Parkinson-Schübe Abmildern: Therapien und Behandlungsansätze

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die vor allem Gehirnregionen betrifft, die für Beweglichkeit und Motorik verantwortlich sind. Nach der Alzheimer-Krankheit ist sie die zweithäufigste ihrer Art. Obwohl die Krankheit unheilbar ist, gibt es verschiedene Therapieansätze, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Was ist die Parkinson-Krankheit?

Morbus Parkinson, auch einfach Parkinson oder Parkinson-Krankheit genannt, ist eine neurologische Erkrankung, also eine Erkrankung des Gehirns. Parkinson tritt vornehmlich im hohen Lebensalter auf, nämlich dann, wenn das Mittelhirn degenerativ erkrankt, das heißt, wenn die Nervenzellen, die für die Dopaminproduktion zuständig sind, absterben.

Ursachen und Risikofaktoren

Obgleich bekannt ist, dass bei der Parkinsonkrankheit die Nervenzellen im Gehirn absterben, sind die genauen Ursachen für das Absterben bislang ungeklärt. Bei Parkinson-Patienten sterben die Hirnnervenzellen ab, die für das Weiterleiten und die Produktion des Botenstoffs Dopamin zuständig sind. Infolge dessen degeneriert sich die Substantia nigra, jene Region im Mittelhirn, die für die Koordination der Körperbewegung zuständig ist. Während das Zellsterben im Bereich des Mittelhirns bereits seit vielen Jahren erforscht wird, steckt die Medizin mit der Erforschung anderer Hirnareale, die ebenfalls vom Morbus Parkinson betroffen sind, noch in den Kinderschuhen.

Das Risiko, an Parkinson zu erkranken, steigt grundsätzlich mit zunehmendem Lebensalter, gipfelt jedoch zwischen dem 58. und dem 62. Lebensjahr. Weitere Risikofaktoren sind:

  • Gendefekte innerhalb der Familie
  • Grunderkrankungen des Nervensystems
  • Unfälle
  • Medikamenten- und Drogenmissbrauch
  • langjährige Arbeit mit Pestiziden und anderen schädlichen Substanzen
  • chronischer Dopaminmangel aufgrund anderer Erkrankungen

Dopaminmangel als Hauptursache

Ein Dopaminmangel kann unterschiedlichste Symptome hervorrufen und ist ursächlich für verschiedene Erkrankungen, so zum Beispiel auch für Depressionen. Die typischen Symptome der Parkinsonkrankheit löst der Dopaminmangel erst aus, wenn rund 60 Prozent der Hirnnervenzellen bereits abgestorben sind. Aus diesem Grund wird Morbus Parkinson häufig erst spät diagnostiziert. Andere Krankheitsanzeichen, wie etwa dauerhafte Störungen im Magen-Darm-Trakt, wurden in den vergangenen Jahren als nicht diagnoserelevant gesehen, gewinnen aber heute zunehmend an Bedeutung, um Betroffenen frühzeitig helfen zu können.

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Seltenere Ursachen

Das Parkinson-Syndrom kann in selteneren Fällen auch auf zellulärer Ebene entstehen, das heißt, über Vererbung. Vor allem Großfamilien, in denen sich fehlerhafte Gene negativ weiter entwickeln, weisen ein höheres Risiko auf, an einer Form des Morbus Parkinson zu erkranken. Darüber hinaus ergaben sich in den letzten zehn Jahren Hinweise auf eine äußere Einwirkung durch Pestizide. Gemessen an der Tatsache, dass übermäßig häufig Landwirte an Morbus Parkinson erkranken, ergaben sich Belege, dass Pestizide und Herbizide sämtliche Parkinson-Symptome auslösen und manifestieren können. In Frankreich gilt Parkinson daher bereits als Berufskrankheit und Betroffenen werden von ihren Versicherungen entsprechend entschädigt.

