Ein erholsamer Schlaf ist für die körperliche und geistige Gesundheit unerlässlich. Er besteht aus Non-REM-Schlaf (non rapid eye movement) und REM-Schlaf (rapid eye movement). Im Non-REM-Schlaf schüttet der Körper Wachstumshormone aus, die zur Regeneration beitragen. Schlafstörungen hingegen können die Lebensqualität und Gesundheit massiv beeinträchtigen und das Risiko für chronische Erkrankungen wie Hypertonie, Herzerkrankungen und Diabetes erhöhen. Auch das Lymphsystem, das im Schlaf Schadstoffe aus dem Gehirn abtransportiert, spielt eine wichtige Rolle.
Das "Nächtliche Essen" und seine Folgen
Das "Nächtliche Essen", auch Night Eating Syndrom (NES) genannt, ist eine Essstörung, bei der der zirkadiane Ess- und Schlafrhythmus gestört ist. Betroffene nehmen einen Großteil ihrer täglichen Kalorien (50-75 %) nach dem Abendessen zu sich, oft aus Hunger, der sie am Einschlafen hindert. Dabei greifen sie meist zu hochkalorischen Nahrungsmitteln, die sie anfallsartig und mit Kontrollverlust verschlingen. Die Folgen sind massive Schlafstörungen, Appetitlosigkeit am Morgen, Müdigkeit und depressive Verstimmungen. Schätzungen zufolge sind 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung betroffen, wobei die Störung oft unerkannt bleibt.
Parkinson und seine vielfältigen Symptome
Parkinson ist eine komplexe Erkrankung mit vielen Symptomen, von denen das Zittern (Tremor) wohl das bekannteste ist. Allerdings leiden nicht alle Betroffenen unter dem typischen Ruhe-Tremor, und die Symptome können sich im Laufe der Zeit verändern. Neben motorischen Symptomen wie Zittern, Steifheit (Rigor), Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese) und Haltungsinstabilität (posturale Instabilität) können auch nicht-motorische Symptome auftreten, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dazu gehören beispielsweise:
- Verdauungsprobleme: Schluckstörungen (Dysphagie), Magenentleerungsstörungen und Verstopfung (Obstipation) sind häufige Begleiterscheinungen.
- Geruchs- und Geschmacksverlust: Dies kann den Appetit und den Genuss am Essen beeinträchtigen.
- Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafstörungen, unruhige Beine (Restless-Legs-Syndrom), REM-Schlaf-Verhaltensstörung und Tagesschläfrigkeit sind häufig.
- Neuropsychiatrische Symptome: Depressionen, Angstzustände, Halluzinationen und Impulskontrollstörungen können auftreten.
- Vegetative Störungen: Blasenfunktionsstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, übermäßiges Schwitzen und Störungen der Wärmeregulation sind möglich.
Schlafstörungen bei Parkinson
Schlafstörungen sind ein häufiges Problem bei Parkinson, von dem bis zu 90 % der Betroffenen betroffen sind. Die Ursachen sind vielfältig und können in direktem Zusammenhang mit der Erkrankung, ihren Symptomen oder den Medikamenten stehen. So können beispielsweise Steifigkeit, Zittern oder Harndrang den Schlaf stören. Auch das Restless-Legs-Syndrom oder die REM-Schlaf-Verhaltensstörung können zu Schlafproblemen führen.
Ursachen für nächtlichen Hunger bei Parkinson
Nächtlicher Hunger kann bei Parkinson-Patienten verschiedene Ursachen haben:
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- Medikamentennebenwirkungen: Einige Parkinson-Medikamente, insbesondere Dopaminagonisten, können Heißhungerattacken und gesteigerten Appetit auslösen.
- Hormonelle Störungen: Schlafentzug, der durch Parkinson-bedingte Schlafstörungen verursacht werden kann, kann zu hormonellen Störungen führen, die den Appetit steigern. Insbesondere können das Sättigungshormon Leptin und das appetitanregende Hormon Ghrelin aus dem Gleichgewicht geraten.
- Unregelmäßige Medikamenteneinnahme: Wenn die Wirkung der Parkinson-Medikamente in der Nacht nachlässt, können Symptome wie Steifigkeit und Unbeweglichkeit verstärkt auftreten. Dies kann dazu führen, dass Betroffene aufwachen und das Gefühl haben, etwas essen zu müssen, um sich besser zu fühlen.
- Depressionen und Angstzustände: Diese psychischen Probleme, die bei Parkinson häufig vorkommen, können ebenfalls zu nächtlichem Essen führen.
- Verhaltensmuster: Manchmal kann nächtliches Essen auch eine Gewohnheit sein, die sich im Laufe der Zeit entwickelt hat.
Auswirkungen von nächtlichem Hunger
Nächtlicher Hunger und die damit verbundene Nahrungsaufnahme können verschiedene negative Auswirkungen haben:
- Gewichtszunahme: Der Konsum von hochkalorischen Lebensmitteln in der Nacht kann zu Übergewicht führen.
- Verschlechterung der Schlafqualität: Das Essen kurz vor dem Schlafengehen kann die Verdauung belasten und den Schlaf stören.
- Erhöhtes Risiko für Stoffwechselerkrankungen: Übergewicht und ungesunde Ernährung erhöhen das Risiko für Diabetes, Herzerkrankungen und andere Stoffwechselerkrankungen.
