Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das Betroffene und Angehörige vor große Herausforderungen stellt. Je schneller und effizienter ein Patient nach einem Schlaganfall behandelt wird, desto mehr Nervenzellen im Gehirn können „gerettet“ werden. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Schlaganfall-Behandlung, von der Akutversorgung bis zur Rehabilitation, und gibt Einblicke in die Aufgaben des medizinischen Personals.
Akutversorgung: "Time is Brain"
Bei einem akuten Schlaganfall gilt der Leitsatz „Time is Brain“ (Zeit ist Gehirn). Das heißt, jede Minute zählt! Nach dem Eintritt eines Schlaganfalls ist Zeit ein extrem wichtiger Faktor. Je früher ein Betroffener behandelt wird, desto größer ist die Chance, die betroffenen Gehirnzellen zu retten.
Diagnose und Ursachenfindung
Bei der Schlaganfall-Diagnose wird unter anderem mittels der bildgebenden Verfahren CT und MRT in wenigen Minuten beantwortet. Der Schlaganfall wird in der Regel durch eine bildgebende Diagnostik wie eine Computertomographie (CT) oder auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes festgestellt. Diese Untersuchungen sollten sofort nach Einlieferung in das Krankenhaus durchgeführt werden, denn jede Minute zählt. In dieser Röntgenschichtaufnahme kann das ärztliche Fachpersonal schon zu Beginn zwischen einer Hirnblutung oder einem Hirninfarkt unterscheiden.
Etwa 80% aller Schlaganfälle werden durch eine Durchblutungsstörung im Gehirn verursacht. Bei 10 bis 15% aller Patienten sind Blutungen in das Gehirngewebe die Ursache für einen Schlaganfall. Eine Durchblutungsstörung kann auch durch einen Blutpfropf (Thrombus) entstehen. Blutungen im Kopf können geschehen, wenn der Blutdruck in den Arterien zu hoch ist und/oder die Gefäßwände geschädigt sind. Auch Gefäßmissbildungen wie Aneurysmata können eine Hirnblutung verursachen.
Akuttherapie auf der Stroke Unit
In vielen Kliniken gibt es spezielle Abteilungen für Schlaganfall-Patienten, sogenannte „Stroke Units“, die auf die multidisziplinäre Behandlung von Schlaganfällen spezialisiert sind. Auf spezialisierten Schlaganfall-Stationen - Stroke Units - stehen Diagnosetechniken und Therapien auf dem neuesten Stand der Forschung zur Verfügung. Dort arbeiten Schlaganfallexperten aus verschiedenen Disziplinen von Anfang an eng zusammen.
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Thrombolyse: Hat ein Blutgerinnsel den Apoplex ausgelöst, erfolgt - wenn möglich - die sogenannte Thrombolyse oder „Lyse-Therapie“. Dabei werden dem Schlaganfall-Patienten Medikamente verabreicht, die das Blutgerinnsel auflösen sollen. Diese Therapie ist in Einzelfällen bis zu neun Stunden nach dem Auftreten ersten Symptome möglich. Ist eine Durchblutungsstörung Grund für einen Schlaganfall, kann man in den ersten 4,5 Stunden mit einer medikamentösen Therapie, die das Blutgerinnsel auflöst, die Versorgung des Gehirns wiederherstellen. Wichtig: Vor jeder Lyse muss eine Blutung im Gehirn mittels CT ausgeschlossen werden.
Thrombektomie: Als weitere Methode steht die sogenannte Thrombektomie zur Verfügung, wenn größere Blutgefäße im Gehirn verschlossen sind. Hierbei handelt es sich um ein katheterbasiertes Verfahren, bei dem ähnlich wie bei einer Herzkatheteruntersuchung versucht wird, das verschlossene Gefäß wieder zu eröffnen. Hierzu wird der Katheter über die Leistenarterie eingeführt. Wenn möglich, versuchen Ärztinnen und Ärzte, beide Verfahren (Thrombolyse und Thrombektomie) zu kombinieren. Die Erfolgsaussichten sind umso größer, je früher nach Auftreten der Symptome die Behandlung erfolgen kann. Bei einer schweren Durchblutungsstörung kann ein speziell für diesen Eingriff entwickelter Katheter bis vor den Thrombus geschoben werden. Das Gerinnsel verfängt sich im Drahtseilgeflecht (Stent) und kann herausgezogen werden. Der Eingriff erfordert eine hohe medizinische Expertise und muss schnellstmöglich durchgeführt werden.
