Levodopa bei Parkinson: Wirkungseintritt, Anwendung und wichtige Aspekte

Levodopa, oft als L-Dopa abgekürzt, ist ein zentrales Medikament zur Behandlung von Bewegungsstörungen bei Morbus Parkinson und dem Restless-Legs-Syndrom (RLS). Es ist seit mehr als 40 Jahren im Einsatz und hat sich als kostengünstig und sehr wirksam erwiesen. Dieser Artikel beleuchtet den Wirkmechanismus, die Anwendung, mögliche Nebenwirkungen und weitere wichtige Aspekte von Levodopa, um Patienten und Angehörigen ein umfassendes Verständnis dieser Therapieoption zu ermöglichen.

Was ist Levodopa und wie wirkt es?

Levodopa ist eine Vorläufersubstanz von Dopamin, einem Neurotransmitter, der für die Signalübertragung zwischen Nervenzellen im Gehirn unerlässlich ist. Besonders wichtig ist Dopamin für die Steuerung von Bewegungen. Bei Morbus Parkinson sterben Dopamin-produzierende Nervenzellen in der Substantia nigra ab, was zu einem Dopaminmangel führt. Dieser Mangel ist hauptsächlich für den Verlust der Muskelkontrolle und die daraus resultierenden Symptome wie Zittern, Bewegungsverlangsamung und Muskelsteifheit verantwortlich.

Anders als Dopamin selbst kann Levodopa die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Nach der Einnahme gelangt Levodopa ins Gehirn, wo es in Dopamin umgewandelt wird und den Dopaminmangel bis zu einem gewissen Grad ausgleichen kann. Dies lindert die Bewegungsstörungen bei Parkinson und RLS.

Kombination mit Decarboxylasehemmern

Um zu verhindern, dass Levodopa bereits außerhalb des Gehirns in Dopamin umgewandelt wird, wird es in der Regel in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer wie Carbidopa oder Benserazid verabreicht. Diese Hemmstoffe blockieren Enzyme, die Levodopa außerhalb des Gehirns in Dopamin umwandeln würden. Da Carbidopa und Benserazid die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden können, gelangt Levodopa ungehindert ins Gehirn, wo es seine Wirkung entfalten kann.

Zusätzliche Wirkstoffe: COMT-Hemmer

Einige Levodopa-Präparate enthalten zusätzlich einen COMT-Hemmer wie Entacapon. COMT-Hemmer verlangsamen den Abbau von Dopamin im Gehirn und verlängern so die Wirkdauer von Levodopa.

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Anwendung von Levodopa

Einnahme und Dosierung

Die Tabletten werden am besten 30 Minuten vor oder 90 Minuten nach den Mahlzeiten unzerkaut mit einem Glas Wasser geschluckt. Es wird empfohlen, anschließend etwas Gebäck zu essen. Vor der Einnahme sollten große eiweißreiche Mahlzeiten vermieden werden, da diese die Aufnahme von Levodopa beeinträchtigen können.

Die empfohlene Initialdosis beträgt in der Regel dreimal täglich 100 mg Levodopa kombiniert mit 25 mg Carbidopa. Die Dosis kann in Schritten von 100 mg/25 mg Tablette jeden Tag oder jeden zweiten Tag erhöht werden. Bei höheren Dosen als 600 mg Levodopa und 150 mg Carbidopa sollte jedoch auf ein Verhältnis von 1:10 (Levodopa 250 mg kombiniert mit Carbidopa 25 mg) umgestellt werden. Die optimale Tagesdosis sollte individuell durch vorsichtige Titration von Levodopa ermittelt werden.

Darreichungsformen

Es gibt verschiedene Darreichungsformen von Levodopa, darunter Tabletten, Retardkapseln und Suspensionen. Retardkapseln geben den Wirkstoff verzögert frei und eignen sich besonders für die Nacht, um morgendliche Hypokinesien zu reduzieren. Eine Suspension aus Levodopa und Benserazid ermöglicht eine flexiblere Dosierung, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden kann.

