Parkinson und niedriger Puls: Ursachen und Zusammenhänge

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Sie ist durch eine Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen gekennzeichnet. Obwohl ein niedriger Puls (Bradykardie) nicht zu den klassischen Symptomen von Parkinson gehört, können bestimmte Aspekte der Erkrankung und ihrer Behandlung indirekt zu einem niedrigeren Puls führen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für einen niedrigen Puls im Zusammenhang mit Parkinson und gibt einen Überblick über verwandte Themen.

Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom)

Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom) ist eine angeborene Anomalie des Reizleitungssystems des Herzens. Beim WPW-Syndrom gibt es von Geburt an eine zusätzliche Verbindung im Herzen. WPW ist selten und tritt bei etwa ein bis drei von 1.000 Menschen auf.

Was passiert bei WPW im Herzen?

Der natürliche Taktgeber für den Herzschlag ist der Sinusknoten, ein Geflecht aus speziellen Muskelzellen im rechten Herzvorhof. Er generiert bei Erwachsenen 60 bis 80 elektrische Impulse pro Minute. „Vom Sinusknoten breitet sich die Erregung über die Herzvorhöfe aus. Zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern liegt der AV-Knoten (Atrioventrikularknoten), der als eine Art ‚Eingangsfilter‘ fungiert und die Erregungsleitung verzögert, damit sich immer zuerst die Vorhöfe und danach die Herzkammern kontrahieren (durch Anspannung der Muskulatur zusammenziehen)“, erklärt Prof. Hessling. Anschließend erfolgt eine schnelle Ausbreitung der elektrischen Erregung in allen Ventrikelbereichen, die sich synchron kontrahieren.

Bei Personen mit WPW-Syndrom existiert jedoch eine zusätzliche elektrische Verbindung, historisch als „Kent-Bündel“ bezeichnet. Im normalen Sinusrhythmus umgeht diese Leitungsbahn den AV-Knoten und erregt einen Teil der Kammermuskulatur vorzeitig. „Dies wird vom Patienten nicht verspürt, zeigt sich aber im EKG als kleine ‚Vorwelle‘ vor der Kammeraktion; diese wird als Deltawelle bezeichnet“, sagt Prof. Hessling.

Symptome des WPW-Syndroms

Nicht alle Personen mit einer zusätzlichen Leitungsbahn im Herzen haben auch Symptome. So wird bei manchen, die noch nie unter Herzrasen litten, im Rahmen einer Routineuntersuchung als Zufallsbefund im EKG die typische Deltawelle festgestellt. Dies wird dann als asymptomatisches WPW bezeichnet. Vom klassischen WPW-Syndrom spricht man hingegen, wenn anfallsartiges Herzrasen (Tachykardie) auftritt. „Das kann einen hohen Leidensdruck erzeugen. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen am Schreibtisch und bekommen plötzlich einen Puls von 200“, so Prof. Hessling. Häufig tritt das Herzrasen situationsunabhängig auf, kann aber bei manchen Menschen durch körperliche Anstrengung oder Aufregung hervorgerufen werden. „Die Tachykardien sind gutartig, können aber, wenn auch selten, weitere Symptome wie Schwindel, Brustschmerzen oder Atemnot hervorrufen“, ergänzt Prof.

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Diagnose und Behandlung des WPW-Syndroms

Menschen mit WPW-Syndrom haben in der Regel ein strukturell völlig gesundes Herz. Dieser positive Aspekt kann jedoch die Diagnose erschweren, da mit bildgebenden Verfahren wie Ultraschall (Echokardiographie) kein Defekt zu finden ist. Um dem Hauptsymptom Herzrasen auf den Grund zu gehen und die Herzrhythmusstörung zu erfassen, kommt stattdessen das Elektrokardiogramm (EKG) zum Einsatz. Im EKG erkennen Kardiologinnen und Kardiologen die sogenannte Deltawelle, die dem Teil der Kammermuskulatur entspricht, der über die akzessorische Leitungsbahn vorzeitig erregt wird.

