symptomen weitere Begleiterscheinungen hinzu, die nicht so gut auf Medikamente ansprechen. Dazu gehören beispielsweise Schluckstörungen mit einem erhöhten Risiko von Lungenentzündungen, Gleichgewichtsstörungen, Störungen beim Wasserlassen und psychische Beschwerden. Durch spezielle Therapien lassen sich viele dieser Symptome bessern, manche können sogar zeitweise verschwinden. Umso wichtiger sind die regelmäßigen Arztbesuche zur Verlaufskontrolle.
Endstadium
Im Parkinson-Endstadium benötigen Patienten in der Regel umfassende Unterstützung bei täglichen Aktivitäten wie Essen, Anziehen und Körperpflege. Schwere Bewegungsstörungen umfassen eine ausgeprägte Steifheit (Rigor), starkes Zittern (Tremor), eine extreme Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese) und erhebliche Gangstörungen. Die Fähigkeit, sich selbstständig zu bewegen, ist stark eingeschränkt. Die Sprachfähigkeit kann stark beeinträchtigt sein, was zu undeutlicher Sprache und Kommunikationsproblemen führt.
Schluckbeschwerden (Dysphagie) bei Parkinson
Schluckstörungen (Dysphagie) sind eine häufige Begleiterscheinung im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Krankheit. Schätzungsweise 70-80% der Patienten sind im späteren Verlauf der Erkrankung davon betroffen. Die Dysphagie kann verschiedene Ursachen haben, darunter die Beeinträchtigung der Muskeln, die am Schluckvorgang beteiligt sind, sowie die Störung der Koordination zwischen den verschiedenen Phasen des Schluckens.
Pathophysiologie der Dysphagie
Die zugrunde liegende Pathophysiologie ist bislang nicht vollständig verstanden. Es wird davon ausgegangen, dass sowohl dopaminerge als auch nicht dopaminerge Mechanismen eine Rolle spielen. Grundsätzlich ist beim Schluckakt das Zusammenspiel der motorischen und sensorischen Hirnnerven(-kerngebiete) entscheidend. Beteiligt sind auf Hirnstammebene der motorische und sensorische Anteil des N. trigeminus, des N. facialis, des N. glossopharyngeus (IX) und des N. vagus (X) sowie der N. accessorius und der N. hypoglossus. Auf kortikaler Ebene wird der Schluckakt über Netzwerke, die das frontale Operculum und den insulären Kortex miteinbeziehen, kontrolliert.
Entsprechend dem Braak-Modell für die Krankheitsprogression beim IPS wird angenommen, dass degenerative Veränderungen bereits in der prämotorischen Phase im Hirnstamm, insbesondere im dorsalen Nucleus des IX und X und im Locus coeruleus, zu finden sind und sich in der motorischen Phase zunehmend nach rostral auf die Substantia nigra und in der Spätphase auf den Neokortex ausbreiten.
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Symptome der Dysphagie
Die Symptome einer Dysphagie können vielfältig sein und sich unterschiedlich äußern. Häufige Symptome sind:
- Verschlucken beim Essen oder Trinken
- Husten oder Würgen während oder nach dem Schlucken
- Verlängerte Essenszeiten
- Speisereste im Mund nach dem Schlucken
- Wiederholte Lungenentzündungen
- Gewichtsverlust
- Belegte Stimme nach dem Essen
- Nasale Regurgitation (Zurücklaufen von Nahrung in die Nase)
- Erhöhter Speichelfluss
Diagnose der Dysphagie
Um eine IPS-assoziierte Schluckstörung zu erfassen, ist in einem ersten Schritt eine genaue Anamnese, in der gezielt nach entsprechenden Zeichen einer Dysphagie wie Verschlucken, Husten während des Essens, einer belegten Stimme nach dem Essen, Kostanpassung aufgrund häufigen Verschluckens bei bestimmten Speisekonsistenzen oder wiederholten Lungenentzündungen gefragt wird, notwendig. Auch ein kontinuierlicher Gewichtsverlust ohne ersichtlichen Grund kann ein Hinweis auf das Vorliegen einer Dysphagie sein. Die Abfrage dieser Symptome kann durch standardisierte Fragebögen erleichtert werden.
Neben anamnestischen Angaben können in einer klinischen Untersuchung Hinweise für eine Dysphagie wie orale Residuen oder ein verzögerter Schluckakt gesammelt werden. Es können zudem standardisierte Assessments, wie sie bei Schlaganfallpatienten zum Einsatz kommen, angewandt werden.
