Parkinson-Krankheit im fortgeschrittenen Alter (über 80 Jahre)

Einführung

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die hauptsächlich ältere Menschen betrifft. Obwohl das Durchschnittsalter bei der Diagnosestellung bei etwa 60 Jahren liegt, steigt die Wahrscheinlichkeit, an Parkinson zu erkranken, mit zunehmendem Alter erheblich an. Etwa 3 % aller über 80-Jährigen leiden an dieser Krankheit. Dieser Artikel befasst sich speziell mit den Besonderheiten der Parkinson-Krankheit bei Menschen über 80 Jahre, einschließlich Symptome, Diagnose, Behandlung und Lebensqualität.

Was ist die Parkinson-Krankheit?

Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den Abbau von Nervenzellen in einem bestimmten Bereich des Gehirns, der Substantia nigra, gekennzeichnet ist. Diese Zellen produzieren Dopamin, einen Neurotransmitter, der für die Steuerung von Bewegungen unerlässlich ist. Der Dopaminmangel führt zu den charakteristischen motorischen Symptomen der Parkinson-Krankheit.

Symptome der Parkinson-Krankheit im Alter

Die Symptome der Parkinson-Krankheit können von Person zu Person variieren und sich im Laufe der Zeit verändern. Bei älteren Menschen über 80 können die Symptome jedoch besonders ausgeprägt sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die klassischen motorischen Symptome umfassen:

  • Muskelzittern (Tremor): Unwillkürliches Zittern, das typischerweise in Ruhe auftritt und sich bei Bewegung oder emotionalem Stress verstärken kann.
  • Muskelsteifheit (Rigor): Steifheit und Widerstand bei Bewegung, oft begleitet von Schmerzen.
  • Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese): Verlangsamung der willkürlichen Bewegungen, die alltägliche Aufgaben erschweren kann.
  • Posturale Instabilität: Gleichgewichtsstörungen und erhöhte Sturzgefahr.

Neben den motorischen Symptomen können bei älteren Parkinson-Patienten auch nicht-motorische Symptome auftreten, darunter:

  • Kognitive Beeinträchtigungen: Gedächtnisprobleme, Aufmerksamkeitsdefizite, Schwierigkeiten beim Planen und Problemlösen.
  • Psychische Beschwerden: Depressionen, Angstzustände, Reizbarkeit.
  • Schlafstörungen: Schlaflosigkeit, unruhiger Schlaf, REM-Schlaf-Verhaltensstörung.
  • Verdauungsprobleme: Verstopfung, Übelkeit, Schluckbeschwerden.
  • Blasen- und Darmfunktionsstörungen: Häufiges Wasserlassen, Inkontinenz.

Diagnose der Parkinson-Krankheit im Alter

Die Diagnose der Parkinson-Krankheit basiert in erster Linie auf einer klinischen Untersuchung und der Beurteilung der Symptome. Bei älteren Menschen kann die Diagnose jedoch aufgrund anderer altersbedingter Erkrankungen und Medikamente erschwert sein, die ähnliche Symptome verursachen können.

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Um die Diagnose zu unterstützen, können verschiedene Tests durchgeführt werden, darunter:

  • Neurologische Untersuchung: Beurteilung der motorischen Fähigkeiten, Reflexe, Koordination und des Gleichgewichts.
  • Bildgebende Verfahren: MRT oder CT des Gehirns, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
  • Dopamin-Transporter-Scan (DaTscan): Nuklearmedizinische Untersuchung, die den Dopaminmangel im Gehirn nachweisen kann.
  • Kognitive Tests: Beurteilung der geistigen Fähigkeiten, um kognitive Beeinträchtigungen zu erkennen.

