Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies führt zu einer Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen, darunter Zittern, Steifheit, verlangsamte Bewegungen und Gleichgewichtsprobleme. Im Laufe der Erkrankung können auch kognitive Beeinträchtigungen und Verwirrtheit auftreten, die als Parkinson-Demenz oder Delir bekannt sind.
Was ist ein Delir?
Ein Delir ist ein akuter Zustand geistiger Verwirrtheit, der durch einen plötzlichen Beginn und einen schwankenden Verlauf gekennzeichnet ist. Die Betroffenen können Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren, sich zu orientieren, sich zu erinnern oder klar zu denken. Ein Delir kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter schwere Krankheiten, Operationen, Infektionen, Medikamente oder Entzugserscheinungen.
Ursachen für Verwirrtheit bei Parkinson
Bei Menschen mit Parkinson können verschiedene Faktoren zu Verwirrtheit beitragen:
- Parkinson-Demenz: Im späteren Verlauf der Parkinson-Krankheit kann sich eine Demenz entwickeln. Diese ist gekennzeichnet durch kognitive Einschränkungen, die das unabhängige Leben erschweren. Betroffen sind häufig die Aufmerksamkeit, die Problemlösefähigkeit, die Sprache, die Orientierung sowie das Lang- und Kurzzeitgedächtnis.
- Delir: Ein Delir kann bei Parkinson-Patienten durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, wie z.B. Infektionen, metabolische Störungen, Medikamente oder Operationen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen mit Vorerkrankungen.
- Medikamente: Einige Parkinson-Medikamente, insbesondere solche, die den Dopaminspiegel erhöhen, können als Nebenwirkung Verwirrtheit, Halluzinationen oder psychotische Symptome verursachen. Auch andere Medikamente, die gleichzeitig eingenommen werden, können zu Wechselwirkungen führen und Verwirrtheit auslösen.
- Nicht-motorische Symptome: Nicht-motorische Symptome der Parkinson-Krankheit, wie Schlafstörungen, Depressionen oder Schmerzen, können ebenfalls zu Verwirrtheit beitragen.
- Weitere Risikofaktoren: Alter über 65 Jahre, kognitive Störungen, Polypharmazie, Elektrolytstörungen und sensorische Störungen (Seh- oder Hörverlust) erhöhen das Risiko für ein Delir.
Symptome von Verwirrtheit bei Parkinson
Die Symptome von Verwirrtheit bei Parkinson können vielfältig sein und von Person zu Person unterschiedlich ausgeprägt sein. Typische Symptome sind:
- Plötzlich auftretende Verwirrtheit
- Desorientiertheit (z.B. hinsichtlich Ort, Zeit oder Person)
- Aufmerksamkeitsstörungen
- Gedächtnisprobleme
- Sprachstörungen (z.B. Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden)
- Halluzinationen (z.B. Sehen oder Hören von Dingen, die nicht da sind)
- Wahnvorstellungen (z.B. unbegründete Überzeugungen)
- Unruhe, Agitation oder Aggressivität
- Teilnahmslosigkeit, Apathie oder Schläfrigkeit
- Schwankender Verlauf der Symptome (Phasen klareren Denkens wechseln sich mit Phasen starker Verwirrtheit ab)
- Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
Es ist wichtig zu beachten, dass ein Delir ein medizinischer Notfall ist und schnellstmöglich behandelt werden muss.
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Diagnose von Verwirrtheit bei Parkinson
Die Diagnose von Verwirrtheit bei Parkinson erfordert eine sorgfältige Beurteilung der Symptome, der Krankengeschichte und der aktuellen Medikation. Der Arzt kann auch verschiedene Tests durchführen, um die kognitiven Fähigkeiten zu überprüfen und andere mögliche Ursachen für die Verwirrtheit auszuschließen.
