Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson oder Schüttellähmung, ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Während genetische Faktoren eine Rolle spielen können, rückt die Forschung zunehmend Umwelteinflüsse in den Fokus, insbesondere die Exposition gegenüber bestimmten beruflichen Toxinen. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Parkinson und der Exposition gegenüber Pestiziden, Lösungsmitteln und Luftverschmutzung, wobei der Schwerpunkt auf den beruflichen Risiken und den Möglichkeiten zum Schutz liegt.
Parkinson-Krankheit: Eine Übersicht
Die Parkinson-Krankheit ist gekennzeichnet durch einen fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn. Die Erkrankung beginnt schleichend und schreitet danach zeitlebens fort, die Symptome werden im Verlauf stärker und daher auch besser erkennbar. Die Symptomatik ist individuell, da der Verlauf der Parkinson-Syndrome bei jedem Patienten unterschiedlich ist. Grundsätzlich nehmen die Parkinson-Symptome kontinuierlich zu, weil der Zellschwund ebenso stetig vorangeht.
Zu den charakteristischen Symptomen gehören:
- Tremor: Zittern, oft als Ruhetremor wahrgenommen, wenn die Muskulatur entspannt ist.
- Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungen, die Betroffenen erscheinen allmählich immer stockender und gehemmter.
- Rigor: Muskelsteifheit, die sich oft als schmerzhafte Verspannungen in den Oberarmen oder der Schulter äußert.
- Gangbild: Auffälliges Gangbild.
- Weitere Symptome: Veränderte Mimik, chronische Schmerzen, Schlafstörungen und Kreislaufprobleme.
Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, da eine zügig eingeleitete Therapie den Krankheitsverlauf mildern und verlangsamen kann.
Berufliche Exposition als Risikofaktor
Epidemiologische Studien zeigen ein erhöhtes Parkinsonrisiko bei Exposition gegenüber bestimmten Pestiziden, TCE und Luftverschmutzung. Kausale Zusammenhänge aus epidemiologischen Studien herzustellen ist schwierig, zusammen mit tierexperimemtellen Studien können aber mögliche Mechanismen abgeleitet werden. Expositionen passieren häufig berufsbedingt (vor allem bei Pestiziden).
Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen
Pestizide: Eine heterogene Gruppe von Risikofaktoren
Pestizide sind eine heterogene Gruppe an diversen Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmitteln (Herbizide und Insektizide) sowie pilzabtötenden Mitteln (Fungizide). Im Rahmen der beruflichen Pestizidanwendung kann es zu einer Aufnahme der Giftstoffe durch die Haut oder die Atemwege kommen, in Einzelfällen (z.B. bei schlechter Arbeitshygiene) auch zur oralen Aufnahme. Es wird angenommen, dass Pestizide chronisch über freie Radikale zu oxidativem Stress und damit zur Neurodegeneration und Parkinson führen. Auch weitere Wirkmechanismen wurden identifiziert. In einer Vielzahl von Studien konnte der Zusammenhang zwischen Pestiziden aller Substanzgruppen und der Entstehung einer Parkinson-Erkrankung gezeigt werden.
Während früher vermehrt einzelne spezifische Pestizide wie Paraquat und Rotenon im Fokus standen, mehren sich Assoziationen verschiedener Pestizide mit einem häufigeren Auftreten der PK bei exponierten Personen. Eine US-amerikanische Publikation konnte mittels des geschickten Studiendesigns einer sogenannten „Pesticide-Wide Association Study“ (PWAS) bei 25 aus 288 untersuchten Pestiziden eine starke Assoziation zur PK feststellen. Viele dieser Pestizide finden weiterhin breite Anwendung, die meisten sind in den USA noch in Verwendung, einige auch in Europa.