Behandlung der Parkinson-Krankheit im Alter

Die Behandlung der Parkinson-Krankheit zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Da die Parkinson-Krankheit nicht heilbar ist, konzentrieren sich die Behandlungen auf die Linderung der Symptome und die Verlangsamung des Fortschreitens der Krankheit. Die Behandlungsstrategien umfassen:

  • Medikamentöse Therapie:
    • Levodopa (L-Dopa): Ein Hauptmedikament, das im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird, um den Dopaminmangel auszugleichen.
    • Dopaminagonisten: Medikamente, die die Wirkung von Dopamin im Gehirn nachahmen.
    • MAO-B-Hemmer: Medikamente, die den Abbau von Dopamin im Gehirn verlangsamen.
    • COMT-Hemmer: Medikamente, die die Wirkung von Levodopa verlängern.
    • Amantadin: Medikament, das bei der Behandlung von Dyskinesien (unwillkürliche Bewegungen) helfen kann.
  • Tiefe Hirnstimulation (THS): Ein chirurgischer Eingriff, bei dem Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden, um die Symptome zu lindern.
  • Physiotherapie: Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit, des Gleichgewichts und der Koordination.
  • Ergotherapie: Anpassung der Umgebung und Hilfsmittel, um alltägliche Aufgaben zu erleichtern.
  • Logopädie: Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
  • Psychotherapie: Unterstützung bei psychischen Problemen wie Depressionen und Angstzuständen.
  • Alternative Therapien: Akupunktur, Massage und andere alternative Therapien können in einigen Fällen zur Linderung von Symptomen beitragen.

Medikamentöse Therapie im Detail

Die medikamentöse Behandlung der Parkinson-Krankheit ist ein Eckpfeiler der Therapie, insbesondere im fortgeschrittenen Alter. Ziel ist es, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und dadurch die motorischen Symptome zu lindern. Hier sind einige der am häufigsten verwendeten Medikamente und ihre Wirkungsweisen:

  • Levodopa (L-Dopa): Levodopa ist ein Prodrug, das im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird. Es ist das wirksamste Medikament zur Behandlung der motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit. Levodopa wird oft in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer (z. B. Carbidopa oder Benserazid) verabreicht, um zu verhindern, dass Levodopa außerhalb des Gehirns in Dopamin umgewandelt wird, was Nebenwirkungen wie Übelkeit und niedrigen Blutdruck reduzieren kann.
  • Dopaminagonisten: Dopaminagonisten sind Medikamente, die direkt an Dopaminrezeptoren im Gehirn binden und diese aktivieren. Sie ahmen die Wirkung von Dopamin nach und können die motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit lindern. Dopaminagonisten werden oft als Monotherapie in den frühen Stadien der Erkrankung eingesetzt oder in Kombination mit Levodopa, um die Levodopa-Dosis zu reduzieren und Dyskinesien zu vermeiden.
  • MAO-B-Hemmer: Monoaminooxidase-B (MAO-B)-Hemmer sind Medikamente, die das Enzym MAO-B blockieren, das Dopamin im Gehirn abbaut. Durch die Hemmung von MAO-B erhöhen MAO-B-Hemmer die Dopaminspiegel im Gehirn und können die motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit lindern. MAO-B-Hemmer werden oft als Monotherapie in den frühen Stadien der Erkrankung eingesetzt oder in Kombination mit Levodopa, um die Wirkung von Levodopa zu verlängern.
  • COMT-Hemmer: Catechol-O-Methyltransferase (COMT)-Hemmer sind Medikamente, die das Enzym COMT blockieren, das Levodopa im Körper abbaut. Durch die Hemmung von COMT erhöhen COMT-Hemmer die Bioverfügbarkeit von Levodopa und verlängern seine Wirkung. COMT-Hemmer werden immer in Kombination mit Levodopa und einem Decarboxylasehemmer verabreicht.
  • Amantadin: Amantadin ist ein Medikament, das ursprünglich als antiviraler Wirkstoff entwickelt wurde, aber auch bei der Behandlung von Dyskinesien (unwillkürliche Bewegungen) bei Parkinson-Patienten wirksam ist. Der genaue Wirkmechanismus von Amantadin bei Parkinson ist nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass es die Dopaminfreisetzung erhöht und die Wirkung von Glutamat, einem anderen Neurotransmitter im Gehirn, blockiert.

Tiefe Hirnstimulation (THS) im Detail

Die tiefe Hirnstimulation (THS) ist ein chirurgischer Eingriff, der bei Parkinson-Patienten eingesetzt werden kann, bei denen die medikamentöse Behandlung nicht mehr ausreichend wirksam ist oder die unter schweren Nebenwirkungen leiden. Bei der THS werden Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert, die an der Bewegungssteuerung beteiligt sind, wie z. B. den Nucleus subthalamicus (STN) oder den Globus pallidus internus (GPi). Die Elektroden sind mit einem Neurostimulator verbunden, der unter der Haut im Brustbereich implantiert wird. Der Neurostimulator sendet elektrische Impulse an die Elektroden im Gehirn, um die Aktivität der betroffenen Hirnregionen zu modulieren und die Symptome der Parkinson-Krankheit zu lindern.