Operative Eingriffe: Ist der Apoplex Folge einer Hirnblutung, so wird der Patient möglicherweise am offenen Gehirn operiert. Nicht immer erfolgt eine Operation am offenen Gehirn. Dieses Verfahren kommt jedoch nicht bei allen Hirnblutungen zur Anwendung, sondern hängt von der Art und Lokalisation der Blutung ab. In der Regel erfolgt die Überwachung auf der „Stroke Unit“, um den Blutdruck rasch zu senken und Komplikationen früh zu erkennen und zu behandeln.
Blutdruck und Blutzucker des Schlaganfall-Patienten müssen exakt eingestellt werden. Ist ein Blutgefäß verstopft, versuchen Ärzte, das Gerinnsel aufzulösen und/oder zu entfernen.
Überwachung und Intensivmedizinische Betreuung
Bewusstlose oder beatmungspflichtige Patienten kommen direkt auf die Intensivstation und werden ganzheitlich überwacht. Ein sogenanntes Monitoring-System überwacht Ihr Herz, Ihren Kreislauf und Ihre Atmung. Bei Veränderung schlägt es sofort Alarm. So können wir gefährliche Situationen sofort erkennen und schnell reagieren. Patienten, die zum Beispiel Schwierigkeiten haben, Speichel und Schleim aus der Luftröhre abzuhusten, erhalten Hilfe über eine Absaugvorrichtung.
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Rehabilitation: Zurück ins Leben finden
Der Krankenhausaufenthalt nach einem Schlaganfall dauert etwa sieben bis zehn Tage an. Nach diesem Krankenhausaufenthalt sind weiterführende Reha-Maßnahmen sinnvoll. Eine besondere Form der Rehabilitation ist die neurologische Reha.
Frührehabilitation
Oberstes Ziel der Frührehabilitation (kurz: Frühreha) nach einem Schlaganfall ist es, die körperlichen Funktionen wiederherzustellen. Besonderes Augenmerk gilt hierbei den Körperfunktionen, die durch den Schlaganfall womöglich geschädigt wurden. Je früher geeignete Therapiemaßnahmen und Übungen umgesetzt werden, desto eher können die Schlaganfall-Symptome behandelt und schwerere Folgeschäden verringert werden. Schon auf der Stroke-Unit beginnen wir im Rahmen der Frührehabilitation mit aktivierenden Maßnahmen. Es gilt, langfristig drohende Schäden Ihres Gehirns abzuwenden oder zu verringern. Unser wichtigstes Ziel ist es, Sie möglichst schnell wieder am Leben teilhaben zu lassen. Unsere Pflegekräfte üben mit Ihnen frühzeitig Bewegungen ein. Unsere Physiotherapeuten unterstützen Sie dabei, Ihre Bewegungsfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern. Bei der Ergo üben Sie Fähigkeiten des alltäglichen Lebens. Wichtig sind auch Behandlungen, die Ihre geistige Leistungsfähigkeit trainieren und die Sprech- und Schluckfähigkeit verbessern.
Weiterführende Rehabilitation
Nach der Akutversorgung sollten schnellstmöglich rehabilitative Maßnahmen beginnen. Wichtiges Ziel der dann notwendigen Frührehabilitation ist es, Komplikationen zu vermeiden; beispielsweise, dass der Patient durch das Verschlucken bei einer Schluckstörung (Aspiration) eine Lungenentzündung entwickelt oder sich durch falsche Bewegungen verletzt.
Ziel der Rehabilitation nach einem Schlaganfall ist, dass Sie als Patient wieder die Fähigkeiten zurückerlangen, die durch die Erkrankung verlorengegangen sind. Ist das nicht oder nicht vollständig möglich, unterstützen Sie unsere Therapeuten bei der Entwicklung von Strategien (z.B. auch Hilfsmittelanpassung) wie Sie trotz bleibender Einschränkungen Ihren Alltag meistern können. Oft müssen Patienten nach einem Schlaganfall Selbstverständlichkeiten wie Sprechen, Gehen oder kognitives Erfassen neu erlernen und trainieren.
Therapieansätze: Je nach Bedarf beziehungsweise dem Ausmaß der verbliebenen Schäden können dabei verschiedene Maßnahmen sowie Therapien zur Anwendung kommen, die ärztlich verordnet werden können.
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- Physiotherapie: Unsere Physiotherapeuten unterstützen Sie dabei, Ihre Bewegungsfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern.
- Ergotherapie: Bei der Ergo üben Sie Fähigkeiten des alltäglichen Lebens. Die Ergotherapie hilft bei der Feinmotorik und beim (Wieder-)Erlernen vom Arbeiten mit Gegenständen.