Glyphosat: Kürzlich hat die EU die Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat um weitere zehn Jahre verlängert. Davor hatte unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Neurologie im Vorfeld eindringlich gewarnt. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hatte sich deutlich dagegen ausgesprochen, die Zulassung von Glyphosat zu verlängern. Der Grund dafür: Die Zahl der Parkinson-Erkrankungen steigt weltweit stark an. Allein mit dem demographischen Wandel ist das wohl nicht zu erklären, sondern Umweltgifte wie Pestizide scheinen dazu beizutragen. Auch niederländische Wissenschaftler warnen vor den Auswirkungen von Glyphosat. Speziell dessen neurotoxische Langzeitwirkung sei unzureichend untersucht. Professor Dr. Bastiaan Bloem von der Universität Nijmegen und Dr. Tjitske Boonstra von der Universität Delft bemängeln die mangelhaften Untersuchungsmethoden, die der Entscheidung der EU-Kommission zugrunde liegen. Die derzeitigen Verfahren für die Regulierung von Pestiziden ermöglichen ihrer Meinung nach keine sichere Abschätzung der Risiken in Bezug auf Parkinson und andere neurologische Erkrankungen. Im vorgeschriebenen Tierversuch würden zu geringe Dosen angewandt, um auf die tägliche Exposition beim Menschen übertragbar zu sein. Zudem sind keine Untersuchungen des Hirngewebes der Versuchstiere vorgeschrieben, was bedeuten kann, dass zwar keine Symptome einer Vergiftung äußerlich erkennbar, trotzdem aber Schädigungen aufgetreten sind. Die Niederländer weisen darauf hin, dass viele Pestizide neurotoxische Wirkungen aufweisen. Auch für andere Erkrankungen wie Alzheimer oder geistige Behinderungen bei Kindern sehen die Forscher einen Zusammenhang. Forscher verwenden bestimmte Pestizide, um in Tiermodellen Parkinson-Symptome auszulösen. Auch Professorin Dr. Daniela Berg, Direktorin der Klinik für Neurologie an der Universität Kiel und stellvertretende Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), gibt zu bedenken, dass die neurotoxischen Wirkungen vieler Pestizide lange bekannt ist. Einige Substanzen, die außerhalb der EU teilweise noch zugelassen sind, verwenden Forscher, um in Tiermodellen Parkinson-Symptome auszulösen. Nicht nur verändert Glyphosat nachgewiesenermaßen die Neurotransmitter-Konzentrationen im Gehirn und wirkt so direkt neurotoxisch, auch indirekte Wirkungen sind der DGN zufolge möglich. Beispielsweise kann das Darm-Mikrobiom Schaden nehmen und so indirekt eine Rolle bei der Entstehung von Parkinson spielen. In Frankreich, so die DGN, werde Parkinson bei Personen, die beruflich Pestiziden ausgesetzt waren, als Berufskrankheit anerkannt.
Trichlorethylen (TCE): Ein weit verbreitetes Lösungsmittel mit Risikopotenzial
Im Gegensatz zu den verschiedenen Pestiziden, die mit einem erhöhten Parkinsonrisiko in Verbindung gebracht werden, stehen bei den Lösungsmitteln die mannigfaltig einsetzbare Substanz Trichlorethylen (TCE) und in geringerem Ausmaß die mit diesem eng verwandte Struktur Perchlorethylen im Mittelpunkt der Forschung. TCE ist eine flüchtige und gut wasser- und fettlösliche Substanz, die sich hervorragend zur Reinigung metallischer und elektronischer Gegenstände und zur Trockenreinigung eignet. Sie kann aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften inhalativ, enteral oder dermal aufgenommen werden. Aufgrund des nachgewiesenen karzinogenen Potenzials ist der Einsatz von TCE mittlerweile u.a. Die Hinweise auf einen Zusammenhang mit dem Auftreten der PK mehrten sich in den letzten 15 Jahren. Verstärkte Aufmerksamkeit hinsichtlich der Umweltexposition gegenüber TCE gibt es seit der rezenten Publikation einer populationsbasierten Kohortenstudie bei mehr als 150000 US-amerikanischen Veteran:innen. Für Personal, das im Camp Lejeune stationiert war, wurde eine Odds- Ratio von 1,7 für das Auftreten der PK im Vergleich zu nicht dort stationierten Veteran:innen beschrieben. Das Wasser, mit dem dieses Camp versorgt worden war, war massiv durch Lösungsmittel, insbesondere mit TCE, verschmutzt gewesen. Trotz Einschränkungen im Gebrauch in westlichen Ländern ist der Einsatz von TCE weltweit weitverbreitet und steigt noch.