Symptome von Parkinson

Die Parkinsonkrankheit äußert sich durch mehrschichtige Symptome, außerdem verläuft sie schleichend. Das heißt, Morbus Parkinson ist nicht heilbar und schreitet bis ans Lebensende fort, wobei die Beschwerden im Krankheitsverlauf immer weiter zunehmen. Im Anfangsstadium ist die Krankheit daher nur schwer zu erkennen, viele Betroffene werden erst nach einigen Jahren diagnostiziert. Je nach Erkrankungsform wird Parkinson von verschiedenen Beschwerden begleitet, die Leitsymptome einer jeden Erkrankungsform sind jedoch:

  • Tremor: unkontrollierbares Zittern der Hände
  • Rigor: Steifheit der Muskulatur
  • Bradykinese: zunehmende Verlangsamung der Bewegungsabläufe bis hin zur Bewegungsarmut
  • posturale Instabilität: Schwierigkeiten und Störungen beim aufrechten Gang und Gleichgewichtsprobleme

Frühe Anzeichen der Parkinsonkrankheit sind beispielsweise Schmerzen in einer Schulter und einseitige Verspannungen, die zumeist den oberen Rücken betreffen. Im weiteren Verlauf zeigt sich eine einseitige Armsteifheit, der betroffene Arm schwingt beim Gehen nicht mehr mit. Erst später treten Beschwerden auf, die sich in Kardinalsymptome und fakultative Begleitsymptome unterteilen.

Kardinalsymptome

  • Bewegungsarmut
  • eingeschränkte Mimik
  • gebeugter Gang
  • einseitiges Zittern bei körperlicher Ruhe
  • Standunsicherheit
  • Fallangst

Fakultative Begleitsymptome

  • Missempfindungen
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • verminderter Geruchssinn
  • fettige Gesichtshaut
  • norm schwankender Blutdruck
  • mangelnde Libido
  • Magen-Darm-Beschwerden wie Verstopfung und Durchfall
  • verminderte Wärmetoleranz und Fieberschübe
  • depressive Verstimmung
  • Sinnestäuschungen und Verfolgungswahn
  • Restless Legs
  • Ein- und Durchschlafstörungen

Nicht-motorische Symptome

Neben den motorischen Symptomen können bei Parkinson eine Reihe von nicht-motorischen Symptomen auftreten. Die vielfältigen Symptome eines Parkinson-Syndroms können nicht nur belastend sein, sondern sind oft auch schambesetzt.

Frühsymptome

Es gibt aber einige Anzeichen und Symptome, die als Vorboten der Parkinson-Krankheit gelten können. Diese frühen Warnzeichen sind oft sehr unspezifisch.

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  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Dies ist eine Schlafstörung, bei der Personen im REM-Schlaf äußerst lebhaft träumen, indem sie sprechen, um sich treten oder schlagen.

Diagnose von Parkinson

Da Morbus Parkinson eine schleichende Erkrankung ist, wird die Diagnose häufig sehr spät gestellt. Doch gerade im frühen Stadium der Krankheit, lange bevor die eigentlichen Hauptsymptome auftreten, äußert sich Parkinson durch stetige Stimmungsschwankungen, eine Abnahme der Riechleistung, Schlafstörungen und chronische Verstopfungen, sodass Neurologen heute deutlich früher auf Parkinson schließen, als es noch vor einigen Jahren der Fall war.

Die Diagnostik des Parkinsonsyndroms erfolgt hauptsächlich symptomatisch, also durch eine eingehende Patientenanamnese. Da Parkinson über einfache Labortests nicht nachweisbar ist, erfolgt die Diagnostik vornehmlich über den sogenannten L-Dopa-Test. Im Rahmen dieses Tests bekommt der Patient die 1,5-fache Menge L-Dopa, ein Medikament zur Bildung neuen Dopamins. Ist die gesamte Symptomatik unter der Gabe des Medikaments rückläufig, kann vom Vorliegen eines Morbus Parkinson ausgegangen werden, da Parkinson sensibel auf Dopamingaben reagiert.

Weitere Untersuchungen

Lässt sich der Parkinson-Verdacht im L-Dopa-Test bereits bestätigen, kann die Diagnose in vielen Fällen schon gesichert sein. In unklaren Fällen, etwa bei Verdacht auf weitere neurologische oder körperliche Erkrankungen, sind bildgebende Verfahren wie MRT oder CT sinnvoll, um andere Veränderungen der Hirnstruktur auszuschließen oder zu bestätigen. Andere Untersuchungen, wie etwa eine Hirnbiopsie, mit deren Hilfe sich Morbus Parkinson zweifelsfrei nachweisen ließe, kommen in der Regel nicht zum Einsatz, da Nebenwirkungen und Risiko der Untersuchung in keiner Relation zum Ergebnis stehen. Dieselben Ablagerungen, die sich jedoch im Hirn von Parkinson-Patienten finden, lassen sich jedoch auch über die Speicheldrüsen und Abstriche der Magen- und Darmschleimhaut nachweisen, sodass die Diagnostik künftig erleichtert werden kann.