Die Behandlung hängt von Symptomen und Risikoeinschätzung ab. Medikamente können Anfälle lindern oder im Akutfall beenden. Bei akutem Herzrasen können einfache Maßnahmen helfen: „Nehmen Sie eine kalte Dusche, trinken Sie ein kaltes Getränk oder machen Sie einen Handstand.“ Damit werde der Vagusnerv aktiviert und der AV-Knoten kurz blockiert.

Morbus Parkinson: Eine Übersicht

Morbus Parkinson ist eine unheilbare Erkrankung des Nervensystems. Sie kann durch den Einsatz der aktuellen Therapieansätze zwar nicht gestoppt werden, jedoch können Beschwerden deutlich gelindert werden.

Frühsymptome von Parkinson

Vor der Diagnose beherrschen oft unspezifische Frühsymptome den Patienten. Viele Patienten haben lange schon vor Ausbruch der Erkrankung eine Schlafstörung, die man als REM-Schlafverhaltensstörung bezeichnet, ein Ausleben von Träumen im Schlaf, oder eine Riechstörung. Eines Tages werden dann die typischen motorischen Frühsymptome der Erkrankung auffällig, z.B. ein Zittern oder eine Verkrampfung oder eine Verlangsamung von Bewegungen, reduziertes Mitschwingen eines Armes. Diese motorischen Symptome führen dann meistens zur Diagnose, und die Diagnose dann meistens zu einer Therapie.

Therapie und Verlauf von Parkinson

Wenn Sie eine klassische Parkinson-Krankheit haben, wird die Therapie in aller Regel zu einer Verbesserung der Motorik führen. Im Laufe der Zeit verkürzt sich die Wirkdauer der Parkinson-Medikamente. Und mit dieser verkürzten Wirkdauer wird vor der jeweilig nächsten Medikamenteneinnahme eine Verschlechterung der Symptomatik auffällig: Der Patient entwickelt sogenannte Off-Phasen. In der Frühphase der Erkrankung wirken die Parkinson-Medikamente kontinuierlich.

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Atypische Parkinson-Erkrankungen

Leider haben 10 Prozent der Menschen mit einer Parkinson-Symptomatik keine klassische Parkinson-Krankheit, sondern so einen atypischen Parkinson, der leider ein schlechteres Ansprechen auf die Parkinson-Medikamente und ein rascheres Voranschreiten zeigt.

Bildgebende Verfahren in der Parkinson-Diagnostik

Die bildgebenden Verfahren spielen eine große Rolle in der Diagnostik am Beginn. Wenn wir einen Menschen sehen, der typische oder weniger typische Parkinson-Symptome entwickelt, werden wir immer eine sogenannte strukturelle Bildgebung machen. Das ist eine Magnetresonanztomografie des Gehirns idealerweise, oder, wenn dagegen Gründe sprechen.

Nicht-medikamentöse Therapie

Wir wissen auch, dass nicht medikamentöse Maßnahmen den Verlauf der Erkrankung und vor allem die Symptome deutlich beeinflussen. Dazu gehört ganz, ganz zentral Bewegung. Bewegung ist also ganz was Entscheidendes.

Motorische Komplikationen

In der Phase der besten Wirkung der Parkinson-Medikamente entwickeln dann viele Patienten Überbewegungen, die sogenannten Dyskinesien, und diese Kombination aus verkürzter Wirkdauer, die Wirkungsschwankungen auslöst, und auf der anderen Seite abnormen Überbewegungen in der Phase guter Beweglichkeit, das bezeichnet man als motorische Komplikationen.

Frühzeitige Parkinson-Erkennung: 10 Anzeichen, die Sie nicht übersehen sollten

Parkinson ist eine komplexe neurodegenerative Erkrankung, und die Früherkennung der Symptome ist von entscheidender Bedeutung, um eine frühzeitige Diagnose und Behandlung zu ermöglichen.