Luftverschmutzung: Feinstaub und andere Schadstoffe als Risikofaktoren
Der Überbegriff Luftverschmutzung beschreibt die Freisetzung von umweltschädlichen Stoffen in die Luft, welche zumeist bei Verbrennungsvorgängen entstehen. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um Feinstaub, Ruß und Abgase, welche Schadstoffe wie Kohlenmonoxid (CO), Kohlendioxid (CO2), Stickoxide (NOx) wie Stickstoffdioxid (NO2), Schwefeloxide (SOx), und Ozon (O3) umfassen. Beim Feinstaub sind vor allem Schwebeteilchen mit einer Größe bis zu 2,5µm schädlich (PM2,5), da sie - beladen mit anderen Schadstoffen wie Schwermetallen - inhalativ aufgenommen bis tief in die Alveolen vordringen. Die Annahme, dass die Luftverschmutzung bei der Pathogenese der PK und anderer neurodegenerativer Erkrankungen eine Rolle spielt, wird durch neuropathologische und experimentelle Studien gestützt. Auch wenn Schwierigkeiten in der Expositionserhebung und Koexpositionen die Durchführung guter epidemiologischer Studien erschweren, legen epidemiologische Daten eine Assoziation von Luftschadstoffen wie Feinstaub mit dem Auftreten der PK nahe. So konnte eine große nordamerikanische Fall-Kontroll-Studie die modellbasierte Exposition gegenüber Feinstaub und Stickstoffdioxid mit gering erhöhtem Parkinsonrisiko in Verbindung bringen. Dabei zeigte sich in der Studie ein um ca.
Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt
Weitere Umweltgifte
Als wäre das alles nicht bedenklich genug, warnt die DGN auch vor einer Reihe weiterer Umweltgifte. Alle stehen im Verdacht, zu dem überproportionalen Anstieg an Parkinson-Erkrankungen beizutragen. Hier nennt Bergdas Lösemittel Trichlorethylen,aber auch neurotoxische Metalle wie Mangan und Quecksilber,Schwefeldioxidund Feinstaub,Bisphenol Aund sogenanntes Nanoplastik. Damit sind Partikel gemeint, die mit einer Größe von unter einem Mikrometer noch kleiner sind als Mikroplastik, das bis zu fünf Mikrometer groß ist. Gerade Nanoplastik hat in jüngsten Untersuchungen unter Leitung von Dr. Zhiyong Liu von der Universität Durham, USA, bewiesen, dass es mit dem Protein α-Synuclein interagiert. Dieses Eiweiß in seiner fehlgefalteten Form bildet die typischen Ablagerungen in bestimmten Hirnregionen, die zum Absterben von Nervenzellen und dem Ausbruch von neurodegenerativen Erkrankungen führen. Nanoplastik-Teilchen, speziell Polystyrol-Partikel, verstärken die Verklumpung von α-Synuclein in vitro und tragen im Mausmodell zur Ausbreitung der Ablagerungen auf benachbarte Hirnregionen bei.
Die Rolle von Gen-Umwelt-Interaktionen
Eine gewichtige Rolle spielen wahrscheinlich auch Interaktionen zwischen genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen, sogenannte Gen-Umwelt-Interaktionen. So konnte für Menschen mit einer homozygoten Deletion des Gens für die Glutathion-S-Transferase T1 eine erhöhte Suszeptibilität gegenüber Paraquat gezeigt werden. Die Glutathion-S-Transferase ist wichtig für die Entgiftung von körperfremden organischen Substanzen.
Anerkennung von Parkinson als Berufskrankheit
Die Anerkennung von Parkinson als Berufskrankheit kommt bei Personen in Betracht, die Herbizide, Fungizide oder Insektizide langjährig und häufig im beruflichen Kontext angewendet haben.