L-Dopa-Test im Detail

Der sogenannte L-Dopa-Test kann beispielsweise im Rahmen der Diagnostik eines Parkinson-Syndroms eingesetzt werden. Hierfür wird zunächst die Symptomschwere erfasst. Dann wird eine schnell wirksame Form von L-Dopa verabreicht und die Symptome werden erneut erfasst. Wenn sich die Symptome um mindestens 30 Prozent verbessert haben, deutet dies auf ein idiopathisches Parkinson-Syndrom hin. Wichtig ist allerdings, dass das alleinige Testergebnis noch keine gesicherte Parkinson-Diagnose bedeutet.

DAT-Scan Untersuchung

Die DAT-Scan Untersuchung, auch bekannt als Dopamintransporter-Scan, ist eine spezielle bildgebende Untersuchung, die in der Diagnose von Parkinson und anderen Bewegungsstörungen verwendet wird. Ein DAT-Scan wird typischerweise durchgeführt, um die Diagnose von Parkinson zu bestätigen.

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Therapie und Behandlung von Parkinson

Morbus Parkinson ist nicht heilbar und auch das Fortschreiten der Krankheit kann nicht aufgehalten werden. Die Behandlung der Krankheit stützt sich also hauptsächlich auf Medikamente, die die Symptome abmildern. Die mittlerweile ausgereifte medikamentöse Behandlung kann den Betroffenen in den ersten Jahren, in einigen Fällen sogar Jahrzehnten, ein nahezu beschwerdefreies Leben ermöglichen.

Betroffene bekommen im Rahmen der Therapie Medikamente verordnet, die den vorherrschenden Dopaminmangel ausgleichen und das Hirndopamin erhöhen, ohne das Hirn selbst zur Neuproduktion des Botenstoffs anzuregen. Zu den klassischen Medikamenten, die bei Morbus Parkinson zum Einsatz kommen, zählen vor allem L-Dopa-Präparate, Dopaminagonisten und COMT-Hemmer. Das Medikament L-Dopa wird hierzulande jedoch am häufigsten verordnet, da es als Vorstufe des Dopamins in der Lage ist, die Blut-Hirn-Schranke zuverlässig zu passieren und eine entsprechende Wirksamkeit zu garantieren.

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung von Parkinson zielt darauf ab, die Botenstoffe im Gehirn wieder in ihr Gleichgewicht zu bringen und damit die motorischen Defizite abzumildern. Dazu kommen Medikamente zum Einsatz, die den Dopaminmangel wieder ausgleichen, wie zum Beispiel Levodopa (in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer).

Hirnschrittmacher

Der Hirnschrittmacher zur tiefen Hirnstimulation hilft schwer betroffenen Patienten, Impulse zu empfangen und das Bewegungsbild wieder zu verfeinern. Die elektrischen Impulse stimulieren einzelne Hirnareale und schwächen den krankheitsbedingten Tremor deutlich ab, wenn die medikamentöse Behandlung bereits ihre Grenzen erreicht hat. Die komplizierte Operation am offenen Hirn dauert rund zwölf Stunden und wird nur in besonders schweren Parkinson-Fällen durchgeführt. Die Operationsrisiken sind hoch, in vielen Fällen kommt es beispielsweise zu anhaltenden Störungen in der Sprache, oder aber zum Ausbruch einer Epilepsie.

Im Anschluss an die erfolgte Operation erhalten die Betroffenen ein Kontrollgerät, mit dessen Hilfe sie den Status der Batterie des Hirnschrittmachers selbst überprüfen können. Außerdem haben sie die Möglichkeit, das Gerät selbst an- oder auszuschalten, somit kann der Hirnschrittmacher nach Bedarf verwendet werden. Die Operation zum Einsatz eines Hirnschrittmachers wird bereits seit den 90er Jahren durchgeführt, sollte aber speziell ausgebildeten Neurochirurgen vorbehalten bleiben. Außerdem erfordert ein einmal eingesetzter Hirnschrittmacher regelmäßige, wenn auch kleinere Folgeoperationen durch die Schädeldecken, in deren Rahmen Neugeräte mit voller Batterieleistung eingesetzt werden.

Alternative Behandlungsmethoden

Neben der medikamentösen Behandlung sind nicht-medikamentöse Therapien sehr wichtig. Die Erkrankten werden dabei unterstützt, ihre bestehenden kognitiven Fähigkeiten und Alltagskompetenzen möglichst lange zu erhalten.

