Die Parkinson-Krankheit ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen und stellt eine erhebliche Herausforderung für Patienten, Angehörige und das Gesundheitssystem dar. An der Universitätsmedizin Mainz wird intensiv an neuen Therapieansätzen und einem besseren Verständnis der Krankheitsmechanismen geforscht. Dieser Artikel fasst aktuelle Entwicklungen, Forschungsergebnisse und interdisziplinäre Ansätze im Bereich der Parkinson-Krankheit an der Universitätsmedizin Mainz zusammen.
Antrittsvorlesung von Prof. Frauke Zipp und Schwerpunkte der Klinik für Neurologie
Im Jahr 2010 hielt Prof. Dr. Frauke Zipp ihre Antrittsvorlesung an der Universitätsmedizin Mainz. Seit ihrer Berufung auf den Lehrstuhl für Neurologie und der Übernahme der Leitung der Klinik und Poliklinik für Neurologie hat sie die Schwerpunkte der Klinik maßgeblich geprägt. Zu diesen Schwerpunkten zählen neben entzündlichen Erkrankungen wie Multiple Sklerose und Borreliose auch Schlaganfall, Bewegungskrankheiten wie Parkinson, Schmerz (einschließlich Polyneuropathie und Migräne) und komplizierte Formen von Epilepsie.
Das Mikrobiom bei Parkinson und Alzheimer Demenz: Ein Überblick
PD Dr. Kristina Endres von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz präsentierte einen Überblick über Untersuchungen zur Rolle des Mikrobioms bei Parkinson und Alzheimer Demenz. Das Mikrobiom, die Gesamtheit aller Mikroorganismen in einer ökologischen Nische wie dem menschlichen Darm, kann einen massiven Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des menschlichen Wirts haben. In den letzten 10 Jahren hat die Erforschung des Mikrobioms dank neuer Sequenziertechniken einen immer wichtigeren Platz in der Forschungslandschaft eingenommen. Es wird angenommen, dass nicht nur Darmerkrankungen, sondern auch Erkrankungen des Gehirns wie Autismus oder Alzheimer Demenz mit dem Mikrobiom zusammenhängen. Bisherige Forschungsergebnisse basieren oft auf Korrelationen, und die Identifizierung von Kausalitäten ist komplex.
Boehringer-Ingelheim-Preis für Forschung zur Tiefenhirnstimulation bei Parkinson
Dr. Dr. Damian Herz von der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz wurde mit dem Boehringer-Ingelheim-Preis für seine Forschung im Bereich der Tiefenhirnstimulation (THS) bei Parkinson ausgezeichnet. Er entdeckte einen neuen Ansatz zur besseren Tiefenhirnstimulation zur Behandlung von Parkinson. Die Boehringer Ingelheim Stiftung fördert seit über 50 Jahren Nachwuchsforschende und unterstützt wichtige Themen wie die Parkinson-Forschung.
Neue Erkenntnisse zur Funktionsweise des Gehirns
Dr. Herz hat herausgefunden, dass der Nucleus subthalamicus, ein Nervenkern im Stammhirn, sowohl die Geschwindigkeit reguliert, mit der Bewegungen ausgeführt werden, als auch die Geschwindigkeit von Prozessen der Entscheidungsfindung. Diese Erkenntnis ermöglichte die Entwicklung eines verbesserten THS-Verfahrens, bei dem die Stromimpulse nur in kurzen Intervallen gegeben werden.
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Tiefenhirnstimulation: Ein etabliertes Therapieverfahren
Das Parkinson-Syndrom ist die am schnellsten zunehmende neurologische Erkrankung und betrifft weltweit etwa sechs Millionen Menschen. Zu den typischen Symptomen zählen motorische Störungen wie verlangsamte Bewegungen. Ein etabliertes Therapieverfahren zur Behandlung dieser Bewegungseinschränkungen ist die Tiefenhirnstimulation (THS). Bei der THS wird der Nucleus subthalamicus in den Basalganglien des Gehirns elektrisch stimuliert, um insbesondere die Bewegungsgeschwindigkeit zu verbessern.
Schwerpunkte der Klinik für Neurologie in Mainz
Die Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz betreut schwerpunktmäßig folgende Krankheitsbilder:
- Schlaganfall: Diagnostik und Therapie des akuten Schlaganfalls auf der Stroke Unit, Nachsorge und Risiko-Abschätzung mit Ultraschall der Hirngefäße in der Schlaganfall-Ambulanz
- Multiple Sklerose: Diagnostik und Differentialdiagnostik der entzündlichen Erkrankungen des Zentralen Nervensystems, insbesondere der Multiplen Sklerose, Beratung zur Therapie in der Entzündungsambulanz
- Epilepsie: Diagnostik und Therapie von epileptischen Anfällen in der Epilepsie-Ambulanz und im stationären Video-EEg Monitoring
- Bewegungsstörungen: idiopathisches Parkinson-Syndrom, Multisystematrophie, fokale Dystonien, Botulinumtoxin. Die Behandlung findet in der Parkinson- und Botox-Ambulanz statt.
- Neuromuskuläre Ambulanz: Krankheitsbilder aus dem Bereich der Neuromuskulären Erkrankungen wie z.B. Amyotrophe Lateralsklerose, Myopathien, Myotonien, Myasthenia gravis oder Hereditäre Spastische Spinalparalysen werden in der Neuromuskulären Ambulanz betreut.
- Hirntumore: gut- und bösartige Tumore des Nervensystems werden in der interdisziplinären neurologisch-neurochirurgischen, Neuro-Onkologischen Ambulanz betreut.
- Chronische Schmerzen: Diagnostik und Therapie neuropathischer Schmerzen, komplexes regionales Schmerzsyndrom ("M.