Die THS kann die motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit wie Tremor, Rigor, Bradykinese und Dyskinesien deutlich verbessern. Sie kann auch die Lebensqualität der Patienten verbessern, indem sie ihre Fähigkeit verbessert, alltägliche Aufgaben auszuführen und ihre Unabhängigkeit zu erhalten.

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Umgang mit der Parkinson-Krankheit im Alltag

Neben der medizinischen Behandlung gibt es viele Dinge, die ältere Menschen mit Parkinson tun können, um ihre Lebensqualität zu verbessern:

  • Regelmäßige Bewegung: Bewegung hilft, die Muskelkraft, Flexibilität und das Gleichgewicht zu erhalten.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann die allgemeine Gesundheit fördern.
  • SozialeInteraktion: Teilnahme an sozialen Aktivitäten und Aufrechterhaltung von Beziehungen zu Familie und Freunden.
  • Geistige Stimulation: Aktivitäten, die das Gehirn fordern, wie Lesen, Kreuzworträtsel lösen oder neue Fähigkeiten erlernen.
  • Stressbewältigung: Techniken zur Stressbewältigung wie Meditation, Yoga oder Atemübungen.
  • Unterstützung suchen: Teilnahme an Selbsthilfegruppen oder Gespräche mit einem Therapeuten.

Die Rolle der Pflege

Mit fortschreitender Parkinson-Krankheit benötigen ältere Menschen möglicherweise zunehmend Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben. Angehörige und Pflegekräfte spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Menschen mit Parkinson. Ihre Aufgaben können umfassen:

  • Hilfe bei der Körperpflege: Waschen, Anziehen, Essen.
  • Medikamentenmanagement: Sicherstellung, dass die Medikamente rechtzeitig eingenommen werden.
  • Unterstützung bei der Mobilität: Hilfe beim Gehen, Aufstehen und Hinsetzen.
  • Begleitung zu Arztterminen: Sicherstellung, dass die Patienten regelmäßig untersucht werden.
  • Emotionale Unterstützung: Zuhören, Ermutigen und Verständnis zeigen.

Patientenverfügung

Eine Patientenverfügung ist ein wichtiges Dokument, das es Menschen mit Parkinson ermöglicht, ihre Wünsche bezüglich ihrer medizinischen Versorgung festzulegen, falls sie nicht mehr in der Lage sind, diese selbst zu äußern. Eine Patientenverfügung kann Anweisungen zu lebenserhaltenden Maßnahmen, Schmerzbehandlung und anderen medizinischen Entscheidungen enthalten. Sie entlastet zudem die Angehörigen von schwierigen Entscheidungen, vermeidet Missverständnisse und schützt vor unerwünschter Über- oder Unterbehandlung.

Leben mit Parkinson: Kathrin Wersings Geschichte

Kathrin Wersing, die im Alter von 40 Jahren die Diagnose Parkinson erhielt, ist ein inspirierendes Beispiel dafür, wie man trotz der Krankheit ein erfülltes Leben führen kann. Sie startete den Podcast "Jetzt erst recht! - Positiv leben mit Parkinson", um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und positive Strategien für den Umgang mit der Krankheit zu finden.

Kathrin betont die Bedeutung von Bewegung, sozialer Interaktion und einer positiven Einstellung. Sie hat Tischtennis für sich entdeckt und leitet eine Regionalgruppe von Ping Pong Parkinson e.V., einem Tischtennisverein für Parkinson-Erkrankte. Sie ermutigt andere, aktiv zu werden und sich nicht hilflos ihrer Krankheit auszuliefern.

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Forschung und Zukunftsperspektiven

Die Parkinson-Forschung schreitet stetig voran. Wissenschaftler arbeiten daran, die Ursachen der Krankheit besser zu verstehen, neue Behandlungsmethoden zu entwickeln und Biomarker zu identifizieren, die eine frühere Diagnose ermöglichen.

Ein vielversprechender Forschungsansatz ist die Entwicklung einer Parkinson-Impfung, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen oder sogar verhindern könnte.

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