Das St. Josef-Hospital in Bochum bietet eine spezialisierte Anlaufstelle für Patienten mit Morbus Parkinson und anderen extrapyramidal-motorischen Erkrankungen. Die Parkinson-Spezialambulanz ist Teil der Neurologischen Klinik und widmet sich der umfassenden Diagnostik, Therapie und Forschung im Bereich der Bewegungsstörungen.
Schwerpunkte der Parkinson-Spezialambulanz
Die Parkinson-Spezialambulanz am St. Josef-Hospital Bochum konzentriert sich auf folgende Kernbereiche:
- Differentialdiagnostik von Bewegungsstörungen: Unter der Leitung erfahrener Fachoberärzte wird das gesamte Spektrum der Differentialdiagnostik von Bewegungsstörungen zur Abklärung unklarer Symptome und zur Sicherung der Diagnose angeboten.
- Differenzierte Initialbehandlung: Bei Patienten in frühen Stadien der Erkrankung werden eine differenzierte Initialbehandlung mit Medikamenten und zusätzliche Therapieverfahren eingeleitet.
- Therapieoptimierung: Für Betroffene im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf wird eine Therapieoptimierung ambulant vorgenommen oder, falls notwendig und gewünscht, eine stationäre Behandlung initiiert.
- Forschung: Die Parkinson-Ambulanz ist in besonderem Maße an der Erforschung der Ursachen des Morbus Parkinson und an der Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten beteiligt.
Diagnostik und Therapie
Die Parkinson-Spezialambulanz bietet ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen an, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten.
Diagnostik
Die Diagnostik umfasst die Erhebung der Krankengeschichte, eine ausführliche neurologische Untersuchung und gegebenenfalls weitere spezielle Untersuchungen. Hierzu gehören:
- Klinische Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte und neurologische Untersuchung zur Beurteilung der motorischen und nicht-motorischen Symptome.
- Apparative Diagnostik: Einsatz moderner technischer Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen der hirnversorgenden Gefäße (Neurosonologie), um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
- Bewegungsanalyse: Mithilfe von Sensoren werden Bewegungsabläufe analysiert, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und den Verlauf der Erkrankung besser voraussagen zu können.
- Neurobiologische Untersuchungen: Analyse von Blut- und Nervenwasser zur Identifizierung von Biomarkern und zur Erforschung der Krankheitsursachen.
- Gedächtnissprechstunde: Frühzeitiges Erkennen klinisch relevanter kognitiver Defizite durch neuropsychologische Tests.
Therapie
Die Therapie des Morbus Parkinson zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Dabei kommen verschiedene Behandlungsansätze zum Einsatz:
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- Medikamentöse Therapie: Einsatz von Medikamenten, die den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen oder andere Symptome lindern. Die medikamentöse Therapie wird individuell an den Patienten angepasst und im Verlauf der Erkrankung optimiert.
- Nicht-medikamentöse Therapie: Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Parkinson-Patienten. Sie helfen, die Beweglichkeit zu verbessern, die Feinmotorik zu schulen und die Sprach- und Schluckfunktion zu erhalten.
- Tiefe Hirnstimulation: Für Patienten mit fortgeschrittenem Morbus Parkinson, die auf die medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend ansprechen, kann die tiefe Hirnstimulation eine Option sein. Bei diesem Verfahren werden Elektroden in bestimmte Hirnareale implantiert, um die gestörten Nervenfunktionen zu modulieren. Die Neurologische Klinik kooperiert hierfür mit der Neurochirurgischen Klinik im Knappschaftskrankenhaus Langendreer.
- Kontinuierliche Dopamin-Therapie: Bei Patienten mit starken Wirkungsschwankungen kann die kontinuierliche Behandlung mit Dopamin über eine Dünndarmsonde (DuoDopa®) eine Verbesserung der Symptome bewirken.
Forschung am St. Josef-Hospital
Die Neurologische Klinik des St. Josef-Hospitals engagiert sich in der Forschung, um die Ursachen des Morbus Parkinson besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln.
Aktuelle Forschungsprojekte
- ProACT-Studie: In dieser Studie wird untersucht, wie sich eine Parkinson-Komplextherapie auf den Verlauf der Erkrankung auswirkt. Die Komplextherapie umfasst ein intensives Trainingsprogramm mit Übungen für die Motorik, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie.
- Studien zur Früherkennung: Mithilfe von digitalen Bewegungsanalysen und neurobiologischen Untersuchungen sollen Veränderungen, die auf Parkinson hindeuten, frühzeitig erkannt werden.
- Klinische Studien zu neuen Medikamenten: In Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Kooperationspartnern werden Studien zum Einsatz neuer Medikamente bei der Parkinson-Erkrankung durchgeführt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung von Medikamenten, die den Verlauf der Erkrankung verlangsamen oder aufhalten können (Neuroprotektion).
Ziele der Forschung
- Frühere Diagnose: Entwicklung von Methoden, um Parkinson bereits in frühen Stadien zu erkennen, bevor irreversible Schäden entstanden sind.
- Bessere Therapie: Entwicklung neuer Medikamente und Therapieverfahren, die die Symptome lindern und den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen.
- Personalisierte Medizin: Anpassung der Therapie an die individuellen Bedürfnisse und Eigenschaften des Patienten, um eine optimale Wirkung zu erzielen.
Das Team der Parkinson-Spezialambulanz
Das Team der Parkinson-Spezialambulanz besteht aus erfahrenen Neurologen, Neuropsychologen, Therapeuten und Pflegekräften, die eng zusammenarbeiten, um eine umfassende und individuelle Betreuung der Patienten zu gewährleisten.
Kooperationen
Die Neurologische Klinik des St. Josef-Hospitals kooperiert eng mit anderen Fachabteilungen des Krankenhauses sowie mit externen Partnern, um eine optimale Versorgung der Patienten sicherzustellen. Zu den Kooperationspartnern gehören:
- Neurochirurgische Klinik im Knappschaftskrankenhaus Langendreer: Gemeinsames Angebot der tiefen Hirnstimulation für Parkinson-Patienten.
- Regionalgruppen der Deutschen Parkinson-Vereinigung: Unterstützung und Beratung von Patienten und Angehörigen.
- Forschungseinrichtungen im In- und Ausland: Zusammenarbeit bei der Durchführung von klinischen Studien und der Erforschung der Krankheitsursachen.
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