Ernährung bei Parkinson und Schwächeanfällen: Ein umfassender Leitfaden

Parkinson-Patienten erleben häufig eine Vielzahl von Symptomen, darunter auch Schwächeanfälle. Die richtige Ernährung spielt eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung dieser Herausforderungen und der Verbesserung der Lebensqualität. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Ernährung, neurologischen Erkrankungen wie Parkinson und dem Auftreten von Schwächeanfällen, um Betroffenen und ihren Angehörigen umfassende Informationen und praktische Ratschläge zu bieten.

Einführung in das Nervensystem und vegetative Dystonie

Das menschliche Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk von Milliarden von Nervenzellen (Neuronen), das in das zentrale Nervensystem (ZNS) und das periphere Nervensystem (PNS) unterteilt ist. Das vegetative Nervensystem, ein Teil des PNS, steuert lebenswichtige Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung, Verdauung, Stoffwechsel, Körpertemperatur und sexuelle Reaktion, die nicht bewusst steuerbar sind.

Eine vegetative Dystonie entsteht, wenn das Gleichgewicht zwischen dem Sympathikus (aktivierend) und dem Parasympathikus (beruhigend) gestört ist. Dies kann zu einer Vielzahl unspezifischer Symptome führen, die oft schwer zu erkennen sind. Zu den möglichen Ursachen gehören körperliche Faktoren wie Diabetes mellitus (Typ 2) und neurologische Erkrankungen wie Parkinson, aber auch psychische Belastungen wie Stress, Sorgen und Überforderung.

Ursachen von Schwächeanfällen bei Parkinson

Bei Parkinson-Patienten können Schwächeanfälle verschiedene Ursachen haben:

  • Fortschreitender Zellausfall: Im Gehirn fallen nach und nach Zellen aus, die Dopamin produzieren, einen wichtigen Botenstoff für die Nervenfunktion. Dieser Defekt beeinträchtigt den gesamten Körper, einschließlich der Psyche.
  • Bewegungsstörungen: Die Krankheit führt zu Bewegungsstörungen und Schwächeanfällen, selbst bei Einnahme von Medikamenten.
  • Medikamentenbedingte Probleme: Die komplexen Medikationspläne, die Parkinson-Patienten befolgen müssen (oft mehr als 15 Medikamente täglich), können durch Rabattverträge der Krankenkassen beeinträchtigt werden. Apotheken sind angehalten, Medikamente mit Rabattverträgen abzugeben, was zu Abweichungen in der Zusammensetzung und Aufnahme im Körper führen kann. Dies kann die Symptome verstärken und zu erneuten Krankenhausaufenthalten führen.
  • Postprandiale Hypotonie: Vor allem ältere Parkinson-Patienten leiden häufig unter postprandialer Hypotonie, einem Blutdruckabfall nach dem Essen. Dies kann zu Schwindel, Benommenheit und sogar Ohnmacht führen, was wiederum Schwächeanfälle auslösen kann.
  • Mangelernährung: Schluckstörungen (Dysphagie), die bei Parkinson auftreten können, führen oft zu verminderter Nahrungsaufnahme, Dehydrierung und Mangelernährung, was Antriebsschwäche und Schwächeanfälle zur Folge haben kann.
  • Muskelschwäche: Im Allgemeinen kann Muskelschwäche bei Parkinson auch durch Bewegungsmangel, Nährstoffmangel oder Nebenwirkungen von Medikamenten verursacht werden.

Ernährungsempfehlungen bei Parkinson und Schwächeanfällen

Eine ausgewogene Ernährung ist für Parkinson-Patienten unerlässlich, um die Symptome zu lindern und Schwächeanfällen vorzubeugen. Hier sind einige wichtige Aspekte:

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1. Ausgewogene Ernährung zur Stärkung des Nervensystems

  • Vitamin B12: Ein Mangel an Vitamin B12 kann die Funktion des Nervensystems beeinträchtigen. Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr durch tierische Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel (besonders wichtig für Vegetarier und Veganer).
  • Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und gesunde Fette: Diese Lebensmittel liefern wichtige Nährstoffe und unterstützen die Gesundheit des autonomen Nervensystems.
  • Eiweißreiche Ernährung: Muskeln benötigen Eiweiß, um zu wachsen und stark zu bleiben. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt etwa 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht täglich.
  • Carnosin und Alanin: Diese Stoffe spielen eine wichtige Rolle beim Schutz des Gehirns und der Muskeln. Sie kommen hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln vor. Vegetarier und Veganer sollten gegebenenfalls auf Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen, jedoch unter ärztlicher Aufsicht.