Parkinson als Berufskrankheit bei Landwirten
Seit 2024 ist Parkinson bei Landwirten, Winzerinnen oder Gärtnern eine anerkannte Berufskrankheit. Landwirte, die wie Roßkothen eine gesicherte Diagnose haben und bestimmte Mittel in der Vergangenheit an jeweils mindestens 100 Tagen eingesetzt haben, können Ansprüche geltend machen. Etwa 8000 erkrankte Landwirte und -wirtinnen haben inzwischen einen Antrag bei der landwirtschaftlichen Sozialversicherung gestellt. Auch dadurch kam es zu Beitragserhöhungen um bis zu 20 Prozent für die Versicherten.
Meldung und Bearbeitung von Verdachtsfällen
Wer nicht bei der LKK krankenversichert ist, muss den Verdacht auf eine Berufskrankheit der SVLFG melden. Sie als Beschäftigte/r können auch selbst eine schriftliche Anzeige einreichen. Wegen der zu erwartenden hohen Anzahl von zu prüfenden Verdachtsfällen (mehrere Tausend) ist davon auszugehen, dass die Bearbeitung längere Zeit in Anspruch nehmen wird.
Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson
Prävention und Schutzmaßnahmen
Angesichts der zunehmenden Hinweise auf den Zusammenhang zwischen beruflicher Exposition und Parkinson ist Prävention von entscheidender Bedeutung.
Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz
- Arbeitshygiene: Im Rahmen der beruflichen Pestizidanwendung ist auf eine gute Arbeitshygiene zu achten, um die Aufnahme der Giftstoffe durch die Haut oder die Atemwege zu minimieren.
- Schutzkleidung: Tragen Sie Handschuhe und Kleidung, die den ganzen Körper bedeckt. Diese sollten Sie nach der Anwendung außerhalb der Wohnung ausziehen und direkt in die Waschmaschine werfen.
- Technische Schutzmaßnahmen: Einsatz von geschlossenen Systemen und Absaugvorrichtungen, um die Exposition zu minimieren.
Schutz für die Allgemeinbevölkerung
- Vermeidung von Exposition: Meiden Sie Spaziergänge in der Nähe von Feldern, auf denen vor Kurzem gespritzt wurde. Falls Sie in der Nähe von konventionell bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen leben, halten Sie die Fenster geschlossen, während draußen gespritzt wird. Lassen Sie Kinder nicht in der Nähe von konventionell bewirtschafteten Feldern spielen, wenn auf diesen kürzlich Pflanzenschutzmittel aufgetragen wurden.
- Lebensmittelwahl: Am besten kaufen Sie heimische Produkte in der Saison, auch Bio-Ware ist eine gute Wahl. Waschen Sie Obst und Gemüse immer gründlich unter fließendem Wasser. Waschen Sie sich die Hände, nachdem Sie Zitrusfrüchte, Mangos oder Bananen geschält haben.
Forderungen an Politik und Gesellschaft
- Forschung: Intensivierung der Forschung zur Rolle von Umweltfaktoren bei der Entstehung von Parkinson.
- Regulierung: Überprüfung und Anpassung der Zulassungsverfahren für Pestizide und andere potenziell schädliche Substanzen. Die Industrie, die damit Geld verdient, sollte verpflichtet werden, eine sogenannte Post-Market Surveillance zu betreiben. Sie sollten also überwachen, welche Folgeschäden auftreten, nachdem die Pestizide verkauft und eingesetzt wurden. Ähnlich wie bei Medikamenten, wo ja auch auftretende Nebenwirkungen gemeldet werden müssen.
- Transparenz: Schaffung von öffentlichen Registern über den Pestizideinsatz, um die Öffentlichkeit zu informieren und die Forschung zu unterstützen. Ich denke wirklich, man muss die Daten, die die Bauern in der Schublade haben, öffentlich machen. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, was in ihrer Nachbarschaft an Chemikalien gespritzt wird.
- Förderung des ökologischen Landbaus: Unterstützung von Anbaumethoden, die auf den Einsatz von Pestiziden verzichten.
- Reduktion der Luftverschmutzung: Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität, insbesondere in städtischen Gebieten.