- Beeinträchtigung der Medikamentenwirkung: Die Aufnahme von Eiweiß kann die Wirkung des Parkinson-Medikaments L-Dopa beeinträchtigen.
- Schuldgefühle und Scham: Betroffene können sich für ihr nächtliches Essverhalten schämen und Schuldgefühle entwickeln.
Management von nächtlichem Hunger bei Parkinson
Es gibt verschiedene Strategien, um nächtlichen Hunger bei Parkinson zu bewältigen:
- Ärztliche Beratung: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Schlafstörungen und Ihren nächtlichen Hunger. Er kann Ihnen helfen, die Ursachen zu identifizieren und eine geeignete Behandlung zu finden.
- Medikamentenanpassung: Wenn Medikamente die Ursache für den nächtlichen Hunger sind, kann der Arzt die Dosierung oder das Medikament wechseln.
- Schlafhygiene: Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene, um Ihren Schlaf zu verbessern. Dazu gehören regelmäßige Schlafzeiten, eine entspannende Schlafumgebung und der Verzicht auf Koffein und Alkohol vor dem Schlafengehen.
- Ernährungsumstellung: Versuchen Sie, Ihre Mahlzeiten regelmäßiger über den Tag zu verteilen und abends eine leichte, eiweißarme Mahlzeit zu sich zu nehmen. Vermeiden Sie stark verarbeitete Lebensmittel und zuckerhaltige Getränke.
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, den Appetit zu regulieren und den Schlaf zu verbessern.
- Psychologische Unterstützung: Wenn Depressionen oder Angstzustände die Ursache für den nächtlichen Hunger sind, kann eine Psychotherapie hilfreich sein.
- Achtsamkeit: Achten Sie auf Ihre Körpersignale und versuchen Sie, zwischen echtem Hunger und emotionalem Essen zu unterscheiden.
- Notfallplan: Halten Sie gesunde Snacks wie Obst, Gemüse oder Nüsse bereit, falls Sie nachts Hunger bekommen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann hilfreich sein.
Ernährungstipps für Parkinson-Patienten
Eine ausgewogene Ernährung ist für Parkinson-Patienten besonders wichtig, um Mangelernährung vorzubeugen, die Medikamentenwirkung zu optimieren und die Lebensqualität zu verbessern. Hier sind einige allgemeine Ernährungstipps:
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und gesunden Fetten.
- Eiweiß: Achten Sie auf eine ausreichende Eiweißzufuhr, aber verteilen Sie die Eiweißmenge über den Tag, um die Wirkung von L-Dopa nicht zu beeinträchtigen.
- Ballaststoffe: Essen Sie ballaststoffreich, um Verstopfung vorzubeugen.
- Flüssigkeit: Trinken Sie ausreichend Wasser (mindestens 2 Liter pro Tag), um Verstopfung und Austrocknung zu vermeiden.
- Vitamine und Mineralstoffe: Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin D, Kalzium und Magnesium, um Osteoporose vorzubeugen.
- Individuelle Anpassung: Passen Sie Ihre Ernährung an Ihre individuellen Bedürfnisse und Vorlieben an.
- Schluckstörungen: Bei Schluckstörungen können pürierte oder weiche Speisen hilfreich sein.
- Appetitlosigkeit: Bei Appetitlosigkeit können kleine, häufige Mahlzeiten und energiereiche Speisen helfen.
- Gewürze: Verwenden Sie Kräuter und Gewürze, um den Geschmack Ihrer Speisen zu verbessern, wenn Ihr Geruchs- und Geschmackssinn beeinträchtigt ist.
Schlafhygiene-Tipps für Parkinson-Patienten
Eine gute Schlafhygiene kann Parkinson-Patienten helfen, ihren Schlaf zu verbessern:
- Regelmäßige Schlafzeiten: Gehen Sie jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett und stehen Sie zur gleichen Zeit auf, auch am Wochenende.
- Entspannende Schlafumgebung: Sorgen Sie für ein dunkles, ruhiges und kühles Schlafzimmer.
- Vermeiden Sie Koffein und Alkohol vor dem Schlafengehen: Koffein und Alkohol können den Schlaf stören.
- Entspannungsübungen: Entspannungsübungen wie autogenes Training oder Meditation können helfen, vor dem Schlafengehen zur Ruhe zu kommen.
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann den Schlaf verbessern, aber vermeiden Sie anstrengende Aktivitäten kurz vor dem Schlafengehen.
- Vermeiden Sie lange Nickerchen am Tag: Lange Nickerchen am Tag können den Nachtschlaf stören.
- Schlafzimmer nur zum Schlafen: Vermeiden Sie es, im Schlafzimmer zu arbeiten, fernzusehen oder zu essen.
- Bequeme Matratze und Kissen: Sorgen Sie für eine bequeme Matratze und Kissen, die Ihren Körper gut unterstützen.
- Warme Bäder: Ein warmes Bad vor dem Schlafengehen kann entspannend wirken und den Schlaf fördern.
- Schlaftagebuch: Führen Sie ein Schlaftagebuch, um Ihre Schlafgewohnheiten zu dokumentieren und mögliche Ursachen für Schlafstörungen zu identifizieren.
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