Die Parkinson-Krankheit ist eine weit verbreitete Alterskrankheit. Obwohl sie dank moderner Medikamente gut behandelbar ist, bleibt sie unheilbar. Die mit Parkinson einhergehenden Beschwerden führen oft zu einer Verringerung der körperlichen Aktivität, wobei sich viele Patienten nicht ausreichend bewegen. Experten sind sich jedoch einig, dass neben der richtigen Medikation gezielte Übungen einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben. Körperliches Training kann Bewegungseinschränkungen lindern und deren Fortschreiten verhindern.
Die Bedeutung von Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen spielen eine zentrale Rolle bei der Unterstützung von Parkinson-Patienten und ihren Angehörigen. Sie bieten eine Plattform für den Austausch von Erfahrungen, Informationen und praktischen Ratschlägen. Im Raum Tübingen und Reutlingen sind die Parkinson Selbsthilfegruppen ein wichtiger Anlaufpunkt für Betroffene.
Treffen im Haus der Begegnung in Orschel-Hagen
Die Parkinson-Selbsthilfegruppe Reutlingen-Tübingen veranstaltet regelmäßig Treffen im Haus der Begegnung in Orschel-Hagen. Diese Treffen bieten den Mitgliedern die Möglichkeit, sich in einer unterstützenden Umgebung auszutauschen und von den Erfahrungen anderer zu profitieren. Bei einem dieser Treffen erklärte Prof. Dr. Wolfgang Hiller anschaulich rund 40 Besuchern, wo es bei der Parkinson-Erkrankung im Gehirn hakt.
Die Parkinson-Erkrankung: Eine Einführung
Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die vor allem das motorische System betrifft. Sie ist durch den Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der für die Steuerung von Bewegungen verantwortlich ist. Ein Mangel an Dopamin führt zu den typischen Symptomen der Parkinson-Krankheit, wie Zittern, Muskelsteifheit, langsame Bewegungen und Gleichgewichtsstörungen.
Symptome und Diagnose
Die Symptome der Parkinson-Krankheit können von Person zu Person variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
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- Zittern (Tremor): Oftmals das erste und auffälligste Symptom. Es tritt meist in Ruhe auf und betrifft vor allem Hände und Finger.
- Muskelsteifheit (Rigor): Die Muskeln fühlen sich steif und unbeweglich an, was die Bewegungsfähigkeit einschränkt.
- Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese): Die Bewegungen werden langsamer und mühsamer. Dies betrifft oft alltägliche Aktivitäten wie Gehen, Anziehen oder Essen.
- Gleichgewichtsstörungen (posturale Instabilität): Das Gleichgewicht ist beeinträchtigt, was zu Stürzen führen kann.
Weitere Symptome können Schlafstörungen, Depressionen, Angstzustände, Gedächtnisprobleme und Verdauungsbeschwerden sein.
Die Diagnose der Parkinson-Krankheit basiert in der Regel auf einer neurologischen Untersuchung und der Erhebung der Krankengeschichte. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT können eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
Behandlungsmöglichkeiten bei Parkinson
Obwohl die Parkinson-Krankheit nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome lindern und die Lebensqualität der Patienten verbessern können.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung der Parkinson-Krankheit. Ziel ist es, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen oder die Wirkung von Dopamin zu verstärken. Zu den häufig verwendeten Medikamenten gehören:
- Levodopa: Wird im Gehirn in Dopamin umgewandelt und gleicht den Dopaminmangel aus.
- Dopaminagonisten: Aktivieren die Dopaminrezeptoren im Gehirn und ahmen die Wirkung von Dopamin nach.
- MAO-B-Hemmer: Verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn und erhöhen so die Dopaminkonzentration.
- COMT-Hemmer: Verlängern die Wirkung von Levodopa, indem sie den Abbau von Dopamin verhindern.
Die medikamentöse Therapie muss individuell auf den Patienten abgestimmt werden, da die Wirkung der Medikamente von Person zu Person unterschiedlich sein kann.
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Nicht-medikamentöse Therapie
Neben der medikamentösen Therapie spielen auch nicht-medikamentöse Maßnahmen eine wichtige Rolle bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit. Dazu gehören:
- Physiotherapie: Gezielte Übungen verbessern die Beweglichkeit, Kraft und Koordination.
- Ergotherapie: Hilft den Patienten, alltägliche Aktivitäten selbstständiger auszuführen und ihre Lebensqualität zu verbessern.
- Logopädie: Behandelt Sprach- und Schluckstörungen.
- Neuropsychologie: Unterstützt bei kognitiven Problemen wie Gedächtnis- oder Aufmerksamkeitsstörungen.
Tiefe Hirnstimulation
Die tiefe Hirnstimulation ist ein neurochirurgisches Verfahren, bei dem Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden. Diese Elektroden senden elektrische Impulse aus, die die Aktivität der Nervenzellen beeinflussen und die Symptome der Parkinson-Krankheit lindern können. Die tiefe Hirnstimulation kommt vor allem für Patienten in Frage, bei denen die medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend wirkt.
Die Rolle von Bewegung und Sport
Regelmäßige Bewegung und Sport sind ein wichtiger Bestandteil der Behandlung der Parkinson-Krankheit. Körperliches Training kann die Bewegungseinschränkungen lindern und deren Fortschreiten verhindern. Für Parkinsonerkrankte gibt es ganz spezielle, auf sie abgestimmte Übungsangebote. Doch auch die Bewegung im Alltag hat ihre Bedeutung. Bereits die Steigerung bzw. Aufrechterhaltung der körperlichen Bewegung im Sinne von Spazierengehen, Fahrradfahren oder Gartenarbeit kann die Beweglichkeit verbessern.
