Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Obwohl viele Menschen Parkinson mit dem klassischen Zittern (Tremor) in Verbindung bringen, manifestiert sich die Krankheit oft durch eine Vielzahl anderer Symptome, die zunächst einseitig auftreten können. Die frühe Erkennung dieser Symptome ist entscheidend, um eine rechtzeitige Diagnose zu stellen und mit einer geeigneten Therapie zu beginnen.
Einführung
Morbus Parkinson, umgangssprachlich auch Schüttellähmung genannt, ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Die Parkinson-Krankheit ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung. Sie führt vor allem zu Einschränkungen in der Beweglichkeit, kann aber auch eine Vielzahl weiterer Symptome auslösen. Ursächlich liegt der Parkinson-Krankheit ein Mangel des Botenstoffes Dopamin im Gehirn zugrunde. Die Erkrankung betrifft das extrapyramidal-motorische System (EPS) und die Basalganglien.
Ursachen und Pathophysiologie
Die Ursachen des idiopathischen Parkinson-Syndroms (IPS) sind bis heute nicht verstanden. Angenommen wird eine multifaktorielle Genese aus Umweltfaktoren, Verhaltenseinflüssen und dem genetischen Hintergrund. Parkinson ist gekennzeichnet durch ein Absterben der dopaminproduzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra (einer Struktur im Mittelhirn).
Pathophysiologisch ist die Krankheit vor allem durch den Verlust dopaminerger Neuronen in der Substantia nigra pars compacta im Mittelhirn (speziell in den ventrolateralen Anteilen) definiert und mit intraneuralen zytoplasmatischen Einschlüssen, die unlösliche Alpha-Synuclein-Aggregate enthalten (den sogenannten Lewy-Körpern und Lewy-Neuriten), assoziiert. Degenerieren die Neuronen, kann der Neurotransmitter Dopamin nicht mehr ins Putamen transportiert werden. Die Thalamus-induzierte motorische Aktivierung der Großhirnrinde bleibt aus, was zu Bewegungsbeeinträchtigungen führt.
Symptome von Parkinson
Parkinson hat viele Symptome. Die meisten Menschen verbinden mit der Krankheit vor allem das typische Zittern. Doch nicht alle Betroffenen leiden unter dem sog. Ruhe-Tremor (Parkinson-Tremor). Zwar sind deutlich sichtbare Störungen der Motorik essentiell für das Krankheitsbild und die Diagnose. Aber im Frühstadium zeigt sich Morbus Parkinson oft nur durch subtile erste Anzeichen für gestörte Bewegungsabläufe, etwa in Störungen der Feinmotorik (z. B. wird die Handschrift wackeliger oder das Zuknöpfen eines Hemdes dauert länger).
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Motorische Symptome
Motorische Parkinson-Symptome sind ein wesentliches Merkmal der Parkinson-Erkrankung. Ohne das Vorliegen dieser vier Kardinalsymptome wird die Diagnose „Morbus Parkinson“ nicht gestellt. Die typischen Parkinson-Hauptsymptome (Kardinalsymptome) sind:
- Verlangsamte Bewegungen (Bradykinese) bis hin zu Bewegungsarmut (Hypokinese) bzw. Bewegungslosigkeit (Akinese): Alle Körperbewegungen laufen unnatürlich langsam ab. Das heißt zum Beispiel, dass Menschen mit Morbus Parkinson auffällig langsam und in kleinen Schritten gehen. Manchmal werden die Betroffenen in ihren Bewegungen auch plötzlich blockiert - sie scheinen zu erstarren. Das bezeichnen Mediziner als „Freezing“.
- Steife Muskeln (Rigor): Bei Parkinson treten keine Lähmungen auf. Die Muskelkraft bleibt also weitgehend erhalten. Die Muskeln sind aber dauerhaft angespannt, auch in Ruhe. Mediziner bezeichnen diesen Zustand als Rigor. Er ist schmerzhaft für die Betroffenen. Besonders der Schulter- und Nacken-Bereich sind betroffen. Nachweisen lässt sich die Muskelsteifheit durch das sogenannte Zahnrad-Phänomen.
- Muskelzittern in Ruhe (Parkinson-Tremor): Bei der Parkinson-Krankheit beginnen typischerweise Arme und Beine in Ruhe-Situationen zu zittern. Eine Körperseite ist davon meist stärker betroffen als die andere. Außerdem zittert der Arm meist stärker als das Bein.
- Mangelnde Stabilität der aufrechten Körperhaltung (posturale Instabilität): Unbewusst korrigiert jeder Mensch beim aufrechten Gehen und Stehen zu jeder Zeit seine Haltung. Eine Störung dieser Stell- und Halte-Reflexe ist charakteristisch für Morbus Parkinson. Betroffene haben daher Mühe, sich stabil aufrecht zu halten (posturale Instabilität) und sind unsicher beim Gehen. Daher stürzen sie leichter.
Nicht-motorische Symptome
Neben den motorischen Symptomen gibt es auch eine Reihe nicht-motorischer Symptome, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Zu diesen gehören:
- Beeinträchtigung des Geruchssinns: Häufig ist eine Beeinträchtigung des Geruchssinns ein Teil der Krankheit oder tritt im weiteren Krankheitsverlauf auf.
- Schlafstörungen: Schlafstörungen wie z. B. lebhaftes Träumen oder eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung sind weitere Anzeichen, die mit der Parkinson-Erkrankung in Verbindung gebracht werden können.
- Tagesmüdigkeit: Ebenso können Parkinson-Patientinnen und Patienten am Tage sehr müde sein.