- Krankengeschichte und körperlich-neurologische Untersuchung: Der Arzt wird eine ausführliche Krankengeschichte erheben und eine körperlich-neurologische Untersuchung durchführen, um die Symptome zu beurteilen und andere mögliche Ursachen für die Verwirrtheit auszuschließen. Angehörige können hierbei wichtige Informationen liefern.
- Kognitive Tests: Es gibt spezielle Gedächtnistests, die zur Überprüfung der geistigen Fähigkeiten eingesetzt werden können. Ein Test, der speziell für Menschen mit Parkinson entwickelt wurde, ist der PANDA-Test (Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment).
- Bildgebende Verfahren: Eine MRT-Untersuchung des Gehirns kann zeigen, ob Teile des Gehirns geschrumpft sind oder andere Auffälligkeiten vorliegen.
- Laboruntersuchungen: Laborchemische Untersuchungen können helfen, Elektrolytverschiebungen, Exsikkose, Organinsuffizienzen und Infektionen auszuschließen.
Behandlung von Verwirrtheit bei Parkinson
Die Behandlung von Verwirrtheit bei Parkinson zielt darauf ab, die zugrunde liegende Ursache zu behandeln, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität des Betroffenen zu verbessern.
- Behandlung der Ursache: Wenn die Verwirrtheit durch eine Infektion, eine metabolische Störung oder eine andere Erkrankung verursacht wird, muss diese behandelt werden.
- Anpassung der Medikation: Wenn Medikamente für die Verwirrtheit verantwortlich sind, kann der Arzt die Dosis reduzieren, das Medikament absetzen oder auf ein anderes Medikament umstellen. Es ist wichtig, prodelirogene Medikamente, insbesondere Anticholinergika, wenn möglich abzusetzen. Allerdings sollte dies schrittweise erfolgen, um Entzugssymptome zu vermeiden.
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Nicht-medikamentöse Maßnahmen können helfen, die Symptome von Verwirrtheit zu lindern und die Orientierung zu verbessern. Dazu gehören:
- Reorientierungsmaßnahmen: Regelmäßige Gespräche mit dem Patienten über Ort, Zeit und Person.
- Strukturierung des Tagesablaufs: Einführung eines festen Tagesablaufs mit regelmäßigen Mahlzeiten, Aktivitäten und Ruhezeiten.
- Schaffung einer ruhigen und sicheren Umgebung: Reduzierung von Lärm und Ablenkungen, gute Beleuchtung und Vermeidung von Hindernissen.
- Förderung von Schlafhygiene: Schaffung einer angenehmen Schlafumgebung, Vermeidung von Koffein und Alkohol vor dem Schlafengehen.
- Mobilisierung: Förderung von körperlicher Aktivität und Bewegung, um die Durchblutung des Gehirns zu verbessern.
- Unterstützung durch Angehörige: Einbeziehung von Angehörigen in die Betreuung und Unterstützung des Patienten.
- Hilfsmittel: Bereitstellung und Einsatz von Hilfsmitteln wie Brille, Hörgeräte und Gehhilfen.
- Medikamentöse Therapie: In einigen Fällen kann eine medikamentöse Therapie erforderlich sein, um die Symptome von Verwirrtheit zu lindern. Allerdings sollten Neuroleptika bei Parkinson-Patienten aufgrund ihrer antidopaminergen Eigenschaften nur mit Vorsicht eingesetzt werden. Quetiapin oder Clozapin können in niedriger Dosierung eine Option sein.
- Delir-Management-Programme: Krankenhäuser setzen zunehmend Delir-Management-Programme ein, die auf die Prävention und Behandlung von Delir ausgerichtet sind. Diese Programme umfassen in der Regel ein geschultes Personal, feste Routinen und die Einbeziehung von Angehörigen.
Medikamentöse Behandlung der Parkinson-Krankheit
Die medikamentöse Behandlung der Parkinson-Krankheit zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und dadurch die Beschwerden zu lindern. Die Medikamente können die Krankheit jedoch nicht heilen.