Als Goldstandard der Abklärung einer IPS-assoziierten Dysphagie gelten instrumentelle Techniken wie die fiberendoskopische Evaluation des Schluckaktes (engl. «fiber endoscopic evaluation of swallowing»; Abk. FEES) oder eine videofluoroskopische Schluckstudie (VFSS). Bei der FEES wird ein flexibles Endoskop durch die Nase in den Hypopharynx vorgeschoben und der Schluckakt unter Videokontrolle beurteilt. Die FEES eignet sich besonders für die Untersuchung der späten oralen Phase und pharyngealen Phase. Bei der VFSS kann ebenfalls die orale und pharyngeale Passage mittels Barium-modifizierter Speisen und Flüssigkeiten unter Röntgenkontrolle untersucht werden. Die Ösophagusmanometrie (engl. «high resolution manometry»), die den zeitlichen Verlauf der Druckänderungen während des Schluckens im Ösophagus aufzeichnet, eignet sich besonders gut, um die ösophageale Phase des Schluckens zu beurteilen und hier besonders, um eine reduzierte Motilität oder Kontrakturen zu erfassen.
Therapie der Dysphagie
Zur Behandlung der IPS-assoziierten Dysphagie gibt es in der Literatur nur wenige randomisierte kontrollierte Studien. Beim Grossteil der IPS-Patienten mit Dysphagie stellt jedoch die konventionelle logopädische Behandlung die vordergründige Therapieoption dar, wenngleich es hierfür keine wissenschaftliche Evidenz im Sinne von randomisierten Studien gibt. Im Rahmen des logopädischen Schlucktrainings sollte nach Identifikation der vordergründig betroffenen Phasen des Schluckaktes in der klinischen oder instrumentellen Untersuchung in individualisierten Therapiekonzepten versucht werden, das Defizit zu verbessern bzw. zu beheben. Beispielsweise kann zur Behandlung von pharyngealen Residuen mittels einer gezielten Stärkung des Schluckaktes eine Verbesserung der Dysphagie erzielt werden.
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Bei einem geringen Anteil der Patienten sprechen die Schluckstörungen auf die dopaminerge Medikation (im Sinne einer Dysphagie als Off-Phänomen) an. In diesen Fällen kann man versuchen, durch eine Behandlungsänderung bzw. -optimierung eine Verbesserung der Dysphagie zu erzielen.
In sehr schweren Fällen, in denen die Dysphagie mithilfe der oben genannten Massnahmen nicht verbessert werden kann und weiterhin ein erhebliches Aspirationsrisiko oder eine Malnutrition besteht, muss die Einlage einer perkutanen endoskopischen Gastrostomie diskutiert werden.
Lebenserwartung bei Parkinson
Die Lebenserwartung von Menschen mit Parkinson verkürzt sich durchschnittlich um vier bis elf Jahre. Das gilt vor allem für die sogenannte Parkinson-Krankheit, welche die häufigste Form der Parkinson-Syndrome ist. Letzten Endes verläuft jedes Parkinson-Syndrom jedoch unterschiedlich. Wie lange ein Mensch mit Parkinson schlussendlich lebt, hängt allerdings immer vom individuellen Gesamtbild und der Parkinson-Form ab.
Menschen mit Parkinson sterben meist nicht direkt an der Erkrankung selbst, sondern an den Komplikationen, die im Krankheitsverlauf auftreten können. Dazu gehören beispielsweise Lungenentzündungen, Stürze mit Verletzungsfolgen und Komplikationen im Zusammenhang mit Schluckstörungen. Die Lebenserwartung der Parkinson-Patienten hat sich nach der Einführung der Dopa-Therapie Ende der 60er Jahre massiv verbessert.
Faktoren, die die Lebenserwartung beeinflussen
Verschiedene Faktoren können die Lebenserwartung von Menschen mit Parkinson beeinflussen:
- Alter bei Krankheitsbeginn: Je jünger der Patient bei Krankheitsbeginn ist, desto länger ist in der Regel die Lebenserwartung.
- Schweregrad der Symptome: Je stärker die Symptome ausgeprägt sind, desto höher ist das Risiko für Komplikationen und desto kürzer kann die Lebenserwartung sein.
- Begleiterkrankungen: Das Vorliegen von Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Demenz kann die Lebenserwartung verkürzen.
- Therapieadhärenz: Die konsequente Einhaltung der verordneten Therapie kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und die Lebenserwartung verlängern.
- Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung, ausgewogener Ernährung und sozialer Interaktion kann die Lebensqualität verbessern und die Lebenserwartung positiv beeinflussen.
Therapiemöglichkeiten zur Verbesserung der Lebensqualität
Obwohl die Parkinson-Krankheit nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten, die die Symptome lindern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können.