PD Dr. Mätzler, ein Spezialist für die Behandlung von Parkinson-Patienten, betont die Bedeutung eines aktiven Lebensstils: "Ganz klares Ziel ist für mich der Erhalt der Selbständigkeit. Ich möchte, dass meine Patienten lange ein selbständiges und aktives Leben führen können. Dabei sind Medikamente nur ein Baustein der Behandlung. Sie helfen, die Symptome zu lindern. Zum Erhalt der Selbständigkeit braucht es aber mehr, ein aktiver Lebensstil ist sehr wichtig."
Welche Parkinsonpatienten profitieren von Training und Übungen?
Prinzipiell profitieren alle Patienten davon. Patienten mit milden Beschwerden können durch Steigerung der Bewegung und gezieltes Training den weiteren Verlauf günstig beeinflussen. Jene Patienten, die schon ausgeprägtere Beschwerden haben, können so ihre Beweglichkeit und Selbständigkeit erhalten.
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Können alle Parkinsonpatienten an Gruppenangeboten teilnehmen?
Hier gibt es keine generelle Antwort. Wenn Sie unsicher sind, halten Sie am besten Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. Besonders wenn das Gleichgewicht beeinträchtigt ist, sollte möglicherweise eine physiotherapeutische Einzelbehandlung überlegt werden.
Wie erkennen die Patienten, ob das gewählte Bewegungsangebot gut für sie ist?
Zunächst sollte der Patient Spaß an dem Angebot haben und sich wohlfühlen. Die Übungen sollten die Teilnehmer fordern, aber nicht überfordern. Hier sind die Übungsleiter gefragt, auf die Möglichkeiten des Einzelnen einzugehen. Es gibt eine vielfältige Palette an Übungen und Angeboten, deshalb lässt sich nicht pauschal sagen, welche ganz allgemein besonders günstig sind. Kraft- und Ausdauerübungen beeinflussen andere Aspekte als Gleichgewichtsübungen oder Dehnungsübungen. Hier sollte eine gute Mischung vorhanden sein. Doch selbst für das Tanzen gibt es vielversprechende Ansätze.
Unterstützung durch Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen wie die Parkinson Selbsthilfegruppen Tübingen-Reutlingen bieten eine wertvolle Unterstützung für Betroffene und ihre Angehörigen. Sie ermöglichen den Austausch von Erfahrungen, Informationen und praktischen Ratschlägen. In den Gruppen können sich die Mitglieder gegenseitig Mut machen, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam Strategien entwickeln, um mit den Herausforderungen der Parkinson-Krankheit umzugehen.
Angebote der Selbsthilfegruppen
Die Parkinson Selbsthilfegruppen bieten in der Regel eine Vielzahl von Angeboten, darunter:
- Regelmäßige Treffen: Bieten die Möglichkeit zum persönlichen Austausch und zur Vernetzung mit anderen Betroffenen.
- Vorträge und Workshops: Informieren über aktuelle Themen rund um die Parkinson-Krankheit.
- Bewegungsangebote: Fördern die körperliche Aktivität und verbessern die Beweglichkeit.
- Beratung und Unterstützung: Bieten individuelle Beratung und Unterstützung für Betroffene und ihre Angehörigen.
- Gemeinsame Aktivitäten: Stärken den Zusammenhalt und fördern die Lebensqualität.
Leben mit Parkinson: Herausforderungen und Chancen
Das Leben mit Parkinson kann mit vielen Herausforderungen verbunden sein. Die Symptome der Krankheit können die Bewegungsfähigkeit einschränken, die Selbstständigkeit beeinträchtigen und die Lebensqualität mindern. Es ist wichtig, sich diesen Herausforderungen zu stellen und aktiv nach Lösungen zu suchen.
Strategien zur Bewältigung der Krankheit
Es gibt verschiedene Strategien, die Parkinson-Patienten helfen können, mit ihrer Krankheit umzugehen und ihre Lebensqualität zu verbessern:
- Frühzeitige Diagnose und Behandlung: Je früher die Parkinson-Krankheit diagnostiziert und behandelt wird, desto besser können die Symptome kontrolliert und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt werden.
- Aktiver Lebensstil: Regelmäßige Bewegung, Sport und soziale Aktivitäten können die Beweglichkeit verbessern, die Stimmung aufhellen und die Lebensqualität steigern.
- Unterstützung durch Angehörige und Freunde: Die Unterstützung von Angehörigen und Freunden ist für Parkinson-Patienten sehr wichtig. Sie können helfen, den Alltag zu bewältigen, Mut zu machen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Teilnahme an Selbsthilfegruppen: Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen, zur gegenseitigen Unterstützung und zur Entwicklung von Strategien zur Bewältigung der Krankheit.
- Professionelle Hilfe: Bei Bedarf sollten Parkinson-Patienten professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, z. B. durch Ärzte, Therapeuten oder Psychologen.
Chancen trotz Parkinson
Trotz der Herausforderungen, die mit der Parkinson-Krankheit verbunden sind, gibt es auch Chancen. Viele Parkinson-Patienten schaffen es, ein erfülltes und aktives Leben zu führen. Sie engagieren sich in Vereinen, nehmen an kulturellen Veranstaltungen teil, reisen und pflegen ihre Hobbys. Die Parkinson-Krankheit kann auch dazu führen, dass man sich intensiver mit dem Leben auseinandersetzt, neuePrioritäten setzt und die kleinen Dinge im Leben mehr zu schätzen lernt.
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