- Levodopa (L-Dopa): Levodopa ist ein Medikament, das im Gehirn zu Dopamin umgewandelt wird. Es ist das wirksamste Medikament zur Behandlung der motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit. Um zu verhindern, dass Levodopa bereits vor dem Erreichen des Gehirns in Dopamin umgewandelt wird, wird es in der Regel in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer (z.B. Carbidopa oder Benserazid) eingenommen. Levodopa sollte nicht gleichzeitig mit eiweißreichen Mahlzeiten eingenommen werden, da dies die Aufnahme ins Blut beeinträchtigen kann.
- Dopaminagonisten: Dopaminagonisten regen Bindungsstellen in den Nervenzellen (Rezeptoren) an, die für die Aufnahme von Dopamin zuständig sind. Sie wirken ähnlich wie Dopamin und können die Symptome der Parkinson-Krankheit lindern. Dopaminagonisten werden meist Menschen unter 60 bis 70 Jahren empfohlen, um das Auftreten von Bewegungsstörungen hinauszuzögern.
- MAO-B-Hemmer (Monoaminooxidase-B-Hemmer): MAO-B-Hemmer blockieren den Abbau von Dopamin im Gehirn und können so den Dopaminspiegel erhöhen. Sie können Beschwerden lindern und die Notwendigkeit für die Einnahme von Levodopa für einige Monate verzögern.
- COMT-Hemmer: COMT-Hemmer hemmen den Abbau von Dopamin und verlängern so die Wirkdauer von Levodopa.
- NMDA-Antagonisten: NMDA-Antagonisten können helfen, unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesien) zu reduzieren, die als Nebenwirkung der Levodopa-Therapie auftreten können.
- Anticholinergika: Anticholinergika können helfen, Zittern und Muskelsteifheit zu reduzieren. Allerdings können sie auch Nebenwirkungen wie Verwirrtheit, Halluzinationen und Gedächtnisprobleme verursachen.
Die medikamentöse Behandlung der Parkinson-Krankheit ist sehr individuell und muss häufig angepasst werden. Es ist wichtig, die Medikamente regelmäßig einzunehmen und die Einnahmezeiten genau einzuhalten.
Begleittherapie
Neben der medikamentösen Behandlung sind nicht-medikamentöse Therapien sehr wichtig, um die Lebensqualität von Menschen mit Parkinson zu verbessern. Dazu gehören:
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- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit, die Kraft und das Gleichgewicht zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, dieAlltagskompetenzen zu erhalten und zu verbessern.
- Logopädie: Logopädie kann helfen, Sprach- und Schluckstörungen zu behandeln.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, Depressionen, Angstzustände und andere psychische Probleme zu bewältigen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann eine wertvolle Unterstützung sein.
Prävention von Verwirrtheit bei Parkinson
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die dazu beitragen können, Verwirrtheit bei Parkinson vorzubeugen:
- Regelmäßige körperliche Aktivität: Körperliche Aktivität kann helfen, die Durchblutung des Gehirns zu verbessern und die kognitiven Fähigkeiten zu erhalten.
- Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann dazu beitragen, die Gehirnfunktion zu unterstützen.
- Ausreichend Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Erholung des Gehirns und die kognitiven Funktionen.
- Vermeidung von Stress: Stress kann sich negativ auf die Gehirnfunktion auswirken. Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
- Regelmäßige Arztbesuche: Regelmäßige Arztbesuche können helfen,Risikofaktoren für Verwirrtheit frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Delirprävention im Krankenhaus: Bei einem Krankenhausaufenthalt sollten Maßnahmen zur Delirprävention ergriffen werden, wie z.B. Reorientierungsmaßnahmen, die Einhaltung des Tag-Nacht-Rhythmus, die Benutzung von Hilfsmitteln, die frühzeitige Mobilisierung und die ausreichende Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr.
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