- Psychische Auswirkungen: Es kommt bei Parkinson zu Auswirkungen auf die Gefühlswelt, zu Wesens- und Persönlichkeitsveränderungen wie Antriebslosigkeit, Depressionen oder Ängstlichkeit. Dies wirkt sich unter Umständen auf das Sozialverhalten der Betroffenen aus.
- Weitere Begleitsymptome: Übermäßige Talg-Bildung der Gesichtshaut, die Haut wirkt fettig und glänzend (Salben-Gesicht), Sprechstörungen (oft leise, monotone, verwaschene Sprache), Schluckstörungen, Störungen des vegetativen Nervensystems (zum Beispiel Blasenschwäche, Verstopfung, Erektionsstörungen, Absacken des Blutdrucks).
Einseitiger Beginn der Symptome
Viele Symptome betreffen zunächst häufig nur die linke oder die rechte Seite des Körpers. Es können beispielsweise eine einseitig eingeschränkte Bewegung eines Arms, ein einseitig stärker angewinkelter Arm oder ein einseitiger Schulterhochstand auftreten. Das typische Zittern tritt ebenfalls einseitig auf, besonders bei starken emotionalen Reaktionen. Zunächst fallen meist einseitig verstärkte Beschwerden wie das fehlende Mitschwingen eines Arms beim Gehen auf. Auch einseitige Schulterschmerzen und Muskelverspannungen werden häufig beschrieben.
Frühsymptome
Parkinson beginnt oft schleichend und unscheinbar. Viele dieser Symptome werden häufig zuerst von Angehörigen und Freunden bemerkt und seltener von den Patientinnen und Patienten selbst. Die Betroffenen nehmen im Frühstadium der Erkrankung eher wahr, dass Arme und Beine sich schwerfälliger bewegen lassen. Vielleicht dauert das Aufstehen oder Hinsetzen plötzlich länger als früher. Im weiteren Verlauf intensivieren sich die jeweiligen Symptome und neue kommen hinzu, etwa der Ruhe-Tremor.
Mögliche Anfangssymptome bei Parkinson sind:
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- Betroffene sprechen, lachen oder gestikulieren, während sie träumen, weil diese Aktivitäten bei ihnen während des Traum-Schlafs nicht blockiert sind (REM-Schlaf-Verhaltensstörung), wie es bei gesunden Menschen der Fall ist.
- Der Geruchssinn ist vermindert oder fällt komplett aus (Hyposmie/Anosmie).
- Es kommt zu Missempfindungen und Schmerzen in Muskeln und Gelenken, besonders im Nacken, Rücken und in den Extremitäten.
- Tätigkeiten wie Aufstehen, Waschen oder Anziehen dauern länger als früher.
- Die Handschrift wirkt verkrampft und wird besonders am Ende einer Zeile oder Seite kleiner.
- Betroffene fühlen sich steif, zittrig und unsicher.
- Die Mimik lässt nach und das Gesicht verliert seinen Ausdruck.
- Es kommt zu körperlichen Beschwerden wie Verstopfung und Sehstörungen (zum Beispiel einem gestörten Farbensehen).
- Betroffene sind häufig müde und abgeschlagen und bewegen sich wenig.
- Es kommt bei Parkinson zu Persönlichkeitsveränderungen und zu Veränderungen des Gefühlslebens. Betroffene sind beispielsweise ohne besonderen Grund depressiv oder gereizt, ziehen sich sozial zurück und vernachlässigen ihre Hobbys.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch eine eingehende körperliche Untersuchung, einen L-Dopa-Test und bildgebende Verfahren (MRT, DaTSCAN, MIBG-Szintigrafie). Wichtig ist die gute klinische Beurteilung der Patienten. Apperative Zusatzdiagnostik dient im wesentlichen dem Ausschluss anderer Erkrankungen.
Differentialdiagnose
Wichtig ist die gute klinische Beurteilung der Patienten. Differentialdiagnostisch müssen andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome verursachen können. Hierzu gehören:
- Essentieller Tremor (ET)
- Normaldruck-Hydrozephalus (NPH)
- Vaskuläres Parkinsonsyndrom
- Sekundäre Parkinsonsyndrome durch Traumata, nach Enzephalitis, durch Tumor oder Intoxikation
- Medikamentös-induziertes Parkinson-Syndrom
Therapie
Parkinson wird in erster Linie mit Medikamenten behandelt. Dabei wird die Therapie von einem Spezialisten für neurologische Bewegungsstörungen individuell an den Patienten angepasst, denn die Beschwerden können variieren und unterschiedlich schnell fortschreiten. Die Parkinson-Symptome lassen sich durch einen Ausgleich des Dopaminmangels lindern, indem man Dopamin als Medikament zuführt (z. B. L-Dopa). Manchmal kann auch ein hirnchirurgischer Eingriff sinnvoll sein, die sogenannte Tiefe Hirnstimulation (THS). Dazu werden Elektroden ins Gehirn eingesetzt, die durch elektrische Impulse bestimmte Hirnregionen positiv beeinflussen.
Weitere Therapiemodule: Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie. Die multimodale Behandlung der Parkinson-Krankheit setzt sich aus weiteren Therapiemodulen zusammen. Dazu zählen die Logopädie , die Physiotherapie und die Ergotherapie. Die einzelnen Module werden je nach Stadium der Erkrankung und Bedürfnissen des Patienten zu einem individuellen Therapieplan zusammengestellt.
Leben mit Parkinson
Die Angst vor Einschränkungen, Bewegungsunfähigkeit und dem Verlust der Selbstständigkeit ist für Erkrankte eine große Bürde und führt häufig zu seelischen Problemen als Begleiterscheinungen zur Parkinson-Krankheit. Es ist daher wichtig, dass Betroffene und ihre Angehörigen Unterstützung und Beratung suchen.
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