Parkinson: Ursachen, Entstehung und die Bedeutung der Ernährung

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die bisher als unheilbar gilt. Nervenzellen im Gehirn gehen dabei fortschreitend zugrunde. Die Krankheit beginnt oft still und langsam, und kann viele Jahre im Körper lauern, bevor sie mit Zittern oder erstarrender Mimik sichtbar wird. In dieser frühen Phase ist eine angepasste Ernährung von entscheidender Bedeutung, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und den Verlauf der Krankheit positiv zu beeinflussen.

Ursachen und Entstehung von Parkinson

Die Ursachen des Morbus Parkinson sind komplex und noch nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass verschiedene Faktoren zusammenwirken. In den meisten Fällen lässt sich die Erkrankung nicht auf genetische Faktoren zurückführen. Umweltfaktoren wie Pestizide können eine Rolle spielen. In sehr seltenen Fällen hat die Erkrankung teilweise genetische Ursachen.

Der Darm als möglicher Ausgangspunkt

Forschende gehen mittlerweile davon aus, dass Parkinson zumindest bei einem Teil der Menschen mit Veränderungen im Darm beginnt. Eine Erklärung könnte sein, dass Stoffe aus dem Darm ins Gehirn wandern und dort eine schädliche Wirkung entfalten können. Der Austausch von Botenstoffen zwischen Darm und Gehirn gilt als gesichert. Diese Botenstoffe können über das Blut oder Nervenbahnen aus dem Darm bis ins Gehirn wandern.

Studien zeigen, dass der Darm von Parkinsonpatienten verändert ist. Auch die Zusammensetzung des Mikrobioms, also der Gemeinschaft der Darmbakterien, ist bei Menschen mit Morbus Parkinson verändert. Bei Menschen mit Parkinson überwiegen zum Beispiel oft Bakterien, die die Darmwand durchlässig machen. Ein möglicher Behandlungsansatz ist, den Darm mit einer bestimmten Ernährung so früh wie möglich wieder ins Lot zu bringen und so das Darmmikrobiom gewissermaßen umzuprogrammieren.

Ernährung bei Parkinson: Mehr als nur satt werden

Eine spezielle Ernährung oder Diät, die bei Parkinson eine Heilung bewirken kann, gibt es nicht. Dennoch ist es mit einer zielgerichteten Kost und bestimmten Maßnahmen oft möglich, die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern und auch den Genuss und die Freude am Essen wiederzufinden. Gerade für Parkinson-Patienten ist die Nahrungsaufnahme aufgrund von Schluckstörungen, Verdauungsstörungen und vermindertem Geruchs- und Geschmacksempfinden häufig problematisch.

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Die Bedeutung einer gesunden Ernährung

Gesunde Ernährung ist vor allem entscheidend, um einer Mangelernährung vorzubeugen. Häufig verlieren Parkinson-Patienten an Körpergewicht. Sie haben weniger Appetit und Schwierigkeiten beim Essen, zum Beispiel aufgrund von Schluckstörungen und Verdauungsproblemen. Die Ausprägung der Parkinson-Erkrankung kann beim Überwiegen von Steifigkeit und Unbeweglichkeit zudem mit einer verminderten Kalorienaufnahme einhergehen, weshalb in jedem Fall eine Kontrolle des Körpergewichts erfolgen sollte. Patientinnen und Patienten, deren Krankheitsbild durch starkes Zittern gekennzeichnet ist, weisen häufig einen erhöhten Stoffwechselumsatz auf und verlieren auch durch die ständige Muskelaktivität an Gewicht. Überbewegungen können ebenfalls zu Gewichtsverlust führen.

