Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch ein Ungleichgewicht der Botenstoffe Dopamin und Glutamat im Gehirn gekennzeichnet ist. Dieses Ungleichgewicht führt zu Bewegungsstörungen und anderen Symptomen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Da Parkinson derzeit unheilbar ist, konzentriert sich die Behandlung auf die Linderung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten. Ein wichtiger Aspekt der Parkinson-Behandlung ist die medikamentöse Therapie, die darauf abzielt, das Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn wiederherzustellen.
Medikamentöse Therapien bei Parkinson
Die medikamentöse Behandlung von Parkinson umfasst verschiedene Medikamente, die unterschiedliche Wirkmechanismen haben. Dazu gehören Levodopa, Dopamin-Agonisten, Glutamat-Antagonisten sowie Enzym-Hemmer wie MAO-B-Hemmer und COMT-Hemmer. Diese Medikamente wirken auf unterschiedliche Weise, um den Dopaminmangel auszugleichen und den Glutamat-Überschuss zu reduzieren.
Levodopa (L-Dopa)
Levodopa ist ein Wirkstoff, der im Gehirn zu Dopamin umgewandelt wird und somit den Dopaminmangel ausgleicht. Durch die Verbesserung des Botenstoffgleichgewichts kann die Signalübermittlung der Nervenbahnen verbessert werden. Typische Parkinson-Symptome wie Tremor, Akinese oder Rigor können dadurch gemindert werden. Levodopa kann in Form von Tabletten oder Kapseln eingenommen oder bei Bedarf inhaliert werden, um Wirkschwankungen zu überbrücken.
Es ist wichtig zu beachten, dass Levodopa nicht gleichzeitig mit eiweißreichen Mahlzeiten eingenommen werden sollte, da dies die Aufnahme des Wirkstoffs beeinträchtigen kann. Apotheker empfehlen, Levodopa entweder 30 Minuten vor oder 90 bis 120 Minuten nach einer Mahlzeit einzunehmen.
Dopamin-Agonisten
Dopamin-Agonisten wirken, indem sie die Dopamin-Rezeptoren im Gehirn stimulieren und so die Dopamin-Aufnahme erhöhen. Die Auswahl des geeigneten Dopamin-Agonisten wird vom Arzt unter Berücksichtigung des Alters, der Symptomintensität und möglicher Nebenwirkungen getroffen. Dopamin-Agonisten werden in der Regel zu den Mahlzeiten eingenommen.
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Amantadinsulfat - ein Glutamat-Antagonist
Amantadin wirkt als Gegenspieler des Glutamats und reduziert die Wirkung des im Überschuss vorhandenen Glutamats im Gehirn. Es wird in der Regel über einen längeren Zeitraum eingenommen, wobei der Arzt die Dosierung anpasst, um das optimale Ergebnis zu erzielen.
Enzym-Hemmer (MAO-B-Hemmer und COMT-Hemmer)
MAO-B- und COMT-Hemmer hemmen die Wirkung der körpereigenen Enzyme MAO-B und COMT, die für den Abbau von Dopamin verantwortlich sind. Durch die Hemmung dieser Enzyme steht dem Nervensystem länger Dopamin zur Verfügung, wodurch das Botenstoffungleichgewicht ausgeglichen und die Beweglichkeit der Betroffenen gesteigert werden kann. MAO-B-Hemmer und COMT-Hemmer können zusätzlich zu anderen Parkinson-Medikamenten eingenommen werden.
Botulinumtoxin bei Sialorrhoe
Ein weiteres häufiges Symptom bei Parkinson ist übermäßiger Speichelfluss, auch Sialorrhoe genannt. Zur Linderung dieses Symptoms kann Botulinumtoxin direkt in die Speicheldrüsen injiziert werden, um den Speichelfluss zu vermindern. Da die Wirkung von Botulinumtoxin nicht dauerhaft ist, muss die Injektion regelmäßig wiederholt werden.
Der richtige Einnahmezeitpunkt von Parkinson-Medikamenten
Die regelmäßige und korrekte Einnahme von Parkinson-Medikamenten ist entscheidend für den Behandlungserfolg. Die Bundesapothekerkammer (ABDA) empfiehlt, sich in der Apotheke über den genauen Einnahmezeitpunkt zu informieren. Eine allgemeine Dosierungsempfehlung wie "dreimal täglich eine Tablette" oder "mittags" ist oft zu ungenau. Apothekerin Hiltrud von der Gathen rät, sich die Einnahmezeitpunkte mit genauen Zeitangaben zu notieren und die Medikamente pünktlich einzunehmen. Bereits eine Viertelstunde Verspätung kann die Wirkung beeinträchtigen.
Es ist wichtig, die Medikamente nicht eigenmächtig zu dosieren oder abzusetzen, sondern stets den behandelnden Arzt zu konsultieren. Im Laufe der Behandlung kann es vorkommen, dass die Wirkung der Medikamente nachlässt. In diesem Fall sollte der Arzt informiert werden, um die Therapie anzupassen.
