Einnahmehilfen für Parkinson-Patienten: Tabletten sicher und pünktlich einnehmen

Morbus Parkinson, auch Schüttellähmung genannt, ist eine der häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. In Deutschland leiden etwa 150.000 bis 200.000 Menschen daran. Das durchschnittliche Alter bei Diagnosestellung beträgt 55 Jahre. Wesentliche Symptome der Erkrankung sind Bewegungsstörungen, Muskelzittern und Gleichgewichtsstörungen, wodurch die Erkrankten mit erheblichen körperlichen Behinderungen zu tun haben und allmählich die Selbstständigkeit im Alltag verlieren. Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende Erkrankung.

Für die meisten Menschen mit Parkinson ist es enorm wichtig, den Einnahmezeitpunkt exakt einzuhalten. Ursächlich für die Parkinson-Erkrankung ist im Wesentlichen ein Mangel am körpereigenen Botenstoff Dopamin. Dieser Mangel führt zu einem Verlust der Muskelkontrolle. Um den Mangel auszugleichen, erhalten die meisten Parkinson-Patienten den Wirkstoff Levodopa (L-Dopa) oder Medikamente aus der Gruppe der so genannten Dopamin-Agonisten. Für beide Gruppen ist die pünktliche Einnahme der Medikamente wichtig, um die Bewegungs- und Handlungsfähigkeit lückenlos zu gewährleisten. „Bei manchen Parkinson-Patienten können schon kurze Verschiebungen bei der Medikamenten-Einnahme lange Phasen von Unbeweglichkeit verursachen“, berichtet Dr. Frank Bergmann, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN) in Krefeld.

Warum pünktliche Einnahme so wichtig ist

Ein Mangel an Dopamin ist im Wesentlichen für die verlorene Kontrolle der Muskeln und in der Folge für alle weiteren Symptome der Parkinson-Erkrankung, wie beispielsweise Zittern, Bewegungsverlangsamung oder Muskelsteife, verantwortlich. Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Medikamenten gegen die Krankheit. Sie zielen darauf ab, die Botenstoffe im Gehirn wieder ins Gleichgewicht zu bringen, die erkrankungsbedingt im Ungleichgewicht sind. „Zum einen kann man den Dopamin-Spiegel direkt durch die Gabe eines L-Dopa Präparates erhöhen. L-Dopa ist eine Vorstufe von Dopamin. Der Stoff kann im Gegensatz zu Dopamin die Blut- Hirn-Schranke passieren und dadurch über die Blutbahn ins Gehirn gelangen“, erklärt der niedergelassene Nervenarzt aus Aachen. „Man kann auch Ersatzstoffe verabreichen, die eine ähnliche Wirkung wie Dopamin haben, sogenannte Dopamin- Agonisten. Die Einnahme von L-Dopa stellt eine wirksame Methode der Behandlung dar.“ Daneben gibt es noch weitere Präparate, die zur Therapie der Parkinson-Krankheit eingesetzt werden.

Die pünktliche Einnahme von Medikamenten ist bei Parkinson-Erkrankten enorm wichtig - insbesondere wenn bei Betroffenen Wirkungsschwankungen auftreten. Dabei beschränkt sich die Therapie meist nicht auf ein einziges Präparat am Tag. „Um die zahlreichen Einnahmezeitpunkte besser einzuhalten, können für Betroffene daher Einnahmehilfen sinnvoll sein. Hilfreich sind beispielsweise Pillenboxen, in welche sich die jeweiligen Medikamente, die zu bestimmten Tageszeiten eingenommen werden müssen, einsortieren lassen. Darüber hinaus kann der Einsatz von Zeitschaltuhren vorteilhaft sein, um den exakten Zeitpunkt der Arzneimittel-Einnahme einzuhalten“, rät Dr. Frank Bergmann. „Bei manchen Betroffenen können schon kurze Verschiebungen bei der Medikamenten-Einnahme lange Phasen von Unbeweglichkeit verursachen und erhebliche Einschränkungen nach sich ziehen. Wirkungsschwankungen durch unregelmäßige Tabletten-Einnahme sollten daher möglichst vermieden werden.“

Einnahmehilfen im Überblick

Welcher Einnahmezeitpunkt am besten ist, sollten Betroffene mit ihrem Arzt besprechen und sich die Uhrzeit exakt notieren. Ist diese einmal festgelegt, erinnern Einnahmehilfen den Betroffenen daran, die Medikamente pünktlich einzunehmen. In der Apotheke erhalten Interessierte eine Einnahmehilfe nach ihrem Geschmack, zum Beispiel eine Tablettenbox mit einer digitalen Erinnerungstechnik.