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  1. Ruhetremor statt allgemeines Zittern: Eines der bekanntesten Symptome der Parkinson-Krankheit ist das Zittern oder Tremor.
  2. Mikrographie statt kleiner Handschrift: Mikrographie ist ein weiteres häufiges Frühsymptom von Parkinson. Das bedeutet, die Handschrift wird kleiner und die Buchstaben stehen enger beieinander.
  3. Geruchssinnverlust statt gelegentliche Geruchsstörungen: Ein nachlassender Geruchssinn kann ein weiteres Frühsymptom von Parkinson sein.
  4. Schlafprobleme: plötzliche Bewegungen und Träumenachspiel statt allgemeine Schlafstörungen: Ein weiteres potenzielles Frühsymptom von Parkinson sind Schlafprobleme, insbesondere plötzliche Bewegungen und das Nachspielen von Träumen während des Schlafs.
  5. Bewegungs- und Gangschwierigkeiten statt allgemeiner Müdigkeit: Eine der auffälligsten Manifestationen der Parkinson-Krankheit sind Bewegungs- und Gangstörungen.
  6. Verstopfung statt gelegentlicher Darmprobleme: Verstopfung ist ein weiteres mögliches Frühsymptom von Parkinson.
  7. Weiche oder heisere Stimme statt vorübergehender Stimmveränderungen: Eine Veränderung der Stimme ist ein weiteres Frühsymptom von Parkinson, das oft übersehen wird.
  8. Gesichtsmaskierung statt vorübergehender ernster Gesichtsausdruck: Ein weiteres charakteristisches Merkmal der Parkinson-Krankheit ist die sogenannte „Gesichtsmaskierung“.
  9. Schwindel oder Ohnmacht statt gelegentlicher Schwindel beim Aufstehen: Schwindel oder Ohnmacht beim Aufstehen können ein weiteres Zeichen für Parkinson sein.
  10. Bücken oder Beugen statt vorübergehender Haltungsschwankungen: Ein weiteres häufiges Frühsymptom von Parkinson ist die veränderte Körperhaltung, bei der sich die Betroffenen beim Stehen bücken oder beugen.

Mögliche Ursachen für einen niedrigen Puls bei Parkinson

Obwohl Parkinson selbst nicht direkt zu einem niedrigen Puls führt, gibt es mehrere Faktoren, die in Verbindung mit der Erkrankung oder ihrer Behandlung eine Bradykardie verursachen können:

  1. Medikamente:
    • Parkinson-Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Parkinson eingesetzt werden, können den Blutdruck senken. Als „normal“ werden Blutdruckwerte zwischen 100/60 mmHg und 140/90 mmHg eingeschätzt. Insbesondere treten Kreislaufprobleme bei Präparaten aus der Gruppe der Dopaminagonisten (dazu zählen die Wirkstoffe Pramipexol, Ropinirol, Piribedil, Rotigotin und Apomorphin) häufiger auf bei Medikamenten mit dem Wirkstoff L-Dopa (auch Levodopa). Ein niedriger Blutdruck kann indirekt zu einem niedrigeren Puls führen, da der Körper versucht, den Blutdruck durch eine Verlangsamung der Herzfrequenz zu stabilisieren.
    • Andere Medikamente: Parkinson-Patienten nehmen oft auch andere Medikamente gegen Begleiterkrankungen ein. Einige dieser Medikamente, wie Betablocker gegen Bluthochdruck oder bestimmte Antidepressiva, können den Puls senken.
  2. Autonome Dysfunktion: Die Neurodegeneration bei Morbus Parkinson betrifft auch die autonome kardiovaskuläre Regulation, hat Privatdozent Carl-Albrecht Haensch von den Helios-Kliniken Wuppertal berichtet. Schon in Ruhe ist bei Parkinson-Patienten die Herzfrequenz erhöht. Grund sei, so Haensch, ein Defizit der sympathischen Innervation. Das autonome Nervensystem steuert unwillkürliche Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck und Atmung. Bei Parkinson kann es zu einer autonomen Dysfunktion kommen, die sich unter anderem in einem niedrigen Puls äußern kann. Bereits im Frühstadium der Erkrankung haben 25 Prozent der Parkinson-Patienten außerdem eine orthostatische Hypotonie.
  3. Orthostatische Hypotonie: Parkinson-Patienten leiden oft an orthostatischer Hypotension, einem plötzlichen Blutdruckabfall beim Stehen. Dies tritt auf, wenn der Patient von einer sitzenden oder liegenden Position in eine aufrechte Position wechselt oder zu lange aufrecht steht. Die Symptome eines Blutdruckabfalls sind Schwindel, extremes Schwächegefühl und Sehstörungen (z. B. ‚schwarzer Schleier‘ vor den Augen). Normalerweise regelt das vegetative Nervensystem den arteriellen Blutdruck, auch bei einer Haltungsänderung. Als Reaktion auf den Blutdruckabfall kann der Körper den Puls verlangsamen, um den Blutdruck zu stabilisieren.
  4. Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Viele ältere Menschen, einschließlich Parkinson-Patienten, leiden an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Sinusknoten-Dysfunktion. Diese Erkrankungen können direkt zu einem niedrigen Puls führen.
  5. Schlafapnoe: Schlafapnoe, eine häufige Schlafstörung, bei der es zu Atemaussetzern während des Schlafs kommt, kann ebenfalls zu einem niedrigen Puls führen. Schlafprobleme können der Parkinson-Krankheit zugeordnet werden.