- Logopädie: Bei einer Sprachstörung (Aphasie) können Sprachverständnis und/oder Sprachkodierung gestört sein; bei einer Sprechstörung (Dysarthrie) sind die Sprechmuskeln beeinträchtigt - Logopäden trainieren die Kommunikation.
- Neuropsychologie: Training von Gesichtsfeld und Augenbewegungen (Okulomotorik) Heil- und Hilfsmittelberatung Weiterführende Rehabilitation (Phasen C, D)
- Psychotherapie: Viele Patientinnen und Patienten entwickeln in Folge des Schlaganfalls eine Depression, da sich ihr Leben massiv verändert hat und sie mit Folgen oder gar schweren Behinderungen leben müssen. Eine Depression ist eine schwere Erkrankung, die von Anfang an konsequent behandelt werden muss.
- Alltagsorientiertes Training
- Selbsthilfetraining
- Wahrnehmungstraining
- Training der Feinmotorik
- Hirnleistungstraining
- computergestützte Sprachtherapie
- physiotherapeutische Übungen und Krankengymnastik
- Anwendungen wie Bäder und Massagen
- Bewegungstherapie
- Ergotherapie
- Psychotherapie
- Angehörigenberatung
Es gibt durchaus Schlaganfall-Patienten, die sich vollkommen erholen und keine schweren Folgeschäden davontragen. Tatsächlich haben jüngere Patienten (unter 70 Jahren) eine größere Chance, einen Schlaganfall vollkommen auszuheilen beziehungsweise etwaige Einschränkungen durch eine Rehabilitation vollkommen zu beseitigen.
Ambulante und Stationäre Rehabilitation
Viele Reha-Maßnahmen werden heute bereits ambulant, aber auch in stationären geriatrischen oder neurologischen Reha-Kliniken angeboten. Leider genehmigen die Krankenkassen nicht für alle Schlaganfall-Patienten eine Rehabilitation. Ältere Schlaganfall-Patienten haben unter Umständen einen Rechtanspruch auf eine sogenannte geriatrische Rehabilitation.
Nachsorge und Anpassung des Lebensstils
Nach einem Reha-Aufenthalt erfolgt die Schlaganfall-Nachsorge durch einen Neurologen. Gemeinsam mit dem behandelnden Hausarzt wird unter Umständen auch der Lebensstil angepasst. Zum Beispiel wird hierbei die Ernährung umgestellt oder mehr körperliche Aktivität in den Alltag gebracht.
Risikofaktoren und Prävention
Das Risiko, nach einem Schlaganfall einen weiteren Apoplex zu erleiden, ist groß. Eine besondere Ernährung nach einem Schlaganfall kann eine gute Prävention sein, um einen weiteren Schlaganfall zu verhindern. Mit einer gesunden Ernährung im Alter können Risikofaktoren wie zu hohe Cholesterin- oder Zuckerwerte durchaus in Schach gehalten werden, die als Ursache für einen Schlaganfall gelten können. Orientieren Sie sich an den Grundregeln der „mediterranen Diät“: Eine Mischkost aus viel Obst und Gemüse, Olivenöl, Fisch sowie wenig rotem Fleisch.
Unterstützung für Betroffene und Angehörige
Ein Schlaganfall ist für Betroffene und deren Umfeld zunächst häufig ein großer Schock. Der Weg zurück ins normale Alltagsleben kann je nach Schwere des Schlaganfalls ganz unterschiedlich aussehen und alle Beteiligten auf andere Art und Weise herausfordern. Gerade nach einem schweren Schlaganfall kann die Situation sowohl mental als auch körperlich sehr belastend sein. Es ist wichtig, dass Sie füreinander da sind. Halten Sie an allen Erfolgen fest - so klein diese manchmal auch scheinen. Scheuen Sie sich nicht davor, ärztlichen Rat einzuholen und nach weiteren Unterstützungsmöglichkeiten zu suchen. Prüfen Sie auch Ihren möglichen Anspruch auf Pflegeleistungen der Pflegeversicherung. Grundvoraussetzung hierfür ist ein anerkannter Pflegegrad.
Sowohl für Schlaganfall-Patienten selbst als auch für deren Angehörige können Schlaganfall-Selbsthilfegruppen eine große Unterstützung sein, um mit den Folgen und Auswirkungen eines Schlaganfalls zu leben. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ist eine gute Adresse, wenn es darum geht, Kontakt zu Selbsthilfegruppen aufzunehmen.
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