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  • Tablettenboxen: Hilfreich sind beispielsweise Pillenboxen, in welche sich die jeweiligen Medikamente, die zu bestimmten Tageszeiten eingenommen werden müssen, einsortieren lassen.
  • Zeitschaltuhren: Darüber hinaus kann der Einsatz von Zeitschaltuhren vorteilhaft sein, um den exakten Zeitpunkt der Arzneimittel-Einnahme einzuhalten.
  • Tabletten Timer "TabTime Super 8": Der TabTime Super 8 wird von verschiedenen Parkinson-Gesellschaften verwendet und zugelassen und bietet Parkinson-Patienten die folgenden Vorteile:
    • Bis zu 8 tägliche akustische und visuelle Alarme zum genauen Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme
    • Die Alarme werden automatisch gelöscht, wenn die Box zur Einnahme der Medikamente geöffnet ist
    • Die rote blinkende LED auf dem Deckel fängt gleichzeitig mit dem akustischen Alarm an zu blinken und blinkt, bis die Dose geöffnet ist, um das Medikament einzunehmen
    • 8 Fächer mit den Ziffern 1-8, die den 8 Alarmen entsprechen
    • TabTime Super 8 speichert die Zeit- und Alarmeinstellungen jeden Tag
    • Extra große Bedientasten und übersichtliches LCD-Display
    • Hi-Lo Lautstärkeregler
  • Apps: Es stehen spezifische Applikationen zur Verfügung wie die Apps Glaucoma oder Glaucoma Watch.

Besonderheiten bei der Einnahme von L-Dopa

Die Aufnahme von L-Dopa im Darm kann reduziert werden, wenn der Patient in zeitlicher Nähe eiweißreiche Nahrung zu sich nimmt. „L-Dopa-Medikamente müssen daher mindestens eine halbe Stunde vor oder 90 Minuten nach dem Essen eingenommen werden“, rät Dr. Bergmann. „Patienten sollten die Packungsbeilage genau beachten und sich bei Unklarheiten mit dem Arzt oder einem Apotheker besprechen.“ Dopamin-Agonisten sollten hingegen stets mit einer Mahlzeit oder einem kleinen Imbiss eingenommen werden.

Herausforderungen bei der Tabletteneinnahme und Lösungsansätze

Altern geht in der Regel mit mehr oder weniger ausgeprägten Einschränkungen einher. Lassen die kognitiven Fähigkeiten stark nach, ist eine eigenverantwortliche Pharmakotherapie nicht mehr möglich und die Hilfe von Angehörigen oder Pflegediensten notwendig. Apotheker können potenzielle Probleme erkennen und Lösungen anbieten.

Da bei der Applikation von Arzneimitteln alle sensorischen Fähigkeiten - teils mehr, teils weniger - vonnöten sind, ist bei älteren Patienten zunehmend mit Einschränkungen zu rechnen. Dabei beginnen die Herausforderungen schon beim Öffnen von Originalitätsverschlüssen oder bei der Rekonstitution von Trockensäften und Augentropfen. Beides kann das Apothekenteam dem Patienten problemlos als Serviceleistung anbieten. Der Patienten-Info-Service bietet durch Beipackzettel in Großdruck sowie Links zu Internetseiten mit einer Inversdarstellung des Textes eine hervorragende Hilfe für sehbehinderte Personen.

Die skizzierten Einschränkungen sind häufig Folge des Alterns, aber selbstverständlich nicht auf diese Patientengruppe beschränkt. Auch der junge Rheumapatient hat motorische Einschränkungen. Sehbehinderungen sowie teilweise oder vollständige Taubheit finden sich in allen Altersgruppen und viele andere Erkrankungen lassen einen im wahrsten Sinn des Wortes alt aussehen.

Schluckbeschwerden (Dysphagie)

Leidet ein Patient unter Schluckstörungen (Dysphagien), kann dies insbesondere bei Kapseln und Tabletten zu einer unüberwindlichen Hürde werden. Dysphagien treten in allen Altersgruppen auf. Ihre Ursachen können neurogenen (etwa infolge eines Schlaganfalls, bei Morbus Parkinson oder Multipler Sklerose), mechanischen oder dissoziativen Ursprungs (Zusammenwirken von Umwelt- und individuellen Faktoren) sein. Bisweilen besteht auch eine Aversion gegen ein bestimmtes Lebens- oder Arzneimittel und sogar die Farbe einer Tablette kann deren Schluckbarkeit beeinflussen. Zudem können Arzneistoffe wie Muskelrelaxanzien oder Antiepileptika eine Dysphagie als unerwünschte Wirkung auslösen.

