Parkinson: Wesensveränderung und Humor als Bewältigungsstrategie

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die nicht nur motorische Fähigkeiten beeinträchtigt, sondern auch zu Wesensveränderungen führen kann. Humor kann hierbei eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Krankheit spielen.

Diagnose und erste Anzeichen: Der Beginn einer erzwungenen Partnerschaft

Walter Ondrich erhielt mit 66 Jahren die Diagnose Parkinson. Er beschreibt, wie ihn bereits vor der Diagnose der Gedanke „Was ist los mit mir?“ verfolgte. Er bemerkte eine Veränderung seiner Persönlichkeit, ein Nachlassen seiner Fröhlichkeit und seines Humors. Stattdessen traten gesundheitliche Beschwerden auf und Arzttermine häuften sich.

Eine auffällige Wesensveränderung war die „Sprachlosigkeit“. Ondrich stand oft stumm in Freundesrunden, unfähig, geistreiche oder humorvolle Worte zu finden. Anstelle von lauten und artikulierten Worten kamen nur heiser gekrächzte Wortfragmente aus seinem Mund. Zusätzlich wurde er aufbrausend und missmutig. Seine Beobachtungsgabe führte ihn zur Selbstdiagnose, die später von einem Neurologen bestätigt wurde: „Herr Ondrich, ja sie haben mit Sicherheit Parkinson und ich bewundere sie, wie sie sich selbst beobachtet und die Krankheit im frühen Stadium erkannt haben.“

Wesensveränderungen bei Parkinson

Parkinson kann verschiedene Wesensveränderungen hervorrufen. Dazu gehören:

  • Veränderungen der emotionalen Ausdrucksfähigkeit: Betroffene können weniger fröhlich sein oder Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle auszudrücken.
  • Sprachlosigkeit: Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden oder sich an Gesprächen zu beteiligen.
  • Gereiztheit und Missmut: Zunehmende Aufbrausendheit und negative Stimmung.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Problemlösung, Sprache oder Orientierung. Das Lang- und Kurzzeitgedächtnis kann nachlassen.

Diese Veränderungen können das Gemüt belasten und das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen

Humor als Bewältigungsstrategie

Ondrich thematisiert vor allem die Früherkennung und seinen persönlichen Umgang mit der Erkrankung. Er hat seine Erfahrungen mit Parkinson in einem Buch mit ironischem Humor umschrieben, denn „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“

Lachen kann tatsächlich eine positive Wirkung auf den Körper haben. Beim Lachen wird die Lungenfunktion angeregt, das Blut wird mit Sauerstoff angereichert und Glückshormone werden ausgesendet. Mit positiven Eindrücken ist jede Krankheit leichter zu ertragen.

Selbsthilfegruppen und der Austausch mit anderen Betroffenen

Die Gründung einer Selbsthilfegruppe und das Schreiben eines Buches sind Beispiele für neue Herausforderungen im Leben mit Parkinson. Damit gewinnt man neue Perspektiven. Walter Ondrich ist Leiter der Parkinson-Selbsthilfegruppe Leoben und hat seine Erfahrungen mit Parkinson im Buch „Mit 66 Jahren - PARKINSON!“ zu Papier gebracht. Mit offenen, aber auch mit launischen Worten bieten die Vorkommnisse ironisch und humorvoll positive Ausblicke mit der Krankheit umzugehen. Das Aufzeigen der eigenen Maßnahmen, um den Verlauf der Krankheit einzubremsen und wie man trotz Parkinson ein gutes Leben führen kann, macht Mut und gibt Zuversicht.

Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein. Hier können Erfahrungen ausgetauscht, Tipps gegeben und Unterstützung gefunden werden.

Früherkennung und Diagnose

Die im Internet zu findenden Symptome waren dann ein Spiegelbild meiner körperlichen Schwächen und ein Aufzeigen meiner psychischen Verfassung. Mit erschreckender Klarheit waren meine erkannten Probleme im vollen Umfang in der Liste der Parkinson-Früherkennungssymptome zu finden. Aber nicht nur die mir aufgefallenen Hinweise waren Teil der frühen Symptome. Die gesamte Palette meiner körperlichen Probleme war vertreten. Sie alle bekamen nun einen Namen: „Morbus Parkinson“.

Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt

Die Früherkennung von Parkinson ist wichtig, um frühzeitig mit der Behandlung beginnen und den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen zu können.

Behandlungsmöglichkeiten

Die medikamentöse Behandlung von Parkinson zielt darauf ab, die Botenstoffe im Gehirn wieder in ihr Gleichgewicht zu bringen und damit die motorischen Defizite abzumildern. Dazu kommen Medikamente zum Einsatz, die den Dopaminmangel wieder ausgleichen, wie zum Beispiel Levodopa (in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer).

Neben der medikamentösen Behandlung sind nicht-medikamentöse Therapien sehr wichtig. Die Erkrankten werden dabei unterstützt, ihre bestehenden kognitiven Fähigkeiten und Alltagskompetenzen möglichst lange zu erhalten.

Zur Linderung der motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung wird möglichst viel körperliche Aktivität empfohlen.

Weitere Aspekte der Parkinson-Krankheit

Parkinson-Demenz

Bei der Parkinson-Krankheit kommt es zu einem Abbau von Nervenzellen in einer bestimmten Region im Mittelhirn, der sogenannten schwarzen Substanz (Substantia nigra). Dort befinden sich die Nervenzellen, die für die Produktion von Dopamin zuständig sind.

Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson

Dopamin steuert unter anderem unsere körperlichen Bewegungen. Wenn Nervenzellen absterben, kommt es zu einem Dopaminmangel. Im Verlauf der Krankheit sterben aber auch die Nervenzellen ab, die das Acetylcholin regulieren. Dies führt zu einem Acetylcholinmangel, der im weiteren Krankheitsverlauf unter anderem kognitive Störungen im Gehirn begünstigen kann.

Viele Menschen mit Parkinson sind daher bis zu einem gewissen Grad von kognitiven Beeinträchtigungen betroffen. Auch Stress, Medikamente oder Depressionen können zu diesen Veränderungen beitragen.

Von einer Parkinson-Demenz spricht man, wenn ein Mensch mit Parkinson mindestens zwei kognitive Einschränkungen aufweist, die sein unabhängiges Leben erschweren. Wie stark diese Einschränkungen sind, ist von Person zu Person unterschiedlich.

Häufig sind die Aufmerksamkeit, die Problemlösefähigkeit, die Sprache oder die Orientierung betroffen. Auch das Lang- und Kurzzeitgedächtnis kann bei Menschen mit Parkinson-Demenz nachlassen.

Menschen mit Parkinson-Demenz verarbeiten Informationen oft langsamer und es kann zu Persönlichkeitsveränderungen kommen.

Lewy-Körperchen-Demenz

Die Lewy-Körperchen-Demenz (auch: Lewy-Body Demenz) ähnelt der Parkinson-Demenz in einigen Punkten. Beide Krankheiten führen zu Problemen beim Denken und bei der Bewegung.

Es gibt jedoch zwei wichtige Unterschiede:

  • Bei der Parkinson-Demenz sammeln sich schädliche Proteine vor allem in einem bestimmten Bereich des Gehirns, der Substantia nigra. Bei der Lewy-Körperchen-Demenz befinden sie sich dagegen hauptsächlich in der Großhirnrinde.
  • Die Reihenfolge der Beschwerden ist unterschiedlich: Bei der Lewy-Körperchen-Demenz treten die Probleme mit dem Denken oft zuerst oder gleichzeitig mit den Bewegungsstörungen auf. Wenn eine Parkinson-Erkrankung vorliegt, kann sich im Krankheitsverlauf eine Demenz entwickeln.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Dr. berichtet über seine Erfahrungen mit der Tiefen Hirnstimulation (THS). Er unterstreicht, dass er die THS einschätzen konnte als das, was sie ist: eine lange dauernde, aber doch eigentlich kleine Operation. Nicht zu vergleichen mit jeder anderen neurochirurgischen Operation: Man muss nichts am Gehirn entfernen, nur zwei Drähte reinschieben.

Er benötigte 700 mg Levo-Dopa in 24 Stunden, in 4stündlichen Abständen über den Tag verteilt. Dazu noch 1 mg Rasagilin, 50 mg Ongentys und einen Dopaminagonisten in höherer Dosierung. Damit ging es gerade eben so. Es war klar: mit einer weiteren Medikamentenumstellung hätte man, wenn überhaupt, nicht mehr viel gewinnen können. Irgendwann ist die Medikamententherapie erschöpft.

Im Rückblick ist diese Operation ein Klacks gewesen, eine Kleinigkeit. Wer befürchtet, diese Operation würde einen Menschen in seiner Persönlichkeit verändern, den kann ich beruhigen.

Ergotherapie bei MS und Parkinson

Ergotherapie kann sowohl bei Multipler Sklerose (MS) als auch bei Parkinson eine wichtige Rolle spielen. Eine Ergotherapeutin berichtet von ihren Erfahrungen mit einer MS-Patientin, die ihre Einschränkungen überspielt und ins Lächerliche zieht. Sie betont die Schwierigkeit, in einer solchen Situation als Therapeutin zu agieren, da die Patientin ihr "Gesicht wahren" muss und sich nicht fallen lassen kann. Sie schlägt einen Therapeutenwechsel vor, um eine offenere und ehrlichere Kommunikation zu ermöglichen.

Im Zusammenhang mit Gleichgewichtsproblemen bei Parkinson-Patienten werden verschiedene Übungen und Hilfsmittel genannt, wie z.B. Balancierbretter, Airex-Balancepads und Trampoline. Wichtig ist dabei, den Patienten Sicherheit zu geben und die Übungen mit Humor anzugehen, um die Situation zu entkrampfen.

Amnestisches Syndrom

Ein amnestisches Syndrom (ICD-10: F04) kann als pathologischer Zustand definiert werden, in dem sich Gedächtnis und Lernen im Vergleich zu allen anderen kognitiven Funktionen bei einem wachen und kontaktbereiten Patienten als deutlich gestört erweisen (Victor et al. 1971). Im Gegensatz zum Delir fehlt die Bewusstseinstrübung, in Abgrenzung zur Demenz stehen die intellektuellen Einbußen nicht im Vordergrund, wenn sie überhaupt vorhanden sind.

Organische Amnesien können sowohl als klar umschriebene Leistungsstörung als Folge lokaler Schädigungen auftreten, oder aber auch als integraler Bestandteil eines komplexeren Ausfallmusters, etwa bei demenziellen Erkrankungen.

Während die Fähigkeit, neues Material zu lernen, erheblich reduziert ist, findet sich das kurzfristige Behalten beim amnestischen Syndrom nicht gestört. Dies führt dazu, dass die Patienten bei kurzzeitigen Merkaufgaben (z. B. Zahlennachsprechen) unauffällig abschneiden. Auch die im Langzeitgedächtnis bereits verlässlich etablierten Gedächtnisinhalte erweisen sich gegenüber der Schädigung oft als stabil.

tags: #parkinson #wesensveranderung #humor