Einführung
Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch das Absterben von Dopamin-produzierenden Zellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies führt zu Bewegungsstörungen und anderen Symptomen. Während die Forschung weiterhin nach Heilungsmöglichkeiten sucht, rückt die Bedeutung der Ernährung bei der Vorbeugung und möglicherweise auch bei der Verlangsamung des Fortschreitens der Krankheit immer mehr in den Fokus. Insbesondere der Konsum von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln (UPF) steht im Verdacht, das Risiko für Parkinson und seine Vorstadien zu erhöhen.
Ultrahochverarbeitete Lebensmittel: Eine Definition
Ultrahochverarbeitete Lebensmittel sind Produkte, die umfangreiche industrielle Verarbeitungsprozesse durchlaufen haben. Sie enthalten in der Regel eine Vielzahl von zusätzlichen Zutaten, insbesondere Zusatzstoffe wie Aromen, Konservierungsmittel und Farbstoffe, sowie energiereiche Inhaltsstoffe mit geringer Essenzialität wie gesättigte Fettsäuren und Zucker. Beispiele hierfür sind Fast Food, Fertigpizza, Dosenravioli, Instantsuppen und Mikrowellengerichte.
Der Zusammenhang zwischen UPF und Parkinson-Symptomen
Eine neue Studie deutet auf einen starken Zusammenhang zwischen dem Konsum von UPF und den frühen Symptomen der Parkinson-Krankheit hin. Die Ergebnisse zeigen, dass der regelmäßige Konsum von Chips, Tiefkühlpizzen und anderen Fast-Food-Lebensmitteln das Risiko, frühe Anzeichen von Parkinson zu entwickeln, drastisch erhöhen könnte.
Konkret ergab die Studie, dass Personen, die mehr als elf Portionen UPF pro Tag konsumierten, ein 2,5-mal so hohes Risiko hatten, frühe Symptome von Parkinson zu entwickeln, im Vergleich zu Personen, die maximal drei Portionen UPF pro Tag zu sich nahmen. Der Verzehr von UPF war zudem mit einem höheren Risiko für fast jedes einzelne frühe Symptom verbunden, mit Ausnahme von Verstopfung.
Frühsymptome von Parkinson
Die Forscher suchten gezielt nach Anzeichen einer sogenannten prodromalen Parkinson-Erkrankung. In diesem frühesten Stadium beginnt bereits die Zerstörung von Nervenzellen im Gehirn, typische Symptome wie Zittern oder Muskelstarre treten aber noch nicht auf. Zu den untersuchten Frühsymptomen gehörten:
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- Verstopfung
- Schlafwandeln
- Verminderter Geruchssinn
- Schwierigkeiten, Farben zu unterscheiden
- Depressionen
- Tagesmüdigkeit
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch andere Ursachen haben können und nicht zwangsläufig auf eine beginnende Parkinson-Erkrankung hindeuten.
Mögliche Mechanismen
Die Mechanismen, durch die UPF das Parkinson-Risiko beeinflussen könnten, sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Theorien:
- Indirekter Zusammenhang über Übergewicht und Folgekrankheiten: UPF sind oft reich an Kalorien, gesättigten Fetten und Zucker, was zu Übergewicht, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes führen kann. Diese Erkrankungen sind wiederum mit einem erhöhten Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson verbunden.
- Veränderung des Darmmikrobioms: UPF enthalten oft wenig Ballaststoffe und viele Zusatzstoffe, was die Zusammensetzung und Vielfalt der Darmflora negativ beeinflussen kann. Veränderungen im Darmmikrobiom können über die Darm-Hirn-Achse krankmachende Veränderungen im Gehirn nach sich ziehen.
- Neurotoxische Wirkung von Zusatzstoffen: Einige Inhaltsstoffe von UPF, wie z.B. künstliche Aromen, Glutamat, Nitrate und Mikroplastik, könnten direkt neurotoxisch wirken und die Entstehung von Parkinson begünstigen. Hier fehlen jedoch noch Beweise für einen kausalen Zusammenhang.
Deutschland und der Konsum von UPF
Deutschland liegt mit fast 39 Prozent der gesamten Energieaufnahme aus hochverarbeiteten Lebensmitteln (Nahrung und Getränke) weit oben im europäischen Vergleich. Dies deutet darauf hin, dass ein großer Teil der deutschen Bevölkerung regelmäßig UPF konsumiert und somit potenziell einem erhöhten Risiko für Parkinson und andere Gesundheitsprobleme ausgesetzt ist.
