Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem durch den Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Obwohl es derzeit keine Heilung für Parkinson gibt, können Medikamente helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Allerdings sind Parkinson-Medikamente oft mit Nebenwirkungen verbunden, die die Behandlung erschweren können.
Krankheitsverlauf und Symptome von Parkinson
Die typischen Parkinson-Symptome zeigen sich meist erst, wenn bereits etwa die Hälfte der Nervenzellen in der Substantia nigra abgebaut ist. Jede Parkinson-Erkrankung verläuft jedoch individuell und die Symptome können sich im Laufe der Zeit verstärken, da immer mehr Nervenzellen absterben. Bei vielen Patienten schwanken die Symptome auch täglich.
Vor den motorischen Symptomen können bereits verschiedene Vorboten von Parkinson auftreten, die jedoch oft unspezifisch sind. Diese Vorläuferphase wird als Prodromalphase bezeichnet. Kurz vor der Parkinson-Diagnose beginnen oft die Parkinson-typischen motorischen Symptome wie Muskelzittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor) und verlangsamte Bewegungen (Bradykinese).
Im fortgeschrittenen Stadium kommen neben den motorischen Symptomen weitere Begleiterscheinungen hinzu, die nicht so gut auf Medikamente ansprechen, wie z.B. Schluckstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Störungen beim Wasserlassen und psychische Beschwerden. Im Parkinson-Endstadium können schwere Bewegungsstörungen, Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken auftreten, was eine umfassende Unterstützung bei täglichen Aktivitäten erforderlich macht.
Anders als bei Multipler Sklerose verläuft Parkinson nicht in Schüben, es kann aber zeitweise zu plötzlichen Verschlechterungen kommen. Die Lebenserwartung von Menschen mit Parkinson verkürzt sich durchschnittlich um vier bis elf Jahre.
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Ziele der Parkinson-Therapie
Oberstes Ziel der Parkinson-Therapie ist es, die bestmögliche Lebensqualität zu gewährleisten. Parkinson-Medikamente können die ursächlichen Schäden des Nervensystems nicht rückgängig machen, aber sie können den Dopamin-Mangel ausgleichen und so die Symptome lindern. Ziel ist eine lange Wirksamkeit und möglichst keine Nebenwirkungen.
Die Therapie der Parkinson-Krankheit folgt einer Leitlinie, die Empfehlungen für die behandelnden Ärzte enthält. Wichtig ist auch, Bewegungsabläufe zu trainieren und das Leben trotz Parkinson so aktiv wie möglich zu gestalten.
Medikamentöse Behandlung von Parkinson
Dank umfangreicher Forschung steht heute eine große Bandbreite an Medikamenten gegen Parkinson zur Verfügung. Die medikamentöse Behandlung ist sehr individuell und muss häufig angepasst werden. Die wichtigsten Medikamentengruppen sind:
- L-Dopa (Levodopa): Levodopa ist ein Hauptmedikament, mit dem im Gehirn Dopamin umgewandelt wird. Es gilt als eines der wichtigsten Medikamente zur Behandlung von Parkinson und hat die beste Wirkung auf alle Kernsymptome. Alle heute im Handel befindlichen Dopa-Präparate enthalten einen Begleitstoff (Benserazid oder Carbidopa), der bewirkt, dass L-Dopa nicht bereits im Blut, sondern erst im Gehirn zu Dopamin umgewandelt wird. Manche Dopa-Präparate enthalten noch einen zweiten Begleitstoff (Entacapon), der ebenfalls die Aufnahme von L-Dopa im Gehirn unterstützt. L-Dopa lindert vor allem die Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) und die Muskelsteifheit (Rigor).
- Dopaminagonisten: Dopaminagonisten regen die Dopaminrezeptoren im Gehirn an und ahmen so die Wirkung von Dopamin nach. Sie werden auch in der Frühphase der Erkrankung eingesetzt und haben eine schwächere Wirkung als L-Dopa. Nach den Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Neurologie sollen Dopaminagonisten bei Patienten unter siebzig Jahren ohne schwerwiegende Begleiterkrankungen vor einer L-Dopa-Therapie eingesetzt werden.
- MAO-B-Hemmer: Diese Medikamentengruppe hemmt ein Enzym (MAO-B), das Dopamin abbaut. Dadurch steht dem Gehirn mehr Dopamin zur Verfügung. MAO-B-Hemmer wirken noch etwas schwächer als Dopaminagonisten und haben sehr wenige Nebenwirkungen.
- COMT-Hemmer: Diese Medikamentengruppe hemmt ein Enzym (COMT), das Dopamin abbaut. Dadurch steht dem Gehirn mehr Dopamin zur Verfügung. COMT-Hemmer werden gemeinsam mit L-Dopa verabreicht, um zu erreichen, dass größere Mengen von dem eingenommenen L-Dopa tatsächlich ins Gehirn gelangen und sich die Wirkdauer einer einzelnen Tablette verlängert.
- NMDA-Antagonisten (=Amantadin): Beim Parkinson liegt nicht nur zu wenig Dopamin vor, sondern zugleich kommt auch das Verhältnis von Glutamat und Dopamin aus dem Gleichgewicht. NMDA-Antagonisten hemmen den Glutamat-Rezeptor, sodass das Verhältnis wieder ins Gleichgewicht kommt.
Wenn eine einzelne Medikamentengruppe nicht ausreichend wirkt, können mehrere Medikamente kombiniert werden, um die Symptome besser zu kontrollieren.