Medikamentöse Therapie
Zwar können Parkinson-Medikamente die ursächlichen Schäden des Nervensystems nicht rückgängig machen, aber sie können den Dopamin-Mangel ausgleichen und auf diese Weise die Symptome lindern. Ziel ist eine lange Wirksamkeit und möglichst keine Nebenwirkungen. L-Dopa (Levodopa) ist ein Hauptmedikament, mit dem im Gehirn Dopamin umgewandelt wird. Darüber hinaus können je nach Symptomatik noch weitere Medikamente verabreicht werden. Wenn eine einzelne Medikamentengruppe nicht ausreichend wirkt, können mehrere Medikamente kombiniert werden, um die Symptome besser zu kontrollieren. Medizinisches Cannabis kann für die Behandlung von parkinsontypischen Begleitsymptomen wie Zittern, Schmerzen, Schlafstörungen und psychischen Beschwerden in Frage kommen. Zwar kann medizinisches Cannabis nicht den Krankheitsverlauf bei Parkinson aufhalten, aber unter Umständen einige Symptome und Nebenwirkungen der Parkinson-Medikamente lindern.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Unter bestimmten Umständen sind bei einer Parkinson-Krankheit verschiedene Operationen möglich oder sogar notwendig. Beispielsweise, wenn die klassischen Medikamente in der Therapie nicht (mehr) helfen. Um motorische Komplikationen wie etwa das Zittern zu verbessern, hat sich beispielsweise die sogenannte tiefe Hirnstimulation, kurz THS, bewährt. Bei diesem Verfahren implantieren die Chirurgen Elektroden im Gehirn des Patienten und einen kleinen Schrittmacher in dessen Brust. Per Fernbedienung sind die Elektroden via Schrittmacher in der Brust von außen zu steuern. Wichtig ist, dass die Tiefenhirnstimulation bei Parkinson nur eine symptomatische Behandlung darstellt und die Symptome lindert.
Physikalische Therapien
Muskelzittern, Gehstörungen und eine eingeschränkte Mimik - die Symptome bei einem Parkinson-Syndrom sind vielfältig. Ebenso vielfältig sind auch die physikalischen Therapien, die eingesetzt werden können. Das oberste Ziel dieser Therapien bei Parkinson ist eine verbesserte Lebensqualität. Physio- und Ergotherapien sollen die Beweglichkeit und das Wohlbefinden der Patienten erhalten oder wiederherstellen. Dazu werden individuelle Interessen der jeweiligen Person berücksichtigt, um die Behandlung möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Mithilfe von ergo- und physiotherapeutischen Maßnahmen wird die Beinmuskulatur gestärkt und ein Gangtraining absolviert. Stimm- und Sprechtherapien bei Patienten mit Parkinson-bedingten Sprechstörungen zielen darauf ab, die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern und eventuelle Stimmprobleme zu lindern. Eine Schlucktherapie wird für Patienten mit Parkinson-bedingten Schluckstörungen empfohlen.
Weitere Therapieansätze
Künstlerische Therapien wie etwa Kunst-, Mal- oder Tanztherapien können ebenso in Erwägung gezogen werden. Im Rahmen einer Psychotherapie können sich Parkinson-Patienten aktiv mit ihrer Erkrankung auseinandersetzen und den Umgang mit ihr erlernen. Eine Psychotherapie bietet außerdem die Möglichkeit, mit einer außenstehenden und professionellen Person über die persönlichen Herausforderungen und Sorgen sprechen. Eine alternative Behandlung durch Akupunktur, Magnetstimulation oder Massage kann sich im Einzelfall eignen. Im Rahmen der Physiotherapie mit professioneller Unterstützung oder auch eigenständig können Bewegungsübungen bei der Parkinson-Therapie unterstützen. Zwar haben sie keine direkte Wirkung auf den Krankheitsverlauf, jedoch können sie einzelne Symptome lindern und dadurch schwerwiegende Folgen verhindern.
Leben mit Parkinson aktiv gestalten
Neben den medizinischen und therapeutischen Maßnahmen können Betroffene und ihre Angehörigen viel dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.
Bewegung und Sport
Bewegung ist also ganz was Entscheidendes. Man weiß, dass Patienten, Menschen, die immer sehr aktiv Sport betrieben haben, die haben schon von vornherein ein niedrigeres Parkinson-Risiko. Und wenn sie an Parkinson erkranken, haben sie eine langsamere motorische Verschlechterung. Und auch wenn man während der Parkinson-Krankheit noch sehr viel Sport und Bewegung macht, hat das auch einen sehr, sehr günstigen Einfluss auf die Symptome.
Ernährung
Eine ausgewogene und gesunde Ernährung ist wichtig, um den Körper mit allen notwendigen Nährstoffen zu versorgen und Mangelerscheinungen vorzubeugen. Bei Schluckbeschwerden kann es erforderlich sein, die Konsistenz der Nahrung anzupassen.
Soziale Kontakte
Soziale Kontakte und Aktivitäten sind wichtig, um Isolation und Depressionen vorzubeugen. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann eine wertvolle Unterstützung sein.
Patientenverfügung
Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken. Dieses Dokument entlastet zudem Ihre Angehörigen von schwierigen Entscheidungen, vermeidet Missverständnisse und schützt vor unerwünschter Über- oder Unterbehandlung.
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