Ernährungsempfehlungen zur Vorbeugung von Parkinson
Um das Risiko für Parkinson und andere neurodegenerative Erkrankungen zu verringern, wird empfohlen, den Konsum von UPF zu reduzieren und stattdessen auf eine ausgewogene, vollwertige Ernährung zu setzen. Diese sollte reich an frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Fisch und Olivenöl sein.
Innovative Therapien zur Parkinson-Bekämpfung
Neben der Bedeutung der Ernährung werden auch innovative Therapien zur Behandlung der Parkinson-Krankheit entwickelt. Ein vielversprechender Ansatz ist die Verwendung von Gehirnimplantaten, um beschädigte Nervenverbindungen zu erneuern.
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An der University of Cambridge wird im Rahmen eines 83 Millionen Euro schweren Forschungsvorhabens die Möglichkeit erforscht, durch Gehirnimplantate beschädigte Nervenverbindungen zu erneuern. Diese Implantate setzen auf kleine Ansammlungen von Gehirnzellen, die als "midbrain organoids" bezeichnet werden und in den beeinträchtigten Gehirnregionen eingesetzt werden.
Parkinson wird durch das Absterben von Dopamin-produzierenden Zellen im Gehirn verursacht, was zu Bewegungsstörungen und anderen Symptomen führt. Die derzeitigen auf Dopamin basierenden Behandlungen sind anfänglich effektiv, können jedoch im Laufe der Zeit zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen.
Ein vielversprechender Ansatz ist es, die abgestorbenen Dopaminzellen durch neue zu ersetzen. Bisherige Methoden hatten jedoch Schwierigkeiten, die transplantierten Zellen in das bereits bestehende Gehirnnetzwerk einzugliedern. Im Zuge der von ARIA geförderten Forschung prüfen Wissenschaftler, ob sich diese Organoide durch spezielle Substanzen und elektrische Stimulation effektiver mit dem neuronalen Netz verknüpfen lassen. Die ersten Versuche erfolgen an Tiermodellen.
Weitere vielversprechende Forschungsansätze
Andere Forschungsgruppen profitieren ebenfalls von der ARIA-Förderung. So arbeiten Wissenschaftler des Imperial College London an einer neuen Art von biohybridisierten Neuronen. Ein Team aus Glasgow entwickelt innovative neuronale Roboter zur Behandlung von Epilepsie. Das Unternehmen Navira aus London erforscht darüber hinaus Methoden, um Gentherapien effizienter ins Gehirn zu leiten.
Hirn-Computer-Schnittstellen: Neuralink und die Zukunft der Neurotechnologie
Ein weiterer viel diskutierter Ansatz im Bereich der Neurotechnologie sind Hirn-Computer-Schnittstellen (BCI). Das Unternehmen Neuralink, gegründet von Elon Musk, hat kürzlich seinem ersten Patienten ein solches Implantat eingesetzt. Das Ziel ist es, Menschen mit Hilfe dieser Technologie zu ermöglichen, Computer oder Handys allein mit ihren Gedanken zu steuern.
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Während Hirn-Implantate in der Medizin bereits seit zwei Jahrzehnten eingesetzt werden, beispielsweise zur Stimulation bestimmter Gehirnareale bei Parkinson-Patienten, geht Neuralink einen Schritt weiter. Das Unternehmen strebt an, nicht nur Patienten zu helfen, sondern allen Menschen Zugang zu dieser Technologie zu ermöglichen, um ihr Gehirn mit der digitalen Welt zu vernetzen.
Dies wirft jedoch auch ethische Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf den Datenschutz und die mögliche Manipulation von Daten. Neuro-Ethiker fordern daher mehr Transparenz und die Etablierung von firmeninternen Ethik-Kommissionen.
Risiken von Hirn-Implantaten
Bevor Hirn-Implantate im großen Stil eingesetzt werden können, müssen die Risiken minimiert werden. Die Operation an sich birgt immer das Risiko von Blutungen oder Infektionen. Zudem kann sich Hirngewebe gegen das Implantat wehren, etwa mit Abkapselungsreaktionen. Es ist noch unklar, wie lange solche Systeme stabil bleiben können.