Die Diagnose Parkinson stellt für Betroffene und ihre Familien oft einen Schreck dar. Umso wichtiger ist es, Anlaufstellen zu haben, die Unterstützung und Informationen bieten. Eine solche Anlaufstelle ist die regionale Selbsthilfegruppe Ludwigshafen und Umgebung der Deutschen Parkinson-Vereinigung, die seit über 40 Jahren besteht.
Ein Jubiläum mit Hindernissen
Vor 41 Jahren wurde die regionale Selbsthilfegruppe Ludwigshafen und Umgebung der Deutschen Parkinson-Vereinigung gegründet. Das Jubiläum musste aufgrund der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben werden.
Mitgliederstruktur und Bedeutung der Selbsthilfegruppe
Aktuell zählt die Gruppe 110 Mitglieder. Das jüngste Mitglied wurde 1975 geboren, das älteste ist fast 90 Jahre alt. Die Altersspanne zeigt, dass Parkinson in unterschiedlichen Lebensphasen auftreten kann.
Für Außenstehende ist die Krankheit oft an Bewegungsarmut, Muskelstarre und dem typischen, aber nicht immer vorhandenen Muskelzittern erkennbar. Parkinson entsteht durch einen langsam fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn und gilt nach der Alzheimer-Krankheit als zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung weltweit.
Neben den körperlichen Beeinträchtigungen sind die psychischen Veränderungen für Parkinson-Patienten nicht zu unterschätzen. Eine Selbsthilfegruppe kann hier wertvolle Hilfe leisten, indem sie den Austausch mit anderen Betroffenen ermöglicht und Informationen rund um das Leben mit der Krankheit liefert.
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Austausch und praktische Hilfe
„Bei unseren Treffen tauschen wir uns über unsere Erfahrungen aus, geben Tipps weiter. Es tut einfach gut, sich mit anderen Erkrankten zu unterhalten“, erklärt Jochen Nahrwold vom Vorstand der Selbsthilfegruppe Ludwigshafen und Umgebung. Er weiß, wie wichtig es ist, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, um mit den Unwägbarkeiten der Krankheit besser umgehen zu können. „Manchmal sitzt man alleine in seinem Kämmerlein und brütet über die Unwägbarkeiten dieser Krankheit, da tut es gut, rauszugehen und sich mit anderen Betroffenen zu unterhalten. Da sieht die Welt gleich viel besser aus.“
Neben dem persönlichen Gespräch bietet die Gruppe auch ganz Pragmatisches wie Infos zu Pflegegraden, dem Beantragen eines Schwerbehindertenausweises, Erfahrungen zu Medikamenten und Rehakliniken. „Wir organisieren auch Vorträge von Fachleuten“, berichtet Vorsitzender Uwe Zäpernick.
Die Treffen finden immer am zweiten Mittwoch eines Monats von 16 bis 18 Uhr im Vital-Zentrum, Raiffeisenstraße 24, in Oggersheim statt.
Veranstaltungen und Aktivitäten
Die Selbsthilfegruppe Ludwigshafen und Umgebung ist aktiv und bietet verschiedene Veranstaltungen und Aktivitäten an, um Betroffene zu unterstützen und zu informieren.
Am 7. Oktober informiert der Parkinson Tour-Bus an der Rhein-Galerie von 9.30 bis 15 Uhr über die Krankheit. Am 28. Oktober findet im Congressforum in Frankenthal der siebte Aktionstag „Leben mit Parkinson“ von 9 bis 16 Uhr statt. „Es konnten wieder namhafte Referenten gewonnen werden, die in den Pausen für persönliche Gespräche zur Verfügung stehen“, berichtet Zäpernick.
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Da die Beweglichkeit zu fördern ebenso wichtig ist wie wertvolle Informationen, bietet die Regionalgruppe Ludwigshafen eine Gymnastikgruppe für ihre Mitglieder an: immer montags von 17 bis 18 Uhr in der Rheinhorststraße 30 unter der Leitung einer Physiotherapeutin.
Selbsthilfegruppen allgemein: Funktionsweise und Nutzen
Selbsthilfegruppen sind ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung und bieten Menschen mit ähnlichen Problemen und Erkrankungen die Möglichkeit, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.
Organisation und Teilnahme
Alle Gruppen treffen sich aus eigener Initiative in regelmäßigen Abständen, wobei die Art, der Inhalt und die Dauer der Treffen im Ermessen der einzelnen Gruppen liegt. Einige Selbsthilfegruppen sind jederzeit auch für Neuzugänge offen, andere wiederum haben einen geschlossenen Teilnehmerkreis. Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe ist in der Regel kostenlos.
Für wen ist eine Selbsthilfegruppe geeignet?
Eine Selbsthilfegruppe kann keine Therapie ersetzen. Bei physischen oder psychischen Erkrankungen kann eine Selbsthilfegruppe nicht einfach wie ein Medikament vom behandelnden Arzt "verschrieben" werden. Die Teilnahme an einer solchen erfolgt absolut freiwillig und liegt im Ermessen des Betroffenen. Es ist ratsam, sich im Vorfeld über die Themen und Angebote der regionalen Selbsthilfegruppen zu informieren.
Der persönliche Nutzen
Uwe Zäpernick, der vor neun Jahren die Diagnose „Parkinson“ erhielt, weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig die Unterstützung durch eine Selbsthilfegruppe sein kann. Die Diagnose hat ihn zunächst aus der Bahn geworfen, aber mittlerweile hat der 76-Jährige gelernt, mit der unheilbaren Krankheit zu leben. Als Vorsitzender der Selbsthilfegruppe gibt ihm die Aufgabe, andere Betroffene zu unterstützen, Kraft. Und es werden immer mehr.
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