Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die oft mit Bewegungseinschränkungen, Muskelsteifheit, Zittern und Gleichgewichtsstörungen einhergeht. Auf den ersten Blick mag Sport für Betroffene ungeeignet erscheinen, doch gezielte körperliche Aktivität kann den Krankheitsverlauf verlangsamen, die Beweglichkeit verbessern und die Lebensqualität steigern. In Erlangen gibt es eine Reihe von Angeboten, die speziell auf die Bedürfnisse von Parkinson-Patienten zugeschnitten sind.
Rehabilitationssportprogramm des Universitätsklinikums Erlangen
Die Molekular-Neurologische Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen hat in Kooperation mit der Erlanger Regionalgruppe der Deutschen Parkinson Vereinigung e. V. (dPV) ein Rehabilitationssportprogramm entwickelt. Dieses Gruppentraining findet in der Sporthalle der Kopfkliniken in Erlangen statt.
Ziele und Inhalte:
Unter der Leitung von Sportwissenschaftler Dr. Heiko Gaßner und Physiotherapeutin Kathrin Weinmann zielt das 45-minütige Training darauf ab, Kraft, Konzentration und Ausdauer für alltägliche Bewegungen aufzubauen und zu erhalten. Die Übungen umfassen lockere Bewegungen für Arme, Schultern und Beine, die gleichzeitig die Koordination von Körper und Geist fördern.
Besonderheiten:
- Individuelle Betreuung: In kleinen Gruppen kann individuell auf die Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen eingegangen werden.
- Wissenschaftliche Begleitung: Fortschritte der Patienten werden durch standardisierte Messverfahren dokumentiert, um eine objektive Evaluation zu gewährleisten.
- Teilnahmevoraussetzungen: Jeder Parkinson-Patient, der ohne Unterstützung gehen kann und nicht sturzgefährdet ist, kann teilnehmen.
- Kostenübernahme: Die Teilnahme am Rehabilitationssport wird in der Regel von den Krankenkassen für drei Jahre gefördert.
- Hohe Nachfrage: Das Sportangebot ist sehr beliebt, Interessierte müssen sich auf eine Warteliste eintragen.
Online-Trainingsangebote während der Pandemie
Aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie hat das Team um Dr. Gaßner verschiedene Übungspakete auf Video aufgezeichnet und kostenlos im Internet bereitgestellt. Diese Videos ermöglichen es den Betroffenen, auch während des Ausfalls des Gruppentrainings fit zu bleiben.
Inhalte der Videos:
Die Videos zeigen Übungen für drinnen und draußen, darunter Nordic-Walking-Übungen mit Stock, Arm- und Beinbewegungen sowie Ausfallschritte. Der Fokus liegt auf Gleichgewichtstraining, Gangschulung, Sturzprävention sowie Verbesserung von Kraft und Beweglichkeit.
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Erfolg der Online-Angebote:
Die Online-Trainingsangebote wurden während der Lockdown-Zeiten sehr gut angenommen. Die Zahl der Videoaufrufe stieg von 10.000 im Mai 2020 auf 43.000 Ende November.
DigiTrainPD: Digitale und individuelle Betreuung zu Hause
Das Projekt „DigiTrainPD“ unter der Leitung von PD Dr. Heiko Gaßner bietet Parkinson-Patienten ein umfassendes Heimtrainingsprogramm an. Es besteht aus frei verfügbaren Übungsvideos und einer Smartphone-App, die die Kommunikation mit Therapeuten ermöglicht und einen individuellen Trainingsplan erstellt.
Funktionsweise der App:
Nach einer ambulanten Befragung und Untersuchung erhält jeder Patient über die App seine persönlichen Übungen angezeigt, die auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind (z.B. Verbesserung der Gangsicherheit, Reduzierung von Muskelsteifigkeit oder Förderung der Feinmotorik).
Ziele von DigiTrainPD:
- Optimale Therapie im Alltag, die den wöchentlichen Rehasport in der Klinik ideal ergänzt.
- Digitale Unterstützung und Hilfe zur regelmäßigen Selbsthilfe.
Weitere Sport- und Bewegungsangebote in Erlangen und Umgebung
Neben den Angeboten des Universitätsklinikums Erlangen gibt es weitere Möglichkeiten für Parkinson-Patienten, sich sportlich zu betätigen:
- Deutsche Parkinson Vereinigung (DPV): Die Erlanger Regionalgruppe der DPV bietet in Zusammenarbeit mit Rehasporttherapeuten ein umfassendes Trainingsprogramm an.
- AktivZeit: Zum Welt-Parkinson-Tag am 11. April findet die „AktivZeit“-Initiative statt, bei der Parkinsonerkrankte und ihre Angehörigen gemeinsam Aktivminuten sammeln und an verschiedenen Bewegungsangeboten teilnehmen können (z.B. Tanz, Gangschulung, Nordic Walking, Pilates, Tischtennis).
- Fortbildungen: Die Akademie bietet Fortbildungen zum Thema Bewegungstherapie beim Parkinson-Syndrom an, die sich an Übungsleiter und Therapeuten richten.
Allgemeine Bedeutung von Sport und Bewegung bei Parkinson
Regelmäßige körperliche Aktivität ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Parkinson. Sport kann helfen, die Symptome zu lindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität zu verbessern.
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Positive Effekte von Sport bei Parkinson:
- Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination
- Erhalt der Selbstständigkeit
- Stärkung der Alltagskompetenzen
- Vorbeugung von Stürzen
- Steigerung des Selbstbewusstseins
- Förderung der sozialen Teilhabe
Die Rolle der Physiotherapie
Die Physiotherapie spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Parkinson. Individuelle Therapiepläne zielen darauf ab, die Ursache der Beschwerden zu lokalisieren und die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten.
Ziele der Physiotherapie bei Parkinson:
- Förderung der Selbstständigkeit
- Erhaltung der Beweglichkeit
- Stärkung der Alltagskompetenzen
Engagement und Unterstützung für Parkinson-Patienten
Verschiedene Organisationen und Stiftungen engagieren sich für Menschen mit Parkinson:
- Hertie-Stiftung: Vergibt jährlich einen Selbsthilfe-Preis für Aktionen zugunsten von Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen.
- Parkinson Stiftung: Setzt sich für Forschung, Aufklärung, Innovation und persönliche Unterstützung ein.
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