Forschungsschwerpunkte der Sektion für Bewegungsstörungen und Neurostimulation
Neben der klinischen Tätigkeit ist die wissenschaftliche Arbeit eine wichtige Aufgabe der Sektion für Bewegungsstörungen und Neurostimulation an der Universitätsmedizin Mainz. In unseren Projekten untersuchen wir, wie verschiedene Gehirnareale bei gesunden Personen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen miteinander interagieren. Hierbei stehen Aspekte der Konnektivität und der Reorganisation im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Wir nutzen bildgebende, nicht-invasiv stimulierende und elektrophysiologische Verfahren um die Physiologie und Pathophysiologie u.a. des menschlichen motorischen Systems zu erforschen. Aktuell arbeiten wir an mehreren Studien bei Patienten mit Bewegungsstörungen (u.a. M. Parkinson) und sind an Projekten zur Optimierung der Wirkmechanismen der tiefen Hirnstimulation beteiligt.
Kooperationen
Dabei kooperiert die Sektion für Bewegungsstörungen und Neurostimulation mit anderen Arbeitsgruppen der Universitätsmedizin Mainz: Klinik für Neurologie (Neuroimmunologie, AG Birklein), mit dem Neuroimaging Center Mainz (NIC), Deutsches Resilienz-Zentrum (DRZ), AG Emotion regulation und Impulskontrolle (ERIC) der Klinik für Psychiatrie (PD Dr. med. Tüscher) und AG Molecular Imaging and Optogenetics (Institut für mikroskopische Anatomie und Neurobiologie, Prof A. Stroh).
Interprofessionelle Ausbildung am Beispiel Morbus Parkinson
Ein interprofessioneller Unterricht am Patienten (UaP) wurde entwickelt und implementiert, um Interprofessionalität als selbstverständlichen Teil des klinischen Handelns zu integrieren. Klinisches Thema des Kurses war „Morbus Parkinson“, da sich anhand dieser Erkrankung interprofessionelle Teamarbeit und unterschiedliche Kompetenzen exemplarisch darstellen ließen.
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Kursentwicklung und Evaluation
Der Kurs wurde erstmals im Wintersemester 2021/22 durchgeführt. Teilnehmende Personen waren Medizinstudierende und Physiotherapieschüler*innen, die Dozierendenteams waren ebenfalls interprofessionell. Eine begleitende Evaluation erfolgte mit Hilfe des University of the West of England Interprofessional Questionnaire (UWE-IP) vor und nach Kursteilnahme. Der Kurs erwies sich als gut geeignet, um interprofessionelle Lehrinhalte in die klinische Lehre zu integrieren und kann als Modell für weitere Lehreinheiten dienen. Die Evaluation spiegelte eine positive Einstellung bezüglich interprofessionellem Lernen wider.
Interprofessionelle Zusammenarbeit als Schlüsselfaktor
Interprofessionelle Zusammenarbeit in der Medizin gilt als ein entscheidender Faktor zur Qualitätssicherung in der Patientenversorgung und zur Bewältigung der steigenden Anforderungen im Gesundheitssystem. Zusätzlich können Patientensicherheit und Arbeitszufriedenheit in der Medizin durch eine gute interprofessionelle Zusammenarbeit erhöht werden. Diese zeichnet sich durch Wissen über die Kompetenzen und Rollen der anderen Professionen und ein gemeinsames Verständnis der Arbeitsaufgaben aus. Als Grundvoraussetzung gilt dabei eine interprofessionelle Ausbildung, bei der Studierende aus mindestens zwei Professionen miteinander lernen.
Die "Nachtvorlesung für jedermann"
Die Universitätsmedizin Mainz bietet regelmäßig die "Nachtvorlesung für jedermann" an, in der Experten Neuerungen und innovative Forschungsprojekte aus verschiedenen Bereichen der Universitätsmedizin Mainz vorstellen.
Themen der Nachtvorlesung
Die Themen der Nachtvorlesung sind vielfältig und umfassen unter anderem:
- Highlights in der Aortenchirurgie
- Neues aus der minimalinvasiven Glaukomchirurgie
- Erfolgsgeschichten der Medizin am Beispiel von Schuppenflechte, Neurodermitis und schwarzem Hautkrebs
- Innovative Lösungen für komplexe Erkrankungen der Leber mittels minimal-invasiver Operationsmethoden und robotischer Chirurgie
- Wie das Immunsystem den feinen Unterschied zwischen Freund und Feind erkennt
- Die gegenwärtig unzureichende Versorgungssituation von Patienten mit Leberzirrhose in Deutschland und das Projekt SEAL zur optimierten Früherkennung von Leberzirrhose
- T-Zellen als Immunregulatoren in Allergien
- Die Versorgung hormonell bedingter Erkrankungen und des Diabetes mellitus
- Die anästhesiologische und intensivmedizinische Versorgung
- Licht gegen Krankheit: Extrakorporale Photopherese bei Transplantat-Abstoßung
- Gesundheitsversorgung von Kindern als Grundlage eines langen Lebens in bester Lebensqualität
- Die Bedeutung der Rechtsmedizin bei der Versorgung von Gewaltbetroffenen
- Das Angebot der Universitätsmedizin Mainz im Bereich der psychoonkologischen Versorgung
- Kinderchirurgie oder das Streben nach lebenslanger Normalität
- Der resiliente Mensch - Wie wir Krisen erleben und bewältigen
Neurologie-Symposium in Koblenz
Die Klinik für Neurologie & Stroke Unit des Katholischen Klinikums Koblenz · Montabaur veranstaltete bereits zum 11. Mal ein Neurologie-Symposium in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz. Ein abwechslungsreiches Programm mit ausgezeichneten Referenten sorgte für wertvolle Blicke in die Schwerpunktgebiete der Neurologie.
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