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Hilfsmittel zur Unterstützung der Medikamenteneinnahme
Um die Einnahme der Medikamente zu erleichtern und die Therapietreue zu verbessern, können verschiedene Hilfsmittel eingesetzt werden:
- Pillenboxen: Pillenboxen ermöglichen es, die Medikamente für bestimmte Tageszeiten vorzubereiten und so den Überblick zu behalten.
- Zeitschaltuhren: Zeitschaltuhren können als Erinnerungshilfe dienen, um den exakten Zeitpunkt der Arzneimittel-Einnahme einzuhalten.
- Kurzzeitwecker: Ein Kurzzeitwecker kann verwendet werden, um den Zeitplan für die Medikamenteneinnahme einzuhalten.
- Wochendosetten: Wenn Patienten die Tabletten nicht mehr selbst aus dem Originalblister oder der Dose bekommen, kann das Stellen in einer Wochendosette eine große Hilfe sein.
Weitere wichtige Aspekte der Parkinson-Behandlung
Neben der medikamentösen Therapie spielen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Parkinson:
- Begleitende Therapien: Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie können die Lebensqualität verbessern und die Symptome lindern.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen kann den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen und die Wirksamkeit der Medikamente unterstützen.
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität, wie z.B. aerobes Training und Krafttraining, kann den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen.
- Austausch mit dem Arzt: Ein offener Austausch mit dem behandelnden Arzt ist wichtig, um die richtige Auswahl und Dosierung der Medikamente zu finden und mögliche Nebenwirkungen zu besprechen.
Besonderheiten bei der Medikamenteneinnahme
Bei der Einnahme von Parkinson-Medikamenten sind einige Besonderheiten zu beachten:
- Mundtrockenheit: Bei Mundtrockenheit sollten alle Medikamente mit mindestens 200 ml Flüssigkeit eingenommen werden.
- Schluckstörungen: Bei Schluckstörungen sollten Medikamente mit Wasser ohne Kohlensäure oder Kamillentee eingenommen werden. Kaffee, schwarzer Tee und Fruchtsäfte sollten vermieden werden. In ausgeprägten Fällen kann das Andicken des Wassers mit Dickungsmitteln helfen.
- Verstopfung: Parkinson-Patienten leiden häufig unter Verstopfung. Macrogol-Beutel haben sich in der Behandlung der Parkinson-bedingten Verstopfung bewährt.
- Magenbeschwerden: Bei Magenbeschwerden kann die erste Tabletteneinnahme mit einem Zwieback/Keks oder Haferschnee in lauwarmem Wasser erfolgen.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Parkinson-Medikamente können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen. Es ist daher wichtig, den Arzt über alle eingenommenen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zu informieren. Einige Beispiele für mögliche Wechselwirkungen sind:
- Neuroleptika: Die meisten Neuroleptika sind bei Parkinson kontraindiziert, da sie die Dopamin-Bindungsstellen im Gehirn besetzen und die Aufnahme von Dopamin einschränken oder verhindern.
- Eisenpräparate: Zwischen der Einnahme von L-Dopa und Eisenpräparaten muss ein Abstand von 2 Stunden eingehalten werden.
- COMT-Hemmer und Antidepressiva: Die Kombination von COMT-Hemmern mit Antidepressiva, die Noradrenalin beeinflussen, kann zu Blutdruckkrisen führen.
- Pramipexol: Bei der Kombination von Pramipexol mit beruhigenden Arzneimitteln oder Alkohol ist Vorsicht geboten, da es zu erhöhter Tagesmüdigkeit mit Einschlafattacken kommen kann.
- Amantadin: Amantadin darf nicht mit anderen Medikamenten kombiniert werden, die ebenfalls eine Leitungsstörung am Herzen hervorrufen können.
Ernährungsempfehlungen für Parkinson-Patienten
Eine passende Ernährung kann das Risiko für eine Parkinsonerkrankung senken, den Verlauf verlangsamen und die Wirksamkeit der Medikamente stärken. Einige wichtige Ernährungsempfehlungen sind:
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- Viel Obst und Gemüse: Obst und Gemüse sollten einen großen Teil der Ernährung ausmachen. Besonders empfehlenswert sind grünes Blattgemüse und Beeren.
- Hülsenfrüchte als Proteinquelle: Hülsenfrüchte sind eine gute Alternative zu tierischen Proteinen.
- Pflanzliche Öle: Statt tierischer Fette sollten pflanzliche Öle wie Olivenöl verwendet werden.
- Ballaststoffe: Rohkost und andere Ballaststoffe sind wichtig für eine gute Verdauung.
- Ausreichend Flüssigkeit: Parkinson-Patienten sollten ausreichend trinken, um die Verdauung zu unterstützen und Verstopfung vorzubeugen.
- Eiweißreduzierte Ernährung: Eine eiweißreduzierte Ernährung kann die Aufnahme von Dopamin-haltigen Medikamenten verbessern.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt sind besser verträglich als wenige große Mahlzeiten.
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