Häufige Nebenwirkungen von Parkinson-Medikamenten
Wie bei allen Medikamenten können auch bei der medikamentösen Therapie des Morbus Parkinson Nebenwirkungen auftreten. Typische Nebenwirkungen können Impulskontrollstörungen, nächtlicher Heißhunger, Müdigkeitsattacken, Überstimulation oder Beinödeme sein. Ob und welche von diesen auftreten, ist individuell sehr unterschiedlich.
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Einige der häufigsten Nebenwirkungen der verschiedenen Medikamentengruppen sind:
- L-Dopa: Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schwindel, gesteigerter Antrieb, Depression, Verwirrtheit, Bewegungsstörungen (Dyskinesien)
- Dopaminagonisten: Wassereinlagerungen, Schläfrigkeit, Verstopfung, Schwindel, Halluzinationen, Übelkeit, Impulskontrollstörungen
- MAO-B-Hemmer: Relativ wenige Nebenwirkungen, können aber in Kombination mit anderen Medikamenten zu Wechselwirkungen führen
- COMT-Hemmer: Durchfall, Urinfärbung
- Amantadin: Hautveränderungen, Ödeme, Alpträume
Besonders ältere Menschen können auf beide Medikamente mit Halluzinationen und Verwirrtheit reagieren. Es kann auch impulsives, zwanghaftes Verhalten auftreten wie etwa eine Kauf- oder Spielsucht, ein Drang nach Essen oder auch nach Sex - oder ständig wiederholte, ziellose Tätigkeiten wie das Ordnen von Gegenständen.
Es ist wichtig, dass Patienten ihren Arzt über das Auftreten von Nebenwirkungen informieren, damit die Therapie entsprechend angepasst werden kann.
Umgang mit Nebenwirkungen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit den Nebenwirkungen von Parkinson-Medikamenten umzugehen:
- Anpassung der Medikation: Der Arzt kann die Dosierung der Medikamente anpassen oder andere Medikamente ausprobieren, um die Nebenwirkungen zu reduzieren.
- Einnahme zum richtigen Zeitpunkt: Die Einnahme der Medikamente zu festen Uhrzeiten und in Kombination mit oder ohne Mahlzeiten kann die Wirkung und Verträglichkeit beeinflussen. L-Dopa sollte nicht früher als eine Stunde vor oder nach eiweißreichen Mahlzeiten eingenommen werden, während Dopaminagonisten zu den Mahlzeiten eingenommen werden.
- Zusätzliche Medikamente: Gegen bestimmte Nebenwirkungen können zusätzliche Medikamente eingenommen werden.
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Physio- und Ergotherapien, Stimm- und Sprechtherapien, Schlucktherapie, künstlerische Therapien und Psychotherapie können helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Auch alternative Therapien wie Akupunktur, Magnetstimulation oder Massage können im Einzelfall geeignet sein.
- Tiefe Hirnstimulation: In bestimmten Fällen kann eine tiefe Hirnstimulation in Erwägung gezogen werden, um motorische Komplikationen wie Zittern zu verbessern.
Persönlichkeitsveränderungen und psychische Beschwerden
Im Rahmen von Parkinson können Persönlichkeitsveränderungen und Stimmungsextreme auftreten, die sowohl für Betroffene als auch für Angehörige belastend sein können. Es ist wichtig, den behandelnden Arzt darüber zu informieren, wenn solche Veränderungen auftreten. Eine Anpassung der Parkinson-Therapie kann die Stimmungslage verbessern und in manchen Fällen ist eine stationäre Behandlung notwendig.
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Betroffene und Angehörige sollten bereits frühzeitig offen miteinander besprechen, welche Persönlichkeitsveränderungen auftreten können und einen Notfallplan erarbeiten. Auch eine Patientenverfügung für den Fall einer späteren Demenz ist meist sinnvoll.
Tablettenteilung bei Parkinson-Medikamenten
Ein Teil der Parkinson-Therapie ist die eigenverantwortliche Einnahme von Parkinson-Medikamenten. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Tabletten geteilt oder zerkleinert werden dürfen. Bei vielen Tabletten wird der Wirkstoff vor dem sauren Magensaft mit einem magensaftresistenten Überzug geschützt. Werden diese Tabletten geteilt, wird der Wirkstoff bereits im Magen freigesetzt, dabei zerstört und das Medikament wird unwirksam.
Es ist ratsam, den Arzt oder Apotheker zu fragen, ob eine Tablette geteilt oder zerkleinert werden darf und wie dies fachgerecht erfolgen kann.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Unter Arzneimittel-Interaktionen versteht man die wechselseitige Beeinflussung zwischen zwei oder mehreren Arzneistoffen. Dies kann bei gleichzeitiger oder nacheinander erfolgender Anwendung zu einer verstärkten oder abgeschwächten Wirkung führen. Es gibt unzählige Wechselwirkungen zwischen Medikamenten.
Es ist wichtig, den Arzt über alle eingenommenen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zu informieren, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
Ernährung und Parkinson-Medikamente
Auch Nahrungs- und Genussmittel können die Aufnahme eines Medikamentes, seinen Weg durch den Körper und/oder seine Ausscheidung verändern. Eine vegetarische Ernährung z.B.
Die Einnahme L-Dopa-haltiger Medikamente mit Milch, Molke, Quark und Joghurt ist wegen dem hohen Eiweißgehalt verboten.
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