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Bei der Einnahme von Tabletten und Kapseln sind vor allem Form und Größe, aber auch die Oberflächenstruktur entscheidend. Raue Tabletten lassen sich schwer schlucken, während eine gelartige Außenschicht, die durch Quellung der Kapselhülle oder des wasserlöslichen Überzugs bei Filmtabletten zustande kommt, dies erleichtert. Hinsichtlich der Größe ist weniger die größte Längenausdehnung als vielmehr der Querschnitt der Arzneiform von Belang. Demnach verursachen runde und ovale Tabletten mehr Probleme als Oblongtabletten, Hart- und Weichkapseln, die sich in Schluckrichtung ausrichten können. Grundsätzlich lassen sich Peroralia mit kleinem Querschnitt besser schlucken als große.

Tipps bei Schluckbeschwerden:

  • Tabletten-Flaschentrick: Der Patient füllt eine flexible Plastikflasche (PET-Flasche) mit nicht zu enger Öffnung mit Wasser. Die Tablette wird auf die Zunge gelegt, die Lippen dicht um die Flaschenöffnung geschlossen und der Kopf leicht nach hinten geneigt. Nun saugt man einen kräftigen Schluck Wasser ein und schluckt diesen in einem Zug mitsamt Tablette.
  • Kapsel-Nick-Trick: Die Kapsel wird auf die Zunge gelegt, ein mittelgroßer Schluck Wasser aufgenommen und im Mund behalten. Nun neigt man den Kopf nach vorne und bewegt das Kinn in Richtung Brust. In dieser Position wird geschluckt.
  • Kapseln und Filmtabletten können vor der Einnahme kurz in Wasser getaucht werden.
  • Alternativ ist das Überziehen mit einer Einnahmehilfe wie Gloup® oder Medcoat® möglich.
  • Ersatzweise erleichtern viskose Lebensmittel wie Apfelmus, Marmelade, Joghurt oder Kartoffelbrei die Einnahme.
  • Bei Mundtrockenheit hilft die vorherige Anwendung eines Sprays oder Gels sowie das Ausspülen des Mundes mit einer viskosen Flüssigkeit, ohne dass zusätzlich etwas geschluckt werden muss.

Zerkleinern von Tabletten

Die nahe liegendste Maßnahme bei zu großen Tabletten ist deren Zerkleinerung. Das pharmazeutische Personal muss den Patienten genau erklären, welche Tabletten sie teilen dürfen und welche nicht. Von einem unkontrollierten Teilen und Mörsern von Tabletten ist grundsätzlich abzuraten, wenn dies nicht in der Packungsbeilage oder Fachinformation oder vom pharmazeutischen Unternehmer in einer gesonderten Aufstellung als Option beschrieben ist und/oder die Tablette keine entsprechende Bruch- oder Schmuckkerbe aufweist. Eine dosisgleiche Teilung ist zur Erleichterung der Einnahme nicht erforderlich, sofern alle Bruchstücke gesammelt und komplett eingenommen werden, damit am Ende die Dosis stimmt. Hat eine Tablette keine Schmuck- oder Bruchkerbe, der Hersteller weist aber auf die Mörserbarkeit hin, können Tabletten auch mit einem Tablettenteiler geteilt oder sogar weiter zerkleinert werden, wenn am Ende alle Bruchstücke eingenommen werden.

Keinesfalls dürfen Arzneimittel zerkleinert werden, bei denen der versehentliche Kontakt mit dem Inhalt gefährlich ist, zum Beispiel Zytostatika (Methotrexat!), Virustatika, Antibiotika, Retinoide und Finasterid. Ebenso gilt: Wenn das Zerkleinern das Freisetzungsprinzip beeinträchtigt oder gar zerstört, ist ein Zerteilen in der Regel nicht erlaubt. Dies gilt zum Beispiel bei magensaftresistenten Tabletten oder Retardtabletten.

Alternative Darreichungsformen

Da die meisten Patienten mit Schluckschwierigkeiten bei der Einnahme kleiner Volumina zähflüssiger Zubereitungen die geringsten Probleme haben, stellen flüssige Arzneiformen eine deutliche Erleichterung dar. Auch kleine Partikel in Form von Direktgranulaten können sie meist problemlos schlucken. Eine weitere Alternative sind orodispersible Darreichungsformen, Schmelztabletten und Lyophilisate zum Einnehmen. Wenn keine geeigneten Handelspräparate zur Verfügung stehen, ist in manchen Fällen die Überführung fester Peroralia in Tropfen oder Saft im Rahmen der Apothekenrezeptur möglich.

Multimedikation und Adhärenz

Mit zunehmendem Alter sind Menschen oftmals multimorbide und müssen zahlreiche Arzneimittel gleichzeitig einnehmen. Zumindest für einen Teil dieser Patienten kann eine patientenindividuelle Neuverpackung von Arzneimitteln (Stellen oder Verblistern) die Adhärenz fördern.

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