Indikationen

Levodopa wird hauptsächlich zur Behandlung von Morbus Parkinson und dem Restless-Legs-Syndrom eingesetzt. Es kann auch bei anderen Erkrankungen mit Parkinson-ähnlichen Symptomen eingesetzt werden, wie z. B. Vergiftungen, Hirnentzündungen und Arteriosklerose.

Nebenwirkungen von Levodopa

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Levodopa gehören Herz-Kreislauf-Störungen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Nach längerer Therapie (mehrere Jahre) kann Levodopa auch die On-Off-Symptomatik bei Parkinson verstärken.

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Weitere mögliche Nebenwirkungen

  • Appetitlosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Depressionen
  • Durchfall
  • Veränderung der Leberenzymwerte
  • Unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesien)
  • Übermäßige Tagesmüdigkeit und plötzliche Schlafattacken

Patienten, bei denen übermäßige Tagesmüdigkeit und Schlafattacken auftreten, dürfen keine Aktivitäten ausführen, die ihre Aufmerksamkeit erfordern, wie z. B. das Führen von Fahrzeugen oder das Bedienen von Maschinen.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Levodopa kann Wechselwirkungen mit einer Reihe anderer Medikamente eingehen, darunter:

  • Nicht-selektive, irreversible MAO-Hemmer: Können zu einer gefährlichen Blutdruckkrise führen.
  • Antipsychotika: Können die Wirkung von Levodopa abschwächen.
  • Eisenpräparate: Können die Aufnahme von Levodopa beeinträchtigen.
  • Blutdrucksenker: Können das Risiko von niedrigem Blutdruck erhöhen.

Es ist wichtig, den Arzt über alle eingenommenen Medikamente zu informieren, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

Wichtige Hinweise zur Einnahme von Levodopa

  • Levodopa sollte nicht in der Schwangerschaft angewendet werden, da über mögliche Risiken unzureichende Daten vorliegen.
  • Levodopa hemmt die Prolaktinausschüttung und somit die Laktation und geht zudem in die Muttermilch über. Während der Stillzeit sollte Levodopa daher nicht eingenommen werden.
  • Die Einnahme von Levodopa kann Müdigkeit und in seltenen Fällen übermäßige Tagesmüdigkeit und plötzlich auftretende Schlafattacken verursachen.
  • Bei der Einnahme von Levodopa ist Vorsicht beim Verzehr von Eiweiß geboten, da Eiweiß die Aufnahme von Levodopa im Darm beeinträchtigen kann.

Levodopa im Kontext der Parkinson-Therapie

Levodopa gilt als Goldstandard in der Therapie des Morbus Parkinson. Es lindert vor allem die Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) und die Muskelsteifheit (Rigor). Die Wirkung tritt in der Regel innerhalb von 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme ein.

Frühzeitige oder verzögerte Behandlung mit Levodopa?

Lange Zeit wurde diskutiert, ob eine frühzeitige Behandlung mit Levodopa negative Auswirkungen haben könnte. Die Ergebnisse der LEAP-Studie (Delayed-start Trial Levodopa in Early Parkinson’s Disease) haben jedoch gezeigt, dass die L-Dopa-Einnahme über zwei Jahre keine negativen Effekte hat. Die Studie konnte keine vermehrten Dyskinesien oder motorischen Einschränkungen feststellen.

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Individualisierte Therapie

Die Parkinson-Therapie sollte immer individuell auf den Patienten abgestimmt sein. Dabei müssen verschiedene Aspekte berücksichtigt werden, wie z. B. Krankheitsstadium, Beschwerdebild, Alter und Begleiterkrankungen.

Weitere Therapieoptionen

Neben Levodopa gibt es weitere Medikamente zur Behandlung von Parkinson, wie z. B. Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer und COMT-Hemmer. In einigen Fällen kann auch eine tiefe Hirnstimulation in Betracht gezogen werden.

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