Diagnose und Behandlung eines niedrigen Pulses

Die Diagnose eines niedrigen Pulses erfolgt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und ein Elektrokardiogramm (EKG). Um die Ursache des niedrigen Pulses zu ermitteln, können weitere Untersuchungen wie ein Langzeit-EKG, ein Belastungs-EKG oder eine Blutdruckmessung durchgeführt werden.

Die Behandlung eines niedrigen Pulses hängt von der Ursache und den Begleitumständen ab. In einigen Fällen ist keine Behandlung erforderlich, insbesondere wenn der niedrige Puls keine Symptome verursacht. Wenn der niedrige Puls jedoch Symptome wie Schwindel, Müdigkeit oder Ohnmacht verursacht, kann eine Behandlung erforderlich sein.

Mögliche Behandlungsoptionen sind:

  • Anpassung der Medikation: Wenn Medikamente für den niedrigen Puls verantwortlich sind, kann der Arzt die Dosis anpassen oder auf ein anderes Medikament umstellen.
  • Behandlung von Begleiterkrankungen: Wenn eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Schlafapnoe für den niedrigen Puls verantwortlich ist, sollte diese Erkrankung behandelt werden.
  • Herzschrittmacher: In schweren Fällen, in denen der niedrige Puls durch eine Sinusknoten-Dysfunktion oder einen AV-Block verursacht wird, kann ein Herzschrittmacher implantiert werden, um die Herzfrequenz zu regulieren.

Was können Betroffene selbst tun?

Oft lassen sich Kreislaufprobleme schon durch kleine Veränderungen im Alltag bessern. Die folgenden Vorschläge können gleichzeitig und auch vorbeugend eingesetzt werden:

  • Trinken, Trinken, Trinken: Ausreichend viel zu trinken ist die Basis eines gut funktionierenden Kreislaufsystems. Sofern keine anderen Erkrankungen vorliegen, die dagegensprechen (etwa eine ausgeprägte Herzschwäche oder schwerwiegende Störungen der Nierenfunktion) sollte die tägliche Flüssigkeitszufuhr mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag betragen.
  • Salz: Achten Sie auf eine ausreichende Salzzufuhr.
  • Mahlzeiten: Vermeiden Sie große fett- und kohlenhydratreiche Mahlzeiten. Alternativ können mehrere kleinere und leichtere Mahlzeiten über den Tag verteilt sinnvoll sein.
  • Bauchbinde: Eine elastische Bauchbinde hilft, das „Versacken“ des Bluts in der unteren Körperhälfte nach dem Aufstehen zu reduzieren.
  • Hitze: Halten Sie sich bei großer Hitze vorzugsweise in kühlen Innenräumen auf. Vermeiden Sie heiße Vollbäder oder Saunagänge.
  • Nachtschlaf: Schlafen Sie mit leicht erhöhtem Oberkörper (ca. 10 - 20 Grad). So wird die Urinausscheidung in der Nacht reduziert. Der Körper verliert auf diese Weise über die Nacht nicht zu viel Flüssigkeit.
  • Langsam aufstehen: Stehen Sie langsam aus dem Liegen oder Sitzen auf.

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