2. Umgang mit postprandialer Hypotonie

  • Kleine, häufige Mahlzeiten: Vermeiden Sie üppige Mahlzeiten, die den Blutdruck stark senken können. Essen Sie stattdessen mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt.
  • Ausreichend trinken: Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, besonders Wasser, um das Blutvolumen aufrechtzuerhalten und den Blutdruck zu stabilisieren.
  • Langsam aufstehen: Stehen Sie nach dem Essen langsam auf, um Schwindel und Ohnmacht zu vermeiden.
  • Blutdrucksenkende Medikamente: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Einnahmezeitpunkte Ihrer blutdrucksenkenden Medikamente, um einen Blutdruckabfall nach dem Essen zu vermeiden.

3. Umgang mit Schluckstörungen (Dysphagie)

  • Anpassung der Konsistenz: Passen Sie die Konsistenz der Nahrung an, um das Schlucken zu erleichtern. Pürierte oder passierte Kost kann hilfreich sein.
  • Logopädie: Logopädische Übungen können helfen, die Schluckmuskulatur zu stärken und die Schluckfunktion zu verbessern.
  • Korrektes Sitzen: Achten Sie auf eine aufrechte Sitzposition beim Essen, um das Verschlucken zu minimieren.
  • Kleine Portionen: Nehmen Sie kleine Bissen und schlucken Sie jeden Bissen sorgfältig herunter.
  • Vermeidung bestimmter Lebensmittel: Vermeiden Sie klebrige, trockene oder faserige Lebensmittel, die schwer zu schlucken sind.

4. Allgemeine Empfehlungen zur Stärkung des vegetativen Nervensystems

  • Entspannungsmethoden: Erlernen und praktizieren Sie Entspannungsmethoden wie Yoga, Meditation oder Achtsamkeitsübungen, um Stress abzubauen und das Nervensystem zu beruhigen.
  • Ausreichend Schlaf: Ein gesunder Schlaf ist unerlässlich für die Stressbewältigung und die Regeneration des Nervensystems. Achten Sie auf eine angenehme Schlafumgebung und vermeiden Sie schwere Mahlzeiten, Alkohol und Stress am Abend.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Durchblutung fördern und das Nervensystem stärken.

5. Vermeidung von Glutamat und Fertigprodukten

  • Frische, unverarbeitete Lebensmittel: Bevorzugen Sie frische, unverarbeitete Lebensmittel, um den Konsum von künstlichen Zusatzstoffen wie Glutamat zu vermeiden.
  • Glutamat vermeiden: Glutamat, ein häufiger Bestandteil von Fertigprodukten, steht im Verdacht, neurologische Schäden zu verursachen und Schwächeanfälle auszulösen. Achten Sie auf die Inhaltsstoffe und vermeiden Sie Produkte mit Glutamat oder E-Nummern, die Glutamat verbergen können.

Bedeutung von Carnosin und Alanin

Carnosin, ein Peptid, das aus Histidin und Beta-Alanin gebildet wird, spielt eine wichtige Rolle beim Schutz des Gehirns und der Muskeln. Es wirkt als Antioxidans, unterstützt das Immunsystem und kann die Zellalterung verlangsamen. Alanin, die Vorstufe von Carnosin, findet sich vor allem in tierischen Lebensmitteln. Vegetarier und Veganer sollten auf eine ausreichende Zufuhr achten, gegebenenfalls durch Nahrungsergänzungsmittel, jedoch unter ärztlicher Aufsicht.

Weitere Ursachen von Muskelschwäche und deren Behandlung

Muskelschwäche kann verschiedene Ursachen haben, von harmlosen bis hin zu schwerwiegenden. Es ist wichtig, die Ursache zu identifizieren, um die richtige Behandlung einzuleiten.

  • Bewegungsmangel: Nach längerer Inaktivität, z. B. nach einem Krankenhausaufenthalt, kann es zu Muskelschwäche kommen. Gezieltes Training kann helfen, die Muskeln wieder aufzubauen.
  • Mangel an Nährstoffen: Ein Mangel an Elektrolyten wie Kalium und Magnesium kann Muskelschwäche verursachen.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente, wie Statine und Antibiotika, können als Nebenwirkung Muskelschwäche verursachen.
  • Erkrankungen: Verschiedene Erkrankungen, wie Herzkrankheiten, Blutarmut, Stoffwechselerkrankungen, neurologische Erkrankungen und Infektionen, können Muskelschwäche verursachen.
  • Psychische Erkrankungen: Depressionen und das chronische Erschöpfungssyndrom können ebenfalls mit Muskelschwäche einhergehen.

Die Behandlung von Muskelschwäche hängt von der Ursache ab. In vielen Fällen kann gezieltes Krafttraining und eine ausgewogene Ernährung helfen, die Muskeln zu stärken. Bei Erkrankungen ist eine entsprechende medizinische Behandlung erforderlich.

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