Eine gesunde und ausgewogene Kost ist auch nötig, damit der Körper mit Ballaststoffen, wichtigen Nährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und Proteinen versorgt wird. Das hilft nicht nur dabei, so weit wie möglich bei Kräften zu bleiben, sondern dient auch der Vermeidung von Begleiterkrankungen wie Osteoporose, die durch die körperliche Inaktivität begünstigt werden. Daher ist die Aufnahme von Vitamin D, K, Kalzium und Magnesium wichtig. Ballaststoffe verbessern außerdem die Verdauung und wirken so einer Verstopfung entgegen.

Mediterrane Ernährung als Vorbild

Eine gute Basis für eine ausgewogene Ernährung bietet die mediterrane Küche. Diese ist durch einen hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln gekennzeichnet. Viel frisches Grünzeug und andere gesunde Zutaten: Rund um das Mittelmeer weckt die Küche nicht nur Urlaubsgefühle, sondern ist mit viel Gemüse, Öle mit ungesättigten Fettsäuren, Fisch, Hülsenfrüchten und wenig Fleisch auch besonders gesund.

Konkret bedeutet das:

  • Reichlich Gemüse: Gemüse sollte einen großen Teil der Ernährung ausmachen.
  • Fisch: Fisch, besonders fette Sorten wie Lachs, Forelle oder Hering, sollten ein- bis zweimal pro Woche auf dem Speiseplan stehen.
  • Hülsenfrüchte: Linsen, Bohnen und Erbsen sind wertvolle Eiweißlieferanten und Ballaststoffquellen.
  • Vollkornprodukte: Vollkornbrot, -nudeln und -reis sind reich an Ballaststoffen und halten lange satt.
  • Öle mit ungesättigten Fettsäuren: Olivenöl ist ein wichtiger Bestandteil der mediterranen Ernährung.
  • Weniger Fleisch: Fleisch sollte nur in Maßen konsumiert werden.

Besondere Aspekte der Ernährung bei Parkinson

Neben den allgemeinen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung gibt es bei Parkinson einige Besonderheiten zu beachten:

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  • Verdauungsprobleme: Aufgrund verschiedener Störungen im Verdauungsapparat ist die Nahrungsaufnahme für viele Patientinnen und Patienten echte Schwerstarbeit. Zu den häufigsten Verdauungsproblemen bei Parkinson-Patienten gehören Schluckstörungen, Magenentleerungsstörungen und Verstopfung. Ein verminderter Geruchs- und Geschmackssinn kann den Appetit und den Genuss am Essen beeinträchtigen.

  • Schluckstörungen (Dysphagie): Manchmal können die Schluckbeschwerden auch abhängig von der Parkinsonmedikation sein. Die Patientinnen und Patienten können eine spezielle Kost, eine sogenannte Dysphagie- oder Breikost empfohlen werden, bzw. die Vermeidung der Aufnahme großer Essensstücke. Als ungeeignet erweisen sich meist Speisen von körniger, trockener, faseriger oder harter Konsistenz. Bei flüssigen Speisen kommt es häufig zum Verschlucken. Besonders ungünstig sind Mischkonsistenzen wie klare Suppe mit Einlagen, denn der flüssige Teil fließt schnell, die festen Teile bleiben hängen.

  • Verzögerte Magenentleerung: Häufig klagen Parkinson-Patientinnen und Patienten über Sodbrennen oder Völlegefühl. Meist ist eine verzögerte Magenentleerung die Ursache, die bei Betroffenen typischerweise auftritt. Das bedeutet, dass es zwei und mehr Stunden dauern kann, bis der Mageninhalt weitertransportiert wird.

  • Verstopfung (Obstipation): Die Verstopfung gilt als ein sehr häufiges Symptom beim Parkinson-Syndrom. Um den Verstopfungen entgegenzuwirken, ist die Aufnahme einer ballaststoffreichen Ernährung sinnvoll. Damit Ballaststoffe ihre beabsichtigte Wirkung entfalten, ist die gleichzeitige Aufnahme von Wasser erforderlich. Als Grundregel kann hierbei die Aufnahme von 2,5 l am Tag gelten. Sorgen Sie dafür, dass Sie genügend Ballaststoffe zu sich nehmen, z. B. in löslicher Form wie Flohsamen oder geschrotetem Leinsamen. Außerdem eignen sich Müsli, Trockenfrüchte in Wasser eingeweicht, Sauerkrautsaft und Vollkornprodukte.