Physio- und Bewegungstherapien, autogenes Training, Meditation und Akupunktur machen einen Großteil der alternativen Behandlungsmöglichkeiten aus. Die Erfolge sind im Wohlbefinden der Betroffenen messbar. Vor allem Bewegungsübungen können dazu beitragen, die körperliche Mobilität bei Parkinson zu erhalten und den Verfall der feinen, motorischen Bewegungsabläufe hinauszuzögern.

Zudem ist eine begleitende Sprachtherapie angezeigt, sobald die ersten Probleme beim Modulieren der Stimme auftreten. Das ist meist im fortgeschrittenen Stadium der Fall, kann aber in einigen Krankheitsfällen auch schon sehr früh eintreten. Ergänzend zur Physio- und Sprachtherapie kann eine Ergotherapie den Betroffenen helfen, im Alltag so lange wie möglich eigenständig zu bleiben und die räumliche Wahrnehmung zu verbessern.

Ernährung und Parkinson

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung trägt im Allgemeinen zum Wohlbefinden bei, so dementsprechend auch bei Morbus Parkinson. Viele Betroffene versuchen, die Symptomatik der Krankheit zudem über Nahrungsergänzungsmittel zu regulieren. Durch die Einnahme zusätzlicher Vitamine sollen Mangelzustände vermieden oder behoben werden, was zur Verbesserung des Allgemeinbefindens führt.

Begleitsymptome wie Depressionen und Magenbeschwerden können auf diese Weise abgeschwächt werden. Dennoch sollten Betroffene ihre Nahrungsergänzung immer mit ihrem behandelnden Arzt besprechen, denn einige Vitaminpräparate sind kontraindiziert. Zu beachten sind vor allem die Neben- und Wechselwirkungen mit der verordneten medikamentösen Behandlung.

Bewegung und körperliche Aktivität

Zur Linderung der motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung wird möglichst viel körperliche Aktivität empfohlen. Körperliche Aktivität, regelmäßiger Kaffeekonsum und eine gesunde mediterrane Ernährung mit vielen Ballaststoffen und Polyphenolen können das Risiko für die Entstehung und das Fortschreiten von Parkinson senken.

Kognitive Beeinträchtigungen und Demenz

Bei vielen Menschen mit Parkinson treten im Verlauf der Erkrankung kognitive Beeinträchtigungen auf. Von einer Parkinson-Demenz spricht man, wenn ein Mensch mit Parkinson mindestens zwei kognitive Einschränkungen aufweist, die sein unabhängiges Leben erschweren. Wie stark diese Einschränkungen sind, ist von Person zu Person unterschiedlich. Häufig sind die Aufmerksamkeit, die Problemlösefähigkeit, die Sprache oder die Orientierung betroffen. Auch das Lang- und Kurzzeitgedächtnis kann bei Menschen mit Parkinson-Demenz nachlassen. Menschen mit Parkinson-Demenz verarbeiten Informationen oft langsamer und es kann zu Persönlichkeitsveränderungen kommen.

Parkinson und Berufserkrankung

Dass Umweltgifte wie Pestizide und organische Lösungsmittel schädlich für die Nerven sein können, ist mittlerweile nicht nur wissenschaftlich, sondern auch behördlich anerkannt: Seit dem Frühjahr 2024 ist Parkinson für Pestizid-Einsetzende Personen in Deutschland auch als Berufserkrankung anerkannt. Besonders gefährdet sind Landwirte, Winzer und andere Anwender. Wer unzureichend geschützt mindestens 100 Anwendungstage mit einem dieser Pestizide im Berufsleben hatte, kann die Parkinson-Erkrankung als Berufskrankheit anerkennen lassen.

Leben mit Parkinson

Parkinson ist keine akut lebensbedrohliche Erkrankung. Unter guter medikamentöser Therapie haben Betroffene eine in etwa normale Lebenserwartung. Viele werden allerdings innerhalb von 20 Jahren pflegebedürftig. Im Einzelfall können Schluckstörungen oder Stürze auch zu lebensverkürzenden Komplikationen führen. Manchmal kommt es zu einem kognitiven Abbau bis hin zur Demenz. Die Prognosen für den Verlauf unterscheiden sich je nach Unterform der Parkinson-Erkrankung.

Selbsthilfe und Unterstützung

Das Parkinsonsyndrom ist eine unheilbare Krankheit, die Betroffene bis an ihr Lebensende begleiten wird. Obwohl sie nicht tödlich verläuft und viele Patienten einen normalen Alterstod sterben, kann sie das Leben doch so weit beeinträchtigen, dass es Betroffenen nicht mehr lebenswert erscheint.

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