  • Verminderter Geruchs- und Geschmackssinn: Parkinson-Patientinnen und Patienten leiden aufgrund ihrer Krankheit häufig unter vermindertem Geruchs- und Geschmackssinn. Das schmälert den Appetit und den Genuss am Essen. Gewürze und Kräuter in einem Mörser fein zermahlen - das regt den Geruchssinn an. Geben Sie einen kleinen Schuss Olivenöl zu zerkleinerten oder pürierten Speisen.

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  • Gewichtsverlust und Mangelernährung: Wenn es aufgrund der aufgeführten Beschwerden zu einem Gewichtsverlust und einer Mangelernährung kommt, bleibt dies nicht folgenlos. Bei ihrer Ernährung sollten Parkinson-Patientinnen und Patienten darauf achten, dass ihr Essen energiereich ist, um ihre Kräfte und Fähigkeiten weitestgehend zu erhalten. Auch Süßes ist hier durchaus erlaubt, zumindest in Maßen. Wichtig ist, dass s zu einer Versorgung mit Energie kommt und ggf. eine Gewichtszunahme erfolgt. Setzen Sie auf Abwechslung: Einen Tag kommt Fleisch auf den Teller, am nächsten Fisch, Geflügel, Eier oder vegane Speisen.

  • Wechselwirkungen mit Medikamenten (L-Dopa): Bei der Einnahme des Parkinson-Medikamentes L-Dopa ist außerdem Vorsicht beim Verzehr von Eiweiß geboten. L-Dopa wird durch die Darmwand transportiert und konkurriert dabei mit anderen Aminosäuren aus der Nahrung. Eine eiweißreiche Ernährung hat aus diesem Grund einen negativen Effekt auf die Aufnahme des L-Dopa. Aufgrund der Wechselwirkungen zwischen Nahrungsproteinen und der Pharmakokinetik Aufnahme von Levodopa wird den Patientinnen und Patienten unter L-Dopa-Therapie empfohlen, das Medikament auf leeren Magen einzunehmen. Im Idealfall eine halbe Stunde vor oder eine Stunde nach dem Essen. Zusätzlich sollte die notwendige Eiweißmenge in kleinen Portionen über den Tag verteilt aufgenommen werden und nicht in einer großen Mahlzeit. Auf Eiweiß verzichten sollten Parkinson-Patientinnen und Patienten aber auf keinen Fall.

Ernährungstipps für Parkinson-Patienten

  • Ausreichend Ballaststoffe: Vollkornbrot und Vollkornnudeln, unpolierter Reis, Vollkornhaferflocken bieten sich ebenso an.
  • Fünf kleine Portionen Obst & Gemüse: Süßes nur in Maßen konsumieren, stattdessen lieber fünf gesunde Portion Obst & Gemüse pro Tag. Sowohl zu jeder Hauptmahlzeit und zwei mal als Snack zwischendurch, z.B. rote Beeren, Tomaten oder Gurken. Am besten frisch, möglichst unverarbeitet und ggf. nur kurz gegart. Auch Säfte sind zu empfehlen.
  • Spinat: Spinat enthält ein wenig Protein und zusätzlich jede Menge wichtige Nährstoffe wie Flavonoide, Mineralstoffe, Vitamin C, Vitamin K, Eisen, Folsäure und Calcium.
  • Fleisch, Eier Wurst und Fisch nur ein bis zwei mal pro Woche (300 - 600 g): Diese Lebensmittel enthalten wichtige Nährstoffe, z.B. Omega-3-Fettsäuren (vor allem in fetten Kaltwasserfischen wie Lachs, Forelle, Hering, Heilbutt, Thunfisch oder Kabeljau). Fleisch enthält außerdem viel Eisen und Vitamin B1, B6 und B12.
  • Täglich Milchprodukte: Hier aber auf fettarme und ungesüßte Varianten zurückgreifen, also z.B. fettarmen Naturjoghur oder fettarme Milch. Calcium ist ein wichtiger Baustein für die Knochen, ebenso wie Vitamin D.
  • Mit Kräutern und Gewürzen arbeiten, aber nur mit wenig Salz: Kurkuma, Ingwer, Kresse und Petersilie sind nicht nur schmackhaft, sondern auch reich an wichtigen Nährstoffen.

Vitamin D und Kalzium

Wie bereits bei den Enrährungstipps erwähnt, kann die richtige Ernährung die Knochen stärken und das Risiko für Frakturen und Osteoporose reduzieren. Calcium spielt hierbei eine Schlüsselrolle, ebenso wie Vitamin D. Da das in der Nahrung enthaltene Calcium nur zu etwa einem Drittel durch den Körper aufgenommen werden kann, sollte man mindestens 900 - 1000 mg Calcium pro Tag durch die Nahrung aufnehmen. Besonders reich an Calcium ist z.B. Grünkohl oder Spinat. Ab 150 mg Calcium je Liter gilt Mineralwasser als calciumreich (Der Calciumgehalt wird auf dem Ettikett vermerkt). Auch Vitamin D ist für die Knochen wichtig, weshalb man auf ausreichende Aufnahme achten sollte. Vitamin D wird vor allem bei Sonneneinstrahlung über die Haut produziert. Ein ausreichender Aufenthalt im Freien ist jedoch für Parkinson-Patientinnen und Patienten nicht immer möglich. Auch reicht die Sonneneinstrahlung in unseren Breitengraden oft nicht aus, vor allem im Winter nicht. Hier wird die Einnahme über Tabletten oder Tropen empfohlen, was jedoch mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden sollte. Gute Vitamin D Lieferanten sind außerdem Eier, Avocados, Fisch und Fleisch.

Fettarme Milchprodukte und das Parkinson-Risiko

Laut einer aktuellen Studie könnte fettarme Milch das Risiko erhöhten, einen Morbus Parkinson zu entwickeln. Die Assoziation wurde vor allem durch den Konsum von entrahmter und fettarmer Milch ausgelöst. Interessant ist die Frage, wieso fettarme Milchprodukte das Risiko erhöhen. Eine Möglichkeit ist, dass Milch die Aufnahme von Toxinen über den Darm erleichtert, die dann über den Blutkreislauf ins Gehirn gelangen. Eine andere Hypothese vermutet eine Verbindung über den Harnsäurespiegel. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Milchtrinker niedrigere Harnsäure-Spiegel haben. Niedrige Harnsäurewerte gehören aber zu den diätetischen Risikofaktoren des Morbus Parkinson.

Weitere Faktoren für eine gute Lebensqualität

Neben der Ernährung gibt es weitere Faktoren, die die Lebensqualität von Parkinson-Patienten beeinflussen können:

  • Bewegung: Sowohl die motorischen als auch die nicht-motorischen kognitiven Parkinson-Symptome führen mit der Zeit häufig zu signifikantem Bewegungsmangel. Dieser erhöht die Anfälligkeit für Osteoporose, also die Degeneration der Knochen.
  • Soziale Kontakte: Der Austausch mit anderen Betroffenen und die Teilnahme an sozialen Aktivitäten können helfen, Isolation und Depressionen vorzubeugen.
  • Kochen als Therapie: Von der Auswahl der Speisen über Einkauf, Vor- und Zubereitung bis zum gemeinsamen Genuss des fertigen Gerichts im Familien- oder Freundeskreis kann sich jeder Schritt des Kochens positiv auf die Parkinson-Erkrankung und ihre Symptome auswirken - und dabei